Archiv für den Monat Oktober 2017

Ältere Menschen und die moderne Technik – Adalbert Binder und Helmut Drauz von „Senioren für Andere“ geben Bescheid

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Interesse am Umgang mit moderner Technik (Foto: Rolf Gebhardt)

„Ausgrenzung Älterer durch moderne Technik.“ Diesem permanent aktuellen Thema widmeten sich die „Junge Senioren“ im Hans-Rießer-Haus und ließen sich in einer Einführung von Adalbert Binder, Vorsitzender des Heilbronner Vereins „Senioren für Andere“, und praktischen Tipps von seinem für „Senioren im Internet“ zuständigen Vereinskollegen Helmut Drauz informieren.

„Alter und Technik ist mitunter schon eine konfliktträchtige Beziehung,“ meinte Binder einleitend, „erst recht in unserer heute so schnelllebigen Zeit.“ Im fortgeschrittenen Lebensalter wird man ungefragt konfrontiert mit dem, was „die Jungen“ da so Kompliziertes erfunden und entwickelt haben und von dem man gar nicht weiß, wie es funktioniert. Ist diese moderne Technik, „von der alle Welt redet und sie praktiziert“, nun Fluch oder Segen? Soll man sich da als braver Senior, der vielleicht schon etliche Jahre seine auch nicht technikfreie Berufslaufbahn erfolgreich abgeschlossen hat, noch einmal der Unwägbarkeiten und Kompliziertheit der mit Digitalisierung umschriebenen neuen Technologie stellen? Binders eindeutige Antwort: „Lassen Sie sich darauf ein – Sie werden schon davon profitieren!“

Binder weiß, wovon er redet. Er ist auch schon über 80 und hat jahrzehntelange Erfahrung in Ehrenämtern, zu deren Ausübung er auf die Nutzung dieser modernen Technik auch angewiesen ist. Zugegeben: Noch nie war der technische/technologische Fortschritt so rasant. Die Digitalisierung ist in ihren Auswirkungen laut Binder höchstens vergleichbar mit der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert, doch diesmal spielt sich der technische Umbruch in viel weniger Jahren – innerhalb einer Generation – ab und verändert doch noch stärker die Lebenswelten. Man soll und kann dem Neuen nicht mit Ablehnung begegnen, weil es neu ist und man sein Leben lang „gut ohne“ ausgekommen ist. Als alter Mensch kann man selbstverständlich diese Einstellung haben und noch damit leben, doch man verbaut sich manche Möglichkeit, die eigene Selbstständigkeit – „die gesellschaftliche Teilhabe“ – zu erhalten und zu gestalten, meint Binder.

In der digitalen Technik, bei allem, was irgendwie mit Computer zu tun hat, geht es um Medientechnik. Damit spielt sich heute das moderne und geläufige Kommunizieren ab, für die heranwachsende Jugend eine schiere Selbstverständlichkeit – sie kennen nichts anderes. Es ist schon ein Phänomen, dass ein winziges Plättchen wie ein sogenannter Chip innerhalb Sekundenbruchteilen Millionen von Rechenoperationen durchführen kund uns uns ganz aktuell mit allen möglichen Informationen versorgen kann.

„Sie brauchen nicht zu wissen und zu kapieren, was so Unfassbares im Innern eines solchen Geräts vor sich geht, aber Sie sollten lernen, es – zumindest in seinen Grundfunktionen – zu bedienen,“ empfiehlt Helmut Drauz. Wohl alle „junge Senioren“ wissen, wie man mit Waschmaschinen, Geschirrspüler, Rührgeräte, Telefon und Fernseher umgeht. Das ist für sie „Stand der Technik“, wie für junge Leute der Umgang mit Smartphone und Tablet, und man sieht sie, wie sie bei jeder Gelegenheit diese Dinger in der Hand halten und darauf „wischen“. Natürlich gibt es auch Computer, wobei das Standgerät – „Desktop-PC“ – weitgehend abgelöst (oder ergänzt) wird vom transportablen Laptop oder Notebook, ein aufklappbarer Computer, den man ja auch auf dem Schoß und ohne Strippe bedienen kann. Für die Jugend ist aber das schon „out“, ebenso wie das herkömmliche Fernsehen. Alles geht per Smartphone, erst recht mit allerlei „Apps“.

Für Drauz gehört es dazu, dass auch ein älterer Mensch unbedingt ein Mobiltelefon hat, „Da gibt es ausgesprochene Senioren-Handys mit großer Tastatur“. Schön, wenn man damit auch fotografieren und „skypen“ kann, in direkte Verbindung zu seinen entfernt wohnenden Enkeln treten kann. Ausgerüstet sein sollte es auch mit einem Notruf sein „für alle Fälle“, eventuell auch mit einem Navi .

Drauz wies auch darauf hin, wie sich die moderne Technik den Alltag erobert und vielfältige Hilfestellung leisten kann, von der elektronischen Fernbedienung der Rollläden bis zur Vernetzung so gut wie aller Funktionen im Haushalt per Sensoren. Erst recht beherrscht  die Digitalisierung die Funktionen im Auto. Und überhaupt ist die Zukunft der Mobilität zunehmend digital, wird doch das Smartphone künftig wohl zum ständigen Begleiter im öffentlichen Personennahverkehr .

Binder und Drauz versuchten  einfühlsam, den „jungen Senioren“ die Angst vor der digitalen Welt zu nehmen, ihre Vorteile aufzuzeigen, aber auch Fallen, und allerlei Verständnisfragen zu beantworten. Und sie empfahlen: „Wenn Sie meinen, das mit der modernen Technik lerne ich nie oder ich komme mit diesem oder jenem Problem nicht zurecht, dann wenden Sie sich an das Seniorenbüro“: in Heilbronn, Cäcilienstraße 1, Telefon (07131) 962831, mit dem Arbeitskreis  PC/Internet und der Möglichkeit, jeden Donnerstag von 10 bis 12 Uhr eine individuelle Schulung für die weite Welt des World Wide Web zu erhalten.

Nach einem Einbruch ist es zu spät -Polizeihauptkommissar Harald Pfeifer informierte über „sicheres Zuhause“

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Polizeihauptkommissar Harald Pfeifer und Polizeikommissar Christian Schumacher (Foto: Rolf Gebhardt)

„Die Polizei – Dein Freund und Helfer!“ Dieser Slogan ist keine leere Floskel. Genauso wenig wie die Aussage der Polizei: „Wir wollen, dass Sie sicher leben.“ Was dahinter steckt, das vermittelte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus anschaulich und kompetent der Erste Polizeihauptkommissar beim Polizeipräsidium Heilbronn, Verkehrs- und Kriminalprävention. Hier geht es um Aufklärung und Vorbeugung, diesmal speziell um Einbruchschutz. Er wurde begleitet und unterstützt von Christian Schuhmacher, ein junger Polizeikommissar, der in diesem Schwerpunktbereich ein Praktikum absolviert.

Die Angst vor einem Wohnungseinbruch ist weit verbreitet, wenngleich auch immer wieder Gegenargumente zu hören sind, wie „bei mir ist sowieso nichts zu holen“ oder „ich bin ja dagegen versichert“. Doch ein Einbruch in den eigenen vier Wänden bedeutet für die meisten einen großen Schock, weiß Pfeifer aus langjähriger Erfahrung. Die dadurch entstandene Verletzung der Privatsphäre, dass da jemand unbefugt hier eingedrungen ist,  geht einher mit einem Verlust des Sicherheitsgefühls. Nach einem Einbruch können schwerwiegende psychische Belastungen die Folge sein, bis hin zu Traumatisierung. Oft ist dabei der materielle Schaden – das Diebesgut – gar nicht so groß, eher die in der Wohnung entstandenen Zerstörungen.

Nach jahrelangem Rückgang der Zahl der Wohnungseinbrüche ist sie seit 2009 kontinuierlich gestiegen und zu einem Politikum geworden. Im Gebiet des Polizeipräsidiums Heilbronn kletterte laut Pfeifer die Zahl der Wohnungseinbrüche von 2011 bis 2015 von 180 auf über700 Delikte. Dass ihre Zahl  2016 wieder auf rund 500 zurück gegangen ist, habe auch mit verstärkter Polizeipräferenz und Präsenz, zu tun,  mit der man dieser Entwicklung begegnet sei, so mit Sonderermittlungsgruppen. Auch die Aufklärungsquote sei gestiegen.

Wie Pfeifer darlegte, handelt es sich bei dem aktuellen Trend der Wohnungseinbrüche vornehmlich um organisierte Kriminalität von ausländischen Banden meist aus südosteuropäischen Ländern, die hochmobil auf Beutezüge gehen, insbesondere in verkehrsgünstig gelegenen Gegenden, etwa in der Nähe von Autobahnzugängen, wo sich schnell Fluchtwege eröffnen. Daneben gibt es nach wie vor auch Profi-Einbrecher, die nach entsprechender Ausspähung gezielt zu Werke gehen, berichtete Pfeifer, aber auch die typische Beschaffungskriminalität, etwa von Drogensüchtigen, die dort einbrechen, wo sie leicht zu Beute zu kommen glauben, zum Beispiel in Kindergärten.

Dass nach der Statistik der letzten Jahr fast die Hälfte der Einbrüche beim Versuch stecken geblieben sind, führte Pfeifer auch auf verstärkten Einbruchschutz zurück. Einbrecher würden in der Regel mit wenigen Werkzeugen zu Werke gehen, natürlich möglichst geräuschlos, und sich zu etwa 70 Prozent mit Aufhebeln und Aufwuchten von Fenstern oder Entriegeln von Schlössern befassen. Wenn sie nicht nach ein oder zwei Minuten Erfolg hätten, würden sie zumeist davon ablassen, um kein größeres Risiko des Entdecktwerdens einzugehen.

„Präventionsmaßnahmen lohnen sich“, erklärte Pfeifer und riet nachdrücklich zum Einbau von   Sicherungseinrichtungen. Es genüge nicht, dass Türen und Fenster bei Abwesenheit stets verschlossen werden. Zum wirkungsvollen Schutz gehöre auch die Nutzung der umfangreichen Sicherungstechnik. Einbrecher nutzten nun mal günstige Gelegenheiten wie schlecht gesicherte Haustüren rigoros aus, lassen sich aber zumeist durch wirkungsvolle technische Sicherungen verschrecken und von ihren Absichten abhalten, bekräftigte Pfeifer. Und es sei auch keineswegs so, dass Einbrecher bevorzugt nachts kämen, Sie nützten eher die frühe Dämmerung, wie jetzt in der Jahreszeit, oder auch Zeiten, an denen sie Abwesenheit vermuten, an Wochenenden oder zu Schul-, Einkaufs- und Arbeitszeiten.

Da sich Einbrecher vielfach Zutritt verschaffen, indem sie das Langschild der Eingangstür abschrauben und den Einzelzylinder gewaltsam abkippen, ist bei Neu- und Umbauten der Einbau geprüfter und einbruchhemmender Türen schier unerlässlich. Bei Nachrüstungen riet Pfeifer insbesondere zu einbruchhemmenden Einsteckschlössern mit Mehrfachverriegelung sowie der Montage eines Schutzbeschlags, am besten mit zusätzlicher Zylinderabdeckung. Gang und gäbe sie auch ein „Türspion“. Auch für Fenster und Fenstertüren könne der Einbruchschutz im Nachhinein deutlich verbessert werden, so durch abschließbare Fenstergriffe. „Gekippte Fenster sind für Einbrecher offene Fenster“, so Pfeifer.

Für die „Jungen Senioren“ war der Nachmittag mit der Polizei ein gute Gelegenheit, Fragen loszuwerden und spezifische Auskünfte zu erhalten. Pfeifer macht auch klar, wie man sich verhalten solle,wenn man der Wohnung ist und einen Einbruch bemerkt: „Sich laut bemerkbar machen, sich dem Einbrecher nicht in den Weg stellen; er will dann schnellstmöglich unerkannt den Ort verlassen.“ „Dann rufen Sie an bei der Polizei: 110!“ Schließlich wies Pfeifer noch hin, wie wichtig gerade im Hinblick auf Einbruchschutz eine aufmerksame und vertrauenswürdige Nachbarschaft ist. „Die kann, wenn Sie länger abwesend sind, in Ihrer Wohnung auch hin und wieder die Rollläden hoch und runter ziehen, um Anwesenheit zu simulieren.“

Dankbar für das Bildungserbe der Reformation – Schuldekan Jürgen Heuschele zeigte die Bedeutungszusammenhänge auf

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Schuldekan Jürgen Heuschele (Foto: Gebhardt)

Luther und kein Ende im Jubiläumsjahr 2017 zu 500 Jahren Reformation. Die Reformation hat nicht nur die christliche Glaubenswelt revolutioniert, sondern uns auch mit dem Bildungserbe eine Errungenschaft hinterlassen, die von mindestens ähnlich großer gesellschaftspolitischer Bedeutung ist. Diese Ansicht bekräftigte zum Auftakt der neuen Reihe 2017/18 der „Jungen Senioren Heilbronn“ im Hans-Rießer-Haus der evangelische Schuldekan Jürgen Heuschele. Er ist zuständig für Organisation und Aufsicht des Religionsunterrichts in den Kirchenbezirken Heilbonn und Brackenheim mit 400 Religionslehrern und Pfarrern, die Religionsunterricht geben, in 100 Schulen.

Martin Luther (1483-1546) war der Initiator und sein kongenialer Partner Philipp Melanchthon (1497-1560) der Gestalter sowohl der Reformation als auch der  grundlegenden Reform von Bildung und Schulwesen, wobei Luther – speziell mit zwei bedeutsamen Schriften (1520 und 1524) und einer Predigt (1530), „dass man Kinder zur Schule anhalten soll“ – insbesondere für eine allgemeine Schulpflicht eintrat, während Melanchthon zudem das höhere Schulwesen und die akademische Bildung im Auge hatte. Wie Heuschele darlegte, war für Luther, obwohl er negative Schülererfahrungen hatte, das Amt des Lehrers neben dem des Predigers das wichtigste für das Volk. Über seine reformatorischen Einsichten kam Luther zur hohen Wertschätzung von Schule und Lehre bzw. Lehrer mit prinzipieller Betonung des Erziehungsauftrags.

Für die geistige Erneuerung der Kirche war es entscheidend, dass die „reine Lehre“ auf dem Wege von Predigt und Unterricht „in die Herzen getrieben“ wurde. Die Grundlagen der erneuerten christlichen Lehre fand ihren Niederschlag im Katechismus, hervorgegangen aus „Katechismuspredigten“. Noch vor Luthers Großem und Kleinen Katechismus waren in einigen wenigen Reformationsgebieten, so in der Freien Reichsstadt Heilbronn (1528), Katechismen zur Unterrichtung der Kinder entstanden, mit dem Ziel, durch die klare Vermittlung von Glaubensinhalten mündige Christen zu erziehen und zu gewinnen.

Luther erwarb sich mit der Übersetzung der Bibel aus den Ursprachen in verständliches Deutsch großes Verdienst für die Bildung, unterstrich Heuschele, wurde doch die Bibel zum ersten Schulbuch, aus dem die Kinder das Lesen lernten und übten. So war es denn auch das Credo Melanchthons: Kein Frömmigkeit ohne Bildung. Ihm lag laut Heuschele die Schulung der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit am Herzen, hänge doch nach seiner Erkenntnis Sprache und Wahrnehmung eng zusammen. Gleichwohl vertrat Melanchthon Latein im Unterrichtsstoff an höheren Schulen. Christentum und Humanismus waren für ihn „eines Geistes“ und keine Widersprüche. Er hat sich auch eingesetzt für unterschiedlichen Unterricht nach Alter und Schulart, mit der Maßgabe, nicht zu viel Lehrstoff, dafür mehr Wiederholungen.

Wie Heuschele darlegte, war Bildung ein reformatorisches Anliegen, weil Luther das Priestertum aller Getauften und die Zweireiche-Lehre begründete. Christen sollten ohne priesterlichen Vermittlung Zugang zu den biblischen Schriften und so zur Ausbreitung des Glaubens erhalten. Gleichzeitig wurde in der Reformation Bildung ganz pragmatisch als notwendige Voraussetzung zur Gestaltung des Gemeinwesens über den Kirchenraum hinaus gesehen, für das Weltverständnis des Einzelnen wie für die Ausübung von Arbeit, Verwaltung und Politik.

Heuschele bewertete auch das Bildungserbe der Reformation für unsere Gegenwart. Der Impuls zur Bildung für alle habe beigetragen zur Chancen- und Teilhabegerechtigkeit. Nichtsdestoweniger müsse heute bedacht werden, dass auch in unserem Land der Dichter und Denker eine verdeckte Bildungsarmut herrsche, seien doch hier jeder zehnte Schüler ohne qualifiziere Abschluss, gelten 15 Prozent der Fünfzehnjährigen als funktionale Analphabeten, die nicht fähig sind, längere Texte zu verstehen.

Es gehöre zum Bildungserbe, dass sich Bildung nicht auf Fachkompetenz beschränken dürfe, sondern „Impulse für Kopf, Herz und Hand“ bieten müsse, um Haltungen und Werte vermitteln und entstehen zu lassen. Heuschele: „Religiöse und ethische Bildung dienen dem Zusammenhalt des Gemeinwesens, denn unser Staat lebt von Voraussetzungen, die er nicht zu schaffen vermag.“  Gute Bildung verhelfe dazu, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens – nach dem woher, wohin, warum, wozu – Zusammenhänge zu klären.

Erst recht sei Bildung unentbehrlich für die Herausforderungen von Globalisierung und Pluralismus, betonte Heuschele. Der Trend zur Individualisierung wie zum Nachlassen der kirchlichen Bindungskräfte sei unverkennbar. Wir könnten nicht mehr allein der abendländischen Welt vertrauen. Die Zukunft werde durch Vielfalt bestimmt, dem Neben- und Miteinander von Kulturen. (In der Heilbronner Dammschule sind laut Heuschele von 200 Grundschülern 146 muslimischen Glaubens und nur 20 evangelisch getauft.) Zahllose Vorstellungen von Gott und Welt seien evident, und neben den großen Weltreligionen viele Kirchen entstanden. Religion könne beitragen für ein „Zusammenfinden in versöhnter Vielfalt“, so Heuschele..