Ältere Menschen und die moderne Technik – Adalbert Binder und Helmut Drauz von „Senioren für Andere“ geben Bescheid

2017-10-23_JuSen_07akl

Interesse am Umgang mit moderner Technik (Foto: Rolf Gebhardt)

„Ausgrenzung Älterer durch moderne Technik.“ Diesem permanent aktuellen Thema widmeten sich die „Junge Senioren“ im Hans-Rießer-Haus und ließen sich in einer Einführung von Adalbert Binder, Vorsitzender des Heilbronner Vereins „Senioren für Andere“, und praktischen Tipps von seinem für „Senioren im Internet“ zuständigen Vereinskollegen Helmut Drauz informieren.

„Alter und Technik ist mitunter schon eine konfliktträchtige Beziehung,“ meinte Binder einleitend, „erst recht in unserer heute so schnelllebigen Zeit.“ Im fortgeschrittenen Lebensalter wird man ungefragt konfrontiert mit dem, was „die Jungen“ da so Kompliziertes erfunden und entwickelt haben und von dem man gar nicht weiß, wie es funktioniert. Ist diese moderne Technik, „von der alle Welt redet und sie praktiziert“, nun Fluch oder Segen? Soll man sich da als braver Senior, der vielleicht schon etliche Jahre seine auch nicht technikfreie Berufslaufbahn erfolgreich abgeschlossen hat, noch einmal der Unwägbarkeiten und Kompliziertheit der mit Digitalisierung umschriebenen neuen Technologie stellen? Binders eindeutige Antwort: „Lassen Sie sich darauf ein – Sie werden schon davon profitieren!“

Binder weiß, wovon er redet. Er ist auch schon über 80 und hat jahrzehntelange Erfahrung in Ehrenämtern, zu deren Ausübung er auf die Nutzung dieser modernen Technik auch angewiesen ist. Zugegeben: Noch nie war der technische/technologische Fortschritt so rasant. Die Digitalisierung ist in ihren Auswirkungen laut Binder höchstens vergleichbar mit der industriellen Revolution im 18. und 19. Jahrhundert, doch diesmal spielt sich der technische Umbruch in viel weniger Jahren – innerhalb einer Generation – ab und verändert doch noch stärker die Lebenswelten. Man soll und kann dem Neuen nicht mit Ablehnung begegnen, weil es neu ist und man sein Leben lang „gut ohne“ ausgekommen ist. Als alter Mensch kann man selbstverständlich diese Einstellung haben und noch damit leben, doch man verbaut sich manche Möglichkeit, die eigene Selbstständigkeit – „die gesellschaftliche Teilhabe“ – zu erhalten und zu gestalten, meint Binder.

In der digitalen Technik, bei allem, was irgendwie mit Computer zu tun hat, geht es um Medientechnik. Damit spielt sich heute das moderne und geläufige Kommunizieren ab, für die heranwachsende Jugend eine schiere Selbstverständlichkeit – sie kennen nichts anderes. Es ist schon ein Phänomen, dass ein winziges Plättchen wie ein sogenannter Chip innerhalb Sekundenbruchteilen Millionen von Rechenoperationen durchführen kund uns uns ganz aktuell mit allen möglichen Informationen versorgen kann.

„Sie brauchen nicht zu wissen und zu kapieren, was so Unfassbares im Innern eines solchen Geräts vor sich geht, aber Sie sollten lernen, es – zumindest in seinen Grundfunktionen – zu bedienen,“ empfiehlt Helmut Drauz. Wohl alle „junge Senioren“ wissen, wie man mit Waschmaschinen, Geschirrspüler, Rührgeräte, Telefon und Fernseher umgeht. Das ist für sie „Stand der Technik“, wie für junge Leute der Umgang mit Smartphone und Tablet, und man sieht sie, wie sie bei jeder Gelegenheit diese Dinger in der Hand halten und darauf „wischen“. Natürlich gibt es auch Computer, wobei das Standgerät – „Desktop-PC“ – weitgehend abgelöst (oder ergänzt) wird vom transportablen Laptop oder Notebook, ein aufklappbarer Computer, den man ja auch auf dem Schoß und ohne Strippe bedienen kann. Für die Jugend ist aber das schon „out“, ebenso wie das herkömmliche Fernsehen. Alles geht per Smartphone, erst recht mit allerlei „Apps“.

Für Drauz gehört es dazu, dass auch ein älterer Mensch unbedingt ein Mobiltelefon hat, „Da gibt es ausgesprochene Senioren-Handys mit großer Tastatur“. Schön, wenn man damit auch fotografieren und „skypen“ kann, in direkte Verbindung zu seinen entfernt wohnenden Enkeln treten kann. Ausgerüstet sein sollte es auch mit einem Notruf sein „für alle Fälle“, eventuell auch mit einem Navi .

Drauz wies auch darauf hin, wie sich die moderne Technik den Alltag erobert und vielfältige Hilfestellung leisten kann, von der elektronischen Fernbedienung der Rollläden bis zur Vernetzung so gut wie aller Funktionen im Haushalt per Sensoren. Erst recht beherrscht  die Digitalisierung die Funktionen im Auto. Und überhaupt ist die Zukunft der Mobilität zunehmend digital, wird doch das Smartphone künftig wohl zum ständigen Begleiter im öffentlichen Personennahverkehr .

Binder und Drauz versuchten  einfühlsam, den „jungen Senioren“ die Angst vor der digitalen Welt zu nehmen, ihre Vorteile aufzuzeigen, aber auch Fallen, und allerlei Verständnisfragen zu beantworten. Und sie empfahlen: „Wenn Sie meinen, das mit der modernen Technik lerne ich nie oder ich komme mit diesem oder jenem Problem nicht zurecht, dann wenden Sie sich an das Seniorenbüro“: in Heilbronn, Cäcilienstraße 1, Telefon (07131) 962831, mit dem Arbeitskreis  PC/Internet und der Möglichkeit, jeden Donnerstag von 10 bis 12 Uhr eine individuelle Schulung für die weite Welt des World Wide Web zu erhalten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s