Archiv für den Monat Oktober 2013

Waldenser sind die älteste vorreformatorische Strömung – Erinnerung in Nordhausen an die leidvolle Geschichte einer Glaubensbewegung

Veranstaltung am 28. Oktober 2013

Waldenser

„Das Licht leuchtet in der Finsternis.“
Motto der Waldenser in der Kirche in Nordhausen. (Foto: Werner Weidenmann)

Kurz vor dem Reformationstag erschien es nicht ungeschickt, dass sich die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus mit der wohl ältesten vorreformatorischen Strömung des Mittelalters befassten – den Waldensern. Über diese europäische Glaubensbewegung mit ihren Spuren bis in Württemberg referierte Dr. Kay André Weidenmann aus Nordhausen, dem einzigen Waldenserort in der Region Heilbronn. Weidenmann ist zwar hauptberuflich als Diplom-Ingenieur am Institut für Technologie der Uni Karlsruhe Abteilungsleiter für Hybride Werkstoffe und Leichtbau sowie Privatdozent,doch auch aktiv im Verein Waldenserort Nordhausen (wo sein Vater Werner Weidenmann für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist) und in der Deutschen Waldenservereinigung.

Als Waldenser wurden die Anhänger von Petrus Waldes (bzw. Valdes) bezeichnet, ein 1218 geborener reicher Kaufmann aus Lyon, der nach einem Läuterungserlebnis sein Vermögen aufgab, um so zu leben, wie es Jesus von seinen Aposteln gefordert hat. Er lies sich wichtige Bibelteile von Latein in Französisch übersetzen und predigte darüber. Angesichts der Missstände in der Kirche gewann sein Armutsideal schnell zahlreiche Freunde, die jedoch im Gegensatz zu gleichzeitig entstandenen Ordensgemeinschaften alle „Erfindungen“ im Glaubensbereich einschließlich aller Kirchensatzungen und das Papsttum ablehnten, ebenso Heiligenverehrung, Fegefeuer und Ablass.

Diese Laienbewegung geriet zwangsläufig in Konflikt mit der amtlichen katholischen Kirche, so dass Valdes 1182/83 Predigtverbot erhielt, wegen Verweigerung vom Lyoner Erzbischof exkommuniziert und mit seinen Anhängern vertrieben wurde. Die als Ketzer gebrandmarkten „Armen von Lyon“ fanden Unterschlupf im südfranzösischen Languedoc und in der Lombardei, und in den folgenden 200 Jahren zogen Waldenser, die in jahrelanger Ausbildung mit volkssprachlichen Evangelien-Übersetzungen vertraut gemacht wurden, als Wanderprediger – „Barben“ – durch ganz Mitteleuropa, bis nach Pommern und Böhmen.

Bereits gegen Mitte des 13. Jahrhunderts begann die Verfolgung der „Häretiker“ durch die Inquisition. Waldensische Prediger mussten im Geheim wirken, waldensische Gemeinden im deutschen Sprachraum versandeten wieder. Gemeinschaften hielten sich vor allem in unzugänglichen Gebirgstälern der französisch-italienischen Alpen. 1532 schlossen sich die Waldenser in den Cottischen Alpen dem reformierten schweizerischen Bekenntnis an Ihre Glaubensfreiheit wurde aber immer wieder durch Vertreibung, Verfolgung bis hin zu Krieg und Genozid erschüttert – und schließlich 1689 die „glorreiche Rückkehr“ von 300 Überlebenden.

An die 3000 Waldenser französischer Herkunft, die die aus Piemont ausgewiesen wurden, fanden 1699/1700 Aufnahme in Südwestdeutschland und Nordhesssen. Der württembergische Herzog erlaubte Glaubensflüchtlingen Ansiedlung in abgelegenen, durch den 30jährigen Krieg menschenarme Grenzgegenden seines Herzogtums. So wurden 55 Familien mit über 200 Personen aus den Ursprungsgemeinden Usseaux, Mentoulles und Fenestrelle Grundstücke auf der Gemarkung zwischen den Orten Hausen und Nordheim zugeteilt, wenig zur Freude enteigneter Einheimischer. Es entstand jenes noch heute erkennbare Straßendorf mit Häusern und Scheunen und Obstgärten dahinter. Die Waldenser brachten Salatkartoffeln nach Württemberg, vier Jahrzehnte, bevor sie Eingang in Preußen fanden. Die Waldenser sprachen einen okzitanischen Dialekt, gepredigt wurde in ihrem 1821 eingeweihten „Tempel“ französisch, wie überhaupt die meisten Flurnamen im Katasteramt des heute zu Nordheim gehörenden Nordhausen, das bis ins 20. Jahrhundert konstant um die 300 Einwohner (heute gut 1500) zählte, noch auf französisch registriert sind. Wie andere Waldensersiedlungen (im Enzkreis) wurde auch die auf ihr reformiertes Bekenntnis stolze Nordhausener Waldensergemeinde in die lutherische Landeskirche Württembergs integriert und verlor so ihre religiösen und kulturellen Traditionen, nicht aber die Erinnerung.

Weidenmann, der anschaulich und lebendig Vergangenheit und Gegenwart der Waldenser schilderte, machte klar, dass es noch eine Waldenserkirche gibt, nämlich die italienische mit 30.000 Mitgliedern, davon die meisten um dem piemontesischen Gebirgsort Torre Pelice (mit kulturellen und sozialen Einrichtungen) sowie knapp 10.000 an der Rio-de-La Plata-Mündung in Südamerika.

„Ehrfurcht vor dem Leben“ gilt allumfassend – Pfarrer Häusinger über die Ethik des Kulturphilosophen Albert Schweitzer

JSHäusinger

Pfarrer Steven Häusinger beim Vortrag im Hans-Rießer-Haus (Foto: Rolf Gebhardt)

Albert Schweitzer ist eine weltbekannte honorige Persönlichkeit. Allzu leicht aber wird er als der gütige nette Urwalddoktor angetan. Steven Häusinger, ehemals Leiter der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein und jetzt Pfarrer der Heilbronner Wartberg-Kirchengemeinde, die kurz vor der Fusion mit der Nikolai-Gemeinde seht, vermittelte den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus einen neuen Zugang zum Lebenswerk Albert Schweitzers und verdeutlichte insbesondere seine Philosophie, die in der Ethik von der „Ehrfurcht vor dem Leben“ gipfelt.

Albert Schweitzer wurde am 14. Januar in Kaysersberg im Oberelsass geboren. Er studierte Theologie, promoviere und habilitiere sich an der theologischen Fakultät der Uni Straßburg. Gleichzeitig tat er sich als Organist und Bach-Interpret hervor. Sein bis dato glückliches und erfolgreiches Leben weckte in ihm den Wunsch, davon anderen weniger Glücklichen etwas abgeben zu können. Als Missionar war er aufgrund seiner Schriften (u.a. “Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“) nach herkömmlicher Missionsansicht nicht fromm genug, und so entschloss er sich zum Medizinstudium, um als Arzt in Afrika Hilfe leisten zu können, wie Häusinger erläuterte.

1913 reiste Albert Schweitzer mit seiner Frau Helen Breßlau, die sich bereits Meriten in der Sozialpolitik erworben hatte, nach Französisch Äquatorialafrika (heute Gabun) und begründete in Lambarene eine Krankenstation. Aus diesem Anlass, dem 100jährigen Bestehen von Lambarene, ist Albert Schweitzer in diesem Jahr wiederholt gedacht worden, und dafür erhielt er ja auch den Friedensnobelpreis 1952, den er vor 60 Jahren in Empfang nahm.

Angesichts des Kriegsbeginns, den er als Niedergang der Kulturen empfand, kam Albert Schweitzer 1914 auf einer Flussfahrt auf dem Ogowe in dieser tropischen Natur das Bewusstsein der „Ehrfurcht vor dem Leben“, was zum Ausdruck für seine Kulturphilosophie wurde. Pfarrer Häusinger verstand es, diese nicht ganz unkomplizierte Ethik Schweitzers den „Jungen Senioren“ theoretisch und an Hand von praktischen Umsetzungen und Lebensweisheiten anschaulich nahezubringen.

Quintessenz dieser Ethik ist für Häusinger jenes „Wort an die Menschheit“, das Albert Schweitzer als 90jähriger 1965 wenige Monate vor seinem Tod auf Tonband verkündet  hat und das schriftlich um die Welt ging. Darin heißt es eingangs. „Ich rufe die Menschheit auf zur Ehrfurcht vor dem Leben. Diese Ethik macht keinen Unterschied zwischen wertvollerem und weniger wertvollem, höherem und niederem Leben.“ In dem Aufruf wird auch „Leben erhalten und fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert bringen“ als „das absolute und denknotwendige Grundprinzip des Sittlichen“ hervorgehoben.

„Ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben, das leben will.“.Dieser Satz macht laut Häusinger das Kernstück von Schweitzers Philosophie aus. Es sei dies als Ermutigung für Menschen jedweder Kultur und Religiosität zu verstehen, sich seiner selbst und seines Gewissens gewiss zu sein und gleichzeitig jwahrzunehmen, dass sich Menschen beim Nachdenken über sich selbst und ihre Grenzen wechselseitig als Geschwister sehen, die über sich selbst und ihre Grenzen nachdenken. Es gehe darum, in der Erkenntnis der Ehrfurcht vor dem Leben zur Erkenntnis des Miterlebens und Mitleidens zu gelangen. Schweitzers Ehrfurcht erstreckt sich auch auf die kleinsten tierischen  Lebewesen. Da die Kreatur wahllos dem Menschen ausgeliefert sei, bedürften Tiere der Schonung. Jedes notwendige Töten sei Grund zu Trauer und Schuld, weshalb Schweitzer auch in seinen  letzten Jahren Vegetarier wurde, wenngleich kein missionarischer oder militanter.

Albert Schweitzer wird immer wieder als einer der größten spirituellen Persönlichkeiten unserer Zeit gewürdigt. Eine diesjährige Allensbach-Umfrage sieht ihn an fünfter Stelle der wichtigsten Vorbilder, wenngleich Alberst Schweitzer sich immer dagegen verwahrte, als Vorbild zu gelten. Nichtsdestoweniger war er in den 50er und 60er Jahren eine anerkannte moralische Instanz.

Aufgrund seiner welt- und lebensbejahenden Ethik, die darauf zielte, dass man sich stets der Folgen seines Tuns bewusst sein sollte, positionierte er sich schließlich auch politisch. Gedrängt von Albert Einstein und Otto Hahn engagierte er sich mit seiner Autorität gegen  „das unsinnige Wettrüsten in Atomwaffen“ und gegen Krieg, „weil er uns der Unmenschlichkeit schuldig werden lässt.“

Die Neugier ist dem Menschen angeboren….und sollte bis ins hohe Alter gestärkt werden, so Prof. Daniel Zimprich.

Veranstaltung vom 14. Oktober 2013

JS14-10-2013

Ein volles Hans-Rießer-Haus zur Eröffnung der neuen Reihe der „Jungen Senioren“ (Foto: Rolf Gebhardt)

Neugierig auf die neue Programmreihe 2012/14 der „Jungen Senioren Heilbronn“ waren rund 120 Zuhörer/innen ins Hans-Rießer-Haus gekommen, um die Startveranstaltung zum 25jährigen Bestehen dieser Institution zu erleben – vor der Kulisse einer Sonderausstellung der Diakonie mit einem Dutzend Info-Wänden über Probleme, Anliegen und Ziele unserer alternden Gesellschaft. In der Begrüßung würdigte der evangelische Heilbronner Dekan Otto Friedrich das im Herbst 1988 entwickelte und erfolgreich fortgeführte Format einer Art „Senioren-Akademie“, deren Angebot und Anspruch deutlich über das hinausgehe, was üblicherweise der älteren Generation zugemutet werde – und das mit großer Resonanz und Nachhaltigkeit Der Heilbronner Kulturbürgermeister Harry Mergel lobte in einem Grußwort das anspruchsvolle Bildungsprogramm der „Jungen Senioren“, das zudem auch mit der Möglichkeit von Begegnungen und Gesprächsaustausch am Kaffeetisch der drohenden neuen Altersvolkskrankheit Einsamkeit entgegenwirke. Hier werde für Heilbronner Senioren eine wichtiges Forum zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben geboten.

Zu dieser Prämisse passte das Thema des ersten Nachmittags: „Rettet die Neugier im Alter“, das der Referent Prof. Dr. Daniel Zimprich von der Uni Ulm als „eine entwicklungspsychologische Anstiftung“ verstand. Neugier ist – obwohl allgegenwärtig – nach Erkenntnis des Gerontologen und Entwicklungspsychologen ein stiefmütterlicher Forschungsbereich, den er mit der Darstellung zahlreicher Test- und Vergleichsuntersuchungen aus dem Schattendasein herauszuholen versuchte. Da Neugier oft mit Schaulust und Sensationsgier gleichgesetzt werde, sprach er von der Janusköpfigkeit der Neugier, der schlechten und der guten , der Curiositas und der Studiositas, und er zeigte im Diagramm unterschiedliche Determinanten der Neugier auf.

Ist Neugier ein Trieb, der einen unangenehmen Zustand – Erregung – auslöst und der beseitigt werden muss? Wird Neugier – wie Angst – durch die Umwelt induziert? Aus psychologischer Sicht, so der Professor, werde Neugier als Inkongruenz zwischen Erwartung und Erfahrung betrachtet,.als menschliches Streben, die Welt zu verstehen. Neugier resultiere aus Informationslücken, zu deren Wahrnehmung jedoch Vorwissen vonnöten sei. Nach US-amerikanischen Studien sei Neugier ein Persönlichkeitsmerkmal, zeitlich überdauernd, situationsübergreifend, Offenheit für neue Erfahrungen und typisches intellektuelles Interesse beinhaltend. Nachgewiesenermaßen nehme Neugier für die Schulleistung den gleich hohen Rang ein wie Intelligenz. Neugier, so Zimprich, habe also positive Auswirkungen auf Schulleistung und Persönlichkeitsbildung. Da Neugier ein typisch intellektuelles Engagement beinhalte, korreliere dies auch mit Erfindungsreichtum. Da blieb es nicht aus, dass Prof. Zimprich an die Zuhörerschaft appelliert, offen zu sein für neue Erfahrungen, auch wenn diese Tendenz im höheren Alter abnimmt. Neugier werde vor allem hervorgerufen durch Unerwartetes, Überraschendes oder Paradoxes. Um Neugier zu wecken und zu stärken, solle man den Vorrat an Vorwissen aufstocken. Auch im fortgeschrittenen Alter – „die Menschen werden immer älter und bleiben länger gesund“ könne man sich im Sinne lebenslangem Lernens fortbilden. Man solle viel lesen und möglichst auch recherchieren, ob herkömmlich im Brockhaus oder heute noch besser über neue Medien, im Internet, etwa bei Wikipedia.

Und bei Wikipedia findet man unter dem Begriff Neugier als erste Erklärung: „Neugier ist das als Reiz auftretende Verlangen, Neues zu erfahren und insbesondere Verborgenes kennenzulernen.“So wurde auch in der Diskussion erörtert, dass der Mensch mit Neugier auf die Welt kommt, dass die Neugierde, die Welt zur erforschen und zu verstehen, uns angeboren ist und deshalb wohl auch bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Dieser natürliche Drang werde auch von der Konsumwirtschaft über die Werbung ausgenutzt, mit immer raffinierteren Methoden. Dem Neugier-Prinzip entspreche andererseits auch der Aufbau von Kriminalromanen, in dem der Leser mit einem Spannungsbogen bis zuletzt gefesselt werde, um schließlich die Lösung zu erfahren – wie ja auch bei Rätseln. Prof. Zimprich konnte da die ältere Generation nur ermuntern, wach und offen zu bleiben und am besten mit Gleichgesinnten und in Gemeinschaft sich um Neues zu bemühen – wie im Forum der „Jungen Senioren“, deren Wahlspruch ja heißt „Wissenswertes weitergeben“.

25 Jahre „Junge Senioren Heilbronn“

Anspruchsvolles Bildungsprogramm für Menschen jenseits des Berufslebens

Die „Jungen Senioren Heilbronn“ können zu Beginn der neuen Veranstaltungsreihe 2013/14 auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Es war Lothar Späth, der eigentlich Pate stand für die Gründung. Auf einem Demografie-Kongress 1988 in Stuttgart betonte der baden-württembergische Ministerpräsident den demografischen Wandel und forderte Konsequenzen aus dieser Entwicklung. Als Vorstandsmitglied des Kreisseniorenrats Heilbronn fühlte ich mich angesprochen, insbesondere aufgrund der Tatsache, dass damals bei vielen Unternehmen eine Welle der Frühverrentung lief. Da wurden viele Menschen vom Arbeitsprozess freigestellt, die noch nicht das 60.Lebensjahr erreicht hatten, die berufserfahren, leistungsfähig und gesund waren und plötzlich aus dem Erwerbsleben ausgeschieden (worden) waren, eine entscheidende Lebensbasis verloren hatten. Eine neue Herausforderung für alle Institutionen, die mit Altenarbeit befasst waren, neue Formen für diese „jungen Alten“ zu finden und anzubieten.

Wir in Heilbronn entschieden uns für die Bildung eines neuen Programms, das Bildungsangebot mit Begegnungsmöglichkeiten verbinden sollte. Uns schwebte eine Art „Senioren-Akademie“ vor, doch da dieser Name schon besetzt war, einigten wir uns auf den Begriff „Junge Senioren“. Mit Schwung machten wir uns an die Arbeit. Zu den Pionieren gehörten Pfarrer Pfister und seine in der Evangelischen Frauenarbeit engagierte Frau Elisabeth, die noch heute dabei ist, Dr. Bauspieß und Frau, Landgerichtspräsident Lindenmaier, Gymnasialdirektor Harsch und nicht zuletzt Dekan Gerhard Simpfendörfer, der bald darauf auch Vorsitzender des Kreisseniorenrats wurde und mit das Seniorenbüro und „Verein Senioren für andere“ aus der Taufe hob. Neben dem Diakonischen Werk kamen die Evangelische Frauenarbeit und die Evangelische Erwachsenenbildung mit ins Boot. Allerdings war uns von Anfang an klar, dass es keine evangelisch-kirchliche Einrichtung sein sollte, sondern dass das Angebot offen stehen solle für „junge Senioren“. Ein Beirat kümmert sich um die Ausgestaltung des Programms – ein Angebot über das „Winterhalbjahr“ von Mitte Oktober bis zumindest Ende April. Durchweg an jedem Montag eine Veranstaltung um 14.30 Uhr im Hans-Rießer-Haus mit einem knapp einstündigen Vortrag, dann Kaffeepause, um ins Gespräch zu kommen, und danach Diskussion mit dem Referenten. Zur Deckung der Kosten für Referenten sowie für Kaffee und Gebäck wurde und wird jeweils ein Eintrittsbeitrag erhoben.

Im Oktober 1988 fand also die erste Veranstaltung der „Jungen Senioren Heilbronn“ statt. Schon der erste Nachmittag bestätigte uns, was wir erhofft hatten: Viele „Senioren“ und auch bekannte Personen aus Kirche und Gesellschaft waren zu der Veranstaltung ins Hans-Rießer-Haus gekommen und bestärkten uns, mit unserem Programm auf einem richtigen Weg zu sein. Viele Referenten, die mal bei uns waren, zeigten sich gerne bereit, ein nächstes Mal wieder mit einem anderen Thema anzutreten. Und auch die Honorarwünsche hielten sich durchweg im Rahmen. Mitunter verzichten sie auf ein festes Honorar, und die „Entlohnung“ erfolgt dann mit einem Buchgutschein oder einem Weinpräsent,,und traditionellerweise bekommt jeder Referent auf jeden Fall ein Rose als symbolische Geste des Dankes. In den ersten Jahren hatten wir pro Veranstaltung durchschnittlich 30 bis 40Besucher,nach zehn Jahren 40 bis 60 Besucher und in den letzten fünf Jahren hatten wir durchschnittlich jeden Nachmittag 70 bis 90 Besucher, bei besonderen „Ausreißern“ – etwa einem allgemein interessierenden wichtigen Gesundheitsthema – auch schon um die 150, womit wir platz- und organisationsmäßig wirklich an Grenzen stießen. Natürlich freuen wir uns, dass sich ein besonders treuer Stamm von vielleicht zwei Dutzend Besuchern eingestellt hat, für die es einfach zum Wochenverlauf gehört, bei den „Jungen Senioren“ zu seine; mitunter haben sich durch solche Begegnungen auch Freundschaften ergeben. Generell aber dürfte das Thema entscheidend sein. Zweimal müssen wir allerdings ausweichen aus dem großen Hans-Rießer-Saal, wenn im Hans-Rießer-Haus im Rahmen des Heilbronner Pferdemarktes ein großer Flohmarkt vorbereitet und abgehalten wird. Dann laden wir zu Exkursionen und Besichtigungen ein, in etwa in Museen oder Kirchen oder auch in der Natur. Das Jahresprogramm wird in einem weit verbreiteten Flyer bekanntgegeben, jedesmal vorher auch in der „Heilbronner Stimme“ mit einem kurzen Ankündigungstext und im Terminkalender bekannt gegeben. Seit Jahren bieten wir auch den besonderen Service, dass über alle Veranstaltungen auf unserer Homepage „www-junge-senioren-heilbronn.de“ ein jeweils gleich langer Bericht mit einem Referenten oder einem thematischen Bild eingestellt wird. Gelegentlich wird ein solcher Bericht auch in der „Heilbronner Stimme“ auf der Seniorenseite veröffentlicht. Zu Beginn des neuen Semesters erscheint eine Broschüre mit den zusammengefassten Berichten über die Veranstaltungen des vorangegangenen Programms nebst Vorschau. So verfügen wir über eine ansehnliche Dokumentation der Veranstaltungen und Themen, auf die immer wieder gerne zurück gegriffen wird. Nicht zuletzt deswegen wird uns „Jungen Senioren“ von kompetenter Seite – von Bildungsforschern– bescheinigt, dass wir ein anspruchsvolles Programm bieten und in punkto Erwachsenenbildung für Senioren in Deutschland eine Spitzenposition einnehmen.

Richard Siemiatkowski-Werner                                                                                                     Stellv. Geschäftsführer / Leiter Altenarbeit, Diakonisches Werk Heilbronn