Archiv für den Monat April 2017

Was nach dem Tod kommt ist Glaubenssache – Prälat i.R. Martin Klumpp über Jenseitsvorstellungen in den Religionen

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Prälat i.R. Martin Klumpp (Fotot: Rolf Gebhardt)

„Was kommt nach dem Tod?“ Um diese Frage drehte sich die letzte Vortragsveranstaltung im Programm 2016/17 der „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus. Der Referent Martin Klumpp, ehemaliger Prälat des Sprengels Stuttgart, dämpfte jedoch gleich zu Anfang allzu hoch gesteckte Erwartungen: „Was nach dem Sterben kommt – ich weiß es auch nicht, und das weiß wohl kein Mensch.“  Wenn man glaube, dass es einen Gott gibt, so könne man zuversichtlich sein, dass er es schon richtig mache. So wie man aus einer harmonischen Situation heraus geboren worden sei,  so dürfte man wohl auch aus dem Leben in eine Harmonie scheiden.

 

Klumpp, der nicht nur Mitbegründer der Evangelischen Erwachsenenbildung im Stuttgarter Hospitalhof ist, sondern auch als „Vater der Hospizbewegung“ gilt, weiß aus seiner langjährigen Präsenz in Hospizhäusern, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten, ihr Sterben aus nächster Nähe mitzuerleben. Da erfahre man hautnah, wie sich der Sterbevorgang gestalte, wenngleich man nicht vollgültig nachvollziehen könne, was der Sterbende in seinem Inneren wirklich vor und im Tod erlebe, so Klumpp. Ausgehend von der Erkenntnis, dass sich Gefühle im Gegensatz zu Vernunft nicht steuern lassen, erscheine es weitgehend gesichert, „dass sich wohl nichts Lebensbedeutendes einfach auflöse“, also seelische Wunden oder ungelöste Angelegenheiten. Die kumulative Erinnerung an Verdrängungen sei strukturell bei allen Sterbenden durchgehend, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Klumpp zeigte sich religiös und aus Erfahrung überzeugt, dass der Mensch auch nach Angst und Qualen schließlich ruhig und im Frieden in den Tod eintrete.

Es ist eigentlich ein universelles Denken, dass das Leben mit dem Tod nicht generell zu Ende ist, meinte Klmpp und charakterisierte die Jenseitsvorstellungen verschiedener Religionen. Lediglich im Judentum habe es in frühester Zeit keine Vorstellung vom Jenseits gegeben, lediglich von einem Ort, wo die Toten ruhen. Das Leben gehe weiter in der Existenz Israels, dass der jüdische Mensch in seinen Kindern in der Kultur des Volkes seinen Platz habe und so weiter lebe. Diese Sicht habe sich erst in der Babylonischen Gefangenschaft geändert, mit der Erwartung der leiblichen Auferstehung, entweder direkt nach dem Tod, oder wenn der Messias kommt „und in der Apokalypse alles neu macht“. Für Juden komme die Seele zu Gott, während der Leib zerfalle.

Der Hinduismus und erst recht der Buddhismus habe nicht das Ziel, einen bestimmten Gott zu definieren und an ihn zu glauben, erläuterte Klumpp. Ideal sei die Erlösung im Nirvana, das Verlöschen der Gier nach Leben, das vollkommene Aufgehen der individuellen Existenz. Damit werde der Mensch befreit vom ewigen Kreislauf der Wiedergeburt mit ihren unterschiedlichen Abstufungen. Vorstufe des nur nach dem Tod erreichbare Nirvana sei eine „Versenkung in Buddha“.

Eine breit angelegte Art von Religiosität bescheinigte Klumpp dem Islam, der kein Lehramt habe, nur ein kompaktes Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Allah, und Mohammed ist sein Prophet.“ Der Muslim gehe davon aus, dass Allah in seiner Vollmacht für jeden das Geschenk des Lebens beschlossen habe, wann er geboren wird und wann er stirbt. Unmittelbar nach dem Tod gerate der Mensch in einen Schwebe-, Schlaf- und Zwischenzustand ohne Zeitgefühl, werde später in einen Bewusstseinszustand zurückgeholt und nach einer Vorprüfung des Muslim-Seins vor Gericht und Prüfungen gestellt, wo man sich aller Taten vor Allah verantworten müsse. Wenn sich die Waage zugunsten der Gnade neige, kehre man ins Paradies, für die es im Islam starke Bilder gebe: acht Tore, prachtvolle Häuser und Gemächer, Gastmahle und 72 Jungfrauen …

Für das Christentum fing Klumpp mit der Schöpfungsgeschichte an – Gottes Werk aus Chaos und Tohuwabohu: „Ich glaube, dass Gott mich geschaffen hat und erhält!“ Schon in der Abfolge von Morgen und Abend, Tag und Nacht zeige sich die Unabänderlichkeit von Werden und Vergehen. Doch Tod und Auferstehung stehe im Zentrum des christlichen Glaubens, festgemacht am „Prototyp“ und Erlöser Jesus. Auch wenn es in der Bibel keine klare Aussage vom Jenseits gebe, so heiße es: „Wenn Du in Christus bist, bist Du eine neue Existenz“; wie es einen natürlichen Leib gibt, müsse es auch ein geistliches Leben geben.

Klumpp machte deutlich, dass man nicht für einen anderen Menschen das jeweilige Empfiinden für Sterben und Tod erkennen könne. Während der evangelische Christ der Gnade Gottes vertrauen dürfe, bleibe im Katholizismus noch offiziell die Vorstellung vom jüngsten Gericht, dass man mit „Ablasshandel“ (Gebete, Fürsprachen, Wallfahrten, gute Taten ) am Tage des Zorn und Schreckens dem Fegefeuer entgehen könne. Klumpp: „Ich glaube, weil mein Glaube ein wunderbares Geschenk ist, mir gefällt und mir gut tut.“

Wie Senioren länger sicher mobil sein können – Verkehrsministerium, ADAC und Apotheker informieren über Gefahrenherde

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Carsten Bamberg, ADAC, und Apotheker Marius Büttner

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Julia Schmidt, Referentin im Verkehrsministerium (Fotos: Rolf Gebhardt)

Senioren im Straßenverkehr: In der Regel sind sie als Autofahrer auch sicher unterwegs. Der Erhalt der Mobilität hat für die ältere Generation große Bedeutung. Über diesen Themenkomplex wurden die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus aus gleich drei Kompetenzbereichen informiert.

Zuerst zur Sprache kam das Verkehrssicherheitskonzept Baden-Württemberg. Die dafür im Stuttgarter Verkehrsministerium zuständige Referentin Julia Schmidt erläuterte die amtliche Vorstellung, „wie man sich möglichst lange im Straßenverkehr sicher bewegen kann.“ Das Ministerium hat die „Vision Zero“ für 2020 ausgegeben, mit dem Ziel, die Zahl der Toten und Verletzten in Verkehr im Vergleich zu 2010 um 40 Prozent zu reduzieren. Das Konzept umfasst 90 Maßnahmen, neben baulichen Verbesserungen, Entschärfung von Brennpunkten und konsequenter Verkehrsüberwachung auch auf besonders gefährdete Zielgruppen – wie Senioren – zuzugehen.

Fast jeder zweite tödliche Verkehrsunfall ist auf überhöhe Geschwindigkeit zurückzuführen. Das gilt natürlich in erster Linie für junge Raser“, weniger für Senioren, wie Julia Schmid konstatierte, ebenso wenig die zunehmende Unfallgefahr durch den Gebrauch von Handys am Steuer. Hauptverursacher für Unfalltote ist demnach die Altersgruppe 18 bis 24 Jahre. Die Altersgruppe über 75 Jahre ist an etwa halb so viel Getöteten bei Pkw-Unfällen beteiligt, etwa soviel wie in der Altersgruppe 25 bis 29 Jahre. 2015 gab es landesweit 483 Verkehrstote, darunter 60 Prozent auf Landstraßen, 30 Prozent in Innenstädten und nur sieben Prozent auf Autobahnen. Verunglückt sind nach der von Julia Schmid vorgelegten Statistiken 45 Prozent Autofahrer, 18 Prozent Motorradfahrer, 14 Prozent Fußgänger und 13 Prozent Radfahrer. Generell ist festzustellen, dass  zwar die Unfallhäufigkeit von Jahr zu Jahr schwankt, tendenziell aber eher steigt, wie ja auch überhaupt die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge (jährlich im Schnitt um zwei Prozent), hingegen die Zahl der schweren Unfälle und damit auch der im Straßenverkehr Getöteten merklich rückläufig ist.

Das primäre Ziel der mit der Verkehrssicherheit betrauten Institutionen ist nicht, Senioren aus dem Straßenverkehr zu drängen, sondern dafür zu sorgen, dass sie länger und sicher mobil sein können, bekräftigte Julia Schmid. Dazu gibt es ein umfangreiches Angebot an Fahrsicherheitstraining und Fahr-Fitness-Checks für Senioren mit der Möglichkeit, auf Verkehrsübungsplätzen und im Realverkehr verschiedene Verkehrssituationen zu üben. Es geht um Ausbau und Auffrischung des Wissens zur Straßenverkehrsteilnahme, um Beratung und Training. Für viele ist es insbesondere  interessant, über die Handhabungen der Fahrassistenzsysteme unterrichtet zu werden.

Allerdings sollten auch Senioren zur Kenntnis nehmen, dass altersbedingte Leistungseinbußen eintreten (können), dass Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit nachlassen. Die meisten Senioren können das lange durch Erfahrung und Besonnenheit kompensieren. Nichtsdestoweniger können krankheitsbedingte Einschränkungen die Fahrsicherheit in Frage stellen, meinte Apotheker Marius Büttner von der Wartburg-Apotheke. Da sei es mitunter kontraproduktiv, dem mit Medikamente entgegen zu wirken. „Jeder fünfte Unfall ist verursacht durch Medikamenteneinnahme, denn eine beträchtliche Anzahl gebräuchlicher Arzneimittel schränkt das Reaktionsvermögen und damit die Fähigkeit ein, Fahrzeuge zu führen“, erklärte Büttner. Insbesondere zu Beginn einer Behandlung mit einem neuen Medikament, in der Einstellungsphase, sei mit spürbaren Beeinträchtigungen zu rechnen, machen sich Müdigkeit, Schwindel, Unwohlsein und Reaktionsträgheit bemerkbar, was an sich die Teilnahme im motorisierte Straßenverkehr ausschließt. Büttner zeigte an einen ganzen Katalog an gängigen Arzneimitteln die relevanten Auswirkungen auf, von Schlaf-, Beruhigungs- und Narkosemitteln über Schmerzmittel und Blutdrucksenker bis Antidepressiva, und er wies auf die gegenseitigen Wechselwirkungen hin, nicht zuletzt im Zusammenhang mit Alkohol. Ein zeitweise generelles Fahrverbot gilt laut Büttner auch nach einer Narkose bei ambulanter Operation oder auch nach Augenuntersuchungen, bei denen der Arzt die Pupille mit Tropfen weit gestellt hat.

Carsten Bamberg vom ADAC Nordwürttemberg in Stuttgart ergänzte die Aussagen seiner Vorredner und erörterte mit den Zuhörer/innen auch eine Reihe von Verhaltensweisen in bestimmten alltäglichen und besonderen Verkehrssituationen. Er riet zur unbedingten kritischen Selbsteinschätzung der eigenen Fahrtüchtigkeit, gerade im Seniorenalter, denn da könne schon geringes Fehlverhalten schlimme Konsequenzen für Führerschein und Versicherungsschutz haben, ganz abgesehen von den potentiellen Unfallgefahren. Bamberg: „Sicherheit im Straßenverkehr ist auch eine individuelle Kopfsache.“

Heilbronn reich an Privatgärten und Gärnereien – Mit Annette Geisler vom Stadtarchiv auf Streifzug durch grüne Geschichte

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Annette Geister unternahm einen „grünen Streifzug“ durch Heilbronn. (Foto: Rolf Gebhardt)

Zur Bundesgartenschau 2019 will Heilbronn ihre „grünen Vorzüge“ wieder ins rechte Licht rücken und mit neuer ökologischer Stadtgestaltung brillieren. Heilbronn war und ist aber schon seit Jahrhunderten eine „grüne Stadt“. Annette Geisler, Bibliothekarin beim Stadtarchiv Heilbronn, unternahm bei den „Jungen Senioren“ erneut einen „grünen Streifzug“ durch die Stadtgeschichte. Nachdem sie vor einem Jahr den Schwerpunkt auf öffentliche Anlagen und Parks gelegt hatte, widmete sie sich diesmal verstärkt privaten Gärten und Gärtnereien.

Schon im ausgehenden Mittelalter ist bezeugt, dass es in und um Heilbronn eine Fülle von  Zier-Obst- und Gemüsegärten gab. Wie Annette Geisler eruierte, hatte Mitte des 16. Jahrhunderts der erste „neugläubige“ Pfarrer in Flein, Jeremias Held, sich in einem Pflanzen- und Kräuterbüchlein,über die Fülle der Anpflanzungen in den hiesigen Gärten ausgelassen und insbesondere die Schönheit und auch Heilwirkung der Nelke hervorgehoben.

Einen noch besseren  Einblick vermittelt das legendäre 1543 erschienene „Kräuterbuch“ des Mediziners und Botanikers Leonhart Fuchs (1501-1566), der seine Schulzeit in Heilbronn verbracht hatte. Fuchs hatte zuerst alte Sprachen bei dem Humanisten Johannes Reuchlin in Ingolstadt studiert sowie Philosophie und Naturlehre, dann Medizin. Als langjähriger Medizin-Professor in Tübingen führte er botanische Exkursionen durch, legte Arzneipflanzengärten an und den ersten botanischen Garten der Universität. In jenem Klassiker der botanischen Literatur hat er über 400 europäische und 100 exotische Pflanzen beschrieben und in Holzschnitten dargestellt, von denen Geisler einige Prachtexemplar zeigte. Die ausgangs des 17. Jahrhunderts von einem französischen Mönch und Forscher in Santo Domingo entdeckte „Fuchsie“ ist nach diesem „schwäbischen Vater der Pflanzenkunde“ benannt worden. „Im 19.Jahrhundert ergab sich eine regelrechte Fuchsie-Euphorie“, ausgehend von England, dann den europäischen Kontinent ergreifend, bis hin nach den USA“, fügte Geisler an. Dem vorausgegangen war eine Tulpenmanie.

Bereits zu jener Zeit war es  Mode, neben Nelken und Tulpen exotische Gewächse zu pflegen, wenn man die Möglichkeit hatte, sie in geschützten Räumen überwintern zu lassen. Glanzvoller Höhepunkt war damals der riesige Barockgarten der Deutschordenskomturs in Sontheim – ein „Klein Versailles“ – gar mit einer Orangerie am Landhaus. (Auf dem Gelände entstand ab 1868 der Komplex der Zwirnerei Ackermann.)

Generell legte man in Heilbronn Wert, den Stadtausbau in Richtung Gartenstadt zu lenken. So wurde es bei vielen neu angelegten Straßen Pflicht, begrünte Vorgärten anzulegen. Bei den Siedlungsprojekten von Stadtpfarrer Fritz Stein (Fleiner Höhe) und Bauunternehmer Paul Ensle (Käferflug) waren Gärten eingeplant. In der engen Altstadt, wo die Häuser dicht an dicht standen, war Begrünung natürlich kaum möglich. Um den dort wohnenden Kindern zu mehr frischer Luft zu verhelfen, wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der sozialdemokratischen Frauengruppe und einer (groß)bürgerlichen Jugendgruppe Ferienspaziergänge organisiert. Ab 1927 entstanden Ferienerholungsangebote  auf dem Gaffenberg, auf dem Haigern und im Awo-Waldheim. Schon 1855 hatte der Evangelische Verein eine Knabenbeschäftigungsanstalt etabliert, die den Kindern vor allem auch Gärtnern beibrachte. Die Referentin bot auch einen bildlichen Überblick über die ersten Spielplätze in Heilbronn., die zum Teil heute noch bestehen und gern genutzt werden.

Im 19.Jahrhundert ließen sich die Heilbronner Unternehmer- und Kaufmannsfamilien  repräsentative Landhäuser und Villen mit schönen Garten-und Parkanlagen bauen. Geisler zeigte eine Reihe eindrucksvoller Bilder, so von den Landhäusern von Orth, Rauch und Mertz, von den Villen Münzing (Frankfurter Straße) und Seelig (Wilhelmstraße) sowie der Schliz-Villa (Alexanderstraße).

Heilbronn war und ist nicht nur eine wohlhabende Stadt, sondern  auch vom Klima bevorzugt und mit guten Böden gesegnet, konstatierte Annette Geisler. Das hat nicht nur dem Weinbau zur Blüte verholfen. Mitunter seien Obst- und  Gemüseanbau sowie Gartenbau noch wichtiger gewesen. Schon 1846 fand in Heilbronn ein Obstbaukongress statt, bei dm eine beeindruckende Fülle an heimischen Apfel- und Birnensorten präsentiert wurden. 1926 gab es eine – vielen Unkenrufen zum Trotz – sehr erfolgreiche Gartenbau-Ausstellung, an der sich rund 50 Gärtnereien und einige lokale überregional bedeutende Betriebe der „Gartenindustrie“ beteiligten, wie Dittmar, Treudt, Vohrer und Gustav Fuchs. Zu den besonders herausragenden Gärtnereien zählten die Rosengärtnereien von Wilhelm Kölle und Gustav Scheuermann sowie die Betriebe der Familien Büchle, Daucher, Ströble, Ulmschneider, Williard und Winterle.