Archiv für den Tag 18. Februar 2013

Aus dem Noller-Haus ist das Kilianshaus geworden . . . und die Wirkungsstätte der Heilbronner Citykirche sowie des Weltladens

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Blickfang in der Kirchbrunnenstraße – das Kilianshaus (Foto: Archiv)

Einen doppelten „Blick hinter die Kulissen“ erlebten die „Jungen Senioren“ beim Besuch des Kilianshauses in der Kirchbrunnenstraße 32 in Heilbronn: Sie erhielten Informationen über das Pfarramt Citykirche Heilbronn und über den Weltladen Heilbronn.

Die meisten der über 80 Besucher/innen kannten das Kilianshaus noch als „Noller-Haus“, das jahrzehntelang eine der prominentesten Adressen der Heilbronner Innenstadt war. Die Institution „das Noller“ hatte begonnen mit einem Fisch-Restaurant am heutigen Insel-Café, ehe Gottlob Noller 1931 in der Kirchbrunnenstraße ein Kaffeehaus eröffnete, das dem Bombenangriff am 4. Dezember 1944 zum Opfer fiel. Nach dem Krieg wurde in einem Flachbau eine gastliche Stätte eingerichtet. 1957 erhielt das Haus weitgehend seine spätere Gestalt. 1969 übernahm der Sohn des Gründers, der 30jährige Konditormeister John Noller, die Regie und baute das Haus 1986 groß um, mit einer preiswürdigen Fassade. Im Jahr 2000 musste das renommierte Café jedoch schließen,weil die Kontrollbehörde die Küche als zu klein befand. Die Konditorei wurde noch bis Ende 2009 weiter geführt, bis John Noller und seine Frau Gerlinde in den Ruhestand traten.

Da bot sich für die Evangelische Kirche Heilbonn die einmalige Gelegenheit, direkt gegenüber der stattlichen Kilianskirche eine zentrale Wirkungsstätte zu etablieren. Für gut zwei Millionen Euro wurden die beiden Gebäudeteile des Hauses grundlegend umgebaut. Der bestehende Erker wurde ein die Neuplanung aufgenommen, die Fassade in Anlehnung an die Kilianskirche mit regionaltypischem hellem Sandstein ausgestaltet, versehen mit großen quadratischen und schmalen Fensteröffnungen, in denen sich die Kilianskirche spiegeln kann.

Im Kilianshaus hat nun auch das Pfarramt der Kiliansgemeinde seinen Sitz, da das alte Kiliansgemeindehaus an der Olgastraße – auch zum Zwecke der Mitfinanzierung des Kilianshauses – verkauft worden ist. Auf der gleichen Etage befindet sich das Pfarramt der Citykirche Heilbronn. Im zweiten Stock kommt man in die Sitzungsräume und den unterteilbaren Gemeindesaal der Kiliansgemeinde, der allerdings platzmäßig den Ansturm der „Jungen Senioren“ kaum fassen konnte. Im östlichen Teil des Untergeschosses hat der Weltladen – als Ankermieter – seinen Platz. Und ganz oben im Kilianshaus genießt der Ex-Hausbesitzer John Noller, der sich bei seiner früheren Kundschaft noch großer Beliebtheit erfreut, mit seiner Familie Wohnrecht auf Lebenszeit.

City-Pfarrerin Gunhild Riemenschneider freut sich, dass sie seit einem Jahr im Kilianshaus eine ständige und repräsentative Bleibe gefunden hat. Sie legt aber wert auf die Feststellung, dass das Interieur sehr nüchtern, schlicht und ohne Schnickschnack ausgestattet ist, aber hell, freundlich und raktisch. „Das ermöglicht eine gute atmosphärische Konzentration.“ Frau Riemenschneider, die sich bereits als Gemeindepfarrerin sowie als Hochschulseelsorgerin bewährt hat, sieht in ihrer Pfarrstelle „mitten in der Stadt und mitten in der Gesellschaft“ eine große Chance, Menschen, die der Kirche nicht „gebunden“ nahe stehen, zu erreichen.Spiritualität seht dabei für die Pfarrerin, die auch studierte Gestalttherapeutin, Meditationslehrerin und Supervisorin ist, ganz oben. So gibt es nicht nur im Kilianshaus Angebote (Leserkreis Publik Forum sowie diverse theologische und andere Kurse, sondern auch und erst recht in der gegenüberliegenden Kilianskirche: so jeden Dienstag und Donnerstag um 12.15 Uhr 15 Minuten „Atempause“ und zwischen 15 und 17 Uhr „Offene Tür“ für Gespräche, Seelsorge und Beratung. „Wir spüren, dass hierfür ein Bedarf besteht“, meint Riemenschneider, die betont, dass angesichts der insgesamt nachlassenden Kirchlichkeit – es gibt in Heilbonn seit Jahren mehr christliche Beerdigungen als Taufen – die Kirche kleiner und anders werden muss. Pfarrerin Riemenschneider ist zudem Vorsitzende der Evangelischen  Erwachsenenbildung Heilbronn und damit auch Mitglied im Beirat der „Jungen Senioren“.

Bärbel Sticher vom Team des Weltladens, der geleitet wird von Sabine Murthum, stellte die Konzeption des Heilbronner Weltladens vor. Er fungiert als Projekt der Jugendwerkstätten der Diakonischen Jugendhilfe und sieht sich wie die anderen 800 Weltläden in Deutschland als Fachgeschäft für fairen Handel in Kooperation mit der GEPA und anderen zertifizierten Einkaufsorganisationen, die die Partnerschaft mit Kleinerzeugern in der Dritten Welt fördern.