Mit zunehmendem Alter leidet das Sehvermögen – Prof. Dr. Lutz Hesse informierte über Augen-Funktion und Sehstörungen

Veranstaltung vom 4. Februar 2013

Foto: Rolf Gebhardt

Prof. Dr. Lutz Hesse beim Vortrag im Hans-Rießer-Haus (Foto: Rolf Gebhardt)

Sehen ist das wichtigst Sinnessystem des Menschen zur Wahrnehmung der Umwelt und das komplizierteste überhaupt. Über das Sehorgan Auge und über altersbedingte Sehstörungen informierte der Chefarzt der Augenklinik Heilbronn, Prof. Dr. Lutz Hesse, die „Jungen Senioren“ im überfüllten großen Saal des Hans-Rießer-Hauses.

Jeder Christ kennt die biblische Geschichte vom ungläubigen Thomas: Er will die Erzählungen der anderen Jünger von der Erscheinung des auferstandenen Jesus nicht glauben, sondern er will ihn nicht nur selber sehen, sondern auch mit den Händen ertasten, dass es der Gekreuzigste ist, der vor ihm steht. Mit diesem Bild machte Prof. Hesse eingangs deutlich, dass mit der so großartigen menschlichen Gabe des Sehens auch berechtigte Zweifel verbunden sind, ob sie die Wirklichkeit tatsächlich real wider gibt.

Dass wir unseren Augen nicht immer trauen können, zeigt sich bei einer Fata Morgana (Luftspiegelungen in der Wüste) oder bei einer Unzahl von Fixierbildern und optischen Täuschungen. Zwei Parallelen erscheinen durch ein Strahlengitter gewölbt. Wir können Dinge erkennen, die es gar nicht geben kann. Das Sehen ist zwar für uns Abbild der Wirklichkeit, „doch wir sehen nicht, was wir sehen“, so Hesse.. Das liegt zum einen daran, dass wir nur drei Farben sehen können: rot, grün und blau. Doch die schier unendliche Farbenvielfalt, die wir sehen (oder auch anwenden), ist nur eine Verunsicherung bzw. Überlagerung dieser drei Grundfarben. Auch gibt es Farbfehlsichtigkeiten. Für Menschen mit Rot-Blindheit sind beispielsweise rote Tomaten schwarz. Farben sind durch Licht ausgelöste physiologisch-psychologische Gesichtsempfindungen.

Das alles liegt am Bau und der Funktion des Auges, das eigentlich mit einer Kamera vergleichbar ist. Es ist ein Organ zur Aufnahme von Lichtreizen. Von außen eindringende Lichtreize müssen erst lichtbrechende Schichten (Hornhaut, Kammerwasser, Linse, Glaskörper) durchdringen, bevor sie die eigentliche Sinneszellenschicht auf der Netzhaut (in der viele Millionen Lichtrezeptoren – Zapfen und Stäbchen – sitzen) erreichen, so Hesse. Wie die Linse eines Fotoapparates müssen sie die einfallende Strahlen so bündeln, das auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Das Netzhautbild ist ein spiegelbildliches, umgekehrtes Bild des betrachteten Objekts, demonstrierte Hesse. Die Brechkraft des Auges muss permanent variiert werden.

Wie bei allen Organen nimmt mit zunehmendem Alter auch die Leistungsfähigkeit der unzähligen Zellen im Auge ab. Dass 15 Prozent der über 60jähriegn nicht mehr in der Lage sind, etwa drei Seiten eines Buches hintereinander zu lesen, liegt laut Prof. Hesse jedoch nicht (immer) an den Augen, sondern am Lesevermögen, „denn Lesen ist der komplizierteste Vorgang, den wir im Leben lernen“, so die ruckartige Augenbewegung nach jeder Zeile. Wer nicht übt, kann verlernen, längere Texte zu lesen. Und: Wir lesen nicht Buchstaben für Buchstaben, sondern Wörter als Ganzes.

Die bekannteste altersbedingte Erkrankung der Augen ist der graue Star mit unterschiedlicher  Schwere der Eintrübungen. Das Auge wird nicht mehr mit ausreichenden Nährstoffen versorgt. Kontraste und Farben verblassen, das gesehene Bild verliert mehr und mehr an Schärfe. Grauer Star ist zwar die häufigste Erblindungsursache der Welt, doch gleichzeitig ist die Staroperation heute ein ambulanter Routineeingriff und laut Hesse „die häufigste und erfolgreichste Operation der Menschheit, die einzige, mit der sich der Alterungsprozess zurückdrehen lässt.“

Prof. Hesse empfiehl, im Alter regelmäßig vom Augenarzt den Augeninnendruck messen zu lassen, um eventuelle Sehnervenschädigungen im Hinblick auf den grünen Star (Glaukom): „Lässt sich im frühen Stadium mit Augentropfen gut behandelt, in schweren Fällen Operation unerlässlich.“ Die – trockene oder feuchte – altersbedingte Makuladegeneration (AMD) deutet sich an, wenn etwa die Schrift wellig erscheint. Auch hier gibt es erfolgreiche Operationsmöglichkeiten.

Hesses Schluss-Aussagen: Sehstörungen lassen sich noch hinnehmen, wenn man im Alltag damit zurecht kommt. Und: Augen zu schonen, ist nicht vonnöten. Augen können nicht überlastet werden; sie brennen höchstens und man wird müde, sie nehmen auch keinen Schaden, wenn man bei schlechtem Licht liest. Fernehen ist sogar gut für die Augen, und Bildschirmarbeit nicht verkehrt.

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