Archiv für den Monat Mai 2015

Die spätgotische Schwaigerner Johanneskirche – Kunsthistorikerin Maria Theresia Heitlinger erläuterte den meisterhaften Bau

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(Foto: Rolf Gebhardt)

Ein würdiger Abschluss der Programmreihe 2014/15 der „Jungen Senioren“:  Ein Auswärtstermin in der Heilbronner Landkreisstadt Schwaigern, zwischen Heuchelberg und Kraichgau, zur Besichtigung der Evangelischen Stadtkirche unter kundiger Führung durch die Heilbronner Journalistin und Kunsthistorikerin Maria Theresia Heitlinger, die1995 ihre Magisterarbeit über den Baumeister der Schwaigerner Johanneskirche, Bernhard Sporer, geschrieben hat.

Der Kirchenbaumeister Bernhard Sporer hat diese kunsthistorisch überregional bedeutsame spägtgotische Hallenkirche in den Jahren 1514 bis 1520 errichtet, im Auftrag der Herrschaft derer von Neipperg, die als adliges Geschlecht seit dem 12. Jahrhundert in Schwaigern nachweisbar sind. Doch schon fünf Jahrhunderte vorher dürfte es an gleicher Stelle eine Johannes dem Täufer geweihte Kirche gegeben haben. Hier im direkten Umfeld der späteren Burg – und dem heutigen Schloss – der Herren von Neipperg entstand im 13. Jahrhundert eine romanische Kirche, die im 15. Jahrhundert erneuert wurde. Den Auftrag zu einer neuen größeren Kirche gab Georg Wilhelm von Neipperg, von 1498 bis 1520 Oberhaupt des Hauses Neipperg. Er findet sich verewigt in der Kirche einem steinernen Grabdenkmal in der mittleren Nische an der Südwand: als Ritter in voller Rüstung, mit federgeschmücktem Hut. Daneben befindet sich ein schlichteres Grabmal seiner Ehefrau Anna Barbara von Schwarzenberg, in betender Haltung, in plissiertem Kleid.

Doch vordem war für die 70 „Jungen Senioren“ zuerst einmal ein Rundgang um die Kirche angesagt. Gleich um die Südwestecke verwies Maria Theresia Heitlinger in einer Stützpfeilernische  unter einem reich verzierten Baldachin auf eine Schmerzensmann-Statue von künstlerischer Qualität, wiewohl nur eine Kopie, denn die beschädigte Original befindet sich im Kircheninneren. . Unter dem Sockel der steinernen Figur ist eine lange lateinische Bauinschrift eingemeißelt. Neben dem neippergschen Wappen ist das Meisterzeichen Sporers, ein stilisierter Reitersporn, zu sehen.

Wie bei dem Rundgang und der Innenbesichtigung noch deutlich erkennbar wurden für den spätgotischen Neubau ältere Teile des romanischen Vorgängerbaus mitverwendet, so – angrenzend an den Schlosspark – die  Nordhälfte des Langhauses, was schon vom westlichen Haupteingang her an der niedriger geführten Dachneigung sichtbar ist. Auch der mächtige Kirchturm mit dem typischen umlaufenden Rundbogenfries blieb, darüber neu aufgesetzt ein schieferverkleideter Drittelaufbau mit vier größeren und einem kleineren Türmchen. An der Nordost- und an der Südseite gibt es im Mauerwerk Anzeichen, dass je noch ein Gebäudeteil vorgesetzt werden sollte.

Dieser insgesamt imposanter Kirchenbau ist erst recht innen reich ausgestattet. Beeindruckend das reich geschmückte Netzgewölbe, das das hohe lichtdurchflutete Langhaus und den langen Chor krönt. Auch wenn das hoch im Triumphbogen hängende Kruzifix kaum zu übersehen ist, wird der Blick schon vom Eingang angezogen vom Hochaltar in Chorende, ein kunstvoll verzierter „goldener Marienaltar“ Links an der Außenwand ist ein romanisches Sakramentshäuschen zu sehen, ebenfalls mit kunstvoll geschnitztem Aufbau.Im Turmchor befindet sich der älteste aus dem 15. Jahrhunderts stammende Johannes-Altar, Hauptaltar der ersten Johanneskirche. Außerdem finden sich noch rechts und links zum Choreingang zwei vorreformatorische Schnitzaltare, der Märtyrer-Altar und der Crispinus- und Eligius-Altar. Das Wertvollste der Stadtkirche verbirgt sich allerdings in einer Seitenkapelle, der Barbara-Altar, ein Frühwerk des Malers Jörg Ratgeb mit einem einzigartigen in Öl auf Tannenholz gemaltem Tryptichon, jüngst von einer Renovation in Stuttgart zurückgekehrt. Beachtenswert auch die in einen der Freipfeiler integrierte Steinkanzel mit einem achteckigen Baldachin, die allerdings inzwischen abgelöst worden ist von einer neuen Kanzel auf der anderen Seite, und nicht zuletzt der großartige Chorprospekt auf der Westempore.

Die Stadtkirche ist als mehr als die Grablege des Hauses Neipperg. Bereits 1525 wurde hier die Reformation eingeführt, indem von der neippergschen Patronatsherrschaft der lutherische Prediger Bernhard Wurzelmann aus Bad Wimpfen gefördert wurde. Die Neippergs kehrten zwar 200 Jahre später zur römisch-katholischen Kirche zurück, doch erließ 1753 Graf Wilhelm Reinhard von Neipperg als Patronats-und Landesherr eine evangelische Kirchenordnung. Eine große Innenrenovierung der Kirche erfolgte 1910 und die letzte aufwendige Innenrenovierung in den Jahren 2008 bis 2013 mit einem Kostenaufwand von 1,8 Millionen €.

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