Am Willen und Wohl des Patienten orientiert – Klinik-Seelsorger Adriano Paoli über das klinische Ethikkomitee der SLK

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Klinikseelsorger Adriano Paoli (Foto: Rolf Gebhardt)

Wenn man vermeintlich „noch mitten im Leben steht“, fällt es nicht leicht, sich mit dem letzten Lebensabschnitt auseinanderzusetzen, „das Ende zu bedenken“. Wie ist es, wenn ich etwa mal krankheitsbedingt in eine Situation komme, wo ich mich nicht mehr richtig artikulieren kann und hilflos dem medizinischen Betrieb ausgesetzt bin? Nicht zuletzt in einem solchen Fall ist es gut zu wissen, dass es bei den SLK-Kliniken Heilbronn ein klinisches Ethikkomitee gibt. Über dessen Funktion und Arbeitsweise informierte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus der Klinik-Seelsorger am SLK-Klinikum Heilbronn, Adriano Paoli, Pastoralreferent und zudem Master für Angewandt Ethik im Gesundheits- und Sozialwesen.

Paoli ist einer der drei Klinikseelsorger, die dem klinischen Ethikkomitee für die vier SLK-Kliniken Am Gesundbrunnen, Am Plattenwald, Brackenheim und Möckmühl angehören, zudem unter anderem noch zehn Ärzte und sieben Pflegefachkräfte. Diese SLK-Institution „dient der Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen in allen Bereichen des Klinikalltags“. Das klinischen Ethikkomittee hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, Mitarbeiter entsprechend zu schulen und ethische Strukturen in den Kliniken aufzubauen. Damit soll eine stetige Verbesserung eines humanen Umgangs mit den Kranken erreicht und eine situationsgerechte „der Würde des Menschen verpflichtete“ Umgebung geschaffen werden. Laut Paoli kommt hierbei eine wichtige Stellung auch der Ethikvisite auf der medizinischen Intensivstation zu, wie generell auch Maßnahmen, die der Verbesserung der Kommunikation mit Patienten und Angehörigen dienen,

Als eine wesentliche Aufgabe des Ethikkomitees sieht Paoli die klinische Ethikberatung in Form eines „ethischen Konzils“. Mit dessen Hilfe wird versucht, in schwierigen Situationen im Konsens mit allen Beteiligten zu einer Entscheidung über die weitere Behandlung zu gelangen, welche sich am Willen und Wohl des Patienten und dessen Wertvorstellungen orientiert. Ein solches ethisches Konsil kann von jedem in der Versorgung und Betreuung eines Patienten eingebunden Mitarbeiters angefordert werden, aber auch von dem Patienten selbst oder dessen Angehörigen. Da es bei solchen zentralen Entscheidungen in der Regel auch um die Frage der Zeit geht, müssen sie unter Heranziehung geschulter Moderatoren innerhalb von 45 Minuten gefällt werden.

Das Ethikkomitee verfügt darüber hinaus über eine Vielzahl von Arbeitsgruppen, welche sich mit ethisch brisanten Themen des klinischen Alltags befassen und für das Ethikkomitee Verbesserungsvorschläge für den klinischen Alltag erarbeiten. Da kann es sich um adäquate Standortsbestimmung des Krankheitszustandes des Patienten handeln, um die Festlegung von Therapiezielen und Behandlungskonzepten. Es reicht bis zur Arbeitsgruppe Sterbekultur mit der Einrichtung eines Palliativzimmers. Der Ethikvisite kommt zumeist auch ein palliativer Charakter zu, gilt es doch bei Krankheitssituationen im Endstadium,  dem aktuellen, erklärten oder mutmaßlichen Willen des Patienten gerecht zu werden.

Um hier Schwierigkeiten zu vermeiden und möglichst Eindeutigkeit herzustellen, empfiehlt Paoli nachdrücklich die frühzeitige Entscheidung für eine Patientenverfügung, die immer wieder – nach Lebenserfahrung – neu justiert werden kann. Darüber hinaus sollte in einer Vorsorgevollmacht eine „Person des Vertrauens“ eingesetzt werden, die in uneindeutigen Situationen der Verbindlichkeit  der Patientenverfügung gegenüber den Ärzten Gehör verschaffen könnte. Patientenverfügung wie Vorsorgevollmacht bedürfen der schriftlichen Form, nicht aber der notariellen Beglaubigung.

Um eine Patientenverfügung richtig abfassen zu können, sollte man kompetente Beratung nutzen, rät Paoli dringend. So hat das Klinische Ethikkomitee die „Initiative Selbst bestimmen“ eingerichtet. Hier stehen speziell geschulte, engagierte Beraterinnen und Berater ehrenamtlich für  Einzelgespräche zur Verfügung, wobei sich klären lässt, wie man durch eine Patientenverfügung und eine Gesundheitsvollmacht effektive Vorsorge für ein selbst bestimmtes Leben bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit treffen kann. Entsprechende Gesprächstermine vermittelt das Klinikum am Gesundbrunnen wie auch das Seniorenbüro Heilbronn des Vereins Senioren für andere. Als Beratungsgebühr wird ein Kostenbeitrag von 5 € verlangt.

Der Ethiker Paoli: „Die Medizin kann mehr als der Patient wohl wünscht. Jeder hat ein Recht zu leben, aber nicht die Pflicht zur Lebensverlängerung, wenn er sich krankheitsbedingt in auswegloser Lage befindet.“.

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