Diakonie an den gesellschaftlichen Brennpunkten – Geschäftsführer Karl Friedrich Bretz über die Vielfalt an Beratung und Hilfe

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Karl Friedrich Bretz (Foto: Rolf Gebhardt)

„Begegnung – Beratung – Bildung“. Diese drei Wegweisungen stehen am Diakoniehaus in der Schellengasse. Für viele Heilbronner ist das Haus ein Markenzeichen. Für was es alles gut ist und welches vielfältiges Dienstleistungsgeflecht sich dahinter verbirgt, darüber berichtete bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus der Geschäftsführer des Diakonischen Werks Heilbronn, Karl Friedrich Bretz. Der 1960 geborene Kurpfälzer hat Theologie und Philosophie studiert und zusätzlich Diakoniewissenschaften und ist seit 1998 Heilbronner Diakonie-Chef, des Kreisdiakonieverbandes, sowie Vorsitzender der Liga der Wohlfahrtspflege im Stadt- und Landkreis Heilbronn und Stiftungsvorsitzender des Evangelischen Paul-Distelbarth-Gymnasiums in Obersulm.

„Diakonie“ leitet sich vom griechischen Wort für „Dienst“ ab. Die Diakonie ist der soziale Dienst der evangelischen Kirchen (im katholischen Bereich ist es die „Caritas“). Die Heilbronner Diakonie ist der größte Diakonieverband innerhalb des Diakonischen Werks Württemberg,  als evangelisches Hilfswerk bereits im September 1945 aus der Not der Nachkriegszeit entstanden.

Wie Bretz darlegte, sieht sich die Diakonie den biblisch begründeten Werken der Barmherzigkeit verpflichtet und versteht ihren diakonischen Auftrag als Ausübung kirchlicher Nächstenliebe gegenüber den einzelnen Menschen, unabhängig von Herkunft, Nationalität, Weltanschauung, Konfession oder Religionszugehörigkeit. So gehöre Diakonie als Teil der Kirche zum Wesen und Leben jeder christlichen Gemeinde.

Bretz erinnerte daran, dass seit der Reformation tätige christliche Nächstenliebe aus dem Bannkreis der Klöster erweitert als öffentliche Aufgabe gesehen wird und so die Wohlfahrtsverbände der Kirchen – wie auch andere Wohlfahrtsverbände (etwa Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Parität) – eng mit mit dem öffentlichen Sozialwesen verknüpft sind, auch als Auftragnehmer der öffentlichen Hand, und dabei vielfach auch als Motor sozialer und gesellschaftlicher Entwicklungen fungieren. Bretz: „Die Diakonie ist mit praktischem und sozialen Handeln an den gesellschaftlichen Brennpunkten aktiv und tätig, orientiert am Bedarf des Einzelnen und bemüht, für seine Lebensprobleme passende Lösungen zu finden.“

Die Diakonie zählt in Deutschland über 300 000 Mitarbeiter in christlicher Dienstgemeinschaft, im Bereich der Diakonie Württemberg  40 000. Im Diakonischen Werk Heilbronn sind insgesamt 4500 Hauptamtliche in 33 Rechtsträgern tätig, davon 150 in der Diakonie-Geschäftsstelle. Hinzu kommen noch zahlreiche Ehrenamtliche als verlässliche Säule sozialer Arbeit und wichtige Stütze in sozialen Einrichtungen, wie Bretz anerkennend hervor hob. Die Diakonie finanziert sich aus kirchlichen Mitteln, aber auch durch Zuschüsse von Bund und Land, Stadt- und Landkreis, Agentur für Arbeit und Sozialversicherungsträgern, zudem durch Spenden und auch Verkaufserlösen.

Die Angebots der Diakonie sind äußerst vielfältig. Stand anfangs die Behebung materieller Not und Seelsorge im Vordergrund des Hilfswerks, wurde mit dem „Wirtschaftswunder“ die Beratung immer wichtiger, und so entstanden bereits in den 50iger Jahren die Suchtberatungsstelle und Suchtgefährdete) und die Mitternachtsmission, die sich um die Frauen im Rotlichtmilieu kümmert, ab den 60er Jahren vielfältige Dienste für Senioren bis hin zur offenen Altenarbeit und die Gründung der psychologischen Beratungsstelle, inzwischen integriert mit dem Anbot der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung.

Seit 40 Jahren gibt es Sozialberatung und Schwangeren-Beratung, hinzu kamen sozialpädagogische Familienhilfe sowie Frauen- und Kinderschutzhaus. Es gilt, die Menschen in schwierigen Lebensphasen zu begleiten, auch durch einen mobilen Hilfsdienst. Im Rahmen der Jugend- und Schulsozialarbeit werden verschiedene Projekte (nachschulische Betreuung, Jugendtreff) angeboten. Schließlich betreibt die Diakonie im Sinne der „Armenfürsorge“ mehrere Tafelläden für nachweislich (immer mehr) Bedürftige und Secondhandläden (Diakonieläden). Über die Evangelische Heimstiftung verfügt die Diakonie auch über eine Reihe von Altenpflegeheime im Stadt- und Landkreis Heilbronn. Ferner gehören die diakonische  Bezirksstellen als niederschwelliger Dienst dazu und mehrere Diakonie-Sozialstationen.

Zum Schluss kam Bretz auch auf die wachsende Aufgabe der Hilfe für Flüchtlinge zu sprechen, in die die  Diakonie auch zunehmend eingebunden ist, so im Jugendmigrationsdienst und in der Migrationserstberatung, zumal sich die Diakonie schon vor über 40 Jahren in der Hilfe für Spätaussiedler hervorgetan hat.

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