Heilbronn reich an Privatgärten und Gärnereien – Mit Annette Geisler vom Stadtarchiv auf Streifzug durch grüne Geschichte

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Annette Geister unternahm einen „grünen Streifzug“ durch Heilbronn. (Foto: Rolf Gebhardt)

Zur Bundesgartenschau 2019 will Heilbronn ihre „grünen Vorzüge“ wieder ins rechte Licht rücken und mit neuer ökologischer Stadtgestaltung brillieren. Heilbronn war und ist aber schon seit Jahrhunderten eine „grüne Stadt“. Annette Geisler, Bibliothekarin beim Stadtarchiv Heilbronn, unternahm bei den „Jungen Senioren“ erneut einen „grünen Streifzug“ durch die Stadtgeschichte. Nachdem sie vor einem Jahr den Schwerpunkt auf öffentliche Anlagen und Parks gelegt hatte, widmete sie sich diesmal verstärkt privaten Gärten und Gärtnereien.

Schon im ausgehenden Mittelalter ist bezeugt, dass es in und um Heilbronn eine Fülle von  Zier-Obst- und Gemüsegärten gab. Wie Annette Geisler eruierte, hatte Mitte des 16. Jahrhunderts der erste „neugläubige“ Pfarrer in Flein, Jeremias Held, sich in einem Pflanzen- und Kräuterbüchlein,über die Fülle der Anpflanzungen in den hiesigen Gärten ausgelassen und insbesondere die Schönheit und auch Heilwirkung der Nelke hervorgehoben.

Einen noch besseren  Einblick vermittelt das legendäre 1543 erschienene „Kräuterbuch“ des Mediziners und Botanikers Leonhart Fuchs (1501-1566), der seine Schulzeit in Heilbronn verbracht hatte. Fuchs hatte zuerst alte Sprachen bei dem Humanisten Johannes Reuchlin in Ingolstadt studiert sowie Philosophie und Naturlehre, dann Medizin. Als langjähriger Medizin-Professor in Tübingen führte er botanische Exkursionen durch, legte Arzneipflanzengärten an und den ersten botanischen Garten der Universität. In jenem Klassiker der botanischen Literatur hat er über 400 europäische und 100 exotische Pflanzen beschrieben und in Holzschnitten dargestellt, von denen Geisler einige Prachtexemplar zeigte. Die ausgangs des 17. Jahrhunderts von einem französischen Mönch und Forscher in Santo Domingo entdeckte „Fuchsie“ ist nach diesem „schwäbischen Vater der Pflanzenkunde“ benannt worden. „Im 19.Jahrhundert ergab sich eine regelrechte Fuchsie-Euphorie“, ausgehend von England, dann den europäischen Kontinent ergreifend, bis hin nach den USA“, fügte Geisler an. Dem vorausgegangen war eine Tulpenmanie.

Bereits zu jener Zeit war es  Mode, neben Nelken und Tulpen exotische Gewächse zu pflegen, wenn man die Möglichkeit hatte, sie in geschützten Räumen überwintern zu lassen. Glanzvoller Höhepunkt war damals der riesige Barockgarten der Deutschordenskomturs in Sontheim – ein „Klein Versailles“ – gar mit einer Orangerie am Landhaus. (Auf dem Gelände entstand ab 1868 der Komplex der Zwirnerei Ackermann.)

Generell legte man in Heilbronn Wert, den Stadtausbau in Richtung Gartenstadt zu lenken. So wurde es bei vielen neu angelegten Straßen Pflicht, begrünte Vorgärten anzulegen. Bei den Siedlungsprojekten von Stadtpfarrer Fritz Stein (Fleiner Höhe) und Bauunternehmer Paul Ensle (Käferflug) waren Gärten eingeplant. In der engen Altstadt, wo die Häuser dicht an dicht standen, war Begrünung natürlich kaum möglich. Um den dort wohnenden Kindern zu mehr frischer Luft zu verhelfen, wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der sozialdemokratischen Frauengruppe und einer (groß)bürgerlichen Jugendgruppe Ferienspaziergänge organisiert. Ab 1927 entstanden Ferienerholungsangebote  auf dem Gaffenberg, auf dem Haigern und im Awo-Waldheim. Schon 1855 hatte der Evangelische Verein eine Knabenbeschäftigungsanstalt etabliert, die den Kindern vor allem auch Gärtnern beibrachte. Die Referentin bot auch einen bildlichen Überblick über die ersten Spielplätze in Heilbronn., die zum Teil heute noch bestehen und gern genutzt werden.

Im 19.Jahrhundert ließen sich die Heilbronner Unternehmer- und Kaufmannsfamilien  repräsentative Landhäuser und Villen mit schönen Garten-und Parkanlagen bauen. Geisler zeigte eine Reihe eindrucksvoller Bilder, so von den Landhäusern von Orth, Rauch und Mertz, von den Villen Münzing (Frankfurter Straße) und Seelig (Wilhelmstraße) sowie der Schliz-Villa (Alexanderstraße).

Heilbronn war und ist nicht nur eine wohlhabende Stadt, sondern  auch vom Klima bevorzugt und mit guten Böden gesegnet, konstatierte Annette Geisler. Das hat nicht nur dem Weinbau zur Blüte verholfen. Mitunter seien Obst- und  Gemüseanbau sowie Gartenbau noch wichtiger gewesen. Schon 1846 fand in Heilbronn ein Obstbaukongress statt, bei dm eine beeindruckende Fülle an heimischen Apfel- und Birnensorten präsentiert wurden. 1926 gab es eine – vielen Unkenrufen zum Trotz – sehr erfolgreiche Gartenbau-Ausstellung, an der sich rund 50 Gärtnereien und einige lokale überregional bedeutende Betriebe der „Gartenindustrie“ beteiligten, wie Dittmar, Treudt, Vohrer und Gustav Fuchs. Zu den besonders herausragenden Gärtnereien zählten die Rosengärtnereien von Wilhelm Kölle und Gustav Scheuermann sowie die Betriebe der Familien Büchle, Daucher, Ströble, Ulmschneider, Williard und Winterle.

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