Archiv für den Tag 8. Februar 2016

Wie sparen, wenn Geld nichts mehr kostet? – Anlagen-Experte Andreas Krah beleuchtet Chancen und Risiken der Wirtschaft

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Andreas Krah  beim Vortrag im Hans-Rießer-Haus (Foto: Rolf Gebhardt)

Wie soll man sein Geld heute anlegen? Wie geht es mit unserer Wirtschaft weiter? Diese Themen beschäftigen auch durchaus die „Jungen Senioren“, und so waren sie denn auch ganz gespannt, was ihnen ein kompetenter Experte dazu zu sagen hat. Eingeladen ins Hans-Rießer-Haus war Diplom-Kaufmann Andreas Krah von der Volksbank Heilbronn. Das heißt, bei der Genossenschaftsbank ist der 50Jährige erst seit wenigen Jahren. Vorher war er am deutschen Finanzplatz Frankfurt bei verschiedenen Banken und Instituten tätig, zuletzt zwölf Jahre für die Schweizer Großbank UBS. Doch die besonderen Bedingungen der internationalen Finanzwelt konnte er nach eigenem Bekunden auf Dauer nicht mehr voll mittragen, und so fand er in Heilbronn bei der Volksbank nicht nur eine bessere Work-Life-Balance, sondern auch ein befriedigenderes Betätigungsfeld in einer effektiv am Kundeninteresse ausgerichteten Anlagenberatung und Vermögensverwaltung.

Krah stellte heraus, dass sich heute eine besondere Situation für Geld, Kapital, Kredit und Währung  aus der anhaltenden Niedrigzinsperiode ergibt, habe doch der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, durch den Ankauf von Staatsanleihen mehr als eine Billion Euro in den Wirtschaftskreislauf gepumpt und den Leitzins der EZB auf ein absolutes Tief von 0,05 Prozent gesenkt. Davon profitierten nicht nur die Euro-Länder mit marodem Staatshaushalt, sondern  auch Deutschland: mit einem Exportbilanzrekord, höchster Erwerbs- und niedrigster Arbeitslosenzahl sowie einem noch recht robusten Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.

Dennoch zeichnete Krah kein rosiges Bild von unser Wirtschaftszukunft. Die USA schwächelt, ebenso wie der bisherige Wachstumsmotor China. Hinzu kommt der drastische Ölpreisverfall (von ehemals 110 auf 33 Dollar je Barrel), der zwar die Inflation gegen Null drückt, die Ölförderländer in Schwierigkeiten bringt. Selbst Saudi-Arabien, das mit einer massiven Förderung vor allem für das Überangebot sorgt, könnte sich genötigt fühlen, Vermögen zu liquidieren,  also sich von Beteiligungen an westlichen Unternehmen zu trennen, was Kursrückgänge mit sich bringen würde.

Dabei hat gerade die Nullzins-Politik der EZB sowie der Federal Reserve Bank of USA (Fed) „Substanzwerte“ in den Blickpunkt gerückt und dazu beigetragen, dass sich im Deutschen Aktien-Index (DAX) der Wert der deutschen Standardpapieren in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt hat. Doch am Tag von Krahs Referat fiel der Leitindex um satte drei Prozent auf unter 9000 Punkte und lag damit um 17 Prozent niedriger als zum Jahresende 2015. Krah berief sich auf den „entmachteten“ deutschen Notenbank-Präsidenten und EZB-Kritiker Jens Weidmann, der immer wieder davor warnt, dass eine Niedrigzins- und Geldschwemmpolitik zur Belebung einer lahmenden Wirtschaft höchst gefährlich ist, wie 2007, als die dadurch gefütterte Immobilienblase in den USA platzte und eine weltweite Finanzkrise auslöste. Auch Japan suche vergebens seit 20 Jahren mit massiven Konjunkturprogrammen einen Aufschwung. Überhaupt sei die weltweite Staatsverschuldung seit 2000 doppelt so stark gestiegen wie das Wachstum der Weltwirtschaft.

Krah wies auch darauf hin, dass durch das billige Geld der Bundeshaushalt um viele Milliarden entlastet wird, da deutsche Zehnjahresanleihe für nur noch 0,35 Prozent Zinsen zu haben ist, die deutschen Sparer hingegen schleichend um Milliarden „enteignet“ werden. Tagesgeld bringt so gut wie nichts (0,14 Prozent). Das gilt praktisch auch für Festgeld oder auch „netto“ für einen Auszahlungsplan; mitunter kann man bei einer Onlinebank noch zwei Prozent bekommen. Auch Bausparen rechnet sich derzeit nicht. Bei einer Lebensversicherung erscheint mit einer derzeitigen laufenden Verzinsung von 1,25 Prozent eine mögliche Rendite ungewiss., wie überhaupt im Moment die Zeiten für eine sichere und lohnende Altersvorsorge recht ungeeignet sind.

Am ehesten kommen laut Krah noch Investitionen in Sachwerte in Frage, doch warnte er, noch auf die „Immobilien-Hype“ aufzuspringen, es sei denn in einen seriösen offenen Immobilienfonds Geld anzulegen. Zur Finanzierung einer neuen 110-qm-Wohnung in Heilbronn sei eine Monatsmiete von 1640 Euro erforderlich, rechnete Krah vor. Langfristig habe sich bislang immer noch – trotz unvermeidlichem Auf und Ab der Kurse – eine Anlage in Aktien gelohnt. Bei der Inanspruchnahme einer Vermögensverwaltung komme es auf den Anlegertyp an, für welche Risikoklasse er sich entscheide: defensiv, ausgewogen oder offensiv. Zumindest mittelfristig müsse mit einem Zinstal gerechnet werden, so Krah.