Die klingende Kilianskirche mit drei Orgeln – Kilianskantor Stefan Skobowsky begeistert beim Spiel mit Händen und Füßen

Veranstaltung vom 25. Februar 2013

Gallery with Organ in the Church Kilianskirche of Heilbronn - Germany, 2007, by J. Köhler (wikipedia commons)

Orgelempore der Kilianskirche (Foto: J. Köhler / wikipedia commons)

„Klingende Kilianskirche“. Nachdem eine solche Veranstaltung der „Jungen Senioren“ vor zwei Jahren mit dem Kilians-Kantor Stefan Skobowsky so gut angekommen war, gab es diesmal eine Wiederholung – als Ausweg, da ja das Hans-Rießer-Haus wegen des Flohmarkts im Zuge des Heilbronner Pferdemarkts besetzt war. „Teil II“ stand unter dem Psalm 150 („Alles was Odem hat, lobet den Herrn“), der anfängt mit „Lobet Gott in seinem Heiligtum, lobet ihn in der Feste seiner Macht.“ Und was wäre dazu besser geeignet für Gesang und Orgelspiel als Heilbronns Glanzstück, die Kilianskirche – wichtigster gotischer Sakralbau des württembergischen Unterlands.

Kirchenmusik ist nun mal ohne Orgel undenkbar. Und so spielte natürlich Orgel und Orgelmusik bei und in der „klingenden Kilianskirche“ die Hauptrolle, wieder bravouriös mit ansteckender fast jugendlicher Begeisterung vorgeführt von dem seit 2009 amtierenden 44jährigen Kilianorganisten  Skobowsky. Das Abendland machte mit dem im Orient schon in vorchristlicher Zeit bekannten Tasteninstrument erst Anfang des 8. Jahrhunderts Bekanntschaft, als eine Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers als Huldigung Karl dem Großen eine Orgel schenkte, berichtete Skobowsky. Die Orgel war früher eher ein Freiluft-Instrument, recht handlich und auf Pferdefuhrwerken transportierbar, eingesetzt bei Prozessionen und Theaterspielen. Laufende Verbesserungen und Erfindungen insbesondere im 14.und 15. Jahrhundert machten Orgeln immer kunstvoller und ermöglichten eine hochklassige Orgelmusik mit ihrer Hochblüte im 17. Jahrhundert.

Zuerst schritten die rund 80 Seniorinnen und Senioren durch das Mittelschiff in die Chorhalle hinter dem Altar, wo sie beim gemeinsamen Singen schnell spürten, wie hier die Töne nachhallen. Sie scharten sich dann am Südflügel um zwei Orgeln, die sonst nicht so im Mittelpunkt stehen: die 1965 gebaute und 1968 eingeweihte Rensch-Chororgel, an derem originellen Prospekt sich stilisiert der große Anfangsbuchstabe von Kilian erkennen lässt, und dann jenes eher unscheinbare Schmuckstück einer handgefertigten Truhenorgel. Dass sich in ihrem verzierten Holzgestell auch jede Menge Pfeifen verstecken, zeigte Skobowsky, als er Deckel und Seitenflügel öffnete. Und er machte gekonnt kund, dass auch eine so kleine Orgel, die meist als Begleitinstrument eingesetzt wird, durchaus kräftige Orgelmusik hervorbringt.

Orgel-Kunde für interessierte Laien war angesagt. Ein höchst kompliziertes Instrument. Dass die Orgelpfeifen durch Wind-Druck zum Klingen gebracht werden müssen, ist bekannt. So manche konnten sich noch erinnern, dass früher ein „Kalkant“ die Blasebälge treten musste. Heutzutage wird der Wind durch elektrisch betriebenes Gebläse erzeugt. Organist Stefan Skobowsky legte an der Chororgel los, ließ seine Hände über die Manualklaviatur fliegen und linkerhand die Register ziehen. Da wurde bald bemerkt, dass der seitlich-lässig auf der Orgelbank sitzende Organist seine Füße nicht zum Einsatz brachte. Bevor er dazu überging, erklärte er „fußgenau“ das Wesen der lang gezogenen Pedale mit kurzen Obertasten,  wie sie auf Fußspitzen- und Hacken-Einsatz reagieren und Melodien hervorbringen – so man es kann. Also entlockte Skobowsky dann mit Händen und Füßen, mit Manualen und Pedalen der Orgel unterschiedliche Klangfarben und Tonlagen.

Begonnen hatte Skobowsky mit einem Madrigal des eher unbekannten Johannes Buchner (1483-1538) und spielte dann ein paar Stücke an von Girolamo Frescobaldi 1583-1643), der über drei Jahrzehnte Organist an der Peterskirche in Rom war und die Spieltechnik der Orgel erheblich erweitert hatte. Skobowsky demonstrierte, wie der Hansestädter Dietrich Buxtehude (1637-1707) wohl die große Orgel der Marienkirche in Lübeck virtuos mit Pedalen bespielte. Nicht minder virtuose Klangelemente brachte Skobowsky bei einem Präludium in E-Moll des Nürnbergers Johann Pachelbel (1653-1706) zu Gehör. Und schließlich – als orgel- und kirchenmusikalische Krönung – durfte Johann Sebastian Bach (1685-1750)  nicht fehlen. Skobowsky spielte Stücke von Bach an, Präludien und Choräle, diesmal an der großen Orgel auf der Westempore. Diese Walcker-Orgel von 1959,  mit 62 Registern und über 4000 Pfeifen ausgestattet, erfüllt zwar auch nach mehrmaligen Renovierungen nicht alle Ansprüche, eignet sich aber dennoch gut für Orgelmusik aller Stilarten, nicht zuletzt zur empfehlenswerten „Stunde der Kirchenmusik“ und „Kirchenmusik zur Marktzeit“.

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