Archiv für den Monat Dezember 2017

Informativ-musikalischer Nachmittag zum Advent – Bezirkskantorin Bettina Astfalk-Lehmann erfreute mit Kirchenliedern

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Bezirkskantorin Bettina Astfalk-Lehmann (Foto: Rolf Gebhardt)

Zu einem informativ-musikalischen unterhaltsamen Nachmittag trafen sich nach dem zweiten Advent die „Jungen Senioren“ im festlich geschmückten Hans-Rießer-Haus und hatten viel Freude an anregenden Gelegenheiten zum gemeinsamen Singen von Advents- und Weihnachtsliedern. Die Heilbronner City- und Erwachsenenbildungs-Pfarrerin Alexandra Winter, Diplomtheologin, Pfarrerin und Supervisorin, die qua Amt zum Beirat gehört, stellte sich den „Jungen Senioren“ vor und moderierte den Auftritt der Kirchenmusikerin Bettina Astfalk-Lehmann, die mit ihrem Mann Thomas Astfalk das Bezirkskantorat Heilbronn begleitet. Angesiedelt bei der Stadtkirche Böckingen hatte sie unter anderem kürzlich mit einem selbst getexteten und komponierten Kindermusical „Riesenkrach mit Luther“, mit Kinderchor, Schauspielern und Musikern, viel Beachtung gefunden.

„Freue dich Welt, dein König naht“, so der Titel der Veranstaltung. Mit dieser deutschen Übersetzung des 1719 geschriebenen Liedes „Joy to the world“ aus einem verteilten Liedblatt („The Lord has come / Let earth receive her King“) startete die Bezirkskantorin am Flügel und mit (gemeinsamem) Gesang. Aber danach kamen bekannte Lieder aus dem Evangelische Gesangbuch zu Gehör. In der Gesangbuch-Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Württemberg sind von den 693 aufgenommenen Liedern und Gesängen gemäß dem Kirchenjahr die ersten 22 Adventslieder, gefolgt von 35 Weihnachtsliedern.

Der christliche Gottesdienst wird seit jeher bestimmt durch Kirchenlieder. Die Reformation begründete die Tradition der evangelischen Kirchenmusik. Martin Luther räumte der Kirchenmusik einen hohen gottesdienstlichen Rang ein, insbesondere dem Gemeindelied, das die – singende – Gemeinde wieder zum eigentlichen Träger der Liturgie machen sollte, was von den Gläubigen rasch aufgenommen wurde. Neubildungen waren die einstimmigen Messgesänge nach gregorianischem Vorbild, aber in vereinfachter und eingedeutschter Form. Älteres Liedgut wurde aufgenommen und umgeformt, erläuterte Astfalk-Lehmann. Psalmen, Bibelstellen und lateinische Prosa lieferten Anregungen zu neuen Texten, die zu einprägsamen bekannten oder eigens komponierten schlichten Weisen gesungen wurden.

Beispielhafte demonstrierte die Bezirkskantorin Gesangbuch-Lied 4 „Nun komm, der Heiden Heiland“, von Martin Luther nach einem lateinischen Hymnus. Oder Lied 24 „Vom Himmel hoch, da komm ich her, / ich bring euch gute neue Mär. / Euch ist ein Kindlein heut geboren, / von einer Jungfrau auserkoren, ein Kindelein, so zart und fein, / das soll eu’r Freud und Wonne sein.“ Text und Melodie von Luther, wohl zuerst für seine Kinder zum privaten Weihnachtsfest, dann für geistliche Zwecke, im Volke schnell verbreitet. Gespielt und gesungen wurden die Strophen 1 bis 5 sowie 14 und 15. Es gab aber  auch noch eine Vorstrophe von Valentin Triller (1555): „Es kam ein Engel hell und klar / von Gott aufs Feld zur Hirtenschar; / der war gar sehr von Herzen froh / und sprach zu ihnen fröhlich so:“

Das Lied 1 im Gesangbuch stammt nicht von Luther, sondern von dem ostpreußischen Pfarrer Georg Weizel 100 Jahre später: „Macht hoch die Tür, / die Tor macht weit; / es kommt der Herr der Herrlichkeit, / ein König, ein König aller Königreich, / in Heiland aller Welt zugleich.“ Dann das Weihnachtslied 30, um 1600 entstanden, zurückgehend auf Jesaja und auf „Jesse“, den Vater von David: „Es ist ein Ros entsprungen, / aus einer Wurzel zart, / wie uns die Alten sungen, / von Jesse kam die Art.“ Und die zweite Strophe: „Das Blümlein das ich meine / davon Jesaja sagt, /hat uns gebracht alleine / Mari, die reine Magd; / aus Gottes ewgem Rat / hat sie ein Kind geboren, / welches uns selig macht.“

Die heute gebräuchlichsten Weihnachtslieder stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. So auch das Dreier-Festtagslied „Oh du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ (Lied 44), ursprünglich mit den nächsten Strophen: gnadenbringende Osterzeit, gnadenbringende Pfingstenzeit. 1819 von Johannes Dominik Falk geschrieben und von seinem Gehilfen Heinrich Holzschuher 1829 vertont. Alexandra Winter trug das Lied solo vor, und Bettina Astfalk unterlegte es mit einer Scherzfassung. Dann das wohl populärste Weihnachtslied „Stille Nach, heilige Nacht“ (Lied 44), 1816 gedichtet von dem österreichischen Priester Joseph Mohr, 1818 von dem Organisten Franz Xaver Gruber vertont und von beiden in der Christmette am Heiligabend 1818 in der Sankt Nikolaus-Kirche in Oberdorf bei Salzburg mit Chor und der damals noch recht unbekannten Gitarre dargeboten.

Und zum Abschluss ein Bericht über die berühmte Aufführung des Klavierstücks „4 33“  von John Cage (1912-1992), dem bedeutenden Pianisten und und Vertreter der experimentellen Musik, bei dem 4:33 Minuten „nichts“ zu hören ist außer Umweltgeräusche. Und so wünschte auch Bettina Astfalk-Lehmann den „Jungen Senioren“ über die Weihnachtszeit, „sich auch mal Stille zu schenken und den Chören der himmlischen Heerscharen zu lauschen“.

Für Sport ist es nie zu spät – aber vernünftig – Empfehlungen des Chirurgs und Sportmediziners Dr. Andreas Simpfendörfer

Sergio-Agnoli

Foto: wikicommons/gemeinfrei Sergioricci

Die „Jungen Senioren“ haben es bei früheren Gesundheitsvorträgen schon wiederholt gehört, wie wichtig Bewegung und Sport im Alter ist – als Vorbeugung bis zur Minderung oder gar Heilung von Beschwerden und Krankheiten. Diesmal bekamen sie diese „Arznei“ im Hans-Rießer-Haus konzentriert serviert: Möglichkeiten und Gefahren von Sport im Alter, von Dr, Andreas Simpfendörfer, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie sowie Sportmedizin und Notfallmedizin in einer Gemeinschaftspraxis und -klinik am Rathenauplatz in Heilbronn-Sontheim.

„Treibe Sport – oder bleibe gesund!“ Mit einem solchen Spruch wurden die „Jungen Senioren“ erst einmal konfrontiert, aber auch mit einem Bild, das einen würdigen alten Herrn mit Stock im kühnen Sprung über einen Graben zeigt. „Sport im Alter beinhaltet schon ein gewisses Spannungsfeld“, meinte der Mediziner Simpfendörfer, doch im Grunde sei es eigentlich ein Thema, das sich der medizinischen Behandlung entzieht und für das man – normalerweise – keinen Arzt brauche. Es verspreche nun einmal Gesundheit, Schönheit, Vitalität und Wohlgefühl. Zum anderen sei es verbunden mit Überwindung, Mühe und Zeitaufwand, mitunter auch mit Schmerzen und Gefahren.

Dank medizinischer Fortschritte und verbesserter hygienischer Bedingungen werden die Menschen immer älter und bleiben länger gesund, konstatierte Dr. Simpfendörfer. Gleichzeitig ist aber auch ein Anstieg der (neuen) Volkskrankheiten zu erkennen, als da sind Diabetes und Stoffwechselkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Nervenleiden, Alzheimer und Parkinson. Demgegenüber steht die Definition der UN von Gesundheit, die es anzustreben gilt: Ein Zustand des umfassenden körperliche, geistigen und psychischen Wohlbefindens und die Abwesenheit von Krankheit und Schwäche.

Ob Befindlichkeitsstörungen oder organische Erkrankungen – die meisten meinen, der Arzt kann helfen, dass schnell wieder alles besser bzw. gut wird. Simpfendörfer machte aber auch deutlich, dass die Medizin ja vieles und immer mehr kann, aber häufig kommt es auch eher auf den Einzelnen an, der selbst etwas bewerkstelligen kann, das mitunter erfolgreicher ist als Tabletten und sonstige Medizin: Neben geregeltem Lebenswandel und vernünftiger Ernährung regelmäßige sportliche Betätigung als Ausgleich des vielfachen Bewegungsmangels in Beruf und Alltag. „Dadurch werden Herz und Kreislauf gestärkt, der Blutdruck gesenkt, Knochen und Gelenke gestärkt, ist gut gegen Arthrose“, erklärte Simpfendörfer, ganz abgesehen von Stressabbau und Beitrag zu seelischer Ausgeglichenheit.

„Um mit Sport zu beginnen ist es nie zu spät“, meinte Simpfendörfer. Doch sollten insbesondere „Späteinsteiger“ vorher einen Arzt konsultieren, den Gesundheitszustand abklären lassen. Natürlich sollte man nicht überstürzt und überehrgeizig loslegen, sondern die Belastungsintensität nach Gefühl und Programm zunehmend steigern bis zu einem Optimum.

Empfehlenswert ist laut Simpfendörfer vor allem Ausdauertraining, denn auch ältere Menschen können gezielt ihre Ausdauer verbessern, selbst wenn bereits chronische Erkrankungen oder Verschleißerscheinungen vorliegen, lassen sich Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel stärken. Die Dauer der Ausdauerbelastung sollte so gewählt werden, dass zusätzlich 1000 Kilokalorien in der Woche verbraucht werden, durch mehrmals eine Stunde Walking, Jogging oder Radfahren. Schwimmen bringe diesbezüglich nicht schnell so viel.

Kraftübungen sind zudem vonnöten, denn der Mensch verliert – so ab dreißig – pro Lebensjahr nicht nur ein Prozent seiner körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern eher noch mehr an Muskelmasse, erst recht bei ausgeprägter Inaktivität, stellte Simpfendörfer heraus. Auch und gerade Frauen sollten Kraftaufbau nicht scheuen, denn das sei das Beste für den Knochenstoffwechsel und als Vorbeugung gegen Osteoporose. Gymnastik entspreche weniger den hauptsächlichen motorischen Grundfunktionen Kraft und Ausdauer, also Muskulatur und Kondition, sei aber im Hinblick auf Koordination und Beweglichkeit durchaus „gesundheitsförderlich“. Das gelte erst recht auch für den Tanzsport.

Zur gesundheitsförderlichen Sportausübung gehört laut Simpfendörfer ein ausgewogenes Verhältnis von Anstrengung und Entspannung, also leistungssteigernde  Betätigung ohne Überlastung und mit ausreichender Erholungszeit, am besten abwechselnde Trainingseinheiten und sportlicher Mix. Je besser die individuelle Kondition und Muskulatur, das Fitnessniveau und die Koordinationsfähigkeit, desto geringer die Verletzungsgefahr. Gemeinschaftlich und mit Anleitung falle Sport oft leichter und mache mehr Spaß, ob im Verein, in einem Fitnessstudio oder durch Nutzung von Angeboten der Volkshochschule oder der Gesundheitskasse. Dr. Simpfendörfer.: „Wer vernünftig Sport treibt, lebt länger.“