Bestes Heilmittel gegen Rückenschmerzen ist Bewegung – Dr. Jürgen Kußmann klärt auf, wie man dem Verschleißprozess entgegen wirkt

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(Foto: Rolf Gebhardt)

Das Kreuz mit dem Kreuz: Rückenschmerzen hat fast jede und jeder mal, vielfach auch chronisch. Über das Leiden mit Wirbelsäule und Bandscheiben informierte die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus Dr. Jürgen Kußmann. Er ist Arzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Notfallmedizin, Chirotherapie, Physikalische Therapie und Sozialmedizin. 25 Jahre lang war er an Orthopadie-Kliniken tätig, wo er „kaputte Knochen repariert“ hat, und seit einigen Jahren im Reha-Bereich, derzeit ärztlicher Leiter für ambulante orthopädische Rehabilitation bei Meyer Training und Therapie in Untergruppenbach.
Fehlhaltung und Rundrücken müssen nicht unbedingt weh tun, meinte Kußmann einleitend. Andererseits lassen sich Schmerzen an Schulter und Rücken nicht immer exakt auf körperliche Ursachen zurückführen, mitunter würde da viel reinprojiziert. Vielfach bestünde eine Wechselwirkung zwischen körperlichen und seelischen Leiden. „Da kann es sein, dass Ihnen bei Stress und in depressiven Phasen das Kreuz und sonst noch alles weh tun, und nach Trauer- oder Problembewältigung, wenn sie gut drauf sind, spüren Sie nichts mehr.“
Häufig sind Rückenschmerzen jedoch echt und nachweisbar. Das hängt nun einmal zusammen mit der Wirbelsäule, die das Rückenmark umschließt und schützt, ein bewegliches gekrümmtes Achsenskelett, das den Oberkörper stabilisiert und im Rücken stützt, den Kopf trägt und Beine mit Schultern und Armen verbindet. Dr. Kußmann zeigte dies plausibel und anschaulich an bildhaften Darstellungen auf. Unsere 24 Wirbel im Hals-, Brust- und Lendenbereich sind untereinander verbunden mit Wirbelgelenken, an denen Bänder und Muskeln hängen, die für Beweglichkeit sorgen. Die Wirbel werden gut gepolstert durch Bandscheiben, mit Wasser gefüllte etwa fünf Millimeter dicke Puffer, die jeden Stoß oder Druck bei Bewegen oder Gehen abfedern.
Diese elastischen Verbindungsschienen zwischen zwei Wirbeln bestehen aus einem faserigen Ring und einem gallertartigen Kern. Doch die Krux ist, dass die Bandscheiben im Laufe des Lebens, spätestens ab dem 30. Lebensjahr immer mehr austrocknen und Stöße nicht mehr so gut abfedern; die Elastizität der Wirbelsäule geht allmählich verloren. Der mit dem Alter zunehmende Verschleißprozess mit Abnutzungserscheinungen muss also nicht zwangsläufig krankhaft bedingt sein, kann jedoch zu einer zusätzlichen Belastung der Wirbelkörper führen, so dass Wirbelsäulen-Beschwerden auftreten, Rückenschmerzen, die durch Muskelverspannungen noch verstärkt werden.
Zu einer meist schlagartig auftretenden, sehr schmerzhaften Erkrankung kommt es bei einem Bandscheibenvorfall, wenn also die Bandscheibe rausspringt, der gallertartige Kern nach außen drückt und die umliegenden Nerven reizt oder sie gar entzündet.und mitunter auch das Rückenmark schädigt. Es kommt zu starken Rückenschmerzen mit Auswirkungen auf auf Spinalnervenwurzeln, oft verbunden mit Gefühlsstörungen bis hin zu Lähmungen, Versagen der Muskelsteuerung. Exakt lassen sich die Ursachen feststellen durch Aufnahmeverfahren wie Computertomographie oder – nicht durch Strahlen belastet – mit neuer Kernspin- oder auch Magnetresonanztomographie.Bei fortschreitenden Lähmungserscheinungen ist eine schnelle Bandscheibenoperation erforderlich, um bleibende Schäden zu verhindern. Doch soweit muss es nicht kommen,meint Dr. Kußmann- Als Osteopath sucht er die Krankheit nicht nur im Knochenleiden, sondern im Wissen um das funktionierende Zusammenspiel von Bindegewebe, Muskeln, Organen, Knochen und Gelenken kann er mit den Händen Verspannungen und Blockaden auflösen. Wenn schon Knochenschwund vorliegt, also die bei Frauen nach den Wechseljahren relativ schnell fortschreitende Osteoporose mit Rückenschmerzen aufgrund von Wirbelkörperverformungen, ist eine Therapie angesagt mit Bädern und Krankengymnastik, am besten Wassergymnastik.
Dr. Kußman ist überzeugt: „Man kann seine Wirbelsäule sein ganzes Leben lang elastisch halten, indem man sich recht viel bewegt,“ gemäß dem Grundsatz, „Vorbeugen ist besser als Leiden“. Er empfiehlt sowohl Ausdauertraining, regelmäßiges Joggen oder (Nordic)Walken, als auch Muskelaufbau durch Gymnastik oder an Geräten. „Es geht um Durchsaftung der Gelenkschmiere.“ Bis ins hohe Alter und auch bei Beschwerden könne man so etwas für Fitness und Gesundheit tun.

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