Archiv für den Monat Januar 2015

Der ganze Zauber dieser Gegend – und Wildnis – Fotokünstler Roland Schweizer: Impressionen von Heilbronner Land und Island

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Foto: Rolf Gebhardt

Wie schön ist doch unsere Heimat und unsere Welt – die Stadt Heilbronn und das Heilbronner Land sowie beispielhaft die Vulkaninsel Island. Vor allem, wenn sie so eindrucksvoll in einer brillanten Multimediaschau von dem überregional bekannten Fotokünstler Roland Schweizer dargestellt wird. Über 120 „Junge Senioren“ verfolgten gespannt und regelrecht andächtig die bunte fließende Bilderwelt eines Natur- und Landschaftsfotografen, der sich mit bislang 18 Bildbänden sowie Dutzenden Fotokalendern und zahlreichen DiaVisonen einen Namen in der Fachwelt der künstlerischen Naturfotografie wie bei einem anspruchsvollen Publikum gemacht hat.
Wer glaubt, Heilbronn und das Heilbronner Land gut zu kennen, muss erkennen, dass „der ganze Zauber dieser Gegend“ – so der Titel von Schweizers „Heilbronner Impressionen“ – unter dem fotografischen Blickwinkel eines Kenners und Könners sich neu erschließen lässt. Es kommt halt auf die Perspektiven und Sichtwiesen an. Da gewinnt man einen ganz neuen Eindruck vom Marktplatz und vom Kiliansplatz, in Details und im Blick von oben. Da lächelt ein Käthchen vom Käthchenerker, zeigt sich die astronomische Kunstuhr am Rathaus in erstaunlicher Schärfe und Farbigkeit, werden die Feinheiten am Kilianskirchturm beim Kiliansmännle und vielen anderen Sandsteinfiguren ganz anschaulich, erscheint der Seyfer-Altar der Kilianskirche und ihr Inneres in neuem Licht. Der Blick auf Hochschule und Campus wird geschärft, auf Wartberg, Trappensee und Pfühl, und die Villa im Feyerabendschen Garten neu entdeckt. Man sieht Heilbronn beim „Festeln“ und in der Außengastronomie zu, bei Laufevents und beim Arbeiten im Weinberg. Die Erschließung des Buga-Geländes kontrastiert mit romantischen Ausblicken in den Flussauen des Neckar.
Im zweiten Teil dann das Heilbronner Umland, wobei für den in Löwenstein wohnenden Roland Schweizer natürlich die waldreichen Löwensteine Berge im Mittelpunkt stehen, die sich im Laufe der Jahreszeiten so farblich verändernden strukturieren Weinhänge und immer wieder der Breitenauer See, wie er sich so vielgestaltig und natürlich in die anmutige Landschaft einbettet. Natürlich rücken auch andere Sehenswürdigkeiten ins Bild, die Weibertreu und der Michaelsberg, Burg Horneck über Gundelsheim, die Götzenburg von Jagsthausen und die Wasserburg Neuenstein, aber auch nicht so geläufige Ecken wie das alte Rathaus in Kochendorf oder die alte Lauffener Stadtmauer. Und überhaupt noch ganz ländliche Dorfwinkel. Auch die Hessigheimer Felsengärten dürfen dicht fehlen und erst rechst nicht Einblicke in Waldwege bei unterschiedlichem Sonnenlicht.
Und nach der traditionellen Kaffeepause die fremdländische Zugabe mit noch einmal rund 150 Bildkompositionen von Island, die sich niemand entgehen lassen wollte, auch wenn die übliche Veranstaltungsdauer um 20 Minuten überschritten wurde. Island, die nach Großbritannien zweitgrößte Insel Europas, die erst im 9. Jahrhundert – von den Wikingern – besiedelt wurde, ist zwar zehnmal so groß wie der Landkreis Heilbronn, hat aber nicht so viele Einwohner. Das Innere, das isländische Hochland, ist geprägt von Vulkanismus und Wasserreichtum, ideal für einen Fotografen wie Roland Schweizer, der sein Lieblingsland schon um die 20mal aufgesucht hat, dieses Traumziel ursprünglicher Natur „im Licht der Wildnis“ zu betrachten. Zuletzt reizte ihn der Ausbruch des Vulkans Bardabunga im August 2014, der er sich eigentlich nur aus100 km Entfernung annähern durfte, wobei ihm eine imposante Aufnahmen im Polarlicht gelang, aber auch aus den Bordfenstern eines niedrig fliegenden Ultraleichtflugzeuges tolle Bilder von riesigen vielgestaltigen Lavafeldern in ganz ungewöhnlichen Formationen, von bei Vulkanausbrüchen entstandenen Seen, smaragdgrün schimmernden Kraterseen und Maaren, weitverzweigten Flussläufen in unglaublicher Farbenpracht, imposanten (auch gefrorenen) asserfällen, heißen Quellen und eruptiven Geysiren, blubbernden und dampfenden Schwefelquellen, auch in kurzen Videosequenzen lebendig gemacht. Und neben mächtigen Eispanzern und gigantischen Gletschern wird auch eine üppige Tundra-Vegetation sichtbar, leuchtend bunte Blumen, Farne, Flechten und Moore bis hin zu aufregenden Felsenklippen, und schließlich attraktive Küstenlandschaften.
Angesichts solch eindrucksvoller Impressionen eines Roland Schweizers konnte eine „junge Seniorin“ nur bewundernd und anerkennend feststellen: „Das ist schöner als jede Natur-Sendung im Fernsehen“ – halt Heimatverbundenheit und Weltoffenheit in fotokünstlerischer Vermittlung.

Schatzkammer Salzbergwerk und Monuments Men – Stadtarchiv-Direktor Prof. Dr. Christhard Schrenk über Nazi-Auslagerungen

2015-01-19_13aklDie mitteleuropäische Kunstwelt wäre um einiges ärmer, wenn nicht im II. Weltkrieg wertvolle Kulturgüter in den Salzbergwerken Heilbronn und Kochendorf bombensicher gelagert und unmittelbar nach dem Krieg von amerikanischen Kunstexperten ausgelagert und repatriiert worden wären. Prof. Dr. Christhard Schrenk, seit 1992 Leiter des Stadtarchivs Heilbronn, vermittelte den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus einen spannenden Überblick über die „Schatzkammer Salzbergwerk“.

Der Name des Weltstars George Clooney steht heute fast symbolisch für diese ganze Thematik. Gegen Ende des Krieges hatte der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, General Dwight D. Eisenhower, einen Befehl erlassen, historische Monumente und Kulturgüter im Feindesland zu respektieren und möglichst zu schützen. Zu diesem Zweck wurde ein Truppe namens „Monuments, Fine Arts and Archives“gegründet, die sich von ursprünglich 15 Mann bis auf 400 Kunstexperten in Uniform und schließlich in Offiziersrang entwickelte. Über deren Einsatz hat der texanische Öl-Millionär Robert Edsel jahrelang recherchiert und ein Buch mit Briefen und Tagebüchern von diesen Kunstschützern geschrieben, das 2009 unter dem deutschen Titel „Monuments Men. Die Jagd nach Hitlers Raubkunst“ erschien und für das George Clooney die Filmrechte erwarb. Clooneys Film „Monuments Men“ war ein Höhepunkt der Berlinale 2014. In gewisser Weise Pate stand bei diesem Filmereignis auch eine von Direktor Schrenk 2002 erschienene Schrift „Geheime Kulturgut-Sammelstelle – über die Salzbergwerke Heilbronn und Kochendorf 1942 – 1947“.

Bereits im Frühjahr 1942, noch vor der Katastrophe von Stalingrad, erging von Nazi-Führern der geheime Befehl, wertvolle deutsche und erbeutete Kulturgüter an einen bombensicheren Ort unterzubringen. Kochendorf war das erste Bergwerke, das für eine solche Einlagerung ab Mai 1942 genutzt wurde, zuerst für Akten der Stadt Stuttgart, und dann fand der Landeskonservator diese Salzbergwerke bestens geeignet für die sichere Lagerung von Kulturgütern aller Art. In geheimer Kommandosache wurden sie an den Wochenenden in einem guten Dutzend Salzkammern untergebracht. Doch schon 1944 wurde die Einlagerung der Schätze in Kochendorf gestoppt, da die unterirdischen Räumlichkeiten für ein Konzentrationslager und für Rüstungsproduktion genutzt werden sollten.

Die Wiederentdeckung der Salzbergwerk-Schatzkammer erfolgte im Mai 1945 durch die Monuments Men, deren Anführer der Restaurator und Museumsfachmann George Scout war, im Film gespielt von George Clooney. Jüngster Monument Man war Harry Ettlinger, der am 7. Mai 1945 , dem Tag der deutschen Kapitulation, Dolmetscher für Captain James Rorimer wurde (er war später Direktor des Metropolitan Museums of Arts und starb 1966). Schrenk, seit 20 Jahre auf den Spuren der Monuments Men, „entdeckte“ Ettlinger im Karlsruher Archiv als Heinz Ludwig Chaim Ettlinger, 1938 in die USA ausgewandert. Er wohnt in New Jersey, arbeitete als Ingenieur bei einer Rüstungsfirma und ist der einzige noch lebende Monument Man. Im Film wurde er nachgespielt und bekam auf der Berlinale und in Medien diverse Auftritte.

Rorimer hatte in Paris von einer Rose Valland Aufzeichnungen über Nazi-Lagerstätten von Kunstgütern erhalten. Ab Mai machten sich Rorimer und Ettlinger dran, 40 000 Kisten aus den Depots Kochendorf und Heilbronn zu bestimmen. Nur ein ganz geringer Teil wurde als Raubgut konfisziert., alles andere den rechtmäßigen Besitzern zugänglich gemacht.  Als erstes wurden die Glasfenster des Straßburger Münsters als Freundschaftsgeste an die Franzosen übergeben. Gefunden wurden die badischen Kronjuwelen, ein Rubens-Porträt und die Stuppacher Madonna, aber auch auch Patente, Lizenzen und andere Dokumente etwa von Bosch und Daimler-Benz. Dieses Knowhow trug laut Schrenk ebenso zum Wirtschaftsaufschwung bei wie zahlreiche Privatgegenstände bis hin zu Einmachgläsern. In den Bergwerksstollen hatten allein 240 Stuttgarter Bürger ihr gut registriertes Hab und Gut sichern lassen. Insgesamt stellten die Kunstschutztruppen unter Georg Stout über fünf Millionen Kulturgüter sicher, so in Neuschwanstein die Rothschild-Sammlung.

Und wie war das mit den Schätzen der Heilbronner Kilianskirche, wollten „Junge Senioren“ von Schrenk wissen. Die geschnitzten Heiligenfiguren und Skulpturen des Seyfer-Altars waren in 18 Kisten in Kochendorf ausgelagert, „überwinterten“ in der Öhringer Stiftskirche, bis man sich in Heilbronn nach intensivem „Kunststreit“ dafür entschied, den spätgotischen Hans-Seyfer-Altar von 1498 nach alten Fotos in Werktreue nachzubilden (statt Neuschöpfung). Die Flügeltafeln des Altars hatten die Luftangriffe in einer Backstein-Ummauerung der zerstörten Kirche überstanden, während die Gehäuse verbrannt waren.

Die heutigen Südwestdeutschen Salzwerke AG (SWS), Heilbronn, gehören zu den größten Salzproduzenten in Europa mit Förderstätten in Heilbronn, Berchtesgaden und Bad Reichenhall; Kochendorf ist nur noch Besucherbergwerk. Von den 1800 Abbaukammern (200 m lang, 15 m breit, 10 und 20 m hoch) werden einige als Untertagearchiv (UTA) genutzt. Wichtigste Vorteile als Lagerstätten: Erdbebensicher,  ungezieferfrei, frei von Elektrosmog, trocken, gleichbleibende Temperatur um 20 Grad; Nachteil: schwierig erreichbar.

Mit Christus Versöhnung und Frieden sichern – Prälat Harald Stumpf legte die Jahreslosung aus: Für Willkommenskultur

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Prälat Harald Stumpf (Foto: Rolf Gebhardt)

Drei Jahre nach seinem Antritt als Prälat des Sprengels Heilbronn hat Harald Stumpf – zum zweiten Mal – das neue Jahr im Programm der „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus eröffnet. Der Prälat, der vordem sechs Jahre lang Dekan des Kirchenbezirks Freudenstadt war und jetzt der Bischofsvertreter für 15 Dekanate ist, beeindruckte „als Theologe, als Kunstliebhaber und – für uns besonders wichtig, ihn so kennenzulernen – als Mensch“, wie das moderierende Beiratsmitglied Kurt Pöhler feststellte. Pöhler hatte eingangs mit einem Gedicht von Eduard Mörike begonnen, das just Prälat Stumpf seiner Neujahrspredigt 2015 in der Kilianskirche vorangestellt hatte.

Im Mittelpunkt von Stumpfs Referat stand die Jahreslosung 2015 aus dem „Römerbrief“ des Apostels Paulus: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob,“ untermalt von einem sinnbildhaften Gemälde mit vier Händen von der behinderten Künstlerin Annerose Eberle. Dieses Bibelwort, so Stumpf, könnte nicht dringlicher sein in dieser Zeit des Umbruchs und der großen Verunsicherung, wo man besorgt nach Richtungsweisung sucht.

Alle Zeiten seien immer mehr oder weniger schwierig, so auch damals zu Beginn unserer Zeitrechnung in Rom, als Paulus aus Korinth das Lehrschreiben an die noch junge christliche Gemeinde in Rom richtete, mit der Botschaft, sich nicht zu entzweien. Die ersten Christen in der multiethnischen Metropole Rom seien vermutlich jüdischer Abstammung gewesen und mit den nachfolgenden „Heiden-Christen“ – weil weniger „gesetzestreu“ – in Konflikt geraten. „Die Gemüse-Esser verachteten die Fleisch-Esser und umgekehrt“, meinte Stumpf, und um diesem und anderem Problem untereinander zu begegnen, erging die Aufforderung, sich gegenseitig zu akzeptieren und anzunehmen, weil auch Christus euch – und uns – bedingungslos liebt. Schon für Paulus gelte vor Gott kein Mensch als gerecht, weil er Gesetze befolge, sondern nur, weil Gott in Christus ihm seine Liebe geschenkt habe, und in dieser christlichen Freiheit könnten wir glauben und bei Gott sein. „Unter dieser Prämisse war und ist es leicht möglich, echt Freund zu sein.“sein.“

Für Stumpf ist die Jahreslosung mehr als ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Sie sei in Paulus` Sinne eine Ermahnung an die Starken, für die einzutreten, die sich nach Geborgenheit und Teilhabe sehnen, den Gedemütigten, Benachteiligten und Verfolgten Hilfen zur Erlangung von Schutz und Sicherheit zu geben. Diesbezüglich stünden wir heute angesichts der krisenhaft zugespitzten weltpolitischen Situation vor der großen Herausforderung, Flüchtlinge anzunehmen und zu unterstützen. Der theologische Zuspruch und Anspruch des Evangeliums könne helfen, in dieser stürmischen Großwetterlage eine Kultur der Versöhnung und des Friedens zu schaffen, eine „Willkommenskultur“, denn „Gott mag es bunt, ist Gott einer bunten Gesellschaft.“

Wie bei den Urchristen unterschiedliche Auslegungen nicht zu Zwist und Streit führen sollten, dürften auch heute keine Feindschaften zwischen den Religionen entstehen. So sind laut Stumpf die Begrüßungsformen im Hebräischen wie im Arabischen ähnlich: Schalom und Salam (alaikum), also Friede (sei mit euch). Allen Ängsten, Verunsicherungen und Vorurteilen zum Trotz gelte das Bemühen um „Gesundheit in den Beziehungen“, auch mit Muslimen, für Frieden in den Umständen und Gegebenheiten.  Gewalt schaffe allerdings eine Trennungslinie. Doch mit friedfertigen Muslimen müsse ein Schulterschluss für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gefunden werden.

Der Prälat verwies auf ein Kunst- und Versöhnungsprojekt des Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasiums Obersulm, das er ach zum Inhalt seines Neujahrsbriefs 2015 gemacht hat. Die Schüler haben bei einem gemeinsamen Aufenthalt mit der britischen Harris School in Rugby in der Nähe von Rom ein 20teiliges farbiges Kunstprojekt für Frieden und Versöhnung erarbeitet. Stumpf: „Es war die englische Luftwaffe, die vor 70 Jahren Heilbronn zerstört hatte, und es war die deutsche Luftwaffe, die durch einen Luftangriff über 4000 Häuser von Coventry zerstört hatte. Mitten in den Ruinen rief der damalige Domdekan der Pfarrkirche von Coventry in der Weihnachtsmesse zur Versöhnung auf. Aus diesem Ruf zur Versöhnung entstand die internationale Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry“, der neben dem Evangelischen Gymnasium auch die Evangelische Tagungsstätte Löwenstein und die Heilbronner Kilianskirche angehört.