Die Neugier ist dem Menschen angeboren….und sollte bis ins hohe Alter gestärkt werden, so Prof. Daniel Zimprich.

Veranstaltung vom 14. Oktober 2013

JS14-10-2013

Ein volles Hans-Rießer-Haus zur Eröffnung der neuen Reihe der „Jungen Senioren“ (Foto: Rolf Gebhardt)

Neugierig auf die neue Programmreihe 2012/14 der „Jungen Senioren Heilbronn“ waren rund 120 Zuhörer/innen ins Hans-Rießer-Haus gekommen, um die Startveranstaltung zum 25jährigen Bestehen dieser Institution zu erleben – vor der Kulisse einer Sonderausstellung der Diakonie mit einem Dutzend Info-Wänden über Probleme, Anliegen und Ziele unserer alternden Gesellschaft. In der Begrüßung würdigte der evangelische Heilbronner Dekan Otto Friedrich das im Herbst 1988 entwickelte und erfolgreich fortgeführte Format einer Art „Senioren-Akademie“, deren Angebot und Anspruch deutlich über das hinausgehe, was üblicherweise der älteren Generation zugemutet werde – und das mit großer Resonanz und Nachhaltigkeit Der Heilbronner Kulturbürgermeister Harry Mergel lobte in einem Grußwort das anspruchsvolle Bildungsprogramm der „Jungen Senioren“, das zudem auch mit der Möglichkeit von Begegnungen und Gesprächsaustausch am Kaffeetisch der drohenden neuen Altersvolkskrankheit Einsamkeit entgegenwirke. Hier werde für Heilbronner Senioren eine wichtiges Forum zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben geboten.

Zu dieser Prämisse passte das Thema des ersten Nachmittags: „Rettet die Neugier im Alter“, das der Referent Prof. Dr. Daniel Zimprich von der Uni Ulm als „eine entwicklungspsychologische Anstiftung“ verstand. Neugier ist – obwohl allgegenwärtig – nach Erkenntnis des Gerontologen und Entwicklungspsychologen ein stiefmütterlicher Forschungsbereich, den er mit der Darstellung zahlreicher Test- und Vergleichsuntersuchungen aus dem Schattendasein herauszuholen versuchte. Da Neugier oft mit Schaulust und Sensationsgier gleichgesetzt werde, sprach er von der Janusköpfigkeit der Neugier, der schlechten und der guten , der Curiositas und der Studiositas, und er zeigte im Diagramm unterschiedliche Determinanten der Neugier auf.

Ist Neugier ein Trieb, der einen unangenehmen Zustand – Erregung – auslöst und der beseitigt werden muss? Wird Neugier – wie Angst – durch die Umwelt induziert? Aus psychologischer Sicht, so der Professor, werde Neugier als Inkongruenz zwischen Erwartung und Erfahrung betrachtet,.als menschliches Streben, die Welt zu verstehen. Neugier resultiere aus Informationslücken, zu deren Wahrnehmung jedoch Vorwissen vonnöten sei. Nach US-amerikanischen Studien sei Neugier ein Persönlichkeitsmerkmal, zeitlich überdauernd, situationsübergreifend, Offenheit für neue Erfahrungen und typisches intellektuelles Interesse beinhaltend. Nachgewiesenermaßen nehme Neugier für die Schulleistung den gleich hohen Rang ein wie Intelligenz. Neugier, so Zimprich, habe also positive Auswirkungen auf Schulleistung und Persönlichkeitsbildung. Da Neugier ein typisch intellektuelles Engagement beinhalte, korreliere dies auch mit Erfindungsreichtum. Da blieb es nicht aus, dass Prof. Zimprich an die Zuhörerschaft appelliert, offen zu sein für neue Erfahrungen, auch wenn diese Tendenz im höheren Alter abnimmt. Neugier werde vor allem hervorgerufen durch Unerwartetes, Überraschendes oder Paradoxes. Um Neugier zu wecken und zu stärken, solle man den Vorrat an Vorwissen aufstocken. Auch im fortgeschrittenen Alter – „die Menschen werden immer älter und bleiben länger gesund“ könne man sich im Sinne lebenslangem Lernens fortbilden. Man solle viel lesen und möglichst auch recherchieren, ob herkömmlich im Brockhaus oder heute noch besser über neue Medien, im Internet, etwa bei Wikipedia.

Und bei Wikipedia findet man unter dem Begriff Neugier als erste Erklärung: „Neugier ist das als Reiz auftretende Verlangen, Neues zu erfahren und insbesondere Verborgenes kennenzulernen.“So wurde auch in der Diskussion erörtert, dass der Mensch mit Neugier auf die Welt kommt, dass die Neugierde, die Welt zur erforschen und zu verstehen, uns angeboren ist und deshalb wohl auch bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Dieser natürliche Drang werde auch von der Konsumwirtschaft über die Werbung ausgenutzt, mit immer raffinierteren Methoden. Dem Neugier-Prinzip entspreche andererseits auch der Aufbau von Kriminalromanen, in dem der Leser mit einem Spannungsbogen bis zuletzt gefesselt werde, um schließlich die Lösung zu erfahren – wie ja auch bei Rätseln. Prof. Zimprich konnte da die ältere Generation nur ermuntern, wach und offen zu bleiben und am besten mit Gleichgesinnten und in Gemeinschaft sich um Neues zu bemühen – wie im Forum der „Jungen Senioren“, deren Wahlspruch ja heißt „Wissenswertes weitergeben“.

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