Träume sind gut für die seelische Gesundheit – Psychotherapeut Joachim von Lübtow: Traumbotschaft erfordert Traumarbeit

2014-12-08_13akl

Psychotherapeut Joachim von Lübtow (Foto: Rolf Gebhardt)

Alle Menschen tun es, doch nicht alle nehmen es richtig wahr: „Wer bewusst träumt, hat mehr vom Schlaf und lebt gesünder“. Diese Ansicht vertrat der Psychotherapeut i.R., Joachim von Lübtow, der auch 20 Jahre lang Traumseminare geleitet hat, bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rieser-Haus und gab einfühlsame Tips zur persönlichen Traumdeutung.

„Wir Germanen sind die dümmsten Träumer“. Mit diesen Worten  provozierte Psychotherapeut von Lübtow gleich zu Anfang. Viele behaupten, sie träumen nie, weil sie sich nicht erinnern, und andere halten Träume für Trugbilder und Täuschungen, um die man sich nicht zu kümmern braucht, gemäß der Aussage: „Heute Nacht habe ich wieder so einen Quatsch geträumt.“ In anderen Ländern seien Träume Gesprächsthema am Frühstückstich und man sinne am Tag darüber nach. Träumen seien schon in der Antike große Bedeutung zugekommen; sie seien als göttliche Boshaften empfunden worden. Auch die Bibel kenne genügend Beispiele dafür, wo man sich nach Traumbotschaften ausrichte. Auch gebe es Völker, die Träume als Korrespondenz mit der Ahnenwelt betrachten.

Ein Traum ist im Grunde eine psychische Aktivität während des Schlafs, ein emotionales Schlaferlebnis mit lebhaften Bildern, intensiven Gefühlen und irrationalem Geschehen. Wie von Lübtow erklärte, träumt man mehrmals in der Schlafphase, schon bald nach dem Einschlafen, im leichten Schlaf, im Tiefschlaf, vor allem in der REM-Phase („rapid eye movements“, schnelle Augenbewegungen unter geschlossenen Lidern), wobei man sich nach Erwachen gar nicht oder nur teilweise an Träume erinnert, am besten noch,wenn man aus dem Traumschlaf gerissen wird.

In der Traumforschung ist noch manches ungeklärt, meinte von Lübtow. Während Neurologen Träume empirisch-biologisch erklären und Trauminhalte als wirre Prozesse infolge zufälliger Nervenimpulse in bestimmten Hirnregionen abtun, sind Träume aus psychoanalytischer Sicht verschlüsselte Botschaften aus dem Unterbewussten, deren Deutung als therapeutisches Mittel zur Aufarbeitung verdrängter Probleme diene. Für von Lübtow spiegeln sich in Träumen bedeutsame persönliche Erlebnisse und Erfahrungen, die sich in Bildern und Vorgängen niederschlagen, die sich zwar der Logik entziehen, aber dennoch abgeleitete Beziehungen zur Lebensrealität haben Wenn man diese aufarbeite, könnten sie einen wichtigen Beitrag zur Ordnung des Alltagslebens haben.

„Der richtige Umgang mit Träumen trägt zur seelischen Gesundheit bei“, postulierte von Lübtow. Dazu gehöre, im Nachsinnen der Träume achtsam mit sich neu auftuenden Gefühlen, Empfindungen, Intuitionen und Symptomen umzugehen. Durch Träume werde der eigenen Gefühlswelt auf unterschiedliche Art Lebenswichtiges zugänglich, „was man nicht wissen will, aber wissen soll.“ Man solle den Mut haben, sich mit den Aussagen von Träumen auseinanderzusetzen und rechtzeitig eine Klärung zu suchen. Die Seele bedürfe einer emotionalen Rückmeldung, auch um persönliche Defekte und Defizite erkennen und möglichst beheben zu können. Eventuell solle man allerdings auch Abwehrmechanismen achten, um die Seele nicht zu überfordern.

Generell sieht von Lübtow in Träumen Botschaften an die Seele aus einer anderen Welt, und zwar solche, die es gut mit einem meinen, selbst in vermeintlichen Albträumen, als hilfreiche Anleitung zu einem sinnvollen Leben. Sie beschreiben eine subjektive Lebensqualität. Natürlich, so von Lübtow, gibt es Menschen, die sind – oder stellen sich – taub, während andere „das Gras wachsen hören, denen leicht etwas auf den Magen schlägt oder ihnen die Haare zu Berge stehen lässt“. Jeder Mensch habe seine eigene Art und Möglichkeit, mit Problemen und Erstarrungen fertig zu werden

Was ist, wenn ich das Gefühl habe, nicht zu träumen? Damit einem die Traumbotschaft nicht entgeht, bedarf es der Traumarbeit, rät von Lübtow. Man müsse bereit sein für Träume. Er empfiehlt, sich Papier und ein (leuchtendes) Schreibmittel ans Bett zu legen, um beim Aufwachen sofort Trauminhalte, auch wenn es nur unzusammenhängende Rudimente sind, aufzuschreiben, also   Traumtagebuch zu führen. Mitunter bedürfe es mehrtägiger Geduld, bis sich Träume wahrnehmen lassen. Aber auch gerade im Alter sei es hilfreich für sinnvolles Tun, aus der Auseinandersetzung mit Träumen zu lernen, gelassen Aufgaben mit dem einfachsten Anfang anzugehen, froh zu sein über geschenkte Lebenszeit und dankbar für das, was einem das Leben so alles eröffnet hat.

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