Mit Rente lässt sich Lebensstandard nicht sichern – VdK-Bezirksvorsitzender Frank Stroh erwartet Zunahme der Altersarmut

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Frank Stroh (Foto: Rolf Gebhardt)

Ein Gespenst geht um in unserer Gesellschaft: Altersarmut – Bedrohung oder schon Realität, vermeidbar oder unabdingbar? Zu diesem Thema referierte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus der Vorsitzende des VdK-Kreisverbands Heilbronn, Fank Stroh.

Warum zeigt sich für diese Problematik ausgerechnet der VdK kompetent, wo er doch gegründet wurde für die Interessenwahrnehmung von Kriegsversehrten, Kriegerwitwen, Kriegswaisen und dergleichen und eigentlich längst totgesagt wurde? „Der VdK hat sich längst zum größten Sozialverband Deutschlands fortentwickelt“, erklärte Stroh: Mit 1,7 Millionen Mitglieder bundesweit, davon 220 000 in Baden-Württemberg und 6300 im Kreisverband Heilbronn (Stadt und Land). Stroh, der auch dem VdK-Bezirksvorstand Nordwürttemberg angehört, war in seiner Berufslaufbahn u.a. Gewerkschaftssekretär der IG Metall-Verwaltungsstelle Neckarsulm und dann Pressesprecher des IG-Metall-Bezirksleiters Berthold Huber. Zudem war er vor 14 Jahren mit dem Künzelsauer Unternehmer Reinhold Würth Mitbegründer der Bürgerinitiative Region Heilbronn-Franken e.V. Laut Stroh befasst sich der VdK laufend mit Anliegen und Beratungen von Menschen mit sozialen Problemen und versteht sich so auch als sozialpolitisches Sprachrohr, nicht zuletzt im Hinblick auf die Herausforderungen durch den demografischen Wandel mit einem zunehmend wachsendem Bevölkerungsanteil der über 60Jährigen, insbesondere der Hochaltrigen.

Damit müssen die Sozialsysteme fertig werden, speziell das gesetzliche Rentensystem. Mit der grundlegenden Rentenreform 1957 wurde die bruttolohnbezogene dynamische Rentenversicherung eingeführt. Das ursprünglich angepeilte Ziel eines Rentenniveaus von 70 Prozent des durchschnittlichen Jahresentgelts wurde jedoch nie erreicht, betonte Stroh. Vielmehr zeigt das Rentenniveau eine laufend sinkende Tendenz und ist inzwischen auf knapp unter 50 Prozent gefallen. Mit einer weiteren Absenkung auf 46 Prozent bis 2020 und auf 43 Prozent bis 2030 ist nach der derzeitiger Beschlusslage zu rechnen, erklärte Stroh.

Diesem Modell zugrunde liegt der Standardrentner, der 45 Jahre lang ein Entgelt im Höhe der aktuellen durchschnittlichen Bruttobezüge aller Versicherte erhalten hat. Danach ergibt sich eine Monatsrente von ca. 1300 Euro. Doch diese Bedingungen erfüllen nur 40 Prozent der Männer und vier Prozent der Frauen, so Stroh. Das führt dazu, dass die Durchschnittsrente für Männer heute niedriger ist als 1100 € und bei Frauen etwa bei 750 liegt. Vergleichsweise erhalten Beamte, die nach wie vor 72 Prozent ihrer letzten Bezüge bekommen, im Schnitt 2500 € monatliche Pension.

Stroh verwies zudem auf die Anhebung der Regelaltersgrenzen seit Anfang 2012 in Stufen auf 67 Jahre und darauf, dass seit 2005 die Renten – abhängig von Jahr des Rentenbezugs – mit steigendem Anteil versteuert werden müssen, schrittweise bis zu 100 Prozent im Jahr 2040. Der Anspruch auf Grundsicherung, den vor allem viele alleinstehende Frauen wegen ihrer niedrigen Renten  hätten, werde wegen der hohen bürokratischen Hürden nur unzureichend wahrgenommen. Ein Erwerbstätiger mit Durchschnittseinkommen (ca. 30 000 €/Jahr) brauche Versicherungspunkte aus 27 Jahren, um eine Rente etwa in Höhe der Grundsicherung (aktuell 764 €) zu bekommen.

Da es heute unmöglich sei, mit der gesetzlichen Rente seinen Lebensstandards u sichern,  komme man nicht um frühzeitige private zusätzliche eigene Altersvorsorge herum, meinte Stroh als Botschaft für die jüngeren Berufstätigen. Ein schwieriges Unterfangen. Die Riester-Rente habe sich als Flop erweisen, Betriebsrenten sind selten geworden und unterliegen zudem – wie Direktversicherungen – voll der Kranken- und Pflegeversicherung (18 Prozent), und überhaupt mache das niedrige Zinsniveau sichere Kapitalanlagen für die Alterssicherung unattraktiv.

Für Stroh ist es ein Unding, dass in dem reichen Deutschland das Rentenniveau im Vergleich der 34 OECD-Länder im unteren Drittel liegt. Die Einkommens- und Vermögensentwicklung vergrößere zunehmend die Schere zwischen Arm und Reich; die untere Hälfte der Einkommensbezieher verfüge nur über ein Prozent des gesamten Privatvermögens. Stroh: „Es gilt, diesem sozialen Sprengstoff durch ein gerechteres Steuersystem zu begegnen und bedrohlicher Altersarmut und Pflegenotstand durch Sicherung und Ausbau einer solidarischen Gesellschaft.“

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