Männer und Frauen sind doch verschieden – Pfarrer Matthias Treiber mit unterhaltsamer Anleitung zum Unglücklichsein

2017-03-06_Matthias Treiber_07akl

Pfarrer Matthias Treiber (Foto: Rolf Gebhardt)

Es ist zumindest ungewöhnlich, wenn die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus konfrontiert werden mit einem Referat unter dem Ttitel „Warum Männer und Frauen sich nicht verstehen – eine  unterhaltsame Anleitung zum Unglücklichsein“. Sollten also Evolution und Emanzipation nichts an diesem leidigen Verhältnis geändert haben? Na, da wird doch nicht etwa dem Geschlechterkrieg das Wort geredet oder gar die Institution Ehe in Frage gestellt.

Der Referent – ein Pfarrer, aber ein Pfarrer mit Humor – kann gleich beruhigen: „Ich bin seit 24 Jahren glücklich verheiratet, wir haben drei große Kinder“, so Matthias Treiber, Gemeindepfarrer in Heilbronn-Sontheim und auch Pressepfarrer für den Kirchenbezirk Heilbronn sowie Redakteur des monatlichen Mitteilungsblatts „Evangelische Information“  der Gesamtkirchengemeinde Heilbronn (und auch Internet-Betreuer von http://www.junge-senioren-heilbronn.de).

Zum besseren Verständnis schiebt Treiber auch noch einen zweiten Referatstitel nach: „Niemand versteht mich – warum Kommunikation schief geht“. Wie Treiber dazu erklärte, hat er nach seinem Theologiestudium noch ein Studium der Kommunikationswissenschaften drangehängt und beschäftigt sich so gerne mit Problemen der Kommunikation, denn „nirgends menschelt es mehr als in der Kirche.“ Und so kommen die über hundert Zuhörer/innen zu einem unterhaltsamen und informativen Nachmittag mit nachklingenden Gedanken zur Selbstbetrachtung und zur Bewertung von Kommunikationsverhalten aus eigenem und fremdem Blickwinkel.

Bekannt ist den meisten das Büchlein von Loriot mit dem „klassischen“ Titel „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen“ und dessen Sketche mit Kommunikationsproblemen und komischen Folgen im Ehe-Alltag. Da hatte Treiber auch zwei Loriot-Videos parat, so das bekannteste: „Berta, das Ei ist hart. Wie lange hat denn das Ei gekocht?“  Es ist halt dem Ehemann nicht erschließbar, dass traditionell viereinhalb Minuten gekochtes Ei zeitlich „nach Gefühl“ gekocht worden ist – da sollte man das Gefühl der eigenen Frau nicht in Frage stellen, sonst ist der Ehestreit vorpgrammiert. Oder wenn die Frau nicht wahrhaben will, dass es dem Manne gut tut, einfach nur herumzusitzen, wo es doch nach ihrer Meinung für ihn viel besser wäre, etwas zu tun oder spazieren zu gehen. Da sind im Dialog Krach-provozierende Missverständnisse unvermeidbar.

Treiber hat aber – außer Loriot – noch andere in der witzigen Pointe aufschlussreiche Beispiele für „gefährliche“ Kommunikation parat. Etwa wenn Frau ihren Liebsten nach einem intimen Zusammensein fragt, was er gerade denkt. Soll er ihr dann sagen, dass er daran denkt, morgen früh den Rasen mähen zu müssen, oder das, was sie vielleicht gerne hören möchte, oder einfach sagen, „an nichts“.Es ist halt nicht immer leicht, die passenden oder gewünschten Antworten zu finden. Aber in harmlosen Fragen oder realen Feststellungen kann Sprengstoff für die Kommunikation liegen, ohne das man/frau das beabsichtigt hat. Treiber hatte hierfür „lehrreiche“ Anekdoten parat.

Treiber konnte aber auch die ganze Welt der Kommunikation wissenschaftlich betrachten. So bezog er sich etwa auf den Psychologen und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun, der das Erlernen eines partnerschaftlichen Miteinanders anhand eines sogenannten  Kommunikationsquadrats symbolisiert: Demnach beruht die Kommunikation auf der Annahme, dass jede Äußerung nach vier Aspekten (Seiten) interpretiert werden kann – vom Sender der Äußerung wie auch vom Empfänger. Die vier Seiten der gesendeten Nachricht, also das, was der Sender mit der Äußerung ausrücken oder bewirken will, hört der Empfänger mit anderen Ohren. Die gesendete Nachricht entspricht oft  nicht den vier Seiten, wie sie vom Empfänger interpretiert werden. Erkenntnis: Die Vermittlung von Nachrichten – zwischenmenschliche Kontakte – ist spannend, auch spannungsreich und anfällig für Störungen.

Es wurde deutlich: Vor paradoxen Interpretationen, vor vermeintlichem Lug und Trug und falschen Einschätzungen ist niemand in der Kommunikation gefeit. Das gilt allein für die Bewertung der eigenen Jugend und überhaupt der Vergangenheit – „früher war alles besser“. Mitunter beschert man sich selbst persönliches Unglück durch falsche Interpretationen oder Unterstellungen. Aber schließlich war man sich mit dem Referenten einig im Hinblick auf das Thema, dass halt doch auch  unterschiedliches Rollenverständnis der Geschlechter noch relevant ist, Männer und Frauen daher  verschieden sind,  in Denken und Verhalten, in der Priorität von Beziehungs- und Vernunftebene.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s