Enkeltrick: „Hallo Oma, ich brauch‘ Geld“ -Interaktives Theater- und Präventionsprojekt zum Schutz vor Trickbetrügern

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Warnung vor dem Enkeltrick in einem Theaterstück (Foto: Rolf Gebhardt)

Der Kreis der „Jungen Senioren“ war eigentlich die richtige Zielgruppe und das ideale Publikum für das kriminalpräventive Theaterstück „Hallo Oma, ich brauch‘ Geld“, das im Hans-Rießer-Haus über die Bühne ging. Die Zahl der über 60Jährigen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Sie stehen heute auch vermehrt im Fokus von Trickbetrügern, denn die Senioren verfügen zum Teil über ein erhebliches Geldvermögen und haben andererseits Schwierigkeiten, betrügerische Maschen zu durchschauen.

In der Zeitung liest man immer wieder Meldungen über ältere Menschen, die auf Trickbetrüger hereingefallen sind. Der hiesigen Kriminalpolizei werden allmonatlich ein halbes Dutzend solcher  Fälle gemeldet, doch die wenigsten Anzeigen führen zu Festnahmen. Schutz vor Betrügern ist deshalb das Ziel eines Präventionsprojekts des Polizeipräsidiums Heilbronn gemeinsam mit der Sozialstiftung der Kreissparkasse Heilbronn, die den Großteil der Finanzierung trägt, und dem Kreisseniorenrat Heilbronn, der sich um Organisation und Termine kümmert. Die theatermäßige Umsetzung „Hallo Oma, ich brauch‘ Geld“ stammt von dem Ludwigsburger Theaterpädagogen Allan Mathiasch, der zusammen mit den Kollegen Uta Baltus und Felix Beck die ganze Sache in Szene setzt. Nach der Premiere am 2. November 2015 bei der Kreissparkasse „Unter der Pyramide“  folgten vier weitere Veranstaltungen, und für 2016 sind weitere zehn Termine fest eingeplant.

Die inzwischen wohl bekannteste Betrugsmasche ist der sogenannte Enkeltrick, der jetzt auch gleich zu Anfang dargestellt wurde: Da wird aus dem Telefonbuch eine Person mit einem „älteren“ Vornamen herausgesucht und dann telefonisch angesprochen:“Rate mal, wer da spricht“ und aus der möglichen Reaktion gibt sich dann der Betrüger als Enkel oder sonstigen Verwandten aus. In diesem Falle als der Peter, der mehrere Jahre in Spanien war, gut verdient hat und jetzt dabei ist, sich ganz in der Nähe eine teure Wohnung zu leisten. Ein Freund kümmert sich darum, kann aber die vom Makler angesichts des umkämpften Wohnungsmarktes dringend geforderte Dreimonatsmiete-Kaution nicht aufbringen. Die gütige Dame möge diesem Menschen, der in nächster Zeit bei ihr vorbei komme, doch diese 1800 Euro vorstrecken. Sie bekomme sie heute Abend ganz bestimmt wieder zurück, wenn sein Zug aus Hamburg in Heilbronn einträfe und er sie bei einem Wiedersehenstreff besuche.

Die für eine ähnlichen Nachspielszene gewonnene „junge Seniorin“ zeigte sich auf der Bühne jedoch recht clever, ging vermeindlich auf den „Enkeltrick“ ein, meldete sich aber unmittelbar bei der Polizei, um diese in den Fall einzubinden. Auch zwei weitere „junge Senioren“ erwiesen sich  bei anderen initiierten Wohnungsbesuchen durchaus aufmerksam und kritisch: Als ein sommerlich bekleidete Frau mit eingegipstem Arm darum bat, ihre Telefonnummer für einen nicht angetroffenen Nachbarn aufzuschreiben; der Hilfreiche merkte zwar alsbald, dass sein auf dem Tisch gelegenes Portemonnaie nicht mehr da war, nicht aber, dass zwischenzeitlich ein zweiter Mann in seine Wohnung gekommen und hinter seinem Rücken sich der Geldbörse bemächtigt hatte. Im anderen Fall sollte der Herr für einen Nachbarn ein wertvolles Päckchen übernehmen, die Annahme quittieren, danach 20 Euro Versandkosten zahlen – doch nicht mit ihm

In einem Fall wird eine ältere Frau, die gerade einen größeren Betrag am Bankautomaten abgehoben hat, von einer Bankmanagerin besucht, mit der Bitte das Geld zurückzugeben, da Falschgeld im Umlauf sei und man sie vor Unannehmlichkeiten bewahren wolle. Sie könne sich morgen früh den Betrag plus Prämie gegen ausgestellter Quittung am Bankschalter wieder abholen. Oder: Wie man mit einer tollen Gewinnbenachrichtigung abgezockt werden soll . . .

„Belogen, betrogen und abgezockt werden Senioren immer wieder“, so Harald Pfeifer, Erster Polizeihauptkommissar beim Polizeipräsidium Heilbronn, Referat Prävention,. Er riet den  „jungen Senioren“, weiter aufmerksam, vorsichtig und kritisch zu sein, und wenn sie wirklich mal auf ein Täuschungsmanöver hereingefallen sind, dies nicht verschämt zu verschweigen, sondern der Polizei zu melden (110). Die ebenfalls anwesenden KSK-Repräsentanten – Pressesprecher Joachim Schmutz, Stiftungsgeschäftsführer Mathias Bastin und Filialdirektorin Evelyn Krämer – zeigten sich ganz angetan von der eindringlichen Darstellung weitverbreiteter Betrugsmanöver, die ja in sehr vielen Fällen mit Bankaktionen zu tun haben.

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