Heilbronn bei Willkommenskultur gut aufgestellt – Integrationsbeauftragte Victoria Hepting: „Vielfalt ist unsere Zukunft“

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Die Heilbronner Integrationsbeauftragte Victoria Hepting (Foto: Rolf Gebhardt)

Angesichts der angespannten Problemsituation, die die politische wie mitunter auch die private Diskussion bestimmt, wie der ungezügelte Zustrom von mehr als einer Million Flüchtlingen in diesem Jahr in Deutschland „zu schaffen“ ist und auch die humanitär und demografisch begründete  Willkommenskultur zum Teil in Misskredit geraten ließ, erscheint eine Veranstaltung etwas gewagt, die zum Thema hat: „Vielfalt ist unsere Zukunft – Willkommenskultur der Multikulti-Stadt Heilbronn“. Die Referentin Victoria Hepting, Integrationsbeauftragte der Stadt Heilbronn, die aufgrund ihrer Ausbildung (u.a. Masterstudium  in London) auch interkulturelle Kompetenz vorweisen kann, verstand es jedoch durchaus, die Aussage dieses Titels zu rechtfertigen.

Heilbronn ist tatsächlich eine Multikulti-Stadt. Gut 20 Prozent der Einwohner Heilbronns haben einen ausländischen Pass; der Anteil der Ausländer hat sich in den letzten 40 Jahren mehr als verdoppelt. Jeder zweite Heilbronner hat einen Migrationshintergrund, ist Zuwanderer. Darunter versteht man Menschen, die oder deren Eltern im Ausland geboren und zugewandert sind; in der dritten Generation gelten sie als „Bio-Deutsche“. Der Anteil der Heilbronner Bürger mit Migrationshintergrund steigt, je jünger die Altersgruppe ist. Bei den Sechs- bis Zehnjährigen in Heilbronn haben laut Hepting bereits 69 Prozent – also mehr als zwei Drittel – einen Migrationshintergrund; in den Grundschulen Heilbronns liegt dementsprechend der Anteil der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund zwischen 27 und 92 Prozent (Dammschule).

So gesehen ist in Heilbronn genügend Nachwuchs da, um den durch die demografische Entwicklung der Einheimischen – deren Anteil bei Älteren und Hochaltrigen wächst überdurchschnittlich – bedingten Rückgang der Erwerbsbevölkerung mittelfristig mehr als auszugleichen. Die Geburtenzahl der Ausländer und der Familien mit Migrationshintergrund ist verhältnismäßig deutlich höher als die der Deutschen. Insofern ist tatsächlich Vielfalt unsere  Zukunft. Es wächst eine Einwanderungsgeneration nach, die gemäß des Generationenvertrags (in einem sozialversicherungspflichtigen Job) die Renten sichern kann.

Dass die Bevölkerungszahl Heilbonns in den letzten Jahren von 120 000 auf 125 000 gestiegen ist (trotz Abwanderungen), liegt weniger am Zuzug (etwa aus dem Landkreis) oder von Flüchtlingen, sondern an legal zugewanderten Ausländern, und zwar von fast ausschließlich jüngeren Personen. Dazu zählen in erster Linie ausländische Studenten durch den Ausbau der Hochschule und des BildungsCampus sowie von ausländischen Fachkräften, die überwiegend von hiesigen Firmen im Ausland – mitunter über ausländische Niederlassungen – angeworben worden sind. Heilbronn steht in Baden-Württemberg und auch deutschlandweit mit an der Spitze, was der Anteil von Ausländern und Mitbürgern mit Migrationshintergrund betrifft. In Heilbronn sind über 140 Nationen vertreten.

Trotz des massiven Anstiegs des Flüchtlingsstroms sind in Heilbronn bisher in diesem Jahr mehr Ausländer auf legalem Wege zugezogen (5000) als Illegale. Allerdings, das machte auch Hepting deutlich, wird sich auch in Heilbronn die Zahl der Flüchtlinge zunehmend erhöhen. Nach dem  „Königsteiner Schlüssel“ (abhängig von Einwohnerzahl und Steueraufkommen) muss Baden-Württemberg im bundesweiten Verteilsystem 13 Prozent der Asylbegehrenden aufnehmen, und 1,2 Prozent davon (von den Landeserstaufnahmestellen) entfallen auf den Stadtkreis Heilbronn. Wie Hepting mitteilte, wird sich die Zahl der Flüchtlinge, die in Heilbronn ankommen werden, von zuletzt monatlich 120 auf 230 im Monat erhöhen. Es sei das erklärte Ziel der Stadt, sie in festen Gebäuden oder Hallen statt in Zelten und Wohncontainern unterzubringen.

Hier kommt die als vorbildlich geltende Heilbronner Willkommenskultur ins Spiel, um Zugangsbarrieren zu senken und Integration zu fördern: Das beginnt mit dem kostenfreien Kindergarten für alle mit der Möglichkeit von Sprachförderung und Ganztagesbetreuung. Wesentliche Förderangebote für lebenslanges Lernen kommen von der von der Dieter-Schwarz-Stiftung finanzierten Akademie für innovative Bildung und Management (AiM), u.a. mit Team-Teaching (Sprachlehrer, die Fachlehrer begleiten). 120 Eltern-Multiplikatoren stehen bereit, sowie 70 qualifizierte kulturelle Mittler in Beratungsstellen, die jeweils 40 Sprachen abdecken. Am wichtigsten ist auch Hepting zufolge eine gute Sprachschulung, um einen baldigen Ausbildungs- bzw. Berufseinstieg zu ermöglichen und die Fremden hier heimisch werden zu lassen.

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