Archiv für den Monat Februar 2016

Die „experimenta“ kann auch Senioren begeistern – Besuch der Lern- und Erlebniswelt des Heilbronner Science-Centers

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Interessierte Besucher in der experimenta (Foto: Rolf Gebhardt)

Auch wenn die Heilbronner „experimenta“ primär als Anziehungspunkt Kinder und Jugendliche gilt, folgten rund 70 Personen dem Angebot der „Jungen Senioren“ zum Besuch des größten Science-Centers Süddeutschlands. Unter dem Motto „entdecken – erleben – erkennen“ macht diese interaktive Lern- und Erlebniswelt spannende Themen aus Naturwissenschaft und Technik begreifbar und erlebbar, regt zum Experimentieren an, bietet Bildung und Unterhaltung gleichermaßen. Seit der Eröffnung Mitte November 2009 besuchten mehr als eine Million Gäste das Haus auf der Neckarinsel Hagenbucher, zum Teil untergebracht in dem total umgebauten Silo der ehemaligen seit Jahrzehnten aufgelassenen Hagenbucher Ölmühle.

Getragen wird dieses Wissenszentrum von der Stadt Heilbronn, der Industrie-und Handelskammer Heilbronn-Franken, der Hochschule Heilbronn, der Dieter-Schwarz-Stiftung und der von ihr ins Leben gerufenen Akademie für Information und Management (aim). Die Dieter Schwarz-Stiftung übernimmt auch die Kosten für die Ausstattung der „experimenta“ und ist treibende Kraft für einen Neu-und Erweiterungsbau in unmittelbarer Nachbarschaft mit einer spektakulären Architektur, wie zu sehen auf der Infotafel vor der umzäunten Baugrube, in der in den letzten Wochen interessante Spuren der frühen Industrialisierung Heilbronns entdeckt worden sind. .

Dem Reiz der „experimenta“ konnten sich auch die „Jungen Senioren“ nicht entziehen. Zwar stieß es anfangs teils auf Unverständnis, dass keine Führung angesagt war. Doch die war auch – nach Erklärung des Hauses – gar nicht nötig und praktikabel, da überall an den Stationen freundliche Damen zugegen waren, um Hilfestellungen zu geben. Es gilt, vier Themenwelten rund um Wissenschaft und Technik zu entdecken und zu erproben: E-Werk – Energie umwandeln; Werkstatt – Technik nutzen; Netzwerk – Kommunikation verstehen; Spielwerk – Freizeit gestalten.

Da wird man im 1.Stockwerk darauf aufmerksam gemacht, dass die Grunderkenntnis, „Energie geht nicht verloren“, von dem Heilbronner Robert Mayer publiziert wurde, aber man wird auch etwa mit Solarthermie und Rotortypen in der Windkraftgewinnung vertraut gemacht und kann sich auf einem Energiefahrrad austarieren. Im 2. Stock erfahren wir, wie Technik unser Leben prägt, wie technische Innovationen die Welt verändert (hat). Dabei spielt allerdings auch die Bionik eine große Rolle, denn der technische Fortschritt hat ein großes Vorbild in der Natur: die „Konstruktion“ von Pflanzen und Tieren ist schließlich Millionen Jahre lang erprobt, und dies lässt sich heute wissenschaftlich und technologisch in praktische Lösungen umsetzen.

Im 3. Stock werden wir uns bewusst, dass Kommunikation unseren Alltag und unser Zusammenleben bestimmt; man kann herausfinden, wie moderne Technik zunehmend unsere Kommunikation prägt. Mehrere tausend Sprachen gibt es auf der Welt, und wir können uns doch global verständigen, gegebenenfalls mit Händen und Mimik. Ausprobieren heißte es auch für den „Freizeit-Mensch“ im 4. Stock auf diversen „Spielplätzen“: Jeder Mensch spielt  – in jedem Alter. Spielen ist eine Sprache, die alle Menschen verstehen. Und es gilt wohl auch der Spruch: „Leute hören nicht auf zu spielen, wenn sie alt werden; sie werden aber alt, wenn sie aufhören zu spielen.“.

Demnach sind die „jungen Senioren“ nicht alt, denn gleich zu Anfang „vergnügten“ sich die meisten in der Sonderausstellung „Muskelspiele“, die Sinne, Körper und Gehirn gleichermaßen ansprechen und aktivieren will. Da wird man darauf hingewiesen, dass jeder gesunde Mensch etwa 650 Muskeln hat und dass der menschliche Muskelaufbau außergewöhnlich differenziert und leistungsfähig ist, erst recht,wenn er gut trainiert wird.. In dieser „bewegungsintensiven“ Ausstellung wird man allenthalben damit konfrontiert, dass körperliche Bewegung und geistige Fitness zusammen gehören. Es ist erstaunlich, wie schnell wir Bewegungen zu Beginn unseres Lebens erlernen,und diesen Lernprozess sollten wir bis ins hohe Alter nicht vernachlässigen, allein schon zur Erhaltung der Gesundheit, zur Vorbeugung von Krankheiten.

Also fanden die „jungen Senioren“ in der „experimenta“ die Erkenntnis bestätigt, wie wichtig körperliche wie geistige Beweglich ist. Und zum anderen, dass man beim nächsten Mal vielleicht mit einem Enkelkind die „experimenta“ besuchen sollte, denn hier finden Kinder und Jugendliche in Laboren und Talentschmieden unzählige spielerische Möglichkeiten eigenständiger Betätigung und Forschung unter Anleitung in den Feldern Technik und Physik – gegebenenfalls im Rahmen einer Kindergeburtstagsfeier.

Diakonie an den gesellschaftlichen Brennpunkten – Geschäftsführer Karl Friedrich Bretz über die Vielfalt an Beratung und Hilfe

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Karl Friedrich Bretz (Foto: Rolf Gebhardt)

„Begegnung – Beratung – Bildung“. Diese drei Wegweisungen stehen am Diakoniehaus in der Schellengasse. Für viele Heilbronner ist das Haus ein Markenzeichen. Für was es alles gut ist und welches vielfältiges Dienstleistungsgeflecht sich dahinter verbirgt, darüber berichtete bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus der Geschäftsführer des Diakonischen Werks Heilbronn, Karl Friedrich Bretz. Der 1960 geborene Kurpfälzer hat Theologie und Philosophie studiert und zusätzlich Diakoniewissenschaften und ist seit 1998 Heilbronner Diakonie-Chef, des Kreisdiakonieverbandes, sowie Vorsitzender der Liga der Wohlfahrtspflege im Stadt- und Landkreis Heilbronn und Stiftungsvorsitzender des Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasiums in Obersulm.

„Diakonie“ leitet sich vom griechischen Wort für „Dienst“ ab. Die Diakonie ist der soziale Dienst der evangelischen Kirchen (im katholischen Bereich ist es die „Caritas“). Die Heilbronner Diakonie ist der größte Diakonieverband innerhalb des Diakonischen Werks Württemberg,  als evangelisches Hilfswerk bereits im September 1945 aus der Not der Nachkriegszeit entstanden.

Wie Bretz darlegte, sieht sich die Diakonie den biblisch begründeten Werken der Barmherzigkeit verpflichtet und versteht ihren diakonischen Auftrag als Ausübung kirchlicher Nächstenliebe gegenüber den einzelnen Menschen, unabhängig von Herkunft, Nationalität, Weltanschauung, Konfession oder Religionszugehörigkeit. So gehöre Diakonie als Teil der Kirche zum Wesen und Leben jeder christlichen Gemeinde.

Bretz erinnerte daran, dass seit der Reformation tätige christliche Nächstenliebe aus dem Bannkreis der Klöster erweitert als öffentliche Aufgabe gesehen wird und so die Wohlfahrtsverbände der Kirchen – wie auch andere Wohlfahrtsverbände (etwa Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Parität) – eng mit mit dem öffentlichen Sozialwesen verknüpft sind, auch als Auftragnehmer der öffentlichen Hand, und dabei vielfach auch als Motor sozialer und gesellschaftlicher Entwicklungen fungieren. Bretz: „Die Diakonie ist mit praktischem und sozialen Handeln an den gesellschaftlichen Brennpunkten aktiv und tätig, orientiert am Bedarf des Einzelnen und bemüht, für seine Lebensprobleme passende Lösungen zu finden.“

Die Diakonie zählt in Deutschland über 300 000 Mitarbeiter in christlicher Dienstgemeinschaft, im Bereich der Diakonie Württemberg  40 000. Im Diakonischen Werk Heilbronn sind insgesamt 4500 Hauptamtliche in 33 Rechtsträgern tätig, davon 150 in der Diakonie-Geschäftsstelle. Hinzu kommen noch zahlreiche Ehrenamtliche als verlässliche Säule sozialer Arbeit und wichtige Stütze in sozialen Einrichtungen, wie Bretz anerkennend hervor hob. Die Diakonie finanziert sich aus kirchlichen Mitteln, aber auch durch Zuschüsse von Bund und Land, Stadt- und Landkreis, Agentur für Arbeit und Sozialversicherungsträgern, zudem durch Spenden und auch Verkaufserlösen.

Die Angebots der Diakonie sind äußerst vielfältig. Stand anfangs die Behebung materieller Not und Seelsorge im Vordergrund des Hilfswerks, wurde mit dem „Wirtschaftswunder“ die Beratung immer wichtiger, und so entstanden bereits in den 50iger Jahren die Suchtberatungsstelle und Suchtgefährdete) und die Mitternachtsmission, die sich um die Frauen im Rotlichtmilieu kümmert, ab den 60er Jahren vielfältige Dienste für Senioren bis hin zur offenen Altenarbeit und die Gründung der psychologischen Beratungsstelle, inzwischen integriert mit dem Anbot der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung.

Seit 40 Jahren gibt es Sozialberatung und Schwangeren-Beratung, hinzu kamen sozialpädagogische Familienhilfe sowie Frauen- und Kinderschutzhaus. Es gilt, die Menschen in schwierigen Lebensphasen zu begleiten, auch durch einen mobilen Hilfsdienst. Im Rahmen der Jugend- und Schulsozialarbeit werden verschiedene Projekte (nachschulische Betreuung, Jugendtreff) angeboten. Schließlich betreibt die Diakonie im Sinne der „Armenfürsorge“ mehrere Tafelläden für nachweislich (immer mehr) Bedürftige und Secondhandläden (Diakonieläden). Über die Evangelische Heimstiftung verfügt die Diakonie auch über eine Reihe von Altenpflegeheime im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Ferner gehören die diakonische  Bezirksstellen als niederschwelliger Dienst dazu und mehrere Diakonie-Sozialstationen.

Zum Schluss kam Bretz auch auf die wachsende Aufgabe der Hilfe für Flüchtlinge zu sprechen, in die die  Diakonie auch zunehmend eingebunden ist, so im Jugendmigrationsdienst und in der Migrationserstberatung, zumal sich die Diakonie schon vor über 40 Jahren in der Hilfe für Spätaussiedler hervorgetan hat.

Wie sparen, wenn Geld nichts mehr kostet? – Anlagen-Experte Andreas Krah beleuchtet Chancen und Risiken der Wirtschaft

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Andreas Krah  beim Vortrag im Hans-Rießer-Haus (Foto: Rolf Gebhardt)

Wie soll man sein Geld heute anlegen? Wie geht es mit unserer Wirtschaft weiter? Diese Themen beschäftigen auch durchaus die „Jungen Senioren“, und so waren sie denn auch ganz gespannt, was ihnen ein kompetenter Experte dazu zu sagen hat. Eingeladen ins Hans-Rießer-Haus war Diplom-Kaufmann Andreas Krah von der Volksbank Heilbronn. Das heißt, bei der Genossenschaftsbank ist der 50Jährige erst seit wenigen Jahren. Vorher war er am deutschen Finanzplatz Frankfurt bei verschiedenen Banken und Instituten tätig, zuletzt zwölf Jahre für die Schweizer Großbank UBS. Doch die besonderen Bedingungen der internationalen Finanzwelt konnte er nach eigenem Bekunden auf Dauer nicht mehr voll mittragen, und so fand er in Heilbronn bei der Volksbank nicht nur eine bessere Work-Life-Balance, sondern auch ein befriedigenderes Betätigungsfeld in einer effektiv am Kundeninteresse ausgerichteten Anlagenberatung und Vermögensverwaltung.

Krah stellte heraus, dass sich heute eine besondere Situation für Geld, Kapital, Kredit und Währung  aus der anhaltenden Niedrigzinsperiode ergibt, habe doch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, durch den Ankauf von Staatsanleihen mehr als eine Billion Euro in den Wirtschaftskreislauf gepumpt und den Leitzins der EZB auf ein absolutes Tief von 0,05 Prozent gesenkt. Davon profitierten nicht nur die Euro-Länder mit marodem Staatshaushalt, sondern  auch Deutschland: mit einem Exportbilanzrekord, höchster Erwerbs- und niedrigster Arbeitslosenzahl sowie einem noch recht robusten Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.

Dennoch zeichnete Krah kein rosiges Bild von unser Wirtschaftszukunft. Die USA schwächelt, ebenso wie der bisherige Wachstumsmotor China. Hinzu kommt der drastische Ölpreisverfall (von ehemals 110 auf 33 Dollar je Barrel), der zwar die Inflation gegen Null drückt, die Ölförderländer in Schwierigkeiten bringt. Selbst Saudi-Arabien, das mit einer massiven Förderung vor allem für das Überangebot sorgt, könnte sich genötigt fühlen, Vermögen zu liquidieren,  also sich von Beteiligungen an westlichen Unternehmen zu trennen, was Kursrückgänge mit sich bringen würde.

Dabei hat gerade die Nullzins-Politik der EZB sowie der Federal Reserve Bank of USA (Fed) „Substanzwerte“ in den Blickpunkt gerückt und dazu beigetragen, dass sich im Deutschen Aktien-Index (DAX) der Wert der deutschen Standardpapieren in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt hat. Doch am Tag von Krahs Referat fiel der Leitindex um satte drei Prozent auf unter 9000 Punkte und lag damit um 17 Prozent niedriger als zum Jahresende 2015. Krah berief sich auf den „entmachteten“ deutschen Notenbank-Präsidenten und EZB-Kritiker Jens Weidmann, der immer wieder davor warnt, dass eine Niedrigzins- und Geldschwemmpolitik zur Belebung einer lahmenden Wirtschaft höchst gefährlich ist, wie 2007, als die dadurch gefütterte Immobilienblase in den USA platzte und eine weltweite Finanzkrise auslöste. Auch Japan suche vergebens seit 20 Jahren mit massiven Konjunkturprogrammen einen Aufschwung. Überhaupt sei die weltweite Staatsverschuldung seit 2000 doppelt so stark gestiegen wie das Wachstum der Weltwirtschaft.

Krah wies auch darauf hin, dass durch das billige Geld der Bundeshaushalt um viele Milliarden entlastet wird, da deutsche Zehnjahresanleihe für nur noch 0,35 Prozent Zinsen zu haben ist, die deutschen Sparer hingegen schleichend um Milliarden „enteignet“ werden. Tagesgeld bringt so gut wie nichts (0,14 Prozent). Das gilt praktisch auch für Festgeld oder auch „netto“ für einen Auszahlungsplan; mitunter kann man bei einer Onlinebank noch zwei Prozent bekommen. Auch Bausparen rechnet sich derzeit nicht. Bei einer Lebensversicherung erscheint mit einer derzeitigen laufenden Verzinsung von 1,25 Prozent eine mögliche Rendite ungewiss., wie überhaupt im Moment die Zeiten für eine sichere und lohnende Altersvorsorge recht ungeeignet sind.

Am ehesten kommen laut Krah noch Investitionen in Sachwerte in Frage, doch warnte er, noch auf die „Immobilien-Hype“ aufzuspringen, es sei denn in einen seriösen offenen Immobilienfonds Geld anzulegen. Zur Finanzierung einer neuen 110-qm-Wohnung in Heilbronn sei eine Monatsmiete von 1640 Euro erforderlich, rechnete Krah vor. Langfristig habe sich bislang immer noch – trotz unvermeidlichem Auf und Ab der Kurse – eine Anlage in Aktien gelohnt. Bei der Inanspruchnahme einer Vermögensverwaltung komme es auf den Anlegertyp an, für welche Risikoklasse er sich entscheide: defensiv, ausgewogen oder offensiv. Zumindest mittelfristig müsse mit einem Zinstal gerechnet werden, so Krah.

Mehr Lebensqualität in der Endstufe des Lebens – Spezialisierte ambulante Palliativversorgung / würdige Begleitung bis zum Tod

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Fachkraft in der Hospizarbeit: Ingrid Reischle (Foto: Rolf Gebhardt)

Die Bereitschaft, sich mit dem Thema von Sterben und Tod auseinander zu setzen ist offenbar doch noch ziemlich unterentwickelt. Das zeigte sich auch am Besuch der „Jungen Seniorn“ im Hans-Rießer-Haus zur Veranstaltung: „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung Region Heilbronn“. Die Referentin Ingrid Reischle verstand es jedoch, diesem Komplex das Tabu und den Schrecken – etwa vor unerträglichen Schmerzen – zu nehmen. Sie ist gelernte Krankenschwester, „Fachkraft für die Krankenpflege“, mit spezieller Zusatzausbildung für die Hospizarbeit. Als solche ist sie je zur Hälfte beschäftigt bei der „SAPV. Spezialisierte ambulante Palliativversorgung Region Heilbronn e.V.“, angesiedelt in Weinsberg, und dem Ambulanten Hospizdienst Heilbronn e.V., angesiedelt in Heilbronn in der Moltkestraße 25.
Reischle machte von Anfang an klar, um was es bei der Palliativversorgung bzw. Palliativmedizin geht: Behandlung und Betreuung von unheilbar Kranken und Sterbenden, wobei nicht die Heilung einer Krankheit, sondern die Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden – etwa Übelkeit oder Atemnot – im Mittelpunkt steht. Patienten also, die nicht mehr therapierbar sind, aber unter massiven Schmerzattacken leiden, soll ganzheitlich geholfen werden. Es geht hier nicht um Pflege, aber um Hilfe, um die Lebensqualität gegen Ende des Lebens möglichst noch zu verbessern. Das geschieht durch schmerzlindernde Mittel, je nach dem Leiden abgestimmte Morphin-Präparate. Reischle: „Es geht darum, nicht dem Leben mehr Tage, sondern dem Tag mehr Leben.zu geben.“
Wie Reischle erläuterte, hat der Gesetzgeber mit Wirkung zum 1. April 2007 die Spezialisierte ambulante Palliativversorgung als individuellen Leistungsanspruch in das Sozialgesetzbuch aufgenommen. Seitdem hat jeder Versicherte in Deutschland das Recht auf diese neue Versorgungsform, die zum Ziel hat, auch solchen Patientinnen und Patienten eine Versorgung und Betreuung zu Haus zu ermöglichen, die einen besonders aufwändigen Betreuungsbedarf haben.
Damit wurde die Chance für den Ausbau und die Verbesserung der ambulanten Versorgung eröffnet, für das Heilbronner Land wahrgenommen von dem Weinsberger Arzt für Allgemeinmedizin, Sigmund Jakob, und Andreas Haupt, Leiter der DRK-Residenz Bad Friedrichshall, zur Gründung der SAPV als gemeinnütziger Verein, zuständig für den Stadt- und Landkreis Heilbronn.
SAPV wird insbesondere von Angehörigen von Patienten im fortgeschrittenen Stadium einer unheilbaren Erkrankung (meist Krebs) angefordert, und zwar über ärztlichen Verordnungsschein. Das Palliative-Care-Team (PCT) besteht aus erfahrenen Pflegekräften und Ärzten, die eine spezielle Weiterbildung in Palliativversorgung haben, sowie aus ehrenamtlichen Mitarbeitern der ambulanten Hospizdienste, laut Reischle derzeit 35 Personen, darunter sieben Männer. Die Aufgabe des Teams ist es, Angehörige in kritischen Situationen bei der Patientenversorgung zu begleiten und zu unterstützen, auch, um etwa einen ungewollten Krankenhausaufenthalt zu vermeiden, wollen doch die meisten Menschen lieber zuhause in vertrauter Umgebung sterben als in einer Klinik oder Heim. Das Team, zu dem auch Seelsorger, Psychiater oder Psychologen herangezogen werden können, kann aber auch in Kliniken und Pflegeheimen tätig sein.
Die Tätigkeit von Ingrid Reischle besteht etwa darin, bei einem Hausbesuch das Aufnahmegespräch zu führen, die Situation zu erfassen und Behandlung und Betreuung des/der Erkrankten mit der Familie und allen Beteiligten abzustimmen. Die Erstellung eines individuellen Behandlungsplans erfolgt in Absprache mit dem Hausarzt, ebenso die Verordnung von Medikamenten sowie Heil- und Hilfsmitteln zur Schmerzlinderung und vorausschauenden Symptomkontrolle. Regelmäßige Hausbesuche und eine ärztliche und pflegerische 24-Stunden-Rufbereitschaft sind gewährleistet. Auch ein Abschlussgespräch ist vorgesehen und eine Nachbetreuung der Angehörigen. Hierfür bietet sich auch in Kooperation das Trauercafé des Diakonischen Werks in Heilbronn in der Schellengasse an (jeden 1. und 3. Sonntag-Nachmittag).
Wie hält Ingrid Reischle so einen auch seelisch belastenden „Job“ aus? „Man muss die Endlichkeit des Lebens akzeptieren, und dann ist es eine schöne Aufgabe, Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt achtsam und würdig bis in den Tod zu begleiten.“ Entspannung findet Ingrid Reischle, Mutter von vier erwachsenen Kindern mit zwei Enkelkindern, im Sport bis hin zum Marathonlauf, sind doch ihre beiden Söhne erfolgreiche Langstreckenläufer.