Wie Senioren länger sicher mobil sein können – Verkehrsministerium, ADAC und Apotheker informieren über Gefahrenherde

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Carsten Bamberg, ADAC, und Apotheker Marius Büttner

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Julia Schmidt, Referentin im Verkehrsministerium (Fotos: Rolf Gebhardt)

Senioren im Straßenverkehr: In der Regel sind sie als Autofahrer auch sicher unterwegs. Der Erhalt der Mobilität hat für die ältere Generation große Bedeutung. Über diesen Themenkomplex wurden die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus aus gleich drei Kompetenzbereichen informiert.

Zuerst zur Sprache kam das Verkehrssicherheitskonzept Baden-Württemberg. Die dafür im Stuttgarter Verkehrsministerium zuständige Referentin Julia Schmidt erläuterte die amtliche Vorstellung, „wie man sich möglichst lange im Straßenverkehr sicher bewegen kann.“ Das Ministerium hat die „Vision Zero“ für 2020 ausgegeben, mit dem Ziel, die Zahl der Toten und Verletzten in Verkehr im Vergleich zu 2010 um 40 Prozent zu reduzieren. Das Konzept umfasst 90 Maßnahmen, neben baulichen Verbesserungen, Entschärfung von Brennpunkten und konsequenter Verkehrsüberwachung auch auf besonders gefährdete Zielgruppen – wie Senioren – zuzugehen.

Fast jeder zweite tödliche Verkehrsunfall ist auf überhöhe Geschwindigkeit zurückzuführen. Das gilt natürlich in erster Linie für junge Raser“, weniger für Senioren, wie Julia Schmid konstatierte, ebenso wenig die zunehmende Unfallgefahr durch den Gebrauch von Handys am Steuer. Hauptverursacher für Unfalltote ist demnach die Altersgruppe 18 bis 24 Jahre. Die Altersgruppe über 75 Jahre ist an etwa halb so viel Getöteten bei Pkw-Unfällen beteiligt, etwa soviel wie in der Altersgruppe 25 bis 29 Jahre. 2015 gab es landesweit 483 Verkehrstote, darunter 60 Prozent auf Landstraßen, 30 Prozent in Innenstädten und nur sieben Prozent auf Autobahnen. Verunglückt sind nach der von Julia Schmid vorgelegten Statistiken 45 Prozent Autofahrer, 18 Prozent Motorradfahrer, 14 Prozent Fußgänger und 13 Prozent Radfahrer. Generell ist festzustellen, dass  zwar die Unfallhäufigkeit von Jahr zu Jahr schwankt, tendenziell aber eher steigt, wie ja auch überhaupt die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge (jährlich im Schnitt um zwei Prozent), hingegen die Zahl der schweren Unfälle und damit auch der im Straßenverkehr Getöteten merklich rückläufig ist.

Das primäre Ziel der mit der Verkehrssicherheit betrauten Institutionen ist nicht, Senioren aus dem Straßenverkehr zu drängen, sondern dafür zu sorgen, dass sie länger und sicher mobil sein können, bekräftigte Julia Schmid. Dazu gibt es ein umfangreiches Angebot an Fahrsicherheitstraining und Fahr-Fitness-Checks für Senioren mit der Möglichkeit, auf Verkehrsübungsplätzen und im Realverkehr verschiedene Verkehrssituationen zu üben. Es geht um Ausbau und Auffrischung des Wissens zur Straßenverkehrsteilnahme, um Beratung und Training. Für viele ist es insbesondere  interessant, über die Handhabungen der Fahrassistenzsysteme unterrichtet zu werden.

Allerdings sollten auch Senioren zur Kenntnis nehmen, dass altersbedingte Leistungseinbußen eintreten (können), dass Beweglichkeit und Reaktionsfähigkeit nachlassen. Die meisten Senioren können das lange durch Erfahrung und Besonnenheit kompensieren. Nichtsdestoweniger können krankheitsbedingte Einschränkungen die Fahrsicherheit in Frage stellen, meinte Apotheker Marius Büttner von der Wartburg-Apotheke. Da sei es mitunter kontraproduktiv, dem mit Medikamente entgegen zu wirken. „Jeder fünfte Unfall ist verursacht durch Medikamenteneinnahme, denn eine beträchtliche Anzahl gebräuchlicher Arzneimittel schränkt das Reaktionsvermögen und damit die Fähigkeit ein, Fahrzeuge zu führen“, erklärte Büttner. Insbesondere zu Beginn einer Behandlung mit einem neuen Medikament, in der Einstellungsphase, sei mit spürbaren Beeinträchtigungen zu rechnen, machen sich Müdigkeit, Schwindel, Unwohlsein und Reaktionsträgheit bemerkbar, was an sich die Teilnahme im motorisierte Straßenverkehr ausschließt. Büttner zeigte an einen ganzen Katalog an gängigen Arzneimitteln die relevanten Auswirkungen auf, von Schlaf-, Beruhigungs- und Narkosemitteln über Schmerzmittel und Blutdrucksenker bis Antidepressiva, und er wies auf die gegenseitigen Wechselwirkungen hin, nicht zuletzt im Zusammenhang mit Alkohol. Ein zeitweise generelles Fahrverbot gilt laut Büttner auch nach einer Narkose bei ambulanter Operation oder auch nach Augenuntersuchungen, bei denen der Arzt die Pupille mit Tropfen weit gestellt hat.

Carsten Bamberg vom ADAC Nordwürttemberg in Stuttgart ergänzte die Aussagen seiner Vorredner und erörterte mit den Zuhörer/innen auch eine Reihe von Verhaltensweisen in bestimmten alltäglichen und besonderen Verkehrssituationen. Er riet zur unbedingten kritischen Selbsteinschätzung der eigenen Fahrtüchtigkeit, gerade im Seniorenalter, denn da könne schon geringes Fehlverhalten schlimme Konsequenzen für Führerschein und Versicherungsschutz haben, ganz abgesehen von den potentiellen Unfallgefahren. Bamberg: „Sicherheit im Straßenverkehr ist auch eine individuelle Kopfsache.“

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