Archiv für den Monat März 2017

Die Wertschätzung von Denkmalen – Dr. Joachim Hennze von der Unteren Denkmalschutzbehörde gibt Bescheid

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Dr. Joachim Hennze (Foto: Rolf Gebhardt)

Denkmale – da denkt man wohl zuerst an überdimensionierte massive Statuen verdienter Männer (in Heilbronn Bismarck und Robert Mayer). Doch die eigentlichen Denkmale stehen zumeist als (alte) Gebäude in unseren Dörfern und Städten, und sie bedürfen des Schutzes. Was es mit den Denkmalen speziell in unserer Heimat auf sich hat, darüber informierte Dr. Joachim Hennze, der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Heilbronn, die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus.

Eine systematische Denkmalpflege begann um 1800 mit dem Interesse der Romantik für Kulturgüter des Mittelalters. Dem fühlt sich heute die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz in besonderer Weise verpflichtet. Alljährlich im September gibt es auch einen „Tag des offenen Denkmals“ mit gezielten Denkmal-Vorstellungen. International kam es 1972 in der Welterbekonvention von 1972 zu einem Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt. Seither verleiht die UNESCO den Titel „Welterbe“ (Weltkulturerbe und Weltnaturerbe) aufgrund von Bewerbungen. Derzeit gibt es 1052 Welterben in165 Ländern. In Deutschland sind es 42 Welterbestätten und 20 Beiträge zu Weltdokumenten. Die erste Auszeichnung in Deutschland ging an den Kaiserdom zu Aachen (1978), gefolgt vom Speyerer Dom (1981).

Wie Hennze darlegte, gibt es in Baden-Württemberg vier Welterben: Das Kloster Maulbronn als die am vollständigsten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters in Europa mit allen Stilrichtungen und Entwicklungsstufen von der  Romanik bis zur Spätgotik; zwei Häuser der Weißenhof-Siedlung in Stuttgart als Teil des architektonisches Werks von Le Corbusier; die Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen (Unteruhldingen am Bodensee); der Obergermanisch-raetische Limes als Grenzbefestigung des römischen Reiches vor fast 2000 Jahren gegen die „Barbaren“ (mit 550 km das längste Baudenkmal der Welt nach der Chinesischen Mauer), mit Mauern und Palisaden, Wachtürmen und Kastellen (Ausgrabungen, Rekonstruktionen und Nachbauten) , auch durch den Landkreis Heilbronn verlaufend, (Römermuseum in Osterburken und Limesmuseum in Aalen).

In Baden-Württemberg sind laut Hennze 160 000 Denkmale gemeldet, davon „allerdings nur“ 400 im Stadtkreis Heilbronn und 4000 im Landkreis Heilbronn; im Hohenlohekreis und im Kreis Schwäbisch Hall sind es deutlich mehr (wegen der Fürstenhäuser früher).

Hennze vermittelte einen Eindruck von heimischen Denkmälern in historischer Abfolge. Zuerst richtete er das Augenmerk auf die Weinsberger Weibertreu aus dem 12. Jahrhundert, ein herausragendes Beispiel für zahlreiche damalige Festungen, wie auch die Heuchelberger Warte zur Sicherung der Nordgrenze Württembergs im Mittelalter. Ein „vergessenes Kleinod“ aus jener Zeit stellt auch die Helmbundkirche am Kocher bei Neuenstadt dar und noch beeindruckender die immer wieder erneuerte Regiswindiskirche in Lauffen und erst recht der frühromanische Zentralbau des Ritter-und Kollegialstifts St. Peter in Bad Wimpfen im Tal – die zweite große Sehenswürdigkeit Wimpfens neben der „Stauferstadt“ auf dem Berg.

Dann die Schlösser. So das Schloss Horneck oberhalb von Gundelsheim, vor 800 Jahren als Burg entstanden, nach dem Heidelberger Schloss – Hennze zeigte Bilder von den Renaissance-Fassaden von Ottheinrichs- und Friedrichsbau der ehemals kurfürstlichen Residenz – das zweitgrößte Schloss am Neckar. Und am Südende des Landkreises bei Neckarwestheim Schloss Liebenstein, zurückgehend auf eine stuaufische Ministerialität im 13. Jahrhundert und seit 1686 Schloss im barocken Stil.

Hennze verwies auch auf Denkmäler in Langenbrettach (alte Mühle, ein ehemaliges Schlösschen und heutiges Rathaus),  in der Fachwerkstadt Eppingen („Alte Universität), in  Brackenheim und Neckarsulm, zeigte neuere Kirchen in Neckarwestheim, Tiefenbach, Roigheim und Heilbronn (Augustinuskirche) sowie die alten  Bahnhöfe in Heilbronn (der erste Empfangsraum von 1848), Neckarsulm und Bad Wimpfen. Neuere Denkmale in Heilbronn: Von der Weinvilla (1873) über das Krematorium von 1905 bis zum Laubenganghaus, 1931 als moderne Wohnburg entstanden und heute als „Boardinghaus“ erhalten.

Hennze macht auch deutlich, wie schwierig und aufwändig es mitunter ist, Besitzer von Denkmälern bei Umbauten und Renovierungen richtig zu betreuen, zumal strenge Vorgaben aus der obersten Denkmalschutzbehörde im Wirtschaftsministerium und der oberen in Esslingen zu beachten sind. Mit 30jähriger Erfahrung ist Hennze mit allen Denkmal-Gegebenheiten bestens vertraut, überdies als Landes- und Volkskundler geschätzt, so in Gremien des Schwäbischen Heimatbundes, des Historischen Vereins Heilbronn und des Heimat- und Museumsvereins Neckarsulm.

Auf der Flucht und Zuflucht finden – Die ARGE Flüchtlingsarbeit Heilbronn begleitet Ehrenamtlichen-Gruppen

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Referenten und Referentinnen – hier Maria Theresia Tzschoppe von der ARGE – bekommen von den Jungen Senioren zum Dank eine Rose. (Foto: Rolf Gebhardt)

Deutsche Flüchtlinge und Spätaussiedler wissen aus bitterer Erfahrung, was es bedeutet, in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Noch viel schwieriger und problematischer ist es, für Geflüchtete aus ganz anderen Kulturkreisen nach strapaziöser Flucht in Deutschland anzukommen und hier in der Fremde aufgenommen und integriert zu werden. Das funktioniert nicht ohne staatliche Unterstützung und zusätzliche Hilfen aus der heimischen Zivilbevölkerung. Hier kommt die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Flüchtlingsarbeit Heilbronn zum Zuge, eine Schnittstelle zwischen der Stadt, den Wohlfahrtsverbänden und ehrenamtlichen Arbeitskreisen. Hier unterstützen drei Mitarbeiterinnen von Awo, Caritas und Diakonie seit Mitte 2015 im Auftrag der Stadt Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit. Über dieses Koordinationsangebot und das Umfeld für Flüchtlinge berichtete den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus Maria Theresia Tzschoppe vom Kreisdiakonieverband Heilbronn.
Weltweit waren im vergangenen Jahr 60 Millionen Menschen auf der Flucht; statistisch gesehen flüchten täglich 34 000 Personen. Größtes Aufnahmeland ist derzeit die Türkei mit 2,6 Millionen, während in Europa – mit Schwerpunkt Deutschland – im vergangenen Jahr eine Million Asylanträge gestellt wurden. Die Hauptherkunftsländer sind Syrien, Irak und Afghanistan sowie vermehrt schwarzafrikanische Staaten wie Eritrea und Somalia, Nigeria und Gambia. Fluchtgründe sind Krieg und Terror, Diktaturen und verfallene Staatsstrukturen, politische und willkürliche Verfolgungen sowie zerstörte Lebensgrundlagen. Nach Schließung der Balkanroute durch massive Grenzsicherungen hat sich der Hauptfluchtweg von der Ägäis nach Griechenland wieder über das Mittelmeer vom fragilen Libyen nach Italien verlagert. Diese Situationsbeschreibung stellte Tzschoppe, die Religionswissenschaft und Ägyptologie studiert hat, an den Anfang ihres Referats.
Flüchtlinge, die es nach Deutschland geschafft haben,werden nach dem sogenannten Königsberger Schlüssel auf die Bundesländer verteilt; demnach kommen 13 Prozent nach Baden-Württemberg. Zum Erstaufnahmezentrum Karlsruhe sind weitere Ankunftszentren in Heidelberg, Ellwangen und Meßstetten eingerichtet worden, erläuterte Tzschoppe. Nach ihrer Registrierung können die Flüchtlinge Asylanträge stellen. Danach erfolgt eine Anhörung mit 25 Fragen, deren Antworten in einem Protokoll festgehalten werden und das von den Antragstellern unterzeichnet werden muss: „Grundlage für Entscheidungen mit eventuell fatalen Folgen“, so Zschoppe. Nach einer Gesamtschau aller relevanten Ereignisse und Erkenntnisquellen – nach Artikel 16a Grundgesetz und/oder Genfer Flüchtlingskonvention – dann die Entscheidung: Asylgewährung oder Ablehnung; Abschiebungen unterliegen besonderen natürlichen und humanitären Vorbehalten. Diese ganze Prozedur kann sich über ein halbes Jahr (bei Syrern) und auch über zwei Jahren erstrecken. Zschoppe erklärte auch die Unterschiede von der Gewährung subsidiärem Schutz und Duldung sowie die damit verbundenen (eingeschränkten) Bestimmungen für Familiennachzug.
Wie Tzschoppe mitteilte, sind in Heilbronn aktuell 1164 Asylbewerber, darunter rund 100 Familien, erfasst (900 männliche, 264 weibliche; 375 Minderjährige), in 50 vorläufigen Unterbringungen, ferner in zwölf Einheiten mit 30 Personen, in Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie einzelnen Wohnungen, und zwar dezentral im gesamten Stadtbereich. 384 Personen haben bereits Aufenthaltserlaubnis, so dass Anschlussunterbringung angesagt ist. Unterstützungen erfolgen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (mit eingeschränkter medizinischer Versorgung). Kinder haben Anspruch auf Kindergarten und Schulunterricht.
Tzschoppe machte auf die Probleme aufmerksam, mit denen es Geflüchtete zu tun haben. Die oftmals langen Wartezeiten, und Unsicherheiten sowie bürokratische Hemmnisse oder auch Lärm und Streit in Massenunterkünften brächten manche schier zur Verzweiflung oder veranlassten sie wohl oder übel zur Rückkehr in ihre Heimatländer. Die Betreuung durch 13 städtische Sozialarbeiter/innen und sieben (Teilzeit-)Dolmetscher sei nicht ausreichend. Deshalb sei bürgerschaftliches Engagement erforderlich, damit die gewünschte Integration gelingen könne: „Begegnung, Begleitung, Beteiligung“, von Sprachförderung über Hausaufgabenbetreuung bis Patenschaft, Unterstützung bei der Wohnungs- und Jobsuche, überhaupt Verbesserung der Lebensumstände. Die ARGE-Ansprechpersonen stünden alten und neuen ehrenamtlichen Arbeitskreisen in der Flüchtlingsarbeit mit Rat und Tat zur Seite, bekräftigte Maria Theresia Tzschoppe.

Das alte Herz – rund um den Lebensmotor – Der Kardiologe Dr. Stefan Kircher zu Funktion und Krankheiten des Herzens

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Dr. Stefan Kircher (Foto: Rolf Gebhardt)

„Wissen Sie, wo die stilisierte Herz-Form herkommt?.“ Mit dieser Frage konfrontierte der Kardiologe Stefan Kircher die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus gleich zu Anfang seines Referats über „das alte Herz“. Nun, sie geht zurück auf die ähnlich geformten Blätter der immergrünen Kletterpflanze Efeu, die schon im Altertum als Heil- und Kulturpflanze galt.

 

Das Herz ist nun einmal unser Lebensmotor – ein muskulöses Hohlorgan hinter dem Brustbein gelegen, das dem Antrieb des Blutkreislaufes dient. Wie Kircher an einem Schema aufzeigte, ist das Herz von einem Herzbeutel umschlossen und von der Herzinnenhaut ausgekleidet. Eine Scheidewand teilt das Herz in eine rechte und linke Hälfte, die jeweils aus einem Vorhof und einer Herzkammer bestehen. Passive Ausdehnung (Diastole) wechselt mit Kontraktion (Systole). Vier Herzklappen sorgen als Ventile für die Ausrichtung des Blutstroms. Das Blut fließt von der Hohlvene in den linken Vorhof, gelangt während der Diastole in die linke Kammer. Bei der Kontraktion der Kammerwände treibt das Blut in den Lungenkreislauf, kehrt – mit Sauerstoff gesättigt – durch die Lungenvenen zum Herzen zurück zum linken Vorhof. In der Diastole strömt das Blut durch die Mitralklappe in die linke Kammer und wird während der Systole durch die Aortenklappe  hindurch in die Hauptschlagader und den großen Kreislauf gepresst.

Die Herzfrequenz – die Zahl der Herzschläge pro Minute – wird bei erhöhtem Sauerstoffbedarf des Organismus gesteigert. Ihre Ausdehnungsfähigkeit ist abhängig von Konstitution und Kondition, Geschlecht und Alter. „Mit 30 Jahren fängt das Alter – das Altern – an“, stellte Kircher heraus und zeigte auf: Bei einem 80jährigen ist die Pumpleistung des Herzens in der Regel um 30 Prozent niedriger als bei einem 30jährigen, bei der Lunge um 50 Prozent. Bei Nieren ist die Funktion um 50 Prozent eingeschränkt und die maximale Sauerstoffaufnahme gar um 70 Prozent.

Das Herz als zentrale Kreislaufpumpe, das die Transportvorgänge in allen Blutgefäßen antreibt, vermag sich bei älteren Personen in der Blutdruckregulierung nicht immer der geforderten körperlichen Leistung anzupassen. Das zeigt sich laut Kircher beispielsweise beim nächtlichen Aufstehen, wo die Gefahr besteht, dass der Kopf nicht ausreichend mit Blut versorgt wird und es beim Toilettengang zum Sturz kommt. „Und dann ist oft noch ein Waschbecken oder sonst etwas im Wege, und das Sturz-Ergebnis ist Kopfverletzung oder Oberschenkelhalsbruch“, so Kircher.

Der Begriff Gesundheit ist nicht allgemein zu fassen. Es komme darauf an, sich gesund zu fühlen, gerade im Alter. Und das könne man auch mit gewissen gesundheitlichen Einschränkungen, wenn man mit denen gut umgehen könne, meinte Kircher. Bezogen auf das Herz gelte dies etwa in Bezug auf Rhythmusstörungen. Solche Störungen der Frequenz oder der Regelmäßigkeit des Herzschlags könnten durchaus gutartig sein. Auch außerhalb des regulären Grundrhythmus des Herzens im EKG  feststellbare Herzschläge – Extrasystole – müssten nicht krankhaft sein.

Plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen hingegen sind gefährlich. Bei Vorhofflimmern (unregelmäßige und unkoordinierte  Herzmuskeltätigkeit) und Vorhofflattern (häufig Herzinsuffizienz) ist der Arzt gefragt, kommen der Patienten nicht um die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten nicht herum. Gegebenenfalls ist auch ein Herzschrittmacher vonnöten, ein batteriebetriebenes Gerät, das auf Dauer unter die Brustmuskulatur eingesetzt wird und künstlich die Erregung des Herzens in Anpassung an die Belastung reguliert. Wenn das Herz rast, hilft ein Defribrillator, den Kircher nach eigener Aussage bei Wanderungen mit Altersgenossen immer dabei hat. Ein Stromstoß lässt das Herz aussetzen und gleich wieder im richtigen Rhythmus weiter schlagen. Auch ein „Defi“ kann im Körper eingebaut werden, erklärte Kircher.

Eine Erkrankung der Herzkranzgefäße liegt vor, wenn etwa körperliche Anstrengungen Brustschmerzen verursachen, es zu einer gefährlichen Unterversorgung des Herzmuskels mit Blut kommt. Das kann leicht zu Herzinfarkt führen. Herzkranzgefäßerkrankungen stehen meist mit Arteriosklerose im Zusammenhang. Gefäßablagerungen lassen sich laut Kircher am besten mit Herzkatheter-Untersuchungen klären und gegebenenfalls beheben mit Aufdehnung von Engstellen durch Einsetzen von Stents.

Dr. Kircher, Jahrgang 1944, kam 1977 von der Universität Würzburg als Oberarzt an die Medizinische Klinik Heilbronn und gründete hier 1983 die erste rein kardiologische Praxis in Nordwürttemberg, die er bis Ende 2006 führte. Seitdem bietet er jeden Montagvormittag beim Diakonischen Werk Heilbronn Beratungen zu kardiologischen Themen an, insbesondere als Zweitmeinung.

Männer und Frauen sind doch verschieden – Pfarrer Matthias Treiber mit unterhaltsamer Anleitung zum Unglücklichsein

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Pfarrer Matthias Treiber (Foto: Rolf Gebhardt)

Es ist zumindest ungewöhnlich, wenn die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus konfrontiert werden mit einem Referat unter dem Ttitel „Warum Männer und Frauen sich nicht verstehen – eine  unterhaltsame Anleitung zum Unglücklichsein“. Sollten also Evolution und Emanzipation nichts an diesem leidigen Verhältnis geändert haben? Na, da wird doch nicht etwa dem Geschlechterkrieg das Wort geredet oder gar die Institution Ehe in Frage gestellt.

Der Referent – ein Pfarrer, aber ein Pfarrer mit Humor – kann gleich beruhigen: „Ich bin seit 24 Jahren glücklich verheiratet, wir haben drei große Kinder“, so Matthias Treiber, Gemeindepfarrer in Heilbronn-Sontheim und auch Pressepfarrer für den Kirchenbezirk Heilbronn sowie Redakteur des monatlichen Mitteilungsblatts „Evangelische Information“  der Gesamtkirchengemeinde Heilbronn (und auch Internet-Betreuer von http://www.junge-senioren-heilbronn.de).

Zum besseren Verständnis schiebt Treiber auch noch einen zweiten Referatstitel nach: „Niemand versteht mich – warum Kommunikation schief geht“. Wie Treiber dazu erklärte, hat er nach seinem Theologiestudium noch ein Studium der Kommunikationswissenschaften drangehängt und beschäftigt sich so gerne mit Problemen der Kommunikation, denn „nirgends menschelt es mehr als in der Kirche.“ Und so kommen die über hundert Zuhörer/innen zu einem unterhaltsamen und informativen Nachmittag mit nachklingenden Gedanken zur Selbstbetrachtung und zur Bewertung von Kommunikationsverhalten aus eigenem und fremdem Blickwinkel.

Bekannt ist den meisten das Büchlein von Loriot mit dem „klassischen“ Titel „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen“ und dessen Sketche mit Kommunikationsproblemen und komischen Folgen im Ehe-Alltag. Da hatte Treiber auch zwei Loriot-Videos parat, so das bekannteste: „Berta, das Ei ist hart. Wie lange hat denn das Ei gekocht?“  Es ist halt dem Ehemann nicht erschließbar, dass traditionell viereinhalb Minuten gekochtes Ei zeitlich „nach Gefühl“ gekocht worden ist – da sollte man das Gefühl der eigenen Frau nicht in Frage stellen, sonst ist der Ehestreit vorpgrammiert. Oder wenn die Frau nicht wahrhaben will, dass es dem Manne gut tut, einfach nur herumzusitzen, wo es doch nach ihrer Meinung für ihn viel besser wäre, etwas zu tun oder spazieren zu gehen. Da sind im Dialog Krach-provozierende Missverständnisse unvermeidbar.

Treiber hat aber – außer Loriot – noch andere in der witzigen Pointe aufschlussreiche Beispiele für „gefährliche“ Kommunikation parat. Etwa wenn Frau ihren Liebsten nach einem intimen Zusammensein fragt, was er gerade denkt. Soll er ihr dann sagen, dass er daran denkt, morgen früh den Rasen mähen zu müssen, oder das, was sie vielleicht gerne hören möchte, oder einfach sagen, „an nichts“.Es ist halt nicht immer leicht, die passenden oder gewünschten Antworten zu finden. Aber in harmlosen Fragen oder realen Feststellungen kann Sprengstoff für die Kommunikation liegen, ohne das man/frau das beabsichtigt hat. Treiber hatte hierfür „lehrreiche“ Anekdoten parat.

Treiber konnte aber auch die ganze Welt der Kommunikation wissenschaftlich betrachten. So bezog er sich etwa auf den Psychologen und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun, der das Erlernen eines partnerschaftlichen Miteinanders anhand eines sogenannten  Kommunikationsquadrats symbolisiert: Demnach beruht die Kommunikation auf der Annahme, dass jede Äußerung nach vier Aspekten (Seiten) interpretiert werden kann – vom Sender der Äußerung wie auch vom Empfänger. Die vier Seiten der gesendeten Nachricht, also das, was der Sender mit der Äußerung ausrücken oder bewirken will, hört der Empfänger mit anderen Ohren. Die gesendete Nachricht entspricht oft  nicht den vier Seiten, wie sie vom Empfänger interpretiert werden. Erkenntnis: Die Vermittlung von Nachrichten – zwischenmenschliche Kontakte – ist spannend, auch spannungsreich und anfällig für Störungen.

Es wurde deutlich: Vor paradoxen Interpretationen, vor vermeintlichem Lug und Trug und falschen Einschätzungen ist niemand in der Kommunikation gefeit. Das gilt allein für die Bewertung der eigenen Jugend und überhaupt der Vergangenheit – „früher war alles besser“. Mitunter beschert man sich selbst persönliches Unglück durch falsche Interpretationen oder Unterstellungen. Aber schließlich war man sich mit dem Referenten einig im Hinblick auf das Thema, dass halt doch auch  unterschiedliches Rollenverständnis der Geschlechter noch relevant ist, Männer und Frauen daher  verschieden sind,  in Denken und Verhalten, in der Priorität von Beziehungs- und Vernunftebene.