Im Alter wächst die Gefahr des Knochenschwunds – Orthopäde Dr. Jan Bachmann über Ursachen und Therapie von Osteoporose

2014-10-27_15akl

Dr. Jan Bachmann (Foto: Rolf Gebhardt)

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog war um seinen 80. Geburtstag davon betroffen und weiterhin sind es mindestens 2,5 Millionen Frauen über 50 und bestimmt eine Million Männer in Deutschland: von Osteoporose – in der Umgangssprache Knochenschwund. Über Ursachen und Therapiemöglichkeiten referierte der Orthopäde Dr. Jan Bachmann, niedergelassener Facharzt in Heilbronn, im Hans-Rießer-Haus bei den „Jungen Senioren“.

Dass dieses Veranstaltung einen Rekordbesuch von über 130 Besucher/innen erlebte, liegt daran, dass diese Krankheit insbesondere ältere Personen betrifft, vor allem Frauen nach den Wechseljahren, denn nach Aufhören der Regelblutung, wenn der Hormonschutz wegfällt, kommt es zu einer rapiden Abnahme der Muskelmasse (um 15 bis 20 Prozent), mit der Gefahr der Osteoporose. Aber auch ältere Männer sind durchaus dagegen nicht gefeit, besonders nach einer Prostata-Operationen. Wie Bachmann erklärte, sterben nun einmal mit zunehmendem Alter Muskelfasern ab und schwächen den Knochen, deren Innen- und Außenschicht brüchiger wird, ihre mechanische Belastbarkeit verringert sich, so dass sich das Sturz-Risiko erhöht –  mit der Folge von Frakturen, also Knochenbrüchen, zumeist Wirbelfrakturen und Oberschenkelhalsbrüchen.

Knochen  sind schließlich keine trockene Materie. Sie werden durchblutet, und in ihrem Inneren findet ständig ein Umbau statt, aber nur, wenn die Knochen ausreichend bewegt und versorgt werden. „Bewegte Muskeln halten Knochen fit“, so Bachmann. Osteoblasten bauen Knochen auf, Osteoklasten bauen Knochensubstanz ab, und dies überwiegt im Alter. Als Baustoffe brauchen Knochen und Muskeln Kalzium, und um Kalzium einzubauen gehört Vitamin D dazu, das von der Haut auf natürlichem Wege in der Sonne gebildet wird. Kalzium braucht der Muskel für die Kontraktion, das Blut zum Gerinnen. Sinkt der Kalziumspiegel im Blut, muss der Knochen das stabilisierende Mineral hergeben. Ein solches Absinken des Kalziumdepots im Knochen führt am ehesten zur Osteoporose.

Wen kann Osteoporose am ehesten erwischen? Laut Bachmann sind Warnsignale,  wenn Mutter oder Vater schon mal eine Hüftfraktur hatten, bei Untergewicht oder nach Diäten, wenn das Kalziumpolster aufgezehrt wird, bei Menschen mit Immobilität, Herzinsuffizienz oder auch höhergradiger Niereninsuffizienz, chronischer Hyponatriämie (erniedrigter Natriumspiegel), Altersdiabetes oder Schilddrüsenüberfunktion – generell bei latenter Sturzneigung. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie Betablocker und Schlafmittel begünstigen die Entwicklung zum Muskel- und Knochenschwund. Feststellen lässt sich das in der Laborkontrolle (Blutbild), exakter mit gezielten Röntgenaufnahmen und per Knochendichtemessung. Augenscheinlich ist eine Osteoporose, wenn Wirbelkörperverformungen, zu einer Verkürzung des Oberkörpers gekommen ist, der sogenannte Witwenbuckel bei älteren Frauen, verbunden mit akuten Rückenschmerzen.

Auf  jeden Fall sollte man es nicht auf einen ersten Sturzbuch ankommen lassen, sagte Bachmann. „Das ist ein Meilenstein“. Ein gebrochener Knochen kann in gewisser Zeit zwar unter günstigen Bedingungen durchaus wieder zusammenwachsen und belastbar sein wie vorher, doch die Wiederholungsgefahr eines Osteoporose-bedingten Sturzes und Knochenbruchs  besteht, das Risiko der Bewegungseinschränkung wächst, die Rekonvaleszenz wird schwieriger.

Vorbeugung ist also angesagt. Und das bedeutet, so Bachmann, Bewegung, am besten sportliche; „gehen Sie raus aus dem Haus“, denn Bewegung stärkt die Knochen und schützt sie besser vor Brüchigkeit als Medikamente. Wichtig ist die Versorgung von Muskeln und Knochen mit Kalzium, „1000 Milligramm pro Tag sind vonnöten“, meinte Bachmann, und die bekommt man unter anderem mit einem Liter guten Mineralwasser plus Käse , Quark und anderen Milchprodukten. Die Therapie bietet auch geeignete Arzneimittel. An erster Stelle nannte Bachmann in seinem gut verständlichen Vortrag Bisphosphonate: Wirkstoffe , die die knochenabbauenden Zellen wirksam hemmen und damit die Kalzium-Freisetzung aus dem Knochen vermindern, damit das Frakturrisiko und Schmerzen. Bewegungsmangel und Mangelernährung sind – neben auslösenden Krankheiten – die entscheidenden Ursachen für die zur Volkskrankheit werdenden Osteoporose., so Bachmann.

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