Archiv für den Monat Februar 2014

Der Orgelbau hatte im Barock seine Blütezeit – Christuskirche-Kantor Braunwarth macht das Tasteninstrument lebendig

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Hans-Martin Braunwarth (Foto: Rolf Gebhardt)

Bei den „Jungen Senioren“ ist es Gepflogenheit, dass in den Zeiten des Heilbronner Pferdemarktes das Hans-Rießer-Haus wegen des gleichzeitig stattfindenden großen Flohmarkts – mit Auf- und Abbau – nicht genutzt werden kann, so dass ein Ausweg gefunden muss. Traf man sich in den letzten beiden Jahren in der Kilianskirche, so diesmal bei der Ev. Südgemeinde Heilbronn.

In dem 1957 entstandenen Südgemeindehaus referierte Kantor Hans-Martin Braunwart über Orgeln und Orgelbau in der Reichsstadt Heilbronn und Württemberg vom 18.Jahrhundert bis heute. Und nach der Kaffeepause informierte er über die Restaurierung der Orgel der Christuskirche und gab anschließend in der Christuskirche – nach weiteren Informationen – an der Orgel Beispiele ihres Wohlklangs (und seiner Spielkunst) mit Werken von zwei weniger bekannten Komponisten aus der Romantik (ein ruhigeres und sanftes Stück) und der Klassik (kräftig und volltönend).

Die Orgel, die heute ganz selbstverständlich in den Gottesdiensten den Gesang der Gemeinde begleitet und auch liturgisch eingesetzt wird, hat ihren Ursprung in der Antike, in der orgelähnliche Instrumente eher der Kampfmusik dienten. Im 8./9. Jahrhundert gelangte die Orgel aus Byzanz nach Mitteleuropa, wurde hier im 14./15.Jahrhundert mit verschiedenen Registern und den einzelnen Werken eingerichtet. Der Orgelbau erlebte sein Blütezeit im Barock, als u.a. Buxtehude und Bach für das Tasteninstrument komponierten.Am bekanntesten ist wohl die Orgelbau-Familie Silbermann mit dem Anfang des 18.Jahrhunderts in Straßburg tätigen Andreas Silbermann und seinem Bruder Gottfried Silbermann, der im sächsischen Freiberg für die Orgelbaugeschichte wichtig wurde.

Braunwart, der selbst das Orgelbau-Handwerk in Ulm erlernte und nach dem Studium der Kirchenmusik seit 2010 Kantor an der Christuskirche ist, aber auch Orgelsachverständiger der Landeskirche, stellte er heraus, dass Württemberg auch zu den maßgeblichen Wegbereitern der Orgelbaukunst zählt. Er nannte insbesondere die 1920 in Ludwigsburg gegründete Walcker-Orgelfirma, die bis heute an die 6000 Werke gebaut hat. Doch schon in der Barockzeit gab es einen bedeutenden Orgelbau, ausgehend von Heilbronn, wo Johann Michael Schmahl (1654-1725) mindestens 15 Orgeln baute, u.a. im Heilbonner Deutschordensmünster, in Schwaigern, Waldbach und Brackenheim. Während zwei seiner Söhne – Johannes Friedrich Schmahl (1693-1737) und Johann Adam Schmahl (1704-1757) – die Orgelbau-Tradition in Heilbronn fortsetzten, verdingte sich ein anderer Sohn, Georg Friedrich Schmahl (1700-1773), am Ulmer Münster bei Umbau und Erweiterung der Großorgel und baute noch 45 neue Orgeln, so an der Ludwigsburger Schlosskirche (1747/48) und in der Klosterkirche Roggenburg (1761).

Was die Orgel in der Christuskirche der Südgemeinde betrifft, so wurde sie in den Jahren 193-65 von der Orgelbaufirma Rentsch in Lauffen als Schleifladenorgel mit mechanischen Spiel- und Registertrakturen erbaut. Die Christuskirche selbst kann auf eine 50jährige Geschichte zurückblicken. Sie entstand an der Stelle einer 1925 erbauten Holzkirche, die 35 Jahre ihren Dienst tat und sogar das ausgebombte Heilbronn überstand und als Südkirche nach dem Krieg zum Teil für andere Gemeinden auch Anlaufstätte war, bis sie 1960 aufgegeben werden musste.

Wie Braunwarth darlegte, zeigte die qualitätvolle Christuskirche-Orgel allmählich starke Abnutzungserscheinungen im technischen Bereich des Spieltischs. Symptome der Abnutzung zeigten sich in einer schwergängigen und zähen Spielart und verkanteten Mechanikteilen, die sich immer wieder durch Dauertöne bemerkbar machten. So war 2012 eine grundlegende Orgel-Restaurierung mit Instandsetzungen und Umbauten notwendig, die von der Orgelmanufaktur Link aus Giengen an der Brenz ausgeführt wurden. Braunwarth dokumentierte in Wort und Bild, wie Teile der Orgel mussten gereinigt und neu justiert, der Spieltisch neu gebaut und das ganze Werk nachintoniert und neu gestimmt werden mussten. Nunmehr präsentiert sich die Orgel als eindrucksvolles Gesamtwerk, das sich insbesondere bei nachmittäglicher Sonneneinstrahlung durch die bunten Kirchenfenster in in einem großartigem Farbkaleidoskop darbietet. Auf drei Manualen und Pedal sorgen 32 klingende Register mit insgesamt 2400 Orgelpfeifen in ganz unterschiedlicher Form und Größe für den stimmigen Gesamtklang wohltönender Orgelmusik.

Eine Großbäckerei ohne fertige Backmischungen – Besichtigung der Holzofenbäckerei Mitterer mit handwerklicher Backkultur

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In der Bäckerei Mitterer (Foto: Rolf Gebhardt)

Nachdem eine Woche zuvor die „Jungen Senioren“ in Hans-Rießer-Haus vom Seniorchef des Bäckerei-Filialisten Härdtner, Rolf Härdtner, mit dessen Vorstellungen von nachhaltigem Lebensstil und gesunder Ernährung vertraut gemacht wurden, lernten sie jetzt eine moderne Großbäckerei kennen, die sich nach wie vor dem traditionellen Backwesen und der Handarbeit verpflichtet fühlt.

Schauplatz: Die Holzofenbäckerei und Konditorei der Mitterer GmbH in Heilbronn-Sontheim, die Härdtner 1986 übernommen hatte. Hier bekamen die ca. 100 Besucher/innen auch einen Eindruck davon, warum am gleichen Tag der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks einen Antrag zur Aufnahme der deutschen Brotkultur in die Unesco-Liste des immateriellen Welterbes gestellt hatte. Deutschland ist bekanntermaßen das Land mit den weitaus meisten Brotsorten.

Doch zu sehen bekam man zuerst einmal kein Brot, sondern die regionale Spezialität Seelen und wie sie hergestellt werden. Da lag also 15 Kilo Seelen-Teig au feinem Brett, und die beiden Bäcker griffen sich mit geschickten Handgriffen kleine Teigmassen, formten sie scheinbar wahllos in die Länge und platzierten sei auf ein weiteres Brett – rund 100 Stück. Da wird einem klar, warum all Seelen im Ladenregal ganz unterschiedlich aussehen, „individuell“ und ohne genormtes spezifisches Gewicht. Bestreut mit Hagelsalz, Sesam und Kümmel werden sie in die „Schublade“ des (als solchen nicht zu erkennenden) Holzofens geschoben, wo sie eine halbe Stunde „backen“.

Dieser Holzofen war eine Stunde vorher hochgefahren worden, und vor dem Backvorgang war seine Höchsttemperatur schon um einiges gefallen. Dass in einer Großbäckerei ein Backofen noch mit Holz – Pellets – befeuert wird, ist schon ein Unikum. Diese traditionelle Backmethode ist auch nur möglich, weil die Härdtners, die schon immer technisch aufgeschlossen waren, eine Brenntechnik entwickelt haben, bei der das Holz nicht zu Asche wird, sondern zu 98 Prozent verbrennt, nahezu rückstandsfrei. Da gehen weder Rauch noch Ruß noch CO in die Luft.

Die Brezel-Bäckerei wird natürlich auch besichtigt und wie per Hand rasant der charakteristische Einschnitt in die Brezel-Teiglinge vorgenommen wird, 12 000 Brezel pro Tag. Man kommt vorbei am Tisch, wo die Äpfel per Hand geschält werden und wirft einen Blick in die „warme“ und in die „kalte“ Konditorei. Anschließend im Vorraum genießen die Besucher/innen an Tischen bei Kaffee süße und salzige Produkte aus dem Betrieb, und Rolf Härdtner steht ihnen Rede und Antwort.

Man erfährt, wie „beim Härdtner“ Wert auf herkömmlichen Qualitätsstandard gelegt wir. Das Mehl kommt von Mühlen aus dem Umkreis, dem Teig wird eine so lange Ruhezeit zugebilligt, wie er optimal braucht. Gebacken wird er ausschließlich mit Zusatz von selbst gemachtem Natursauerteig. Auf Fertig-Backmischungen wird generell verzichtet,:„Keine Chemie, alles Naturprodukte, kein Zucker – die hochwertigen und kontrollierten Rohstoffe kommen alle aus der Region.“

Um Mitternacht geht es los in der Bäckerei. Zuerst kommt der Heizer, dann allmählich die Bäcker und Konditoren, fast alle im Betrieb ausgebildet. Mindestens 40 Personen sind täglich im Einsatz. Wichtig ist nicht zuletzt eine perfekt organisierte Versandabteilung. Bis zu viermal am Tag werden die Filialen mit frischer Ware beliefert und dafür gesorgt, dass sie auch gegen Ladenschluss noch ausreichend versorgt sind. Was übrig bleibt, wird „leider“ zu Tierfutter; „Brot von gestern zum halben Preis“ gibt es kaum noch. 14 verschiedene Brötchen-Sorten und 60 Brotsorten sind im Angebot, jedoch unterschiedlich vertreten in den einzelnen Filialen.

Die Nachfrageschwerpunkte sind örtlich und vor allem landsmannschaftlich sehr verschieden, weiß Rolf Härdtner, der 1961 als Lehrling in der von seinen Eltern Herrmann und Emma Hädtner 1938 in der Neckarsulmer Neubausiedlung Viktorshöhe gegründeten Bäckerei und Konditorei eingetreten war. Hier befindet sich die angestammte Großbäckerei. 1982 wurde die zum Verkauf stehende Heilbronner Demeter-Bäckerei Böhringer erworben. Von den Unterländer Filialen sind einige bei Lidl, Kaufland und in Baumärkten angesiedelt, Backstuben-Cafés in Heilbronn bei Galeria Kaufhof, am Kiliansplatz und jüngst im Heilbronner Bankhaus. Auch gibt es einen Azubi-Laden am Wollhaus. Schließlich ist Härdtner seit 1992 noch stark präsent in Sachsen mit zwei Betrieben, mit „Ottendorfer Mühlenbäcker“ und „Unser Bäcker“, wo auch Demeter in den Regalen geführt wird.

Änderungen im Jahresprogramm

Bitte beachten Sie die aktuellen Änderungen im Jahresprogramm 2013/14:

Den Termin am 10 März übernimmt Prälat i.R. Hans-Dieter Wille, Tübingen, unter dem Titel: „Die Debatte um die christlichen Werte und das christliche Menschenbild“.

Herr Dr. Kussmann hält seinen Vortrag „Warum schmerzt der Rücken?“ am 24. März und dafür
Herr Stroh seinen Vortrag über „Altersarmut“ am 14. April.

> Das gesamte Jahresprogramm finden Sie hier.

Jeder selbst verantwortlich für gesunde Ernährung – Was nachhaltiger Lebensstil für Bäckermeister Rolf Härdtner bedeutet

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Rolf Härdtner in seinem Betrieb (Foto: Rolf Gebhardt)

Zum Thema „nachhaltiger Lebensstil“ hatten die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus als Referent mit Rolf Härdtner einen Unternehmer eingeladen, der diesen Grundsatz als Firmenphilosophie praktiziert. Der 71jährige Bäckermeister ist Seniorchef eines in dritter Generation von seinen Söhnen, seiner Tochter und dem Schwiegersohn geleiteten Familienbetriebs mit 1100 Beschäftigten, davon 138 Auszubildenden, und rund 100 Bäckerei-Filialen.

Nachhaltige Entwicklung beruht für Rolf Härdtner auf drei Säulen, die mit den Worten ökonomisch, ökologisch und sozial gekennzeichnet ist. Dabei gilt es, die Bedürfnisse der gegenwärtigen Generation gerecht zu werden, ohne die Lebenschancen künftiger Generationen zu gefährden. Das sieht er beispielhaft in der Forstwirtschaft verwirklicht, wo höchstens so viel Holz eingeschlagen werden soll, wie nachwächst. „Pflanzen Sie einen Baum, und Sie tun der Natur, Ihnen selbst und Ihren Nachkommen einen Gefallen“, meinte Härdtner, der auch in seinem Geschäftsgebaren „Mensch und Natur“ ins Zentrum stellt.

Das gilt fürs ein umweltverträgliches traditionelles Backen, wo auf schadstofffreie Backöfen, Wärmerückgewinnung und Ökostrom Wert gelegt wird. Und: „Wir verwenden qualitativ hochwertige Rohstoffe aus regionalem kontrollierten Anbau. Und da wir ausschließlich mit selbst gefertigten Natursauerteig backen, können wir auf all die üblichen chemischen Backbeimischungen verzichten.“ So Rolf Härdtner. Im Härdtner-Bäckerei-Reich sind durch die Firmen-Übernahmen von Mitterer und Böhringer Holzofen- und Demeter-Backerzeugnisse gut vertreten.

Härdtners Backwaren müssen „natürlich, bekömmlich und schmackhaft“ sein. Rolf Härdtner legt privat und betrieblich Wert auf gesunde Ernährung. Nahrungsergänzungsmittel bedürfe es dazu nicht, sondern einer ausgewogenen Kost, die automatisch genügend Vitalstoffe – Vitamine und Mineralien – enthält, sowie eine ausreichende Menge an Ballaststoffen; „Vollkorn reinigt Magen und Darm“. In der Regel ernähre man sich gut und richtig, wenn man das zu sich nehme, nach dem es einem gelüstet; das brauche der Körper. „Viel trinken und lachen nicht vergessen.“
Wenn es stimme, dass 70 Prozent der Schüler und Berufstätigen nicht mehr zu Haus frühstücken, so profitierten davon Bäckereien und Imbisse. Doch sei es gut zu wissen, was man tatsächlich zu sich nimmt, was drin ist in Lebensmitteln. Ein Gutteil aller Krankheiten sei ernährungsbedingt. Er wertete es als Verfall der Esskultur, dass in modernen Haushalten immer weniger selbst gekocht werde. Es sei schließlich durchaus möglich, sich preiswert und gut zu ernähren.

Dafür sei die gängige Devise des Ernährungsverhaltens: möglichst billig und groß. Das könne nicht gesund sein, meinte Härdtner: „Billigfleisch aus Massentierhaltung – was man da den Tieren und sich selbst antut:“140 000 Tonnen Pestizide würden jährlich in der deutschen Landwirtschaft eingesetzt, mitunter versprüht bis acht Tage vor der Ernte. Härdtner appellierte an das Verbraucher-Gewissen: „Seien Sie kritisch.“ Jeder sei selbst für eine adäquate Ernährung verantwortlich. Noch nie sei das Lebensmittelangebot so groß und vielfältig gewesen. Man habe die Wahl, sich billig und überreichlich zu ernähren, oder qualitativ ausgewogen zu angemessenen Preisen.

Härdtner betonte die „Macht der Verbraucher“. Wenn man von der Verführungskraft der Werbung absehe, bringe der Hersteller nur das auf den Markt, was der Konsument wolle. Das Angebot stelle sich im Grunde auf die Nachfrage ein. Das gelte auch für seine Bäckereifilialen und Caf’és, die je nach örtlichen Nachfrage-Schwerpunkten über unterschiedliche Sortimente verfügten. Besonderen Wünschen der Kunden werde nachgekommen, Anregungen und Beschwerden aufgegriffen. Der Kunde habe genügend Möglichkeiten, seiner Verantwortung als Konsument Gehör zu verschaffen.

So wichtig gesunde Ernährung zu einem nachhaltigen Lebensstil gehört, so wichtig erscheint für Härdtner auch Bereitschaft, sich zu bewegen, zu sportlicher Betätigung, „besser als Medikamente“. Auch Aufgeschlossenheit für gesellschaftliche Belange gehöre zu verantwortungsbewusstem Lebensstil. All dies verkörpert Rolf Härdtner in seiner Person: Er war früher ein ein erfolgreicher Kanusportler, engagiert sich im Neckarsulmer Gemeinderat und Sportverein, fördert karitative Aktivitäten und unterstützt in Kindergärten und Schulen Sonderaktionen für „gesunde Ernährung“.

Diabetes ist die häufigste Stoffwechselstörung – Diabetologe Dr. Schuldes informierte über Ursachen und Therapiemöglichkeiten

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Foto: Rolf Gebhardt

Diabetes – Diabetes mellitus: Die Zuckerkrankheit ist die häufigstes Stoffwechselstörung. Über ihre Ursachen und die Therapiemöglichkeiten informierte der Diabetologe Dr. Matthias Schuldes, Oberarzt der Medizinischen Klinik II des Klinikums am Gesundbrunnen, die „Jungen Senioren“im Hans-Rießer-Haus. Mehr als sechs Millionen Bundesbürger dürften zuckerkrank sein, davon an die eine Million insulinbehandelte Diabetiker. Hinzu kommen etwa zwei Millionen Menschen, die gewisse Diabetes-Vorstufen aufweisen, aber nicht entsprechend diagnostiziert sind. Mit diesen Angaben unterstrich Schuldes, welche Verbreitung Diabetes als Volkskrankheit hat.

Es handelt sich dabei um eine tief in das körperliche Geschehen eingreifende Störung des Zuckerstoffwechsels. Dies beruht, wie Schuldes darlegte, auf einem Versagen der in der Bauspeicheldrüse gelegenen Inselzellen (Betazellen). Der Körper spricht nicht mehr adäquat auf Insulin an bzw. es entsteht Insulin-Mangel, weil infolge Resistenz Glukose aus dem Blut nicht in das Zellinnere aufgenommen werden kann. Damit fehlt sie in der Zelle als Energielieferant, während sie im Blut in hoher Konzentration vorliegt. Übersteigt die Konzentration des Blutzuckers einen Schwellenwert, wird Glukose mit dem Urin ausgeschieden, mit starkem Wasseraustritt auch Energiestoffe und Mineralien ausgeschwemmt, was zur Austrocknung des Körpers führt.

Diabetes Typ I ist gekennzeichnet durch die Entstehung eines absoluten Insulin-Mangels, immunologisch (durch Bildung von Autoantikörpern) ausgelöst durch die Zerstörung hormonproduzierender Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse. Dieser Diabetes-Typ, der nur etwa zehn Prozent der Zuckerkranken ausmacht, entsteht zumeist in der Kinder- und Jugendzeit. Diabetes Typ II wird hingegen herkömmlich mit Altersdiabetes gleichgesetzt; er entwickelt sich über etliche Jahre hinweg. Die Diabetes-Anfälligkeit ist oft genetisch bedingt. Vielfach wird Diabetes hervorgerufen durch Fettsucht, durch zu viel Bauchfett zwischen den Darmschlingen.  Darüber hinaus kann Diabetes auf Alkoholismus oder auf psychisch Erschütterungen zurückzuführen sein, infolge von Immunschwäche natürlich auch auf einen Infekt.

Anzeichen für Diabetes mellitus sind auffälliger Durst mit großen Harndrang und häufigem Wasserlassen sowie Hunger-Attacken zwecks Aufbau der Depots, da die Krankheit einher geht mit Gewichtsverlust. Mattigkeit und Antriebslosigkeit macht sich bemerkbar. Man wird anfälliger für Infektionen. Hauterkrankungen können entstehen und bestimmte Netzhauterkrankungen der Augen. Spätfolgen sind Nierenveränderungen und Nervenschäden, Arteriosklerose mit schweren Durchblutungsstörungen bis hin zu diabetischer Polyneuropathie. Hoher Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer alle arteriellen Gefäße des Körpers: Nieren, Augen, Gehirn, Nerven, Herz und Haut.

Gegen Diabetes – wie überhaupt zur Vorbeugung – hilft ein vernünftiger, gesunder Lebensstil. Man soll auf sein Gewicht achten und auf ausgewogene Ernährung und sich möglichst viel bewegen. Erst recht wenn Diabetes konstatiert ist, geht es bei Dickleibigen um Gewichtsreduzierung, da dann weniger Insulin benötigt wird, um Steigerung der körperlichen Aktivität, um Verzicht auf Rauchen und auf Alkohol und um einen diätetischen Ernährungsplan. Von der Nahrungsmittelindustrie ausgewiesene Diätprodukte sind laut Schuldes jedoch nicht unbedingt hilfreich.und notwendig.

In der medizinischen Vorsorge können hohe Blutfettwerte ein Hinweis auf Diabetes sein. Im Blutbild sollte der Glukose-Stoffwechselmarker HbA1c unter 6.5 und noch besser unter 6,0 % liegen. Aussagekräftig ist vor allem der ermittelbare Langzeitzuckerwert, der am ehesten (beginnende) Insulinresistenz erkennen lässt.

Die medikamentöse Behandlung von Diabetes ist stark fortgeschritten. Schuldes zeigte eine ganze Reihe von geeigneten Arzneimitteln auf, die etwa zur Hemmung der Glukose-Produktion der Leber beitragen oder die Insulin-Ausschüttung erhöhen. Seit den 1920er Jahren ist es möglich, das fehlende Inselhormon zu ersetzen durch gezielte Insulingaben (Spritzen) ins Gewebe oder unter die Haut. So lässt sich ein normaler Blutzuckerspiegel erreichen, wobei allerdings darauf geachtet werden muss, dass keine Unterzuckerung entsteht. Wenn sie eintritt, muss sie unmittelbar mit Zuckerzugabe behoben werden., um eine Übersäuerung – einen  Koma-Schock – zu vermeiden.