Diabetes ist die häufigste Stoffwechselstörung – Diabetologe Dr. Schuldes informierte über Ursachen und Therapiemöglichkeiten

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Foto: Rolf Gebhardt

Diabetes – Diabetes mellitus: Die Zuckerkrankheit ist die häufigstes Stoffwechselstörung. Über ihre Ursachen und die Therapiemöglichkeiten informierte der Diabetologe Dr. Matthias Schuldes, Oberarzt der Medizinischen Klinik II des Klinikums am Gesundbrunnen, die „Jungen Senioren“im Hans-Rießer-Haus. Mehr als sechs Millionen Bundesbürger dürften zuckerkrank sein, davon an die eine Million insulinbehandelte Diabetiker. Hinzu kommen etwa zwei Millionen Menschen, die gewisse Diabetes-Vorstufen aufweisen, aber nicht entsprechend diagnostiziert sind. Mit diesen Angaben unterstrich Schuldes, welche Verbreitung Diabetes als Volkskrankheit hat.

Es handelt sich dabei um eine tief in das körperliche Geschehen eingreifende Störung des Zuckerstoffwechsels. Dies beruht, wie Schuldes darlegte, auf einem Versagen der in der Bauspeicheldrüse gelegenen Inselzellen (Betazellen). Der Körper spricht nicht mehr adäquat auf Insulin an bzw. es entsteht Insulin-Mangel, weil infolge Resistenz Glukose aus dem Blut nicht in das Zellinnere aufgenommen werden kann. Damit fehlt sie in der Zelle als Energielieferant, während sie im Blut in hoher Konzentration vorliegt. Übersteigt die Konzentration des Blutzuckers einen Schwellenwert, wird Glukose mit dem Urin ausgeschieden, mit starkem Wasseraustritt auch Energiestoffe und Mineralien ausgeschwemmt, was zur Austrocknung des Körpers führt.

Diabetes Typ I ist gekennzeichnet durch die Entstehung eines absoluten Insulin-Mangels, immunologisch (durch Bildung von Autoantikörpern) ausgelöst durch die Zerstörung hormonproduzierender Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse. Dieser Diabetes-Typ, der nur etwa zehn Prozent der Zuckerkranken ausmacht, entsteht zumeist in der Kinder- und Jugendzeit. Diabetes Typ II wird hingegen herkömmlich mit Altersdiabetes gleichgesetzt; er entwickelt sich über etliche Jahre hinweg. Die Diabetes-Anfälligkeit ist oft genetisch bedingt. Vielfach wird Diabetes hervorgerufen durch Fettsucht, durch zu viel Bauchfett zwischen den Darmschlingen.  Darüber hinaus kann Diabetes auf Alkoholismus oder auf psychisch Erschütterungen zurückzuführen sein, infolge von Immunschwäche natürlich auch auf einen Infekt.

Anzeichen für Diabetes mellitus sind auffälliger Durst mit großen Harndrang und häufigem Wasserlassen sowie Hunger-Attacken zwecks Aufbau der Depots, da die Krankheit einher geht mit Gewichtsverlust. Mattigkeit und Antriebslosigkeit macht sich bemerkbar. Man wird anfälliger für Infektionen. Hauterkrankungen können entstehen und bestimmte Netzhauterkrankungen der Augen. Spätfolgen sind Nierenveränderungen und Nervenschäden, Arteriosklerose mit schweren Durchblutungsstörungen bis hin zu diabetischer Polyneuropathie. Hoher Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer alle arteriellen Gefäße des Körpers: Nieren, Augen, Gehirn, Nerven, Herz und Haut.

Gegen Diabetes – wie überhaupt zur Vorbeugung – hilft ein vernünftiger, gesunder Lebensstil. Man soll auf sein Gewicht achten und auf ausgewogene Ernährung und sich möglichst viel bewegen. Erst recht wenn Diabetes konstatiert ist, geht es bei Dickleibigen um Gewichtsreduzierung, da dann weniger Insulin benötigt wird, um Steigerung der körperlichen Aktivität, um Verzicht auf Rauchen und auf Alkohol und um einen diätetischen Ernährungsplan. Von der Nahrungsmittelindustrie ausgewiesene Diätprodukte sind laut Schuldes jedoch nicht unbedingt hilfreich.und notwendig.

In der medizinischen Vorsorge können hohe Blutfettwerte ein Hinweis auf Diabetes sein. Im Blutbild sollte der Glukose-Stoffwechselmarker HbA1c unter 6.5 und noch besser unter 6,0 % liegen. Aussagekräftig ist vor allem der ermittelbare Langzeitzuckerwert, der am ehesten (beginnende) Insulinresistenz erkennen lässt.

Die medikamentöse Behandlung von Diabetes ist stark fortgeschritten. Schuldes zeigte eine ganze Reihe von geeigneten Arzneimitteln auf, die etwa zur Hemmung der Glukose-Produktion der Leber beitragen oder die Insulin-Ausschüttung erhöhen. Seit den 1920er Jahren ist es möglich, das fehlende Inselhormon zu ersetzen durch gezielte Insulingaben (Spritzen) ins Gewebe oder unter die Haut. So lässt sich ein normaler Blutzuckerspiegel erreichen, wobei allerdings darauf geachtet werden muss, dass keine Unterzuckerung entsteht. Wenn sie eintritt, muss sie unmittelbar mit Zuckerzugabe behoben werden., um eine Übersäuerung – einen  Koma-Schock – zu vermeiden.

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