Informativ-musikalischer Nachmittag zum Advent – Bezirkskantorin Bettina Astfalk-Lehmann erfreute mit Kirchenliedern

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Bezirkskantorin Bettina Astfalk-Lehmann (Foto: Rolf Gebhardt)

Zu einem informativ-musikalischen unterhaltsamen Nachmittag trafen sich nach dem zweiten Advent die „Jungen Senioren“ im festlich geschmückten Hans-Rießer-Haus und hatten viel Freude an anregenden Gelegenheiten zum gemeinsamen Singen von Advents- und Weihnachtsliedern. Die Heilbronner City- und Erwachsenenbildungs-Pfarrerin Alexandra Winter, Diplomtheologin, Pfarrerin und Supervisorin, die qua Amt zum Beirat gehört, stellte sich den „Jungen Senioren“ vor und moderierte den Auftritt der Kirchenmusikerin Bettina Astfalk-Lehmann, die mit ihrem Mann Thomas Astfalk das Bezirkskantorat Heilbronn begleitet. Angesiedelt bei der Stadtkirche Böckingen hatte sie unter anderem kürzlich mit einem selbst getexteten und komponierten Kindermusical „Riesenkrach mit Luther“, mit Kinderchor, Schauspielern und Musikern, viel Beachtung gefunden.

„Freue dich Welt, dein König naht“, so der Titel der Veranstaltung. Mit dieser deutschen Übersetzung des 1719 geschriebenen Liedes „Joy to the world“ aus einem verteilten Liedblatt („The Lord has come / Let earth receive her King“) startete die Bezirkskantorin am Flügel und mit (gemeinsamem) Gesang. Aber danach kamen bekannte Lieder aus dem Evangelische Gesangbuch zu Gehör. In der Gesangbuch-Ausgabe für die Evangelische Landeskirche in Württemberg sind von den 693 aufgenommenen Liedern und Gesängen gemäß dem Kirchenjahr die ersten 22 Adventslieder, gefolgt von 35 Weihnachtsliedern.

Der christliche Gottesdienst wird seit jeher bestimmt durch Kirchenlieder. Die Reformation begründete die Tradition der evangelischen Kirchenmusik. Martin Luther räumte der Kirchenmusik einen hohen gottesdienstlichen Rang ein, insbesondere dem Gemeindelied, das die – singende – Gemeinde wieder zum eigentlichen Träger der Liturgie machen sollte, was von den Gläubigen rasch aufgenommen wurde. Neubildungen waren die einstimmigen Messgesänge nach gregorianischem Vorbild, aber in vereinfachter und eingedeutschter Form. Älteres Liedgut wurde aufgenommen und umgeformt, erläuterte Astfalk-Lehmann. Psalmen, Bibelstellen und lateinische Prosa lieferten Anregungen zu neuen Texten, die zu einprägsamen bekannten oder eigens komponierten schlichten Weisen gesungen wurden.

Beispielhafte demonstrierte die Bezirkskantorin Gesangbuch-Lied 4 „Nun komm, der Heiden Heiland“, von Martin Luther nach einem lateinischen Hymnus. Oder Lied 24 „Vom Himmel hoch, da komm ich her, / ich bring euch gute neue Mär. / Euch ist ein Kindlein heut geboren, / von einer Jungfrau auserkoren, ein Kindelein, so zart und fein, / das soll eu’r Freud und Wonne sein.“ Text und Melodie von Luther, wohl zuerst für seine Kinder zum privaten Weihnachtsfest, dann für geistliche Zwecke, im Volke schnell verbreitet. Gespielt und gesungen wurden die Strophen 1 bis 5 sowie 14 und 15. Es gab aber  auch noch eine Vorstrophe von Valentin Triller (1555): „Es kam ein Engel hell und klar / von Gott aufs Feld zur Hirtenschar; / der war gar sehr von Herzen froh / und sprach zu ihnen fröhlich so:“

Das Lied 1 im Gesangbuch stammt nicht von Luther, sondern von dem ostpreußischen Pfarrer Georg Weizel 100 Jahre später: „Macht hoch die Tür, / die Tor macht weit; / es kommt der Herr der Herrlichkeit, / ein König, ein König aller Königreich, / in Heiland aller Welt zugleich.“ Dann das Weihnachtslied 30, um 1600 entstanden, zurückgehend auf Jesaja und auf „Jesse“, den Vater von David: „Es ist ein Ros entsprungen, / aus einer Wurzel zart, / wie uns die Alten sungen, / von Jesse kam die Art.“ Und die zweite Strophe: „Das Blümlein das ich meine / davon Jesaja sagt, /hat uns gebracht alleine / Mari, die reine Magd; / aus Gottes ewgem Rat / hat sie ein Kind geboren, / welches uns selig macht.“

Die heute gebräuchlichsten Weihnachtslieder stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. So auch das Dreier-Festtagslied „Oh du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ (Lied 44), ursprünglich mit den nächsten Strophen: gnadenbringende Osterzeit, gnadenbringende Pfingstenzeit. 1819 von Johannes Dominik Falk geschrieben und von seinem Gehilfen Heinrich Holzschuher 1829 vertont. Alexandra Winter trug das Lied solo vor, und Bettina Astfalk unterlegte es mit einer Scherzfassung. Dann das wohl populärste Weihnachtslied „Stille Nach, heilige Nacht“ (Lied 44), 1816 gedichtet von dem österreichischen Priester Joseph Mohr, 1818 von dem Organisten Franz Xaver Gruber vertont und von beiden in der Christmette am Heiligabend 1818 in der Sankt Nikolaus-Kirche in Oberdorf bei Salzburg mit Chor und der damals noch recht unbekannten Gitarre dargeboten.

Und zum Abschluss ein Bericht über die berühmte Aufführung des Klavierstücks „4 33“  von John Cage (1912-1992), dem bedeutenden Pianisten und und Vertreter der experimentellen Musik, bei dem 4:33 Minuten „nichts“ zu hören ist außer Umweltgeräusche. Und so wünschte auch Bettina Astfalk-Lehmann den „Jungen Senioren“ über die Weihnachtszeit, „sich auch mal Stille zu schenken und den Chören der himmlischen Heerscharen zu lauschen“.

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