Konstanzer Konzil – Weltereignis des Mittelalters – Matthias Hofmann berichtete über Kirchenspaltung und Ketzerprozesse

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Die Imperia-Statue in Konstanz (Foto: wikicommons/Alecto Love (lizenzfrei)

„Das Konstanzer Konzil 1414-1418 – Weltereignis des Mittelalters“. Als „Tip des Tags“ kündigte  die „Heilbronner Stimme“ diese Veranstaltung der „Jungen Senioren“ an – mit einem Bildnis der Statue „Imperia“, die satirisch an das Konzil von Konstanz erinnert: Die barbusige Kurtisane hält in ihren hochgestreckten Händen zwei Figuren mit Kaiserkrone und Papstmitra. Der Bildhauer Peter Lenk hatte diese zehn Meter hohe und 18 Tonnen schwere Skulptur mit Freunden in einer Nacht- und Nebel-Aktion im April 1993 im Konstanzer Hafengelände installiert, sehr zum Unwillen von Kommunalpolitikern und Behörden. Doch diese gaben ihren Widerstand alsbald auf, und so wurde die Skulptur auf dem Pegelturm im Hafen zum bekannten Wahrzeichen der Stadt Konstanz.

Der Historiker Matthias Hofmann präsentierte den rund 140 „Jungen Senioren“ einen spannenden und facettenreichen Bericht über das Geschehen rund um das Konzil von Konstanz, das einzige auf deutschem Boden, das zudem am längsten dauerte und die größte Zahl an Teilnehmern aus der gesamten christlichen Welt vereinte. Denn vor 600 Jahren herrschte ein religiöses Chaos in Europa und es ging ums Ganze, war doch die katholische Kirche vom Zerfall bedroht und ihre Glaubwürdigkeit schwer erschüttert. Die Doktrin des Papstes von Rom von der päpstlichen Vorherrschaft über jede weltliche Macht stieß unter anderem auf den Widerstand des französischen Königs, so dass er Avignon zu einer Papst-Residenz erhob. Gab es schon früher bei Papst-Wahlen immer wieder Konflikte und Zerwürfnisse, so sorgte erst recht die Kirchenspaltung, das Abendländische Schisma, ab 1378 mit einem Papst in Rom und Gegenpapst in Avignon für Rechtsunsicherheit. Nachdem auch das Konzil von Pisa 1409 die Wahl eines neuen Papstes (Alexander V.) die beiden anderen Päpste – Gregor XII. (Rom) und Benedikt XIII. (Avignon) – nicht zum Rücktritt bewegen konnte, gab es drei Päpste, von denen jeder den Anspruch erhob, der rechtmäßige Nachfolger auf dem Stuhl Petri zu sein, beschloss dich der deutsche König (und spätere Kaiser) Sigismund zusammen mit dem 1410 in Bologna für den verstorbenen Alexander zum Papst gewählten neapolitanischen Adligen Johannes XXIII (kurz nachdem er die Priesterweihe erhalten hatte), ein neuerliches Kirchenkonzil auf neutralem Boden einzuberufen, also in Konstanz, damals Reichsstadt und Bischofsstadt, mit Gastgeber Fürstbischof Otto III. von Hachberg.

Am 5. November 1414 zog Papst Johannes mit großem Gefolge in Konstanz an, noch vor König Sigismund, der am m 8. November in Aachen noch zum römischen König gekrönt wurde. Doch nachdem ab Januar 1314 auch die anderen Kongregationen nach Konstanz kamen, verlor Johannes den Rückhalt; suchte sein Heil in der Flucht und wurde gefangen genommen. (Laut Hofmann: Da dieser Johannes XXIII von der katholischen Kirche als Gegenpapst angesehen wird, konnte sich 1958 Angelo Giuseppe Roncalli erneut den Namen Johannes XXIII. geben.)

König Sigismund konnte durchsetzen, dass nach den fünf „kirchlichen Nationen“ und nicht, wie bisher üblich, nach Köpfen abgestimmt wird, um eine Majorisierung durch die italienischen Bischöfe zu verhindern, und zum anderen das Primat des Konzils gegenüber dem Papst. Dadurch war es möglich, die beiden Päpste auszuschalten und am 11. November 1417 einen neuen Papst zu wählen, Martin V., der das Konzil am 22. April 1418 mit der 44. Sitzung abschloss.

Konnte so das westliche Schisma beendet werden, so lastet dem Konzil mit den Ketzerprozessen ein noch lange nachwirkendes Versagen in Glaubensfragen an. Dem aufmüpfigen Prager Theologen Jan Hus, der die Verweltlichung und Verlotterung der Kirche in Predigten und Schriften geiselte, war zwar freies Geleit nach Konstanz versprochen worden, dennoch wurde ihm der Prozess gemacht, er zum Tode verurteilt und am 6. Juli 2015 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sein Weggefährte Hieronymus von Prag ereilte am 30. Mai 1416 das gleiche Schicksal. Auch die Thesen des bereits 1384 verstorbenen radikalen englischen Kirchenkritikers John Wyclif wurden verurteilt.

Die damals im Mittelpunkt stehende etwa 6000 Einwohner zählende Stadt Konstanz beherbergte während des Konzils mehr als zehnmal so viele Gäste: 33 Kardinäle, 346 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, 2150 weltliche Repräsentanten und über 500 Vertreter von Mönchsorden, allesamt mit zahlreichen Begleitern und Pferden – und schließlich auch 700 registrierte „Hübschlerinnen“.

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