Die Weihnachtsgeschichte in der Kunstgeschichte – Kunsthistorikerin Dr. Martin Kitzing-Bretz mit einem Gemälde-Kaleidoskop

giotto_-_scrovegni_-_-17-_-_nativity_birth_of_jesusZu Weihnachten gehört die bildhafte Vorstellung von der Geburt Christi in der Krippe im Stall mit Maria und Joseph sowie Ochs und Esel. Eine solche mehr oder weniger kunstvoll gefertigte Krippen-Gruppierung findet sich zu Weihnachten in so manchen Haushalten und in fast jeder Kirche. Bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus bot die Kunsthistorikerin Dr. Martina Kitzing Bretz aus Löwenstein eine anspruchsvolle und hintergründige Darstellung der Weihnachtsgeschichte in der bildenden Kunst vom frühen Christentum bis zum 20. Jahrhundert.

Das erste von Kitzing-Bretz präsentierte Weihnachtsbild stammt von dem Florentiner Maler Giotto di Bondone (1267-1337), der als eigentlicher Begründer der italienischen Renaissance gilt. Es zeigt ein großartiges Freskengemälde in der Arena-Kapelle des Enrico Scrovegni in Padua (siehe oben; Abb. wikicommons/gemeinfrei) und machte das traditionelle Weihnachtsgeschehen in typischer Weise anschaulich: In einem Holzgestell, über dessen Dach jubilierende Engel zu sehen sind, beugt sich Maria voller Innigkeit über ihren neu geborenen Sohn, beide mit Heiligenschein versehen. Im Vordergrund abgewendet ein ziemlich unbeteiligter Joseph, umringt von Ochs und Esel sowie Schafen mit zwei Hirten am rechten Rand.

Den Künstlern in der Renaissance ging es nicht nur darum, das in den Evangelien berichtete Geschehen zu malen, sondern die Gläubigen dazu zu bringen, sich in das Weihnachtgeschehen zu versenken, dass Gott Mensch geworden ist. Ein solches (Altar-)Bild von der heiligen Familie gibt es etwa auch von Albrecht Dürer (1471-1528): Die heilige Familie ruht vor der Ruine eines vormals herrschaftlichen Hauses, das nun den Tieren als Unterstand dient. Das Gesicht Marias, tief in das Mysterium versunken, ist wie das des Christus-Kindes hell erleuchtet. In anderer Form bei  Rembrandt (1606-1669): In dem dunkel gehaltenen Bildgeschehen die spirituell durch eine  Lichtquelle aufbereitete Szene der Geburt Christi und im Hintergrund Joseph als Zimmermann.

Kitzing-Bretz verzichtete auf die Vorführung von den weit verbreiteten Bildern der heiligen Madonna, der Mutter Gottes mit dem Kind, sondern wollte in erster Linie das klassische Weihnachtsgeschehen aufzeigen. Dazu gehören Bilder, oft Altargemälde, von der „Anbetung der Könige“. Exemplarisch zeigte sie das grandiose Gemälde des Dekorationsmalers Giovanni Batista Tiepolo (1696-1770)  in der Sakristei von San Marco in Venedig: der neugeborene Jesus in Windeln angebetet von den Königen, begleitet von Heerscharen der Engel.

In der Bibel ist allerdings nirgends die Rede von Königen. Lediglich das Matthäus-Evangelium spricht von Magiern und Sterndeutern aus dem Osten, die in Jerusalem nach dem neugeborenen König der Juden fragen. Wie Kitzing-Bretz zeigte, wurde in den Anfängen der Ostkirche in Byzanz im 6. Jahrhundert die drei Magier Balthasar, Melchior und Caspar als Sterndeuter in orientalischer Kleidung und Mützen dargestellt. So bildet ein farbenprächtige Mosaik in der Kirche Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna die drei Magier ab, die mit ihren Gaben auf dem Weg zur Geburtsstätte sind. Ab dem 10. Jahrhundert wurden sie mit Kronen als Könige gekennzeichnet.

Im christlichen Orient wurde die Weihnachtgeschichte auch anders dargestellt als im Abendland, nämlich die Jesus-Geburt nicht in einem Stall, sondern in einer Höhle. Zwar verlässt der Evangelist den Hirten durch einen Engel verkünden, „ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt“, doch von einem Stall ist keine Rede (ebenso wenig von Ochs und Esel). Damals gab es im Nahen Osten keine hölzernen Ställe oder Futtertraufen. Die Hirten suchten Zuflucht in Höhlen. Und so dürfte Jesus das Licht der Welt in einer Höhle oder Grotte erblickt haben,(auch die Geburtskirche in Bethlehem wurde errichtet über der vermuteten Geburtsstätte Jesu, ausgemacht als Geburtsgrotte), wie es auch in der Ostkirche oft darstellt wurde, Maria mit dem Kind auf einer Art Matratze liegend. Dem Florentiner Sandro Botticelli (1445-1510) gelang es, in einem mythologischen Bild byzantinische und abendländische Tradition zusammenzuführen, indem er eine Geburtshöhle in felsigem Terrain malt; im unteren Teil des Bildes werden Dichter von drei Engeln umarmt, dargestellt in den Farben der theologischen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung.

Die Kunsthistorikerin Kitzing-Bretz schloss ihre künstlerische Bilderschau der Weihnachtsgeschichte  mit einem farbintensiven Gemälde des französischen Malers Paul Gaugin (1848-1903), der – auf seiner Suche nach dem Paradies – die Geburt des Gottessohns in eine exotische Hütte in der Südsee verlegt: eine eingeborene Maria langgestreckt auf einer Liege und neben sich den winzigen Knaben.

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