Vulkaninseln, Schluchten, Sand- und Steinwüsten – Der Fotokünstler Roland Schweizer führte zu aufregenden Orten der Sehnsucht

2016-01-25 _26akl

Roland Schweizer an einem Sehnsuchtsort (Foto: Rolf Gebhardt)

Fotografische Leckerbissen bescherte der Fotokünstler, Naturfotograf und Buchautor Roland Schweizer im Hans-Rießer-Haus den „Jungen Senioren“, die so fasziniert waren von den vorgestellten „Sehnsuchtsorten“, dass die zweiteilige hochprofessionelle Fotoschau auch eine halbe Stunde länger dauern durfte. Im Mittelpunkt stand Schweizers primäres Traumland Island.

Der Inselstaat Island, der fast dreimal so groß ist wie Baden-Württemberg, aber weniger Einwohner hat als Stuttgart, ist das dünnstbesiedeltste Land Europas. Mit 90 Prozent urwüchsiger Natur wie geschaffen für den leidenschaftlichen Fotografen Schweizer, der schon 20 mal diese große Vulkaninsel in äußersten Norden des Atlantik aufgesucht und die in einzigartiger Weise hervortretenden Urelemente der Natur, die diese Landschaft unaufhörlich formen und gestalten, immer wieder aufs Neue in poetischer Bildsprache eingefangen hat.

Da sind in Islands Süden „hinter den roten Bergen“ die Fiallabaks, Inbegriff der heißen Quellen aus den Endmoränen, eine surreale Landschaft, wo es brodelt, blubbert und qualmt, als würde man die Schöpfung der Erde erleben, so intensiv lassen uns die Bilder Schweizers an diesen Naturphänomenen teilhaben, untermalt von stimmigen Musik. Er führte zu  smaragdgrünen Kraterseen, durch Vulkanausbrüchen entstandene Lavawüsten, in unwirtliche Landschaften und zeigte immer wieder Spuren von aktivem Vulkanismus. Besonders angetan haben es Schweizer auch die aufregenden Farben der Flüsse Islands, wenn er von einem kleinen Flieger aus 200 Meter Höhe verwirrende Wasserlandschaften aufnimmt, Wasserlabyrinthe, ein Gewimmel von Seen, Bächen und Flüssen, in denen organische Verbindungen nie geahnte Farbpaletten hervorbringen.

Schweizer vermittelte aber auch eine „Poesie der Vergänglichkeit: Mehrere Jahre hintereinander besuchte er Nupstadir, eine einsam gelegene winzige Bauernsiedlung, 50 km vom nächsten Dorf, mit 500jähriger Familientradition, zuletzt bewohnt von zwei alten Brüdern. Nach Jahren war der eine verstorben, und Schweizer durfte den überlebenden Filipus fotografieren, wie er stundenlang auf seinem Lieblingsstein vor dem kleinen Holzhaus saß. Und wenige Jahre später wurde Schweizer auch mit einem zweiten Grabstein konfrontiert. Aber diese nunmehr verlassene idyllische Einsiedelei hat er verewigt in stimmungsvollen Bildern von hölzernen Behausungen und Stallungen, romantische Blicke in und aus Fenstern, von einer 400 Jahre alten Mini-Kirche.

Ein andermal lenkte Schweizer die Blicke auf die Inselgruppe der Lofoten vor der Westküste Norwegens: aus dem Wasser ragende hohe Felswände, tief eingeschnittene Fjorde im Lichte der Mitternachtssonne – ein Gefühl für die besondere brickelnde Atmosphäre des Nordens.

Weiter ging die fotografische Reise nach Amerika, wo auf dem Colorado-Plateau die Natur eine schier unvorstellbare Formenvielfalt von steinernen Wellen hervorgebracht hat, den Klang von Symphonien heraufbeschwörend, aber auch abenteuerliche Felsausprägungen, die die Fantasie beflügeln. Laufend neue Gebilde schafft die Natur hingegen in der Sahara-Wüste, wo die Sanddünen auch immer wieder faszinierende Wellen, Wannen und andere Gebilde entstehen lassen. Schließlich verband Schweizer in einer Fotoschau drei ganz unterschiedliche Orte der Inspiration zu einem in sich zusammenfließenden Gesamtkunstwerk: Ein Spaltencanyon  in den Navajo-Wüsten Arizonas, eine wunderbare Bibliothek im Trinity-College in Dublin und eine englische Kathedrale.

Aber auch Bildereindrücke aus dem südlicheren Teil Europas durften nicht fehlen. So eine aufregende Schlucht im Tessin vor der malerischen Kulisse riesiger ausgewaschener Granitfelsen. Dann Montenegro, „wildes Land“, wo die Tara die längste und tiefste Schlucht Europas in einem über 1000 m aufregende Gebirge ausgebildet hat, voller imposanter Wasserfälle und Kaskaden.

Schließlich „feuriges Finale“: Insel und Vulkan Stromboli nördlich von Sizilien. Senkrecht aus dem Tyrrhenischen Meer ragen die über 900 m hohen kegelförmigen Vulkanberge, mit weltweit einzigartiger kontinuierlicher Aktivität. Nächtelang beobachtete Schweizer mit der Kamera die Eruptionen und mehr oder weniger heftigen Aschenauswürfe aus den Kraterseen. Gasblasen steigen auf und reißen beim Zerplatzen an der Oberfläche Magnafetzen mit sich. Brodelnde Dämpfe – eine Glut von Fontänen wie Feuerwerk.

Schweizer hat aber auch einen Blick für die Welt der kleinen Dinge und ihren Reichtum, etwa von Blütenkechen, Knospen und Regentropfen: „Wenn dein Bild nicht gut ist, warst du nicht nahe genug dran.“

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