Für Sport ist es nie zu spät – aber vernünftig – Empfehlungen des Chirurgs und Sportmediziners Dr. Andreas Simpfendörfer

Sergio-Agnoli

Foto: wikicommons/gemeinfrei Sergioricci

Die „Jungen Senioren“ haben es bei früheren Gesundheitsvorträgen schon wiederholt gehört, wie wichtig Bewegung und Sport im Alter ist – als Vorbeugung bis zur Minderung oder gar Heilung von Beschwerden und Krankheiten. Diesmal bekamen sie diese „Arznei“ im Hans-Rießer-Haus konzentriert serviert: Möglichkeiten und Gefahren von Sport im Alter, von Dr, Andreas Simpfendörfer, Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie sowie Sportmedizin und Notfallmedizin in einer Gemeinschaftspraxis und -klinik am Rathenauplatz in Heilbronn-Sontheim.

„Treibe Sport – oder bleibe gesund!“ Mit einem solchen Spruch wurden die „Jungen Senioren“ erst einmal konfrontiert, aber auch mit einem Bild, das einen würdigen alten Herrn mit Stock im kühnen Sprung über einen Graben zeigt. „Sport im Alter beinhaltet schon ein gewisses Spannungsfeld“, meinte der Mediziner Simpfendörfer, doch im Grunde sei es eigentlich ein Thema, das sich der medizinischen Behandlung entzieht und für das man – normalerweise – keinen Arzt brauche. Es verspreche nun einmal Gesundheit, Schönheit, Vitalität und Wohlgefühl. Zum anderen sei es verbunden mit Überwindung, Mühe und Zeitaufwand, mitunter auch mit Schmerzen und Gefahren.

Dank medizinischer Fortschritte und verbesserter hygienischer Bedingungen werden die Menschen immer älter und bleiben länger gesund, konstatierte Dr. Simpfendörfer. Gleichzeitig ist aber auch ein Anstieg der (neuen) Volkskrankheiten zu erkennen, als da sind Diabetes und Stoffwechselkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Nervenleiden, Alzheimer und Parkinson. Demgegenüber steht die Definition der UN von Gesundheit, die es anzustreben gilt: Ein Zustand des umfassenden körperliche, geistigen und psychischen Wohlbefindens und die Abwesenheit von Krankheit und Schwäche.

Ob Befindlichkeitsstörungen oder organische Erkrankungen – die meisten meinen, der Arzt kann helfen, dass schnell wieder alles besser bzw. gut wird. Simpfendörfer machte aber auch deutlich, dass die Medizin ja vieles und immer mehr kann, aber häufig kommt es auch eher auf den Einzelnen an, der selbst etwas bewerkstelligen kann, das mitunter erfolgreicher ist als Tabletten und sonstige Medizin: Neben geregeltem Lebenswandel und vernünftiger Ernährung regelmäßige sportliche Betätigung als Ausgleich des vielfachen Bewegungsmangels in Beruf und Alltag. „Dadurch werden Herz und Kreislauf gestärkt, der Blutdruck gesenkt, Knochen und Gelenke gestärkt, ist gut gegen Arthrose“, erklärte Simpfendörfer, ganz abgesehen von Stressabbau und Beitrag zu seelischer Ausgeglichenheit.

„Um mit Sport zu beginnen ist es nie zu spät“, meinte Simpfendörfer. Doch sollten insbesondere „Späteinsteiger“ vorher einen Arzt konsultieren, den Gesundheitszustand abklären lassen. Natürlich sollte man nicht überstürzt und überehrgeizig loslegen, sondern die Belastungsintensität nach Gefühl und Programm zunehmend steigern bis zu einem Optimum.

Empfehlenswert ist laut Simpfendörfer vor allem Ausdauertraining, denn auch ältere Menschen können gezielt ihre Ausdauer verbessern, selbst wenn bereits chronische Erkrankungen oder Verschleißerscheinungen vorliegen, lassen sich Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel stärken. Die Dauer der Ausdauerbelastung sollte so gewählt werden, dass zusätzlich 1000 Kilokalorien in der Woche verbraucht werden, durch mehrmals eine Stunde Walking, Jogging oder Radfahren. Schwimmen bringe diesbezüglich nicht schnell so viel.

Kraftübungen sind zudem vonnöten, denn der Mensch verliert – so ab dreißig – pro Lebensjahr nicht nur ein Prozent seiner körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern eher noch mehr an Muskelmasse, erst recht bei ausgeprägter Inaktivität, stellte Simpfendörfer heraus. Auch und gerade Frauen sollten Kraftaufbau nicht scheuen, denn das sei das Beste für den Knochenstoffwechsel und als Vorbeugung gegen Osteoporose. Gymnastik entspreche weniger den hauptsächlichen motorischen Grundfunktionen Kraft und Ausdauer, also Muskulatur und Kondition, sei aber im Hinblick auf Koordination und Beweglichkeit durchaus „gesundheitsförderlich“. Das gelte erst recht auch für den Tanzsport.

Zur gesundheitsförderlichen Sportausübung gehört laut Simpfendörfer ein ausgewogenes Verhältnis von Anstrengung und Entspannung, also leistungssteigernde  Betätigung ohne Überlastung und mit ausreichender Erholungszeit, am besten abwechselnde Trainingseinheiten und sportlicher Mix. Je besser die individuelle Kondition und Muskulatur, das Fitnessniveau und die Koordinationsfähigkeit, desto geringer die Verletzungsgefahr. Gemeinschaftlich und mit Anleitung falle Sport oft leichter und mache mehr Spaß, ob im Verein, in einem Fitnessstudio oder durch Nutzung von Angeboten der Volkshochschule oder der Gesundheitskasse. Dr. Simpfendörfer.: „Wer vernünftig Sport treibt, lebt länger.“

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