Archiv für den Tag 16. Januar 2017

Nach Krebserkrankung ist Nachsorge unerlässlich – Klinik-Chefarzt Dr. Peter Trunzer plädiert für Ganzheitsmedizin

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Dr. Peter Trunzer (Foto: Rolf Gebhardt)

Krebs – eine solche Diagnose ist für Betroffene niederschmetternd: Eine bösartige Erkrankung, die durch eine unkontrollierte Vermehrung von Zellen gekennzeichnet ist und unbehandelt zum Tod führt. Einigermaßen rechtzeitig erkannt ist Krebs heutzutage grundsätzlich heilbar. Doch die Therapieformen haben zumeist unangenehme Neben- und Nachwirkungen. Da sind Reha- und Nachbehandlungen unerlässlich. Darüber referierte bei den „Jungren Senioren“ im Hans-Rießer-Haus der Chefarzt der MediClin Kraichgau-Klinik in Bad Rappenau. Dr. Peter Trunzer.

Dem Krebspatienten geht es zum ersten ums Überleben, um Heilung von dieser schlimmen Krankheit. Doch wenn er den Krebs „los“ ist, ist längst noch nicht alles überstanden. Ängste und Verunsicherung sind weitgehend weg, doch die Therapie ist überwiegend belastend, anstrengend und ermüdend. Trunzer plädierte dabei, Betroffene nach Abschluss der akuten Therapiephase gezielt und vor allem ganzheitlich zu unterstützen. Wer Chemotherapie und/oder Strahlenbehandlung bekommen hat, ist – hoffentlich – geheilt, aber längst noch nicht gesund im wörtlichen Sinne. Da ist Rehabilitation angesagt – Maßnahmen zur Linderung oder Beseitigung von chronischen, körperlichen oder seelischen Erkrankungen. Reha-Maßnahmen zielen darauf ab, den Einfluss behindernden und benachteiligen Funktionen zu beheben oder zu verringern, auch um Fähigkeiten und Begabungen so zu trainieren, dass sich die Betroffenen in ihrer Umgebung, in ihrem sozialen – familiären und gegebenenfalls beruflichen – Umfeld, (wieder) zurecht finden.

Besonders ausgeprägt sind seelische Belastungen durch die Krebserkrankung und zudem durch die Folgen der Behandlung, so Trunzer. Müdigkeit und Erschöpfung sind erkennbare Symptome. Mitunter kommen bereits vor der Krebserkrankung vorhandene bestimmte psychische Problemlagen hinzu, die belasten und die normale Rückkehr in das alte Lebensumfeld erschweren bis unmöglich machen. Der Patient „fällt in ein Loch“, machte Trunzer deutlich. Zur psychischen Krankheitsbewältigung sind dann sowohl medizinische wie (bio-)soziale Maßnahmen gefragt.

Die Palette medizinischer Rehabilitation umfasst alle ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten, die gezielte und angemessene Verschreibung von Arzneimitteln,  bis hin zur Physiotherapie und Ergotherapie. Nachsorge-Untersuchungen sind so ausgerichtet, dass das Wiederauftreten von bösartigen Tumoren rechtzeitig erkennt wird. Neben der herkömmlichen Schulmedizin, die in den letzten Jahrzehnten aufgrund neuerer Erkenntnisse enorme Fortschritte gemacht hat, möchte Trunzer aber auch „komplementäre Medizin“ nicht nicht unberücksichtigt lassen: „Es gilt: Ausprobieren was hilft – Wer heilt, hat recht!“ So Trunzer im Hinblick auf Heilpraktiker und Psychotherapeuten, auf Anthroposophie und „alternative Heiler“ sowie Akupunkturkunst.

So offeriert Trunzer in seiner Klinik auch eine intensive  psychosoziale Betreuung in der onkologischen Rehabilitation. Die Patienten kommen in die Praxis mit Klagen über Unruhe und Schlafstörungen, auch über Schweißausbrüchen und Hitzewallungen, empfinden Mattigkeit und Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit, haben Nerven- und Gefühlsstörungen, grübeln zu viel, haben sich innerlich und äußerlich – aus dem gesellschaftlichen Leben – zurückgezogen. Notwendig ist ein Abbau von Ängsten und die Rückgewinnung von Selbstbewusstsein, Selbstbestimmtheit und Zuversicht. Es sollte nicht hingenommen werden, dass ein Krebskranker beklagt, dies sei eine Strafe Gottes für eventuelle Verfehlungen. Vielmehr müsse dem ereilten Schicksal Solidarität entgegen gebracht werden. Psychoanalyse lehnt Trunzer ab.

Trunzers Ratschläge betreffen zum einen die Vermeidung von speziellen Krebs-Risiken, so Rauchen, zu intensive Sonnenbelastung und Umweltgiften. Dabei sollte man durchaus „ins Freie an die frische Luft gehen“. Sonnenschein ist gut für den körperlichen D-Vitamin-Haushalt, dem man gegebenenfalls mit speziellen Lampen oder Nahrungsergänzungsmitteln nachhelfen könne. Immer gut, auch gegen Gelenkbeschwerden, ist nun einmal viel Bewegung, laut Trunzer am besten in der Woche drei Stunden Kreislauftraining (flottes Spazieren) und eineinhalb Stunden Krafttraining. „Sport ist so wichtig wie ein Krebsmedikament“. Schmerzmittel seien mit Vorbehalt zu empfehlen, schon eher Krankengymnastik.

Für Trunzer gehört zur ganzheitlichen Behandlung auch Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung, aber auch Partner- und Sexualberatung. Zudem hat er erkannt, dass Humor- und Musik-Therapie durchaus hilfreich sein kann. Und aus diesem Segment gab Trunzer, bekannt auch als singender Chefarzt und Kabarettist, nach der Kaffeepause Kostproben zur Gitarre und „brachte den Seniorensaal zum Rocken“.