Mit Bescheidenheit zu einem erfüllenden Leben

Adalbert Binder: Lebensqualität erschöpft sich nun einmal nicht im Konsum (Veranstaltung vom 19.11.2012)

Als Dank für seinen Vortrag erhielt Adalbert Binder die obligatorische Rose (Foto: Rolf Gebhardt)

Er ist mit seinen 77Jahren mit seinem Leben zufrieden und dankbar und mit seinem Gott im Reinen: Adalbert Binder referierte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus seine Gedanken und Überlegungen über den Sinn des Lebens: „Lebensqualität im Zeichen der Bescheidenheit“.

Seine Selbstsicherheit und Gelassenheit bezieht Binder insbesondere aus 25 Jahren Ehrenamt – eigene Bereicherung im bürgerschaftlichen Engagement. Nachdem er jahrzehntelang in seinem Berufsleben als Kaufmann für Lebensmittelkonzerne tätig war, fand er im Ruhestand einen befriedigenden Einstand in diverse Ehrenämter. So ist er seit sechs Jahren umtriebiger Vorsitzender des Vereins „Senioren für andere“, wo er sich auch als Sicherheitsbeauftragter und als stellvertretender Vorsitzender des klinischen Ethikkomitees in der „Initiative selbst bestimmen“ (Beratung über Patienten- und Vorsorgevollmacht) engagiert. Zudem ist er Mitglied im geschäftsführenden Ausschuss der „Stadt-Land-Partnerschaft“, einer Initiative im Evangelischen Bauernwerk Württemberg.

Ausgangspunkt für Binders kritische Hinterfragung der Lebensumstände ist seine Feststellung, dass sich unsere Gesellschaft dem Ziel gefügt hat, Wohlstand sei nur über unermüdliches Wachstum zu erhalten. „Durch eine unterstellte Unersättlichkeit werden ständig neue Bedürfnisse geweckt“, so Binder, und er folgert daraus: „Ein Bedürfnis, das eine Sehnsucht schafft, die sich wiederum nach neuen Sehnsüchten sehnt.“ So werde das fortwährende Shopping zu einem Bedürfnis, was die Frage aufwerfe: „Haben wir uns auf das Dasein als Konsument reduziert?“

Kritisch führt Binder an, dass durch einen kaum steuerbaren Konsumrausch allein bei Lebensmitteln bis zu 20 Prozent wegen Verfall oder Verderb weggeworfen werden. Diese summiere sich jährlich allein in Deutschland auf eine Menge von 20 Millionen Tonnen entsprechend rund 200 Euro pro Bundesbürger. Binder: „Wir verschwenden wertvolle Ressourcen, belasten die Umwelt mit Schadstoffen und werden paradoxerweise nicht reicher sondern ärmer.“

Als Konsequenz empfiehlt Binder daher, unser Verhalten kritisch zu hinterfragen und uns einzugestehen, dass unser Wachstum ein „Wachstum auf Pump“ ist: „Wir sind dabei, unsere eigene finanzielle Zukunft zu verpfände.“ Da liegt für Binder ein Blick auf die aktuelle Banken- und Staatsschuldenkrise nahe: Bei einem „weiter so wie bisher“ könne aus der Finanzkrise eine Systemkrise werden, die im Ausmaß alle unsere heutigen Vorstellungen überschreiten werde.

Man könnte nun resignieren angesichts der systemischen und weltweiten Verflechtungen, der Komplexität und der Globalisierung von Macht und Märkten sowie der Rasanz des technologischen Fortschritts, denn niemand kann allein die Welt verändern. Dennoch glaubt Binder daran, dass viele Einzelne einiges bewirken und  zumindest Anstöße für die Gesellschaft geben können. So könne es ein gangbarer Weg sein, sich der Verführung durch falsche Versprechungen zu versagen und durch Besinnung und Umorientierung den Zugang zur Bescheidenheit zu finden. Bescheidenheit bedeutet für Binder nicht nur „weniger Konsum“, sondern er versteht darunter eine Lebenshaltung, die geprägt ist von Toleranz und Zurückhaltung, aber auch von Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und Gelassenheit.

Jene Bescheidenheit in der Lebensführung sieht Binder als Alternative zur „Ökonomie des Genusses“ in einer ungehemmten Markt- und Konsumgesellschaft, die mehr Abgründe als Brücken in sich birgt. Lebensqualität im Zeichen der Bescheidenheit ist keineswegs ein Widerspruch in sieht, meint Binder, wenngleich Lebensqualität in den unterschiedlichen Kulturen und auch unter verschiedenen Lebensumständen anders definiert werden kann. Bescheidenheit und Genügsamkeit seien auch keine Missachtung der Wirtschaft als Grundlage menschlichen Handelns. Mit einer „Kultur des Genug“ und des Nein-Sagens zu grenzenlosem Wachstum durch Ausbeutung von Natur und Menschen – Stichworte: Massentierhaltung und Billiglohn(länder) – sage man Ja zu einer durch ökonomische, ökologische und soziale Gerechtigkeit geprägte Wirtschaftsweise.

Schließlich hat für Binder Bescheidenheit auch eine spirituelle Komponente, die neue geistige Horizonte eröffnen können, die auch Lebensqualität ausmachen. Unser Verstand und Wissen seien ja  begrenzt. Eine Möglichkeit der Rückkopplung findet sich für ihn in der Bibel. In ihr seien alle Werte dieser Welt versammelt, wenngleich oft verschlüsselt und auslegbar, aber voller Lebenswahrheiten.

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