Von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst – Prälat Harald Stumpf legte die ökumenische Jahreslosung 2018 aus

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Auch auf dem Kiliansbrunnen finden sich die Jahreslosung 2018. (Foto: Rolf Gebhardt)

„Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Mit dieser ökumenischen Jahreslosung 2018 aus Offenbarung 21,6 starteten die „Jungen Senioren“ in das neue Jahr – und die entsprechende Auslegung dazu bekamen sie von dem Heilbronner Prälaten Harald Stumpf. Er war zudem begleitet von seiner Frau, die mit den mehr als 70 Seniorinnen und Senioren die von dem Heilbronner Kantor Andreas Benz vertonte Jahreslosung als Kanon einübte, was sich alsbald als Ohrwurm erwies. Dazu passte dann auch das von ihr angestimmte und gemeinsam gesungene dreistrophige Liedblattlied „Leben aus der Quelle, Leben nur aus dir.“

Frisches Wasser – umsonst! Dazu fiel dem Prälat jenes Quellwasser ein, das den Heilbronner Sieben-Röhren-Brunnen an der Südseite der Kilianskirche speist und mit dem sich manche Mitbürger gelegentlich kostenlos versorgen. Laut Stumpf soll diese Quelle schon im 9. Jahrhundert urkundlich erwähnt worden sein, als  heilender oder heiliger Brunnen, der den Stadt den Namen gab. Jahrhundertelang versorgte er, 1363 Kirchbrunnen genannt, die Umgebung mit Wasser. Aufgrund eines Ratsbeschlusses von 1541 wurde die Brunnenanlage neu gefasst und von Baumeister Balthasar Wolff mit Bildhauerarbeiten versehen: Aus sieben Röhren ergoss sich das Wasser in einen 15,5 m langen und 2,5 m breiten Brunnentrog. Dieser „Sieben-Röhren-Brunnen“ hatte anfangs eine sehr starke Schüttung, versiegte aber Mitte des 19, Jahrhunderts.

Beim Wiederaufbau der Kilianskirche erfolgte 1959 seitens der Stadt unter dem Chor eine Bohrung nach jenem Wasserreservoir des einstigen Kirchbrunnens, und in 50 m Tiefe stieß man auf einen  artesischen Brunnen, aus dem das Wasser in dem wieder fertig gestellten und von Oberbürgermeister Meyle eingeweihten Sieben-Röhren-Brunnen in der Kirchbrunnenstraße stammt.

Hier ist auch noch von Wolffs Bildschmuck das Relief zu sehen: „Christus mit der Frau am Jakobsbrunnen“. Nach Johannes 4, 13+14, sagt Jesus zu der Frau: „Wer von diesem Wasser trinkt, der wird wieder dürsten; der aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wir in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“

Prälat Stumpf stellte heraus: „Ohne Wasser können wir nicht leben; Wasser ist ein Grundbedürfnis des Menschen.“ Weil Durststillen ein existenzielles Bedürfnis ist, beziehe König David dies Gefühl auch auf sein Verlangen nach Gott. So heiße es in Psalm 423: „Mich dürstet nach Gott, nachdem lebendigen Gott.“

Nach Stumpfs Worten ist der Durst nach Leben – die Sehnsucht nach Glück, Liebe, Lebenserfüllung – tief in uns verwurzelt. Und so wünschte der Prälat denn auch den „Jungen Senioren“, „dass wir in unserem Alltag die Quellen der Freude und der Kraftsuchen und finden. Er bezog sich dabei auch auf den dreistufigen Brunnen im Kloster Maulbronn als „Schale nicht Kanal“,  mit dem Zitat von Bernhard von Clairvaux (1090-1153): „Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weiter gibt, während jene wartet, bis sie erfüllt ist. Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter …“

Prälat Stumpf erinnerte daran, dass im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation in ökumenischem Einklang vielfach intensiv und kreativ über die Grundlagen unseres christlichen Glaubens nachgedacht wurde und man zu den Quellen – „ad vontes“ – Wasser des Lebens umsonst (lateinisch: aquae vivae gratis) – gekommen ist: die von Gott bedingungslos angebotene Quelle des Wassers.

Apropos umsonst: Prälat Stumpf hat eine von der Europäischen Zentralbank herausgegebene Banknote mit allen Sicherheitsmerkmalen entdeckt und in Umlauf gegeben: Sie lautet auf 0 Euro.

Was das bei uns günstig zu erhaltende Wasser anbetrifft: Die neue Aktion von „Brot für  die Welt“ befasst sich mit dem Problem,  dass 850 Millionen Menschen weltweit  keinen Zugang zu sauberem Wasser haben.

Prälat Stumpf, zu dessen Sprengel über eine halbe Million Mitlgieder in 15 Kirchenbezirken und 381 Kirchengemeinden gehören, zeigte sich auch offen für Themen bezüglich der Landeskirche Württemberg:

– Im Juli 2010 verabschiedete die Landesynode in Freudenstadt angesichts der sich weiter öffnenden Schere zwischen Arm und Reich eine Handlungsentschließung: „Reichtum braucht  ein Maß, Armut eine Grenze.“

– Die Landessynode verfehlte bei ihrer Herbsttagung 2017 knapp die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit für die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, hält aber an ihrer Feststellung fest, dass sexuelle Orientierung keine Hindernis sein darf für die Übernahm eines kirchlichen Amts, aber auch daran, dass Ehe und Familie Keimzelle der Gesellschaft und zu stärken sind.

– Aufgrund des fortschreitenden Traditionsabbruchs in der Kirche hinsichtlich der Glaubensvermittlung über Generationen sollte man offen sein für neue Gottesdienstformate sowie die Berührungsängste gegenüber charismatischen Gruppen überwinden

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