Archiv für den Monat Mai 2016

Alter Friedhof ist Kultur- und Naturdenkmal – Mit Kunsthistorikerin Maria Theresia Heitlinger auf Entdeckungstour

2016-05-02_08akl

Maria Theresia Heitlinger (Foto: Rolf Gebhardt)

Der Alte Friedhof Heilbronn ist ziemlich Innenstadt-nah gelegen, quasi auf einer – unterbrochenen – Achse zwischen Harmonie-Stadtpark und Pfühlpark. Er wird zwar nicht überlaufen, ist aber doch ein beliebter Anziehungspunkt für Passanten, Spaziergänger, Ruhesuchende und auch für nicht so gern gesehene Personen, und er hat am Rand einen attraktiven Spielplatz. Doch nicht allen Heilbronnern ist er so vertraut. Und da fand bei den „Jungen Senioren“ eine geführte Besichtigung mit der Heilbronner Kunsthistorikerin Maria Theresia Heitlinger, die auch 2007 eine Büchlein über den Alten Friedhof („Heilbronner Schicksale“) geschrieben hat, einen guten Anklang.

Um 1530 wurde ein städtischer Friedhof außerhalb der (damaligen ) Stadtmauern Heilbronns begründet, nachdem der bisherige innerstädtische Kilianskirchhof erschöpft war – auch infolge einer  Pestepidemie – und geschlossen wurde. Hier beim Karmeliterkloster gab es bereits eine ältere Begräbnisstätte und einen Klosterfriedhof, der dann rasch in den laufend erweiterten städtischen Friedhof aufging. Ursprünglich war dieser Friedhof nur Begräbnisstätte der „Neugläubigen“,  der Protestanten, doch nach der Schließung des katholischen Deutschhof-Friedhofs 1778 wurden auch Katholiken dort beigesetzt. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde der Friedhof nach dem Ankauf des Karmelitergartens und einiger Privatgärten auf seine heutige Größe von zwölf Morgen erweitert. 1840 wurde auch eine Leichenhalle gebaut. 42 Jahre später wurden neue Gräber wegen Überfüllung nicht mehr gestattet und als Ersatz 1882 der neue Heilbronner Hauptfriedhof im Osten der Stadt („Auf der Bühn“) eröffnet.

Wie Heitlinger weiter berichtete, begann die Stadt um 1900 mit der sukzessiven Umgestaltung des aufgelassenen Friedhofs zu einer öffentlichen Parkanlage. Das Leichenhaus wurde aufgestockt und zum Museumsgebäude umgenutzt. Ab 1916 beherbergte es das Robert-Mayer-Museum für Naturgeschichte, das ab 1935 nach dem Stadtarzt und berühmten Prähistoriker Alfred Schliz (1849-1915) benannt wurde. Bei der tragischen Bombardierung Heilbronns am 4. Dezember 1944 wurde auch der Friedhof in Mitleidenschaft gezogen; die Ruine des Museumsgebäudes diente zeitweilig als Bühne für Theateraufführungen. Auch das 1545 errichtete große historische Steinkreuz, das dem Friedhof auch den Namen Kreuzkirchhof gab, wurde vernichtet.

Galt der Friedhof einst wegen seiner Gestaltung und seines exotischen Baumbestand als der schönste in Württemberg, so stellt er auch heute ein einzigartiges Kultur- und Naturdenkmal dar, wie Heitlinger anschaulich vermittelte, eine grüne Oase mitten in Heilbronn, auch denk der gegen Widerstände erhalten gebliebenen alten Friedhofsmauer von 1659 entlang der Weinsberger Straße.  Das Grünflächenamt der Stadt kümmert sich seit Jahrzehnten um die Anlage und Wege, insbesondere um Erhalt und Pflege des historischen Baumbestands sowie um die Blumenbepflanzung rund um die Grabstätte des größten Sohns der Stadt, den Arzt und Naturforscher Robert Mayer, der als erster das Gesetz von der Erhaltung der Energie entdeckte.

Vom Eingang Schillerstraße führte Heitlinger zuerst zu dem markantesten Blickfang des Alten Friedhof, dem 9 m  hohen Kaiser-Wilhelm-Denkmal aus dem Jahre 1893, das nach 1945 von der Allee hierher versetzt wurde. Es ist insofern eine Besonderheit, weil es nicht um Personenkult geht, als vielmehr um die  politische Leistung der deutschen Einheit: auf der Spitze die siegreiche Victoria und auf dem Sockel Mutter Germania, die die Kinder Nord und Süd versöhnt. Ähnlich wenig heroisch ist auch das Kriegerdenkmal von 1870/71.

Ist der Alte Friedhof wegen seiner vielseitigen Flora eine botanische Schatzkammer, so ist er auch eine Fundgrube für Lokalhistoriker, wegen seiner mehr als 200 Grabstätten, von denen viele Grabmale verwittert und nicht mehr identifizierbar sind, doch über 100 sind eindrucksvolle Zeugen der Würdigung verdienter Zeitgenossen: Ehemalige Bürgermeister und andere politische und kulturelle Honorationen, die Begründer Heilbronner Wirtschaftsdynastien (Schaeuffelen, Rümelin, Rauch, Feyerabend, Rund, Metz sowie Achtung,  Bruckmann, Closs, Cluss, Goppelt. Mayer, Pilger, Schill, Tscherning, Wecker) und Heilbronner Weingärtnerfamilien (Albrecht, Heinrich, Hofmann, Kistenmacher, Weingand) oder des Bergrats und Triasforschers Friedrich von Alberti und des gebürtigen Prager Musikers und städtischen Musikdirektors Ernst Maschek, das angebliche „Käthchen-Vorbild“ Elisabeth Klett, geborene Kornacher, bis zu dem derzeit in einer Hommage im Stadtarchiv gewürdigten Maultrommel- und Gitarren-Virtuosen Karl Eulenstein.

Im Folgenden finden Sie 28 Bilder von der Führung durch Maria Theresia Heiliger, u.a. das Grabmahl von Friedrich Eduard Mayer (1809-1875), Geschäftsmann und Politiker; das Kaiser-Wilhelm-Denkmal; das Grab des Firmengründers Georg Peter Bruckmann; die Figur des Apostels Jakobus, die das Grabmal der Familie Pilger krönt (Textilhändler, Vorgänger von Palm) -die Pilgerstatue ist von Bildhauer Güldenstein aus Sontheim; die Grabstätte von Robert Mayer; die Grabstätte des städtischen Musikdirektors Ernst Maschek. (Fotos von Rolf Gebhardt)

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