Wirtschaftliche Vorgaben auch für Krankenhäuser – Klinik-Direktor Dieter Bopp informierte über den Wandel im Gesundheitswesen

Veranstaltung am 9. Dezember 2013

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Klinikdirektor a.D. Dieter Bopp (Foto: Rolf Gebhardt)

Die Gesundheit ist unser höchstes Gut, heißt es immer wieder. Doch die „Jungen Senioren“, die alle so ihr Erfahrungen mit Ärzten und wohl auch mit Krankheiten und Krankenhäusern haben, müssen zur Kenntnis nehmen, dass auch das Gesundheits- und Krankenhauswesen wirtschaftliche Vorgaben berücksichtigen muss. Diese Erkenntnis vermittelte im Hans-Rießer-Haus Klinikdirektor a.D. Dieter Bopp, Diplom-Verwaltungswirt, der 38 Jahre lang Führungsverantwortlicher in Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen war, schwerpunktmäßig Geschäftsführer der Klinik-Löwenstein, aber auch für die Orthopädische Klinik Markgröningen sowie für die Häuser in Öhringen und Künzelsau.
Gerade die Krankenhäusern im Hohenlohekreis gehören zu den ältesten in Deutschland. Das Öhringer ist 100 Jahre und das in Künzelsau gar 112 Jahre alt, berichtete Bopp. Krankenhäuser kamen erst um 1900 auf, wobei die Bismarckschen Reichsgesetze aus dem Jahr 1882 über die Krankenversicherung der Arbeiter die Grundlage bildete. In den 300 Jahren vorher gab es lediglich Siechenhäuser für Arme mit ansteckenden Krankheiten sowie Seelhäuser für Kranke. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Krankenhaus zum Ort der Behandlung und Pflege aller kranken Menschen, , während früher die Bessergestellten medizinisch zuhause versorgt und gepflegt wurden. Heute, so Bopp, „erhält bei uns in Deutschland jeder Obdachlose und/oder Millionär eine im Prinzip gleich gute ärztliche und auch stationäre Krankenhausversorgung.“ Die Patienten müssten sich darauf verlassen können, nach neuestem medizinischem Standard bei bester Qualität behandelt zu werden.
Gut elf Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung entfällt heute auf das Gesundheitswesen, das nach Bopps Angaben einen Markt im Jahresvolumen von 180 Milliarden € darstellt, wobei 65 Milliarden € von den Krankenhäusern absorbiert werden. Nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz von 1972 sollten der Krankenhausbetrieb, also die Personal- und Sachkosten, von den Krankenkassen finanziert werden, die Investitionskosten von den Ländern. Das habe dazu geführt, dass es in allen Bundesländern Investitionsstaus gibt, denn die Länder steuern über Einzelförderungen die Krankenhaus-Standorte. In Baden-Württemberg sind in diesem Jahr die Landesmittel für Krankenhäuser ¨C durch Aufgabe der Pflegeheim-Finanzierung ¨C um 65 auf 235 Millionen € aufgestockt worden. Auch die SLK-Kliniken haben hieraus Gelder für ihre Neubauten erhalten.
Bopp wies darauf hin, dass trotz einer nachholenden Finanzierungsspritze des Bundes in Höhe von 1,1 Milliarden € für Krankenhäuser derzeit die Hälfte der Kliniken mit roten Zahlen arbeite. Auch die Klinik Löwenstein habe 20012 erstmals einen Verlust verzeichnet, die SLK-Kliniken zwar noch einen Gewinn von ein Million €, „bescheiden bei 280 Millionen € Umsatz“. Bopp geht davon aus, dass die Zahl der Krankenhäuser von derzeit 205 in den nächsten Jahren deutlich weiter zurück geht. Für Schließungsmaßnahmen seien im neuen Koalitionsvertrag 500 Millionen € vorgesehen. Der Trend gehe hin zu „Spezialisierung bei hoher Qualität“. Zudem gebe es vermehrt Ausgliederungen in GmbH`s, möglich geworden aus Überführung von Eigenbetrieben, was Bopp auch aus seiner langjährigen Tätigkeit als Gemeinderat und Stadtrat miterlebt hat.
Ein wichtiges Element im Krankenhauswesen sei das vor zehn Jahr eingeführte DRG-System, die Fallpauschalen, was wohl auch dazu geführt habe, dass es in Deutschland die meisten Knie- und Hüft-Operationen gebe. Man müsse davon ausgehen, dass sie medizinisch notwendig sind. Auch wenn eine RWI-Studie davon spreche, dass 60 Prozent der Deutschen kein Vertrauen in die Krankenhausversorgung hätte, nehme Deutschland mit 240 Klinikaufenthalten pro 1000 Einwohner eine Spitzenposition ein, ebenso in der Bettenzahl mit 8,3 pro 1000 Einwohner.
Bopp, der ins seiner Berufszeit praktisch jedes Jahr eine Gesundheitsreform erlebt hat, erwartet eine weitere Verzahnung von stationärer-, haus- und fachärztlicher Versorgung mit einer Zunahme von medizinischen Versorgungszentren (Ärztehäusern). Nichtsdestoweniger möchte er die Funktion der Hausärzte als Lotsen für Fachärzte und Krankenhäusern gestärkt sehen. Er selbst setzt sich regional vehement ein für ein für eine ausreichende Ärzteversorgung auf dem Land, wobei er auf erste persönliche Erfolge bei Praxisnachbesetzungen verweisen konnte.

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