Das alte Herz – rund um den Lebensmotor – Der Kardiologe Dr. Stefan Kircher zu Funktion und Krankheiten des Herzens

2017-03-13_Dr-Kircher_09akl

Dr. Stefan Kircher (Foto: Rolf Gebhardt)

„Wissen Sie, wo die stilisierte Herz-Form herkommt?.“ Mit dieser Frage konfrontierte der Kardiologe Stefan Kircher die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus gleich zu Anfang seines Referats über „das alte Herz“. Nun, sie geht zurück auf die ähnlich geformten Blätter der immergrünen Kletterpflanze Efeu, die schon im Altertum als Heil- und Kulturpflanze galt.

 

Das Herz ist nun einmal unser Lebensmotor – ein muskulöses Hohlorgan hinter dem Brustbein gelegen, das dem Antrieb des Blutkreislaufes dient. Wie Kircher an einem Schema aufzeigte, ist das Herz von einem Herzbeutel umschlossen und von der Herzinnenhaut ausgekleidet. Eine Scheidewand teilt das Herz in eine rechte und linke Hälfte, die jeweils aus einem Vorhof und einer Herzkammer bestehen. Passive Ausdehnung (Diastole) wechselt mit Kontraktion (Systole). Vier Herzklappen sorgen als Ventile für die Ausrichtung des Blutstroms. Das Blut fließt von der Hohlvene in den linken Vorhof, gelangt während der Diastole in die linke Kammer. Bei der Kontraktion der Kammerwände treibt das Blut in den Lungenkreislauf, kehrt – mit Sauerstoff gesättigt – durch die Lungenvenen zum Herzen zurück zum linken Vorhof. In der Diastole strömt das Blut durch die Mitralklappe in die linke Kammer und wird während der Systole durch die Aortenklappe  hindurch in die Hauptschlagader und den großen Kreislauf gepresst.

Die Herzfrequenz – die Zahl der Herzschläge pro Minute – wird bei erhöhtem Sauerstoffbedarf des Organismus gesteigert. Ihre Ausdehnungsfähigkeit ist abhängig von Konstitution und Kondition, Geschlecht und Alter. „Mit 30 Jahren fängt das Alter – das Altern – an“, stellte Kircher heraus und zeigte auf: Bei einem 80jährigen ist die Pumpleistung des Herzens in der Regel um 30 Prozent niedriger als bei einem 30jährigen, bei der Lunge um 50 Prozent. Bei Nieren ist die Funktion um 50 Prozent eingeschränkt und die maximale Sauerstoffaufnahme gar um 70 Prozent.

Das Herz als zentrale Kreislaufpumpe, das die Transportvorgänge in allen Blutgefäßen antreibt, vermag sich bei älteren Personen in der Blutdruckregulierung nicht immer der geforderten körperlichen Leistung anzupassen. Das zeigt sich laut Kircher beispielsweise beim nächtlichen Aufstehen, wo die Gefahr besteht, dass der Kopf nicht ausreichend mit Blut versorgt wird und es beim Toilettengang zum Sturz kommt. „Und dann ist oft noch ein Waschbecken oder sonst etwas im Wege, und das Sturz-Ergebnis ist Kopfverletzung oder Oberschenkelhalsbruch“, so Kircher.

Der Begriff Gesundheit ist nicht allgemein zu fassen. Es komme darauf an, sich gesund zu fühlen, gerade im Alter. Und das könne man auch mit gewissen gesundheitlichen Einschränkungen, wenn man mit denen gut umgehen könne, meinte Kircher. Bezogen auf das Herz gelte dies etwa in Bezug auf Rhythmusstörungen. Solche Störungen der Frequenz oder der Regelmäßigkeit des Herzschlags könnten durchaus gutartig sein. Auch außerhalb des regulären Grundrhythmus des Herzens im EKG  feststellbare Herzschläge – Extrasystole – müssten nicht krankhaft sein.

Plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen hingegen sind gefährlich. Bei Vorhofflimmern (unregelmäßige und unkoordinierte  Herzmuskeltätigkeit) und Vorhofflattern (häufig Herzinsuffizienz) ist der Arzt gefragt, kommen der Patienten nicht um die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten nicht herum. Gegebenenfalls ist auch ein Herzschrittmacher vonnöten, ein batteriebetriebenes Gerät, das auf Dauer unter die Brustmuskulatur eingesetzt wird und künstlich die Erregung des Herzens in Anpassung an die Belastung reguliert. Wenn das Herz rast, hilft ein Defribrillator, den Kircher nach eigener Aussage bei Wanderungen mit Altersgenossen immer dabei hat. Ein Stromstoß lässt das Herz aussetzen und gleich wieder im richtigen Rhythmus weiter schlagen. Auch ein „Defi“ kann im Körper eingebaut werden, erklärte Kircher.

Eine Erkrankung der Herzkranzgefäße liegt vor, wenn etwa körperliche Anstrengungen Brustschmerzen verursachen, es zu einer gefährlichen Unterversorgung des Herzmuskels mit Blut kommt. Das kann leicht zu Herzinfarkt führen. Herzkranzgefäßerkrankungen stehen meist mit Arteriosklerose im Zusammenhang. Gefäßablagerungen lassen sich laut Kircher am besten mit Herzkatheter-Untersuchungen klären und gegebenenfalls beheben mit Aufdehnung von Engstellen durch Einsetzen von Stents.

Dr. Kircher, Jahrgang 1944, kam 1977 von der Universität Würzburg als Oberarzt an die Medizinische Klinik Heilbronn und gründete hier 1983 die erste rein kardiologische Praxis in Nordwürttemberg, die er bis Ende 2006 führte. Seitdem bietet er jeden Montagvormittag beim Diakonischen Werk Heilbronn Beratungen zu kardiologischen Themen an, insbesondere als Zweitmeinung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s