Archiv für den Monat Februar 2018

Für sozial Benachteiligte wird viel getan – Beeindruckt von dem umfangreichen Hilfsangebot der Aufbaugilde Heilbronn

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Zu Gast im Literaturcafé der Aufbaugilde (Foto: Rolf Gebhardt)

Die Aufbaugilde Heilbronn ist für manche unbekanntes, unentdecktes Land – und für andere eine hoch geschätzte Einrichtung oder gar  regelmäßiges Anlaufziel.  Die „Jungen Senioren“, die bequem mit der Stadtbahn bis Industrieplatz und dann in kurzem Fußweg oder per eigenem Pkw das weitläufigem Aufbaugilde-Komplex (mit großem Parkplatz) an der Austraße erreichten, waren insbesondere angetan von dem riesigen Secondhand-Kaufhaus, durch das sie gemütlich bummeln konnten, während ihr übliches Domizil, das Hans-Rießer-Haus, am Wochenende zuvor im Rahmen des Heilbronner Pferdemarktes beim traditionellen Flohmarkt des CVJM von oben bis unten einschließlich des großen Vortragssaals wieder einen gewaltigen Publikumszuspruch erlebt hat..

Aber zuerst traf man sich im „Literaturcafé“ der Aufbaugilde, bei Kaffee und selbstgebackenen Kuchenschnitten. Aufbaugilde-Sprecher Siegfried Lambert, langjähriger Redakteur und zuletzt Ressortleiter der Politik-Redaktion der Heilbronner Stimme, hat im Ruhestand seine soziale Einstellung der Aufbaugilde gewidmet und informierte die „Jungen Senioren“ über das Phänomen Aufbaugilde.

Diese Heilbronner Einrichtung, die laut Lambert auf eine erste Gründungsinitiative 1948 auf der Untergruppenbacher Burg Stettenfels für eine „Jugendstadt“ zurückgeht,  ist eng verknüpft mit dem Namen Finkbeiner. Die in den 50er Jahren zugezogene Susanne Finkbeiner kümmerte sich schon früh in kirchlichem Auftrag um junge Flüchtlinge aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone und später um Nichtsesshafte. Gemeinsam mit ihrem Sohn Johannes nahm sie 1977 das Studium der Sozialpädagogik auf und begründete 1979 die Nichtsesshaftenhilfe Heilbronn e.V. mit Aufnahme- und Eingliederungsheim, zusammen mit ihrem Ehemann, der bereits 1983 starb. Das Angebot von ersten Arbeitsverhältnissen mit Sozialversicherung an Nichtsesshafte wurde erweitert mit einem Wiedereingliederungsprogramm für Langzeitarbeitslose. Die Nichtsesshaftenhilfe wurde 1992 zur Wohnungs- und Arbeitslosenhilfe Heilbronn e.V.

Heute stellt sich die Aufbaugilde Heilbronn gGmbH, als ein weitverzweigter Sozialkonzern dar, geführt von den Geschäftsführen Hans-Albrecht Finkbeiner und Reiner Knödler, getragen vom Verein Aufbaugilde Heilbronn-Franken e.V. mit 180 Mitgliedern und den Vorstandsvorsitzenden Dagmar Lägler und Gabriele Wolpert-Kilian, ehemals Präsidentin des Heilbronner Sozialgerichts. Die Aufbaugilde engagiert sich primär in der regionalen Diakonie, verankert mit freien Wohlfahrtsverbänden, der Industrie- und Handelskammer und Handelskammer, Gewerkschaften und Arbeitgeberverband sowie dem Job-Center.

Die Aufbaugilde unterhält eine Reihe von Häusern und beteiligt sich an verschiedenen Programmen über Partnerschaften und Tochtergesellschaften. Zu ihren ureigenen Angeboten gehört die Wohnungslosenhilfe, mit dem neuen Unterstützungszentrum UWI26 in der Wilhelmstraße 26, mit Beratungsstelle und Obdachlosenheim sowie der Tagesstätte Gildetreff. In den Wintermonaten gibt es für Wohnungslose, die übers Jahr hinweg im Freien nächtigen und sonst keine Angebote in Anspruch nehmen, „Erfrierungsschutz“ in Räumlichkeiten im Freibad Neckarhalde. Es gibt Hilfsangebote und unterstützende Förderung für abhängigkeitskranke Menschen in schwierigen  Lebensverhältnissen (Suchtkranke), so im Lebenshaus Weinsberg. Die Aufbaugilde betreibt eigene Sozial- und Integrationsbetriebe zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen, bietet  Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramme für Bezieher von Arbeitslosengeld, eine zertifizierte Schuldnerberatung, ferner Bewerbungstraining und Sozialberatung.

Ein neues Aufgabenfeld beinhaltet die 2014 eröffnete Susanne-Finkbeiner-Schule im Bildungspark Heilbronn-Franken GmbH, Hans-Rießer-Straße 4. Sie wendet sich an Jugendliche ohne Hauptschulabschluss, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben, die schulmüde sind, körperlich oder geistig behindert oder extrem verhaltensgestört, in ausweglos erscheinenden persönlicher Lebenssituation. Für sie gibt es einjährige Sonderberufsfachschule bzw. Berufsfachschule, berufsvorbereitend, meuerdings auch eine zweijährige Berufsfachschule zur Vertiefung und Erweiterung von allgemeiner Bildung, dem Erwerb von Schlüsselqualifikationen, Grundfertigkeiten  in verschiedenen Berufsfeldern. 2017 konnten erstmals 50 Jugendliche nach diversen Prüfungen den Hauptschulabschluss bekommen.

Für die „Jungen Senioren“ war insbesondere die kompetente Führung – in zwei Gruppen – durch das  Seconhand-Kaufhaus interessant, wo auf 3000 qm Bücher, Möbel, Elektroartikel, Haushalsgeräte und Textilen in ansprechender Angebotsform präsentiert werden. Hier kann jeder einkaufen. Berechtigte für die Soziale Einkaufsgemeinschaft SEG erhalten 20 Prozent Rabatt. Für sie gibt es auch Tafelläden und Vergünstigungen in den CAP-Märkten der Aufbaugilde. Das umfangreiche Dienstleistungsangebot der Aufbaugilde, zu der auch eine eigene  Schreinerei und Textilpflege gehört, umfasst neben (ausgewählter) Spendenabholung und Entrümpelung eine Reihe von handwerklichen Leistungen.

Karneval hat Sinn, ist aber nicht verpflichtend – Ruhestandspfarrer Friedrich Schwandt kann auch als Büttenredner glänzen

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Pfarrer i.R. Friedrich Schwandt (Foto: Rolf Gebhardt)

Wenn schon ein Veranstaltungstermin der „Jungen Senioren“ auf Rosenmontag fällt, sollte auch mal das Thema „Fasching – Fasnet – Karneval“ vorkommen. Dazu sprach im Hans-Rießer der 85jährige Ruhestandspfarrer Friedrich Schwandt, ohne Mikrofon und Manuskript – ein geselliger, humorvoller Mensch, noch vernetzt mit zwei Stammtischen und einigen Ehrenämtern. Schwandt war viele Jahre Vorsitzender des Kreisseniorenrates Heilbronn, heute Ehrenvorsitzender, hatte jede Sitzung mit einer pointierten literarischen Geschichte,eingeleitet und erfreut jährlich mit einem geistreich-launigen Weihnachtsgedicht.

Vom Karnevalsbazillus angesteckt wurde Schwandt als junger Pfarrer in Weinsberg, als er einer rheinischen Frohnatur, Gastwirt  Hans „Jupp“ Schmitz, begegnete, der den Fasching vom Rhein an die Sulm brachte. In der 1967 gegründeten Karnevalsgesellschaft der Sulmtalnarren Ellhofen – heute ein veritabler Verein mit Till als Symbolfigur – wurde Schwandt als wortmächtiger Mann zum Büttenreden-Lektor, bald selbst zum Büttenredner und nach Schmitz‘ Tod 1972 auch drei Jahre Vereinsvorsitzender. Nach seiner letzten Pfarrstelle in Pfaffenhofen wurde der in Leingarten im Ruhestand lebende Schwandt noch bei den ZabergäuNarren aktiv und beim Güglinger Seniorenfasching.. Und er ist – wie er stolz demonstriert – Inhaber des Großen Verdienstordens am Bande  des Landesverbands Württembergischer Karnevalsvereine.

Apropos Orden – hierzu hat Schwandt schon vor Jahrzehnten ein Gedicht gefertigt:

„Früher, als die hohen Herrn / häufig ihre Kriege machten / zahlten sie jedoch nicht gern / denen, die die Siege brachten. – Wenn ein Land erobert war / mittels Schießen, Brennen, Morden / kriegt der Fürst die Beute bar / und sein Feldherr – einen Orden. – Aber auch zur Friedenszeit, / wenn die braven Untertanen / für die Untertänigkeit / und die Treue zu den Fahnen  – oder als Verwaltungsheld / gnädig sind belohnet worden, / gab es möglichst auch kein Geld, / sondern lieber einen Orden. – Und je mehr der Kopf aus Holz/ und je größer die Kanaille, / desto größer auch der Stolz, / wenn die Brust ziert ’ne Medaille. – Heute ist das längst vorbei / und die echten, wahren Narren / sind mit ihrem Spott so frei / und verhöhnen solchen Sparren. – Hängt euch Orden um den Hals, / steckt sie euch an Brust und Rücken. / Schmückt den Bauch euch ebenfalls / wenn euch solches kann entzücken. – Aber hängt euch selbst nicht dran. / Tragt die Dinger nur mit Lachen. / Nicht der Orden macht den Mann / sondern ganz, ganz andre Sachen.

Schwandt steigt also tief in die Geschichte ein: Für ihn waren im Mittelalter die Hofnarren an den Fürstenhöfen die einzigen, die all der Heuchelei der Hofschranzen zum Trotz den Mächtigen unverblühmt in gesitteter Form die Wahrheit sagen konnten. Und als Theologe hat Schwandt auch einen biblischen Verweis parat. Sagt der Apostel Paulus doch im Korintherbrief „Wir sind Narren um Christi Willen“ und „Wir Christen können es uns erlauben, die Wahrheit zu sagen.“

Auch der unübertreffliche rheinische Karneval hat, so Schwandt, politische Wurzeln. Die Anfang des 19.Jahrhunderts unter der französischen Besatzung leidenden Bevölkerung verstand es, in Verkleidung und an französische Aufmärsche erinnernde Gardetänze diese lächerlich zu machen. Ein solcher von Napoleon eigentlich verbotener „Straßenkarneval“ fand seine institutionelle Belebung 1822 in Köln in dem Festordnenden Comitee“, das seine Hauptversammlung auf den Montag nach dem „Rosensonntag“, an dem der Papst goldene Rosen für verdiente  Persönlichkeiten weihte, legte und im Jahr drauf einen Umzug..

So gibt es denn am Rosenmontag schier endlose Faschingsumzüge in den Karnevalshochburgen Düsseldorf, Köln und Mainz, mit trefflichen Motivwagen, die vielfach politisches Geschehen karikieren, mit Musik- und Tanzgruppen – und mehreren hunderttausend Zuschauern. Dagegen nehmen sich die ebenfalls anspruchsvollen und beliebten Faschingsumzüge im Heilbronner Land ziemlich bescheiden aus. Von besonderer Eigenart – Dämonenaustreibung – ist hingegen die eigenständige schwäbisch-allemannische Fastnacht mit ihren originellen Masken- und Hästräger-Umzügen, gipfelnd im Rottweiler Narrensprung.

Doch bekanntlich beginnt die „fünfte Jahreszeit“ ja schon am Elften Elften. Und in den trüben Winterwochen vergnügen sich viele bei den zahlreichen Prunksitzungen mit Präsidium und Komitee, Elferrat, Prinzenpaar und Gardemädchen. Im Mittelpunkt stehen mehr oder weniger geistreiche Büttenreden, mit Humbatäterä; legendär „Mainz wie es singt und lacht“. Herausragend sind da laut Schwandt solche Veranstaltungen wie die Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst in Aachen oder das Stockacher Narrengericht.

Knallbunte Phantasiekostüme gehören zu Karneval und .Fasching – und zumeist auch viel Alkohol und so manche Ausschweifung.: noch mal sinnliche Fröhlichkeit vor der Fastenzeit. Doch Schwandt meint: Nicht jeder kann und will auf Kommando fröhlich sein, am besten kann man das in froher privater Runde. „Man muss nicht, man kann mitmachen bei Fasching und Karneval“, so Schwandt.

HeilbronnerAquarell-Maler mit vielen Facetten – Kunstkenner Norbert Jung über Leben und Werk des Künstlers Albert Hammel

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Norbert Jung mit einem Originalbild von Albert Hammel (Foto: Rolf Gebhardt)

Maler Hammel: Für die wenigsten – aber immerhin doch für einige – ist er ein Begriff. Und die ihn kennen, schätzen seine farbenprächtigen Bilder und Motive. Der Heilbronner Pädagoge Norbert Jung,,ambitionierter Heimatforscher und Kunstkenner, würdigte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus das Leben und Wirken, die bildnerischen Werke, des Malers Albert Hummel, der jahrzehntelang in der Heilbronner Kunstszene eine wichtige Rolle spielte. Er gehört zu den fünf heimischen Künstlern, von denen ein Bild im Heilbronner Rathaus an der Wand vor dem Großen Ratssaal angebracht ist, und auch im Städtischen Museum Heilbronn findet man ein Bild von Hammel.

Albert Hammel wurde am 18. März 1883 als jüngster Sohn eines Heilbronner Schlossers geboren. Nach dem Besuch der Mittelschule machte er eine Grafiker-Lehre und war danach als Lithograph bei verschiedenen Betrieben tätig, in lithographischen Anstalten, Druckereien und auch als Designer bei der Silberwarenfabrik Bruckmann, berichtete Jung. Sein Berufsweg führte ihn auch nach München, wo er zeitweise auch die Münchner Akademie besuchte. Nach Heilbronn zurückgekehrt machte er auch die Bekanntschaft von Adolf Hölzel (1853 -1934), ein Wegbereiter der neuen Malerei, und durch ihn auch mit dem Journalisten Theodor Heuss, was Hammel nach eigenen Angaben auch zum „Schüler von Hölzel“ an der der Stuttgarter Akademie werden ließ..

Der Ausbruch des Weltkriegs 1914 versetzte Hammel in nationale Begeisterung. Er ließ sich 1915 freiwillig in das Württembergische Infanterieregiment einziehen, wurde auch rasch Gefreiter. Ihm wurden zwar Führungsqualitäten bescheinigt, doch wegen Krämpfe infolge eines Gehirngeschwulst als nicht tauglich für den Fronteinsatz erachtet und aus dem Militärdienst entlassen.

1918 heiratete Hammel die Tochter des Heilbronner Mittelschulrektors und Mundartdichters Gustav Adolf Freudenberger, die Sängerin Johanna, die später auch als Musiklehrerin tätig war. Die Ehe blieb kinderlos. Als technischer Zeichner in einer Maschinenfabrik fand Hammel nicht seine Bestimmung, und so entschloss er sich ab 1920 zu einer Existenz als freischaffender Künstler, nachdem er sich als Mitbegründer des Künstlerbundes Heilbronn hervorgetan hatte.

Jung hat sich auf Hammels Spuren begeben und sein Malerstudio in der Cäcilienstraße 37. ausgemacht: Im Erdgeschoss ein Friseurgeschäft, darüber eine Mietwohnung und oben Hammels Atelier mit Blick auf das städtische Heilbronn. Gewohnt hat das Ehepaar Hammel in der Pühlstraße zur Miete. Hammel war laut Jung ein schaffiger, fleißiger Mensch, doch er musste schon um seinen Lebensunterhalt kämpfen. Auf Reisen nach Österreich und in die Schweiz, nach Italien und Frankreich, kam er zu neuen Anregungen. Berglandschaften faszinierten ihn sein Leben lang, aber vor allem Lokalmotive von Heilbonn und Umgebung finden sich in seinen Bildern immer wieder. Insbesondere nahm er sich Hölzes Rat zu Herzen: Beteiligung an Ausstellungen. Und so war Hammel auf zahlreichen Ausstellungen vertreten.

Jung zeigte auch auf, dass sich Hammel über die Mitgliedschaft in einer NSDAP-nahen Kulturortsgruppe  auch für Nazi-Gedankengut einspannen ließ. So für die Titelgestaltung eines Liederheftes zum ersten Heilbronner Liederfest im dritten Reich im Juli 1934: „Sieg Heil! Schwabensänger“. Oder 1941 für den Patenschutzbrief der Stadt Heilbronn für ein U-Boot.

Der Bombenangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 machte auch Hammels Atelier und Wohnung ein Ende, und Hammel übersiedelte nach Lauffen am Neckar, wo er im Klosterhof eine neue künstlerische Wirkungsstätte fand. So entstanden in seinem Spätwerk viele Bilder aus der Lauffener Gegend. Ein Nachkriegshöhepunkt war für ihn, dass er (gemeinsam mit seinem Talheimer Malerkollegen Hanns Reeger) 1953 mit der Restaurierung des historischen Uhrengiebels m Heilbronner Rathaus, der astronomischen Kunstuhr von Isaac Habrecht aus dem Jahre 1580, beauftragt wurde. Hammel starb am 24. Dezember 1958,in Lauffen, fand aber auf dem Heilbronner Friedhof seine Ruhestädte, die Jung an anonymem Platz entdeckte.

Jung gab anhand von Fotos einen guten Überblick übe Hammels Schaffen mit unterschiedlichen Arbeitstechniken wie Plakatkunst, Zeichnung,Holzschnitt, Radierung, Ölmalerei, doch in erster Linie war er ein Aquarell-Maler. Laut Jung verfügte Hammel über ein gut ausgestattetes Atelier und und ließ in seinen Werken vielfach auch modernere Elemente anklingen, so in Stilleben. Auch eine Reihe von Selbstporträts fertigte Hammel, die ihn  meist als ernsten, in sich gekehrten Mann zeigen, wenngleich er auch, so Jung, sich gegen Kritik stets selbstbewusst und vehement zur Wehr setzte.