Wie Martin Luther die Kirche revolutionierte – Prälat Harald Stumpf erläuterte das allgemeine Priestertum aller Gläubigen

2017-01-09_13akl

Prälat Harald Stumpf beim Vortrag im Hans-Rießer-Haus  (Foto: Rolf Gebhardt)

2017 – Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation, erinnernd an Martin Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg; Abschlussjahr der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgerufenen Reformationsdekade, die 2016 „Reformation und ihre Welt“ zum Inhalt hatte und 2017 unter dem Leitgedanken „Vertrauen“ steht. Für die „Jungen Senioren“ quasi ein „Muss“, das neue Jahr im Hans-Rießer-Haus mit einem Reformationsthema zu beginnen.

„Wir sind Papst“, an diese Schlagzeile nach der Wahl von Kardinal Ratzinger zum Papst erinnern sich viele. Prälat Harald Stumpf nimmt sie als Titel für seinen Vortrag beim Treffen der „Jungen Senioren Heilbronn“. Er spricht über Luthers Lehre vom allgemeinen Priestertum.

Mit diesem Text kündigte das Evangelische Gemeindeblatt für Württemberg diese Veranstaltung an. Der Heilbonner Prälat stellte gleich zu Beginn heraus, dass Reformation sowohl eine reine  Herzensangelegenheit wie eine Bildungsbewegung war und ist. Dieser Reformationskern sollte an der Basis, in den Kirchengemeinden, verankert sein. Deshalb habe man auch im Heilbronner Sprengel zu 500 Jahre Reformation eine Anleitung herausgegeben unter dem Titel „… da ist Freiheit“ und den charakteristischen Worten „Allein … Christus – durch Schrift – durch Glauben“. Gleichzeitig erinnerte Prälat Stumpf an die – vor einem Jahr bei den „Jungen Senioren“ erörterte – Jahreslosung 2016 mit dem Jesaja-Wort “Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“. Dies habe man auch in Heilbronn beherzigt mit einer „großartigen Willkommenskultur“ und in einer gesamt-gesellschaftlichen Hilfsbereitschaft geflüchtete Menschen würdevoll aufgenommen. „In solch einer solidarischen bunten Gesellschaft lebe ich gerne“,  betonte Stumpf. Bedauerlich sei andererseits, dass auf diese globale humanitäre Herausforderung andere mit Feindseligkeit reagiere. Solche Befürchtungen, Ängste und Parolen habe die Heilbronner Johann-Jakob-Widmann-Schule in einem Projekt beispielhaft aufgenommen und sich mit den Hintergründen beschäftigt, gängige Vorurteile konkret hinterfragt und entlarvt und sie beleuchtet in einer Plakatserie, die Stumpf in einer Auswahl auf der Titelseite eines Neujahrsbriefs platziert hat.

Auch diese Aspekte hätten Beziehungen zum Verständnis des Priestertums aller Gläubigen, merkte der Prälat an, von Martin Luther konkretisiert in seiner Schrift „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“. Die Vorstellung vom Priestertum aller Gläubigen ist laut Stumpf seit Anfang des Christentums eng mit der Taufe verbunden und wird mit einem Petrus-Wort den Neugetauften zugesprochen, ihnen die bedingungslose Liebe Gottes gnädig und barmherzig zugewandt. Luther habe das Priestertum aller Gläubigen verknüpft mit der Forderung nach Bildung für alle, dass auch alle die Bibel lesen können, in ihrer Sprache, wofür ja Luther mit der sprachgewaltigen Bibelübersetzung in deutsch gesorgt habe.

Luther wollte durch das Priestertum aller Gläubigen die Hierarchie zwischen Klerikern und Laien abschaffen. Stumpf verwies auf die Erklärung im Evangelischen Erwachsenenkatechismus: „Die Getauften sind Glieder des Volkes Gottes und haben als Priester in Glauben und Gebet unmittelbar Zugang zu Gott“. Aber auch: „Das Priestertum aller Gläubigen schließt das besondere Amt (als Dienst mit Wort und Sakrament) nicht aus, sondern setzt es voraus.“

In der spätmittelalterliche Kirche schien aus dem Dienst mit der apostolischen Überlieferung eine „Herrschaft über die  Seelen“ geworden zu sein. Die Reformation entdeckte demgegenüber die neutestamentliche Einsicht wieder, dass die Christen ein priesterliches Volk bilden. Dies habe nach Darstellung Stumpfs erhebliche Folgen für Kirche und Gemeinde, schließe aber nicht aus, Theologen in in das Pfarramt und Predigtamt der Evangeliumsverkündigung zu berufen , mit entsprechender Amtsverpflichtung. Stumpf merkte an, für ihn gäbe es keinen schöneren Beruf als den des Pfarrers, auch und gerade, weil seine geistliche Dimension kein übersteigertes Amtsbewusstsein beinhalte. Gleichwohl sei das evangelische Amtsverständnis neben der Eucharistie der entscheidende Trennungspunkt zur katholischen Kirche, die aber auch bekenne, von der Reformation gelernt zu haben.

Generell vertrat Prälat Stumpf die Ansicht, dass sich die Kirche immer wieder erneuern müsse – „Ecclesia semper reformanda“. Aber nicht nur die Kirche; jeder Einzelnen müsse bereit sein zu Umkehr und Veränderung. Unter Bezug auf die Jahreslosung 2017 „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen guten Geist in euch“ wünschte der Prälat „viele geistreiche und herzerfrischende Begegnungen“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s