Wie Bachs Weihnachtsoratorium entstanden ist – Braunwarth über das Leben und Werk des bedeutendsten Kirchenmusikers

2014-12-01_01aakl

Hans Martin Braunwarth (Foto: Rolf Gebhardt)

Ohne Bach ist die deutsche Musikgeschichte kaum vorstellbar. Johann Sebastian Bach gilt als einer der größten Komponisten und ist zweifellos der bedeutendste protestantische Kirchenmusiker mit Orgelwerken, Passionen und Kantaten. Über Bachs Leben und Werk referierte der Heilbronner Kirchenmusiker und Orgelsachverständige Hans-Martin Braunwarth bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus und befasste sich näher, aus aktuellem Anlass, mit Bachs Weihnachtsoratorium.

Johann Sebastian Bach wurde am 21. März in Eisenach als jüngstes von acht Kindern des Stadtmusikers Johann Ambrosius Bach geboren. Er war noch keine zehn Jahre, als er als Waisenkind dastand und von seinem ältesten Bruder Johann Christoph, der Organist in Ohrdruf war, aufgenommen wurde. Sein musikalisches Talent kam schon früh zum Durchbruch. Mit 15 erhielt er ein Stipendium an der Schule des Michaelikloster zu Lüneburg, von wo er sich des öfteren zu Fuß in die „Musikhauptstadt“ Hamburg aufmachte. Bereits mit 18 Jahren bekam er eine Anstellung als Organist in Arnstadt, dann – nach ausgedehnten Bildungsurlaub bei Dietrich Buxtehude in Lübeck –  eine in Mühlhausen und ab Juli 1708 beim Herzog in Weimar als Schloss-Organist und (ab 1714) Hofkonzertmeister. In diesen neun Weimarer Jahren entstanden die meisten seiner 150 Orgelwerke. Es folgten sechs Jahr am fürstlichen Hof von Köthen. Hier entstanden u.a. die sechs „Brandenburgischen Konzerte“ , und hier heiratete Bach 1721 die Sängerin Anna Wülcken, nachdem seine erste Ehefrau, die 1707 geehelichte entfernte Cousine Maria Barbara, gestorben war.

Wie Braunwarth darlegte, verbrachte Bach ab 1723 die meiste Zeit seines Lebens in Leipzig als Thomaskantor und Musikdirektor. Hier war er verantwortlich für die musikalischen Darbietungen in allen vier Kirchen der Stadt und hatte für jeden Sonntagsgottesdienst eine Kantate zu komponieren und ihre Aufführung zu leiten. Es war für Bach keine leichte Zeit. Immer wieder geriet er in Streit; er wurde gerügt wegen fremdartigen Harmonien beim Orgelspiel in den Gottesdiensten, und er litt wegen der Arbeit mit schlechten Schülern sowie unzureichenden Musikern und Sängern. Für Bach war es eine intensive Schaffensperiode, die ihm im Alter ziemlich zusetzte, zumal er ein Augenleiden bekam, erblindete und bald darauf nach einem Schlaganfall am 28. Juli 1750 verstarb.

Bach gilt als Vollender des musikalischen Barocks. Er verstand sich zwar in erster Linie als Kirchenmusiker, doch da im Zuge der Aufklärung sich die Musik von den Fürstenhöfen und Kirchen zunehmend auch in der bürgerlichen Öffentlichkeit ausbreitete, leitete Bach auch Konzerte im „Zimmermann’schen Caffee-Hauß“. Wie Braunwarth verständlich machte, speiste sich aus solchen Kompositionen sowie aus Gelegenheits- und Huldigungskantaten auch das berühmte Weihnachtsoratorium, deren Melodien ehemals ganz andere Motive und Texte zugrunde lagen, mitunter gar frivole oder militärische. Für die zur Weihnachtszeit 1734/35 geplante Aufführung der sechs Kantaten des Riesenwerks nutzte Bach also das damals ziemlich gängige „Parodieverfahren“, unterlegte schon existierenden Vokalwerken neue passende Texte. So entstanden die sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums, für die Braunwarth Musikbeispiele per CD vorführte:

Kantate I zum Weihnachtsfest: „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“. II zum zweiten Weihnachtsfeiertage: Und es waren Hirten in derselben Gegend“. III zum (damaligen) dritten Weihnachtsfeiertage: „Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“. IV zum Neujahrstage: „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“. V zum Sonntag nach Neujahr: „Ehre sei dir, Gott, gesungen“. VI zum Fest der Erscheinung: „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“.

Braunwarth verwies darauf, dass das Weihnachtsoratorium am 4. Advent in der Kilianskirche vom Heinrich-Schütz-Chor aufgeführt wird. Die einzelnen Kantaten erklingen in sechs Gottesdiensten in verschiedenen Heilbronner Kirchen: 25. 12. 2014 Deutschordensmünster, 26. 12. Nikolaikirche, 28. 12. Wichernkirche, 31. 12. Bonhoefferkirche, 4. 1. 2015. Christuskirche, 6. 1. Kilianskirche.

Johann Sebastian Bach als der berühmteste Vertreter einer großen thüringischen Musikerfamilie des 17.18.Jahrhunderts (vier seiner Söhne erreichten als Musiker ebenfalls Bedeutung) wurde zu Lebzeiten zwar als Orgelvirtuose geschätzt, seine Kompositionen wurden aber oft nicht recht verstanden. Bachs Meisterwerke haben bis in die Gegenwart eher an Wertschätzung gewonnen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s