Archiv für den Tag 13. November 2017

Sauberes Trinkwasser für Burkina Faso – Bareka-Vorsitzende Susanne Langer über vorbildliche Entwicklungsprojekte

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Susanne Langer, Vorsitzende des Vereins Barka e.v. (Foto: Rolf Gebhardt)

Die wenigsten „Jungen Senioren“ haben jemals etwas gehört von Burkina Faso, einem westafrikanischen Binnenland, das etwa so groß ist wie die alte Bundesrepublik. Dort ist seit fast drei Jahrzehnten der Untergruppenbacher Freundeskreis Bareka e.V.  tätig. Die Vorsitzende Susanne Langer berichtete im Hans-Rießer-Haus über dieses Land, das zu den ärmsten der Welt gehört, und wie sich dort Bareka erfolgreich in nachhaltiger Entwicklungsarbeit betätigt.

Der Name Bareka des Freundeskreises leitet sich ab von „barka“, was in der Sprache der Mossi – der bevölkerungsreichsten Volksgruppe in Burkina Faso – „danke“ bedeutet. Bareka wurde im Frühjahr 1989 von zehn Personen gegründet, die „in Afrika helfen“ wollten. Inzwischen gehören dem Freundeskreis drei Dutzend engagierte Mitglieder an, darunter auch Beisitzer Detlev Elpers, der im Rahmen des Bareka-Nachmittags kunstgewerbliche textile Artikel aus Burkina Faso anbot. Der Freundeskreis hat seinen „Sitz“ auf dem Hardthof am Rande Untergruppenbachs, bewirtschaftet von der Agraringenieurin Susanne Langer und ihrem Mann Robert Langer.

Die Bareka-Freunde haben sich durch fortwährende Projektarbeit und Besuche in Burkina Faso zu regelrechten Experten in dort relevanten Entwicklungsfragen entwickelt. Dieses Land im inneren Nigerbogen im Landschaftsgürtel von Sudan und Sahel stand seit Ende des 19.Jahrhunderts unter dem Einfluss Frankreich, das 1919 die Kolonie Obervolta gründete und nach dem Krieg in ein Überseeterritorium überführte. 1960 erlangte es die Unabhängigkeit und gab sich 1984 den Namen Burkina Faso – in der Sprache der Mossi so viel wie „Land der aufrichtigen Menschen“, derzeit 19 Millionen Einwohner.

Wie Susanne Langer erklärte, macht sich auch dort der Klimawandel verstärkt bemerkbar. Die Regenzeit zwischen Mai und Oktober bringt mitunter verheerenden Überschwemmungen mit sich, fällt in anderen Jahren aber weitgehend aus, so dass Trockenheit und Dürre und damit Desertifikation, Erosion und Hungerperioden immer mehr zunehmen. Die Bevölkerung (muslimisch, christlich, animistisch), die sich aus mehr als 50 Ethnien und ebenso vielen Sprachen zusammensetzt, lebt zu über 90 Prozent von der Landwirtschaft und da überwiegend von Subsistenzwirtschaft, dem Anbau Obst und  Gemüse, vor allem Hirse sowie Mais, Maniok, Sorghum und Jamswurzeln für den Eigenbedarf. Nur im Süden gibt es sporadische Plantagenwirtschaft mit Erdnüssen, Zuckerrohr und Baumwolle für den Export.

Bareka ist ausgerichtet auf Entwicklungsprojekte in den Departements um die Kleinstädte Piela und Bilanga nordöstlich der Hauptstadt Quagadougou, der Millionenmetropole des Landes. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem hygienischen Bereich und hier auf der Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Niederschlags- und Oberflächenwasser reicht  bei weiten nicht aus. Traditionell gibt es handgegrabene Brunnen, die immer wieder ausgebessert werden müssen und aus denen mit Kalebassen das meist verunreinigtes Wasser geschöpft wird. Solche Wasserlöcher sind in Familienbesitz; sie rufen immer wieder (nicht nur) Durchfallerkrankungen hervor. Der Staat hat sich aus der Brunnenbauförderung zurückgezogen.

Hier betätigt sich Bareka in einem Gebiet mit 150 000 Einwohnern mit dem Bau von dringend benötigten Tiefbrunnen, inzwischen nahezu 100 Brunnen. Mit Hilfe von einheimischen Unternehmen, für die Bareka die Ausbildung von Mechanikern und die Anschaffung von Werkzeugen bezahlte, werden in ausgesuchten Klüften des Granitplateaubodens Bohrungen bis meist in 60 m Tiefe niedergebracht, Rohre eingesetzt und Handpumpen montiert. Die Brunnenpumpstation wird von einer Steinmauer umgeben und mit zwei abgeleiteten Trögen für das Vieh – Ziegen und Schafen, Rinder und Esel – versehen.

Wie Susanne Langer darlegte, ist gewährleistet, dass das Grundwasser nicht über Gebühr ausgebeutet wird. Ein Brunnenkomitee sorgt für Wartung und Überwachung; bislang funktionieren aller Bareka-Brunnen reibungslos. Die Frauen sind froh und dankbar, dass sie nun viel kürze Wege zum Wasserholen und genügend sauberes Trinkwasser haben, auch wenn dafür eine vertretbare Gebühr zu zahlen ist.

Barke bemüht sich zudem um den Bau von Latrinen. Seit Anfang an engagiert sich Bareka auch bei einer Gesundheitsstation in Piela, die sich inzwischen zu einer Poliklinik entwickelt hat und bei der Bareka nicht nur für Verbandsmaterial und Medikamente sorgt, sondern auch die Anschaffung vom medizinischen Apparaten und eines Röntgengerätes finanzierte. Nicht zuletzt kümmert sich Bareka auch um die Vermittlung biologischer Anbaumethoden und ihre Vermarktung, bis hin zum Nothilfe-Getreidekauf, natürlich unter dem Aspekt der Hilfe zur Selbsthilfe, in der Regel in Zusammenarbeit mit örtlichen verlässlichen Partnern.

Die Entwicklungsarbeit von Bareka ist mittlerweile so anerkannt, dass ihre Projekte zur Hälfte vom BMZ, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, mitfinanziert werden.