Archiv für den Tag 7. November 2016

Das Alter kann beglückende Lebensphase sein – Ruhestandspfarrer Peter Goes gibt Ratschläge, wie man gesund altert

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Per.i.R. Peter Goes (Foto: Rolf Gebhardt)

„Alt – keiner will es sein, jeder will es werden.“ Mit dieser kleinen Weisheit eröffnete Pfarrer i.R. Peter Goes bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus seinen Vortrag über „gesund altern“ und vermittelte anschaulich hilfreiche Ratschläge für das „wie“: geistig und körperlich aktiv bleiben. Gesund altern ist schließlich ein erstrebenswertes Lebensziel, und tatsächlich empfinden viele ihre dritte Lebensphase – zwischen dem 65. und 80.Lebensjahr – emotional als die befriedigendste Zeit ihres Lebens, referierte Goes eine Erkenntnis aus der Altersforschung, denn: „Alter spielt sich im Kopf ab, nicht auf der Geburtsurkunde“..
Die Menschen in unserer Gesellschaft erfreuen sich einer zunehmenden Lebenserwartung. Doch diese Langlebigkeit ist nicht mit Hinfälligkeit, Unfähigkeit und Hilflosigkeit gleichzusetzen. Die Menschen werden heutzutage durchweg „gesund älter“, weiß Pfarrer Goes. Das, was man früher unter „alt“ verstand, manifestiert sich oft erst in der vierten Lebensphase über 80 bis hin zu den „Hochaltrigen“. Natürlich, so Goes, muss man sich vergegenwärtigen, dass mit zunehmendem Alter nun einmal unvermeidlich – genetisch bedingt – der natürliche Alterungsprozess voranschreitet, die Kräfte und Reaktionsfähigkeiten nachlassen, man nicht mehr so schnell und manches mühsamer ist.
Aber das muss man akzeptieren, sich einlassen auf das Älterwerden mit den entsprechenden Begleiterscheinungen, sich bemühen, die noch vorhandenen Kräfte und Fähigkeiten eventuell noch aufzubauen oder zumindest weitgehend zu erhalten, und wenn man einen gewissen Verfallprozess wahrnimmt, sich damit abfinden. Nach einem „gelebten Leben“ braucht man sich nicht mehr etwas beweisen zu wollen und kann im Ruhestand – befreit von beruflichem Zeitdruck und gesellschaftlichen Zwängen – sich seine Lebensgestaltung, seinen Alltag, in der Regel unabhängiger einteilen, sofern man nicht stärker auf fremde Hilfe angewiesen ist, meinte Goes.
Das Empfinden, dass mit dem Älterwerden sich der Zeithorizont verkürzt, die verbleibenden Lebenszeit immer gering wird, kann für manche in der Jetztzeit verhaftete Menschen seelische Probleme mit sich bringen. Aber das Leben ist halt nun mal begrenzt und endlich. Damit muss sich jeder Mensch abfinden, so schwer es mitunter auch fällt, bekräftigte Goes. Auch wenn man feststellen muss, dass das, was einem bisher als sicher und verlässlich schien, ins Wanken kommt, sollte man schnell versuchen, den schwankenden Boden zu verlassen und neuen Halt suchen. Man sollt nicht zulassen, dass Altersstarrsinn zum einzig verbleibenden Lebenssinn wird. „Starrsinn hemmt den Fluss des Lebens“, so Goes, der im Gegensatz eine schöpferische Haltung empfiehlt, Flexibilität und Anpassung, aber auch bewussten Verzicht auf Perfektion. Man sollte fest im Wissen verankert sein, dass einem auch das nicht den Boden entziehen kann, wenn weniger bleibt. Bleiben kann die Freude am Alltäglichem, etwa an der Natur im Wandel der Jahreszeiten.
Für Goes ist eine altersgerechte Lebensweise die entscheidende Komponente. Dazu gehöre eine angepasste Ernährung, ein guter und ausreichender Schlaf, möglichst viele Bewegung und positive soziale Beziehungen, ein tragendes Umfeld. Man sollte auch in erschwerten Lebensphasen den Mut nicht verlieren und sich mit Menschen umgeben, die dem Leben zugewandt sind und nicht griesgrämig.
Für die körperliche Fitness hatte Goes zwei Zitate parat: „Wer in Bewegung bleibt, bleibt bewegt und beweglich“ und „man sollt seinen Körper quälen, bevor er uns quält“. Andererseits: Auch wenn schließlich Jugend und Schönheit vergeht, der Körper altert, sollte man dies nicht vertuschen wollen. Der Körper mag Runzeln bekommen und schwächer werden. Die Seele aber bleibt lebendig, wenn der Geist geleitet wird von Hoffnung und Zuversicht, wenn man sich Humor und Gelassenheit bewahrt.
Deshalb rät Goes auch, geistig rege zu bleiben, etwa mit Lesen, Gedächtnistraining, Kreuzworträtseln oder Gedichte auswendig lernen, wie er das gerne macht, nicht nur von seinem Onkel, dem bekannten Dichterpfarrer Albrecht Goes. Und Peter Goes hatte selbst eigene Gedichte parat, aber auch ein Gedicht von Albert Schweitzer: „Du bist so jung wie Deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel; so jung wie Dein Selbstvertrauen, so alt wie Deine Furcht; so jung wie Deine Hoffnung, so alt wie Deine Verzagtheit.“
Als langjähriger Klinikseelsorger hat Peter Goes nicht nur die Freuden des Alters erlebt, sondern auch schwere Schicksale, unheilbare Krankheiten. Da tut es gut, wenn sich bei den Betroffenen erfreuliche Erinnerungen aus Kindheit, Jugend und Lebensfülle wachrufen lassen, sie erkennen, dass ihr Leben Sinn gehabt hat – erst recht, wenn man den Glauben hat an einen liebenden, gnädigen Gott.