Rebellischer Mönch und entlaufene Nonne – Szenische Lesung des Pfarrer-Ehepaars Elke Ischinger und Matthias Treiber

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Pfarrer Matthias Treiber und Pfarrerin Elke Ischinger lesen Texte von Martin Luther und Katharina von Bora (Foto: Rolf Gebhardt)

Sowohl Informatives als auch Unterhaltsames bekamen die „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus zum Abschluss des Gedenkjahres  „500 Jahre Reformation“ geboten. „Katharina von Bora und ihre liebe Mühe mit Martin Luther“ betitelte das Heilbronner Pfarrer-Ehepaar Elke Ischinger (Südgemeinde) und Matthias Treiber (Matthäus-Gemeinde) ihre szenische Lesung über jenes Ehepaar, das zum Grundstein und Sinnbild für den deutschen Pfarrhaushalt wurde. Sie zeigten auf, wie im 16. Jahrhundert aus einer Vernunft- eine Liebesehe wurde und verkörperten mit Mimik und Gestik, entsprechender Kopfbekleidung und Hinweis auf Cranach-Porträts im Hintergrund den „Doktor Martinus Luther“ und die „Lutherin“.

Katharina von Bora, am 29. Januar 1499 geboren,  stammte – wie dargestellt – aus einem verarmten sächsischen Adelsgeschlecht von dem kleinen Landsitz Lippendorf.  Sie war kaum fünfjährig,als ihre Mutter starb. Ihr Vater gab sie zu Benediktinerinnen in Pflege. Wenige Jahre später kommt sie in das Frauenkloster in Nimbschen bei Grimma, wird 1515 als „Braut Christi“ eingesegnet.  Acht Jahr lebt sie hier unter  Zisterzienserinnen, lernt Schreiben, Lesen, Rechnen und auch Latein, aber auch Krankenpflege, Gartenpflege und Wirtschaftsführung, wie überliefert ist.

Aber auch hinter die Klostermauern dringt die Kunde von einer neuen Glaubenslehre aus Wittenberg, des reformatorischen Aufbegehrens eines ehemaligen Mönches und rebellischen Predigers namens Martinus Luther. Mit acht anderen Nonnen flieht sie – dem Vernehmen nach im leeren Heringsfass auf einem Planwagen  – im April 1523 aus dem Kloster gen Wittenberg., also zu einer Zeit, als Luther seine Thesen längst geschrieben hatte, er schon hochberühmt war, jedoch noch mitten in den Wirren des Bauernkrieges.

Während die anderen „entlaufenen“ Nonnen alsbald „unter die Haube“ kommen, tut sich Katharina schwer. So soll sie sich in den Studiosus Hieronymus Baumgartner verliebt haben, doch seine Nürnberger Patrizierfamilie will sie nicht als Schwiegertochter haben . Martin Luther wollte sie zwar mit dem betagten Pfarrer Kaspar Glatz, einem ehemaligen Stiftsherrn, verkuppeln, aber das lehnte Katharina entschieden ab, wie sie gegenüber Luthers Freund Nikolaus von Amsdorf kund tat. Wenn sie überhaupt heirate, dann am ehesten Martin Luther – eine mutige Aussage für eine Frau zur damaligen Zeit.

Und so kam es denn auch, wohl unter Vermittlung der Cranachs, in deren Haushalt Katharina untergekommen war und mit denen sie später eine lebenslang Freundschaft verband. Die 26jährige Katharina von Bora und der mit 42 Jahren nach damaligem Verständnis schon recht alte Martin Luther heirateten am 13. Juni 1525, und die Trauung durch den pommerschen Reformator Johannes Bugenhagen fand am 27. Juni 1525 statt. Selbst Melanchthon, Luthers Freund und Wegbegleiter, wusste nichts von dieser Entscheidung, die für die Wittenberger Gesellschaft – unmittelbar nach dem blutigen Ende des Bauernkrieges – eine Ungeheuerlichkeit war, für die Reformation jedoch ein wegweisendes Zeichen, denn nach Ansicht Luthers war die Ehe kein Sakrament, und er war für die Aufhebung der Klöster und gegen das Zölibat.

Wie Ischinger und Treiber deutlich machten, sah man allenthalben mit Spannung der Geburt eines Luther-Kindes entgegen, denn nach dem Volksglauben musste aus einer solchen Verbindung ein  Antichrist hervorgehen, ein Kind mit Pferdefuß und Teufelsschweif. Welch eine Erlösung, als ein Jahr später der gesunde Johannes geboren wurde und in den nächsten acht Jahren noch fünf weitere Kinder kamen.

Die Heirat war für Luther und seinen Haushalt ein Glücksfall, denn seine Katharina entfaltete im sogenannten Schwarzen Kloster, das Luther überlassen worden war, eine ungeheure Tatkraft. Vor allem sorgte die neue Hausherrin dafür, dass das Anwesen zunehmend zu einem florierenden Wirtschaftsunternehmen wurde. Es erfolgten umfangreiche Umbauten und Anbauten. Katharina schaffte es, Land zu pachten und zu kaufen, Gärten anzulegen, Felder zu beackern  und Ställe für das Vieh zu errichten. Sie soll sich selbst aufs Bierbrauen verstanden haben. Es galt, in dem gastlichen Haus bis zu 50 Personen mit Speis und Trank zu versorgen, die eigene Familie mit Kindern, eine Reihe verwaister Kinder aus der Verwandtschaft, Studenten und andere Gäste, darunter auch Kranke, auch Martin Luther war öfter  krank.

Martinus wusste natürlich die Arbeit der klugen Wirtschafterin zu schätzen. Und so lobte er in – überlieferten – Tischreden und Briefen immer wieder seine „Lutherin“, die er mitunter auch mit „Herrn Käthe“ titulierte oder gar mit „Predigerin“, womit er auch ihren theologischen Verstand anerkannte.

Luthers Liebe und Hochachtung zu Katharina ging so weit, dass er sie – für damalige Zeit völlig unüblich – als alleinige Erbin einsetzte. Nach Luthers Tod 1546 lebte Katharina noch acht Jahre in Wittenberg, floh dann vor der dort ausgebrochenen Pest und starb an den Folgen eines Verkehrsunfalls mit der Kutsche 53jährig am 20. Dezember 1552 in Torgau, so Elke Ischinger und Matthias Treiber in ihrer Darstellung.

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