„Du bist einzigartig . . . in deiner Geschichte“ – Peter Goes theologisch und psychologisch auf der Spur nach dem Lebenssinn

2014-04-07_04kl

Peter Goes (Foto: Rolf Gebhardt)

Wer hätte nicht schon mal über den Sinn seines Lebens, über die Sinnhaftigkeit seines Tun und Handelns, nachgedacht oder etwa auch mehr oder weniger verzweifelt geklagt, dass das doch alles keinen Sinn habe. Der Mensch ist offenbar ein Wesen auf der Suche nach dem Sinn. Dem Sinn des Lebens auf der Spur – wissenschaftlich und theologisch – ist seit langem Pfarrer i.R. Peter Goes, und seine Einsichten und Erkenntnisse vermittelte er den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus.
Ist es der Sinn des Lebens, einfach nur glücklich zu sein? Sinn – Lebenssinn – ist doch wohl mehr als Glück, über das Peter Goes vor Jahresfrist bei den „Jungen Senioren“ „sinnvoll“ referiert und erläutert hatte, wie man Glück anstreben und erreichen kann. Auf der Spurensuche nach dem Sinn im Leben begab sich Peter Goes, der Theologie in Tübingen, Basel und Bonn studiert hatte, natürlich in theologische Gefilde, gibt es doch in allen Weltreligionen – zuvorderst im Christentum – Vorstellungen, Regeln und Definition vom Sinn des Lebens im göttlichen Heil. Doch neben Antworten aus der Bibel hat Peter Goes auch sozio-kulturelle und psychologische Erklärungen parat, hat er doch auch ein Zusatzstudium am C.G.-Jung-Institut in Zürich absolviert, der Forschungsstätte für analytische Psychologie und Psychotherapie. In der für ihn prägenden Begegnung mit den Werken des Schweizer Geisteswissenschaftlers Carl Gustav Jung (1875-1961) entdeckte Goes die Psychosomatik in ihrer Bedeutung für therapeutische Heilungsprozesse, was ihm nicht zuletzt auch als Klinikseelsorger hilfreich – und oft auch sinnführend für Patienten –war.
Denn – so Peter Goes: „Nichts Schlimmeres gibt es als eine Sinnkrise, das totale Gefühl der Sinnlosigkeit, der Sinnleere.“ Das hat Goes selbst wiederholt erlebt – an Krankenbetten, wenn Schwerverletzte oder chronisch Kranke verzweifelt danach fragen, was für ein Sinn das Leben nun noch für sie hat. Oder wenn vom Tode naher geliebter Verwandten betroffene oder durch existentielle Lebensschicksale aus der Bahn geworfene Menschen keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen. Im Sinn-Verlust, im Gefühl der Sinnlosigkeit des eigenen Daseins, entstehen laut Goes Krankheitssymptome, was zur Depression und Verzweiflung führen kann, bis hin zum Suizid. Wenn einer psychisch krank ist, ist er Einsichten, Liebe, Freuden und Hoffnungen nicht mehr zugänglich.
Damit es nicht so weit kommen muss, sollte die Sinnfrage positiv angegangen werden, meinte Goes. Am Anfang könnte eine Sinn-Analyse stehen, die Frag nach den tragenden Grundlagen. Für viele Menschen ist Beruf und Arbeit maßgeblich für die eigene Identität. Doch wer im Job keinen Sinn sieht, geht lustlos und ohne Engagement seiner Aufgabe nach und fühlt sich unglücklich, wie Goes aus seelsorgerischen Gesprächen erlebte. Auch familiäre, eheliche und andere die Seele bedrängende Probleme können den Lebenssinn in Frage stellen. Dann gilt es, die Krise als Chance zu nutzen. Es reicht nicht aus, die Grundbedürfnisse zu befriedigen. Auch gute Entlohnung, hohes Einkommen, ja selbst Reichtum und Besitz(streben) machen nicht den Sinn des Lebens aus.
„Es muss einem daran gelegen sein, aus der Sinnentleerung herauszukommen, gegebenenfalls aus dem Hamsterrad des Alltagstrotts“, so Goes. Dazu gibt es immer wieder Möglichkeiten und Handreichungen, doch in erster Linie liegt es bei einem selbst, den Sinn des eigenen Lebens zu ergründen und zu erkennen. Man muss sich nicht nach anderen ausrichten wollen, auch mal Nein sagen können, gemäß seinen spezifischen Talenten und Interessen den eigenen Weg finden. Nach Ansicht von Goes sollt man sich eher vor Reizüberflutung schützen, Freude an sinnlichen Momenten, an Naturerlebnissen, Stimmungen und Atmosphären haben. Nicht zuletzt besteht für Goes sinnerfülltes Leben in sinnerfüllten Beziehungen, im Erleben persönlicher Wertschätzung.
Diese Erkenntnisse hat Peter Goes auch aus der Lektüre von Schriften bedeutender Geister und persönlichen Begegnungen etwa auf Buchmessen. Da zeigt sich auch die Verwandtschaft von Peter Goes – als Neffe wie auch geistig – zu dem geschätzten Theologen und Schriftsteller Albrecht Goes (1908-200), denn auch Peter Goes ist Autor von Lyrik-Büchern. So liegt es nahe, dass er den Sinn auch poetisch fasst, etwa in dem Gedicht „Du bist einzigartig“: Du bist einzigartig / in deinem Fühlen / in deinen Tränen / in deinen Träumen / in deiner Freude / in deinem Lächeln / in deinen Gedanken / in deiner Geschichte / und trägst deinen / einzigen Auftrag / der Schöpfung in dir.

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