Archiv für den Tag 16. Oktober 2017

Nach einem Einbruch ist es zu spät -Polizeihauptkommissar Harald Pfeifer informierte über „sicheres Zuhause“

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Polizeihauptkommissar Harald Pfeifer und Polizeikommissar Christian Schumacher (Foto: Rolf Gebhardt)

„Die Polizei – Dein Freund und Helfer!“ Dieser Slogan ist keine leere Floskel. Genauso wenig wie die Aussage der Polizei: „Wir wollen, dass Sie sicher leben.“ Was dahinter steckt, das vermittelte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus anschaulich und kompetent der Erste Polizeihauptkommissar beim Polizeipräsidium Heilbronn, Verkehrs- und Kriminalprävention. Hier geht es um Aufklärung und Vorbeugung, diesmal speziell um Einbruchschutz. Er wurde begleitet und unterstützt von Christian Schuhmacher, ein junger Polizeikommissar, der in diesem Schwerpunktbereich ein Praktikum absolviert.

Die Angst vor einem Wohnungseinbruch ist weit verbreitet, wenngleich auch immer wieder Gegenargumente zu hören sind, wie „bei mir ist sowieso nichts zu holen“ oder „ich bin ja dagegen versichert“. Doch ein Einbruch in den eigenen vier Wänden bedeutet für die meisten einen großen Schock, weiß Pfeifer aus langjähriger Erfahrung. Die dadurch entstandene Verletzung der Privatsphäre, dass da jemand unbefugt hier eingedrungen ist,  geht einher mit einem Verlust des Sicherheitsgefühls. Nach einem Einbruch können schwerwiegende psychische Belastungen die Folge sein, bis hin zu Traumatisierung. Oft ist dabei der materielle Schaden – das Diebesgut – gar nicht so groß, eher die in der Wohnung entstandenen Zerstörungen.

Nach jahrelangem Rückgang der Zahl der Wohnungseinbrüche ist sie seit 2009 kontinuierlich gestiegen und zu einem Politikum geworden. Im Gebiet des Polizeipräsidiums Heilbronn kletterte laut Pfeifer die Zahl der Wohnungseinbrüche von 2011 bis 2015 von 180 auf über700 Delikte. Dass ihre Zahl  2016 wieder auf rund 500 zurück gegangen ist, habe auch mit verstärkter Polizeipräferenz und Präsenz, zu tun,  mit der man dieser Entwicklung begegnet sei, so mit Sonderermittlungsgruppen. Auch die Aufklärungsquote sei gestiegen.

Wie Pfeifer darlegte, handelt es sich bei dem aktuellen Trend der Wohnungseinbrüche vornehmlich um organisierte Kriminalität von ausländischen Banden meist aus südosteuropäischen Ländern, die hochmobil auf Beutezüge gehen, insbesondere in verkehrsgünstig gelegenen Gegenden, etwa in der Nähe von Autobahnzugängen, wo sich schnell Fluchtwege eröffnen. Daneben gibt es nach wie vor auch Profi-Einbrecher, die nach entsprechender Ausspähung gezielt zu Werke gehen, berichtete Pfeifer, aber auch die typische Beschaffungskriminalität, etwa von Drogensüchtigen, die dort einbrechen, wo sie leicht zu Beute zu kommen glauben, zum Beispiel in Kindergärten.

Dass nach der Statistik der letzten Jahr fast die Hälfte der Einbrüche beim Versuch stecken geblieben sind, führte Pfeifer auch auf verstärkten Einbruchschutz zurück. Einbrecher würden in der Regel mit wenigen Werkzeugen zu Werke gehen, natürlich möglichst geräuschlos, und sich zu etwa 70 Prozent mit Aufhebeln und Aufwuchten von Fenstern oder Entriegeln von Schlössern befassen. Wenn sie nicht nach ein oder zwei Minuten Erfolg hätten, würden sie zumeist davon ablassen, um kein größeres Risiko des Entdecktwerdens einzugehen.

„Präventionsmaßnahmen lohnen sich“, erklärte Pfeifer und riet nachdrücklich zum Einbau von   Sicherungseinrichtungen. Es genüge nicht, dass Türen und Fenster bei Abwesenheit stets verschlossen werden. Zum wirkungsvollen Schutz gehöre auch die Nutzung der umfangreichen Sicherungstechnik. Einbrecher nutzten nun mal günstige Gelegenheiten wie schlecht gesicherte Haustüren rigoros aus, lassen sich aber zumeist durch wirkungsvolle technische Sicherungen verschrecken und von ihren Absichten abhalten, bekräftigte Pfeifer. Und es sei auch keineswegs so, dass Einbrecher bevorzugt nachts kämen, Sie nützten eher die frühe Dämmerung, wie jetzt in der Jahreszeit, oder auch Zeiten, an denen sie Abwesenheit vermuten, an Wochenenden oder zu Schul-, Einkaufs- und Arbeitszeiten.

Da sich Einbrecher vielfach Zutritt verschaffen, indem sie das Langschild der Eingangstür abschrauben und den Einzelzylinder gewaltsam abkippen, ist bei Neu- und Umbauten der Einbau geprüfter und einbruchhemmender Türen schier unerlässlich. Bei Nachrüstungen riet Pfeifer insbesondere zu einbruchhemmenden Einsteckschlössern mit Mehrfachverriegelung sowie der Montage eines Schutzbeschlags, am besten mit zusätzlicher Zylinderabdeckung. Gang und gäbe sie auch ein „Türspion“. Auch für Fenster und Fenstertüren könne der Einbruchschutz im Nachhinein deutlich verbessert werden, so durch abschließbare Fenstergriffe. „Gekippte Fenster sind für Einbrecher offene Fenster“, so Pfeifer.

Für die „Jungen Senioren“ war der Nachmittag mit der Polizei ein gute Gelegenheit, Fragen loszuwerden und spezifische Auskünfte zu erhalten. Pfeifer macht auch klar, wie man sich verhalten solle,wenn man der Wohnung ist und einen Einbruch bemerkt: „Sich laut bemerkbar machen, sich dem Einbrecher nicht in den Weg stellen; er will dann schnellstmöglich unerkannt den Ort verlassen.“ „Dann rufen Sie an bei der Polizei: 110!“ Schließlich wies Pfeifer noch hin, wie wichtig gerade im Hinblick auf Einbruchschutz eine aufmerksame und vertrauenswürdige Nachbarschaft ist. „Die kann, wenn Sie länger abwesend sind, in Ihrer Wohnung auch hin und wieder die Rollläden hoch und runter ziehen, um Anwesenheit zu simulieren.“