HeilbronnerAquarell-Maler mit vielen Facetten – Kunstkenner Norbert Jung über Leben und Werk des Künstlers Albert Hammel

2018-02-05_JuSen_45akl

Norbert Jung mit einem Originalbild von Albert Hammel (Foto: Rolf Gebhardt)

Maler Hammel: Für die wenigsten – aber immerhin doch für einige – ist er ein Begriff. Und die ihn kennen, schätzen seine farbenprächtigen Bilder und Motive. Der Heilbronner Pädagoge Norbert Jung,,ambitionierter Heimatforscher und Kunstkenner, würdigte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus das Leben und Wirken, die bildnerischen Werke, des Malers Albert Hummel, der jahrzehntelang in der Heilbronner Kunstszene eine wichtige Rolle spielte. Er gehört zu den fünf heimischen Künstlern, von denen ein Bild im Heilbronner Rathaus an der Wand vor dem Großen Ratssaal angebracht ist, und auch im Städtischen Museum Heilbronn findet man ein Bild von Hammel.

Albert Hammel wurde am 18. März 1883 als jüngster Sohn eines Heilbronner Schlossers geboren. Nach dem Besuch der Mittelschule machte er eine Grafiker-Lehre und war danach als Lithograph bei verschiedenen Betrieben tätig, in lithographischen Anstalten, Druckereien und auch als Designer bei der Silberwarenfabrik Bruckmann, berichtete Jung. Sein Berufsweg führte ihn auch nach München, wo er zeitweise auch die Münchner Akademie besuchte. Nach Heilbronn zurückgekehrt machte er auch die Bekanntschaft von Adolf Hölzel (1853 -1934), ein Wegbereiter der neuen Malerei, und durch ihn auch mit dem Journalisten Theodor Heuss, was Hammel nach eigenen Angaben auch zum „Schüler von Hölzel“ an der der Stuttgarter Akademie werden ließ..

Der Ausbruch des Weltkriegs 1914 versetzte Hammel in nationale Begeisterung. Er ließ sich 1915 freiwillig in das Württembergische Infanterieregiment einziehen, wurde auch rasch Gefreiter. Ihm wurden zwar Führungsqualitäten bescheinigt, doch wegen Krämpfe infolge eines Gehirngeschwulst als nicht tauglich für den Fronteinsatz erachtet und aus dem Militärdienst entlassen.

1918 heiratete Hammel die Tochter des Heilbronner Mittelschulrektors und Mundartdichters Gustav Adolf Freudenberger, die Sängerin Johanna, die später auch als Musiklehrerin tätig war. Die Ehe blieb kinderlos. Als technischer Zeichner in einer Maschinenfabrik fand Hammel nicht seine Bestimmung, und so entschloss er sich ab 1920 zu einer Existenz als freischaffender Künstler, nachdem er sich als Mitbegründer des Künstlerbundes Heilbronn hervorgetan hatte.

Jung hat sich auf Hammels Spuren begeben und sein Malerstudio in der Cäcilienstraße 37. ausgemacht: Im Erdgeschoss ein Friseurgeschäft, darüber eine Mietwohnung und oben Hammels Atelier mit Blick auf das städtische Heilbronn. Gewohnt hat das Ehepaar Hammel in der Pühlstraße zur Miete. Hammel war laut Jung ein schaffiger, fleißiger Mensch, doch er musste schon um seinen Lebensunterhalt kämpfen. Auf Reisen nach Österreich und in die Schweiz, nach Italien und Frankreich, kam er zu neuen Anregungen. Berglandschaften faszinierten ihn sein Leben lang, aber vor allem Lokalmotive von Heilbonn und Umgebung finden sich in seinen Bildern immer wieder. Insbesondere nahm er sich Hölzes Rat zu Herzen: Beteiligung an Ausstellungen. Und so war Hammel auf zahlreichen Ausstellungen vertreten.

Jung zeigte auch auf, dass sich Hammel über die Mitgliedschaft in einer NSDAP-nahen Kulturortsgruppe  auch für Nazi-Gedankengut einspannen ließ. So für die Titelgestaltung eines Liederheftes zum ersten Heilbronner Liederfest im dritten Reich im Juli 1934: „Sieg Heil! Schwabensänger“. Oder 1941 für den Patenschutzbrief der Stadt Heilbronn für ein U-Boot.

Der Bombenangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 machte auch Hammels Atelier und Wohnung ein Ende, und Hammel übersiedelte nach Lauffen am Neckar, wo er im Klosterhof eine neue künstlerische Wirkungsstätte fand. So entstanden in seinem Spätwerk viele Bilder aus der Lauffener Gegend. Ein Nachkriegshöhepunkt war für ihn, dass er (gemeinsam mit seinem Talheimer Malerkollegen Hanns Reeger) 1953 mit der Restaurierung des historischen Uhrengiebels m Heilbronner Rathaus, der astronomischen Kunstuhr von Isaac Habrecht aus dem Jahre 1580, beauftragt wurde. Hammel starb am 24. Dezember 1958,in Lauffen, fand aber auf dem Heilbronner Friedhof seine Ruhestädte, die Jung an anonymem Platz entdeckte.

Jung gab anhand von Fotos einen guten Überblick übe Hammels Schaffen mit unterschiedlichen Arbeitstechniken wie Plakatkunst, Zeichnung,Holzschnitt, Radierung, Ölmalerei, doch in erster Linie war er ein Aquarell-Maler. Laut Jung verfügte Hammel über ein gut ausgestattetes Atelier und und ließ in seinen Werken vielfach auch modernere Elemente anklingen, so in Stilleben. Auch eine Reihe von Selbstporträts fertigte Hammel, die ihn  meist als ernsten, in sich gekehrten Mann zeigen, wenngleich er auch, so Jung, sich gegen Kritik stets selbstbewusst und vehement zur Wehr setzte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s