Archiv für den Monat März 2018

Von der Wunderwelt der Honigbienen – Bienenzüchter Otto Rapp voller Begeisterung für den Superorganismus

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Otto Rapp (Foto: Rolf Gebhardt)

„Summ, summ, summ, Bienchen, summ herum. Such in Blumen, such in Blümchen dir ein Tröpfchen, die ein Krümchen.“ Diese Textzeile eines altbekannten Liedes charakterisiert treffend die herkömmliche Vorstellung vom Bienenleben. Wie vielfältig die „Wunderwelt der Honigbienen“ ist, erläuterte bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus der leidenschaftliche Bienenzüchter Otto Rapp, der viele Jahre Vorsitzender des Bienenzüchtervereins Stuttgart war und heute noch an die 20 Bienenvölker betreut.

Otto Rapp ist als Sohn eines Bienenzüchters quasi mit Bienen und Bienenhaus aufgewachsen. Auch wenn der gelernte Diakon später auf ganz anderen Feldern tätig war, so als Seemannsmissionar und Airport- und Messe-Seelsorger, blieb ihm doch der Geruch von Wachs und Waben sowie der „Bienensound“ stets vertraut. Und so schmerzt es ihn, dass seit geraumer Zeit von Bienen nur in wehmütiger Tonlage die Rede ist und man allenthalben vom Bienensterben und überhaupt vom Massenschwund von Insekten und Vögeln spricht.  Zweifellos ist die biologische Vielfalt in Gefahr – mit unabsehbaren Folgen. Dem Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein wird das Wort zugeschrieben: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ So dramatisch schätzt Rapp die Situation zwar längst nicht ein, doch er verweist auf den Leistungsumfang der „Bestäuber der Welt“, der nach internationalen Studien mit einem dreistelligen Milliardenbetrag angesetzt wird. 80 Prozent aller Wild- und Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen, insbesondere von Bienen, von denen es unzählige Arten gibt.

In vielen Gegenden ist in den letzten Jahrzehnten ein Rückgang von Insekten und Hautflügler, zu denen neben den Bienen Wespen und Ameisen gehören, um gut zwei Drittel festgestellt worden. Erkennbar wird das jedem Autofahrer, dem früher bei längeren Ausfahrten im Sommer die Windschutzscheibe seines Wagens voller Fliegen verschmiert war. Ihnen wird Lebensraum und Nahrungsgrundlage geraubt durch den Strukturwandel insbesondere in der Landwirtschaft, die auf Chemie setzt, auf Dünger, Spritzmittel und Pestizide. Auch der Klimawandel spielt dabei eine Rolle. Im Zuge der industrialisierte Agrarwirtschaft und der Flurbereinigung entstehen zunehmend Monokulturen mit einer „ausgeräumten“ Landschaft, sind vielfach die bunten Blütenstreifen am Feldrand verschwunden. Auch wenn man wieder um eine Verbesserung der Ökosysteme bemüht ist – ohne die mühevolle Arbeit der Imker könnten die Honigbienen nicht überleben..

Bienen, die es schon seit Jahrmillionen gibt, wurden bereits in der Antike wegen ihres Honigs geschätzt. Rapp verwies darauf, dass in allen Weltreligionen Bienen Erwähnung finden, nicht zuletzt im Alten Testament, wo ja Moses sein Volk in das Land führen will, „wo Milch und Honig fließt“. Und schon immer wurde dem Honig auch eine heilsame Wirkung zugeschrieben. Heute hat sich rund um Bienenprodukte gar eine regelrechte Naturheilkunde, die Api-Therapie, entwickelt. Im frühen Mittelalter gab es die ersten gewerbsmäßigen Honigsammler, die „Zeidler“, die in eigenen Waldbäumen die Bienen in ihren Baumhöhlen „ausbeuteten“. Derzeit gibt es in Deutschland rund 10 000 Imker, mit wieder steigender Tendenz. Imkerei ist eine hochspezialisierte und aufwändige Kulturleistung geworden, die sich um Betreuung und Vermehrung von Honigbienen sorgt. Dazu gehört nicht zuletzt der Schutz der Bienen vor der Varroa-Milbe.

“Honigbienen bilden einen Superorganismus, ein komplexer Mikrokosmos“, stellte Rapp voller Hochachtung heraus. Alles dreht sich um die Bienenkönigin (mit entwickeltem Geschlechtsapparat), die permanent um- und (mit Gelée Royal) versorgt wird. Beim „Hochzeitsflügen“ lässt sie sich von bis zu 30 Drohnen begatten, legt dann täglich bis zu 2500 Eier („Stifte“). Aus unbefruchteten Eiern entstehen Drohnen, die später aus den Stöcken vertrieben werden (nach Begattungsvorgang sind sie sofort tot), aus befruchteten Eiern die Arbeitsbienen (oder zur Schwarmzeit in besonderen Zellen einige wenige Königinnen). 

Wenn es warm und trocken ist, fliegen die Bienen aus auf der Suche nach nektar- und pollenreichen Blüten . Die Bienen saugen mit ihrem Rüssel aus den Blüten Nektar in ihren Magen, füllen zugleich die Borstenkörbchen in ihren Hinterbeinen mit den Pollen der Pflanze, die sie zum Teil bei der nächsten angeflogenen Blüte verlieren. Die Blüte ist bestäubt und kann Früchte bilden. Wenn Kundschafterinnen eine ertragreiche Nahrungsquelle entdeckt haben, vollführen sie einen „Schwänzeltanz“, worauf sich ob dieser Bienensprache Zehntausende Bienen zum neuen Standort in Bewegung setzen. Mit spezieller Navigation finden sie bis zu drei Kilometer zielsicher zum Stock und richtigen Eingang zurück.

So ein Bienenvolk mit 60 000 Bienen erbringt innerhalb von zehn Tag 80 kg Honig, sagte Rapp und erklärte die „flügelbetriebene Klimaanlage“ der Bienen, die ausgefeilte Wabenstruktur eines Bienenstocks sowie das Honigschleudern. Die „Jungen Senioren“ konnten sich von der Rapp’schen Honigqualität überzeugen, von Raps-, Linden- und Waldhonig, die Rapps Frau in gefälligen Gläsern preisgünstig anbot.

Osteoporose – und wie man vorbeugen kann – Dr. Bachmann: Gute Muskeln sowie Vitamin D und Calzium helfen Knochen

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Dr. Jan Bachmann (Foto: Rolf Gebhardt)

„Osteoporose – muss das sein?“ So das Thema der „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer-Haus. Der Referent, der Heilbronner Orthopädie-Facharzt Jan Bachmann, konnte mit den neuesten wissenschaftlich-medizinischen Erkenntnissen aufwarten. Eine gute Woche zuvor war er Teilnehmer am „Osteologie-Kongress 2018“ in den Räumen des renommierten Deutschen Hygiene-Museums in Dresden, bei dem es um die aktuellen Entwicklungen in der Osteologie mit thematischen Schwerpunkten auf der Osteoporose ging. Dabei wurden, wie Dr. Bachmann berichtete, die muskulären Aspekte dieser Volkskrankheit, die primär mit Knochenschwund assoziiert wird, hervorgehoben.

In fortschreitendem Alter ist jeder Mensch genetisch von einem Abbau der Knochendichte und der Muskelmasse betroffen, konstatierte Bachmann..Nach herkömmliche Definition liegt Osteoporose vor, wenn deutlich niedrigere Knochenmasse vorhanden ist als für diese Personengruppe im statistischen Durchschnitt sein sollte. Knochen sind nun mal kein starres Gebilde, sondern ständig Auf- und Abbauprozessen unterworfen. Ab einem bestimmten Alter, wenn die maximale Knochendichte erreicht ist (so um das 30. Lebensjahr), ergibt sich naturgemäß ein Abbau. Das Heimtückische an der Erkrankung ist, dass Knochenschwund schleichend fortschreitet. Betroffene sind lange Zeit ohne erkennbare Symptome und merken erst meistens spät, dass etwas nicht stimmt, etwa, wenn starke Schmerzen auftreten oder gar erst, wenn es – nach einem Sturz – zu einem Knochenbruch gekommen ist, erklärte Bachmann..

Bei Osteoporose – wörtlich: poröse Knochen – handelt es sich um eine chronische Skelett-Erkrankung mit Knochenschwund. Knochensubstanz geht verloren durch krankhaft vermehrtem Abbau von Knochengewebe. Knochen werden im Krankheitsverlauf zunehmend porös, verlieren ihr Festigkeit und Stabilität, ihre mechanische Belastbarkeit verringert sich. Schon bei gewöhnlichen Belastungen oder leichten Stürzen kann es zu Frakturen kommen, wobei meist Wirbelkörper oder Schenkelhals betroffen sind.

Deshalb rät Bachmann insbesondere Frauen nach den Wechseljahren, darauf zu achten, ob sie durch Osteoporose gefährdet sind. Auch sollte man gewarnt sein, wenn Eltern Hüft- oder Schulterfraktionen hatten. Durch Knochenschwund eingetretene Verformung von Wirbelkörpern kann zu starken Rückenschmerzen führen, bis hin zu einem verkürzten Oberkörper und gekrümmter Haltung und den öfter bei älteren Frauen zu beobachtenden „Witwenbuckel.“ Osteoporose kann durch Röntgenaufnahmen und Knochendichtemessungen erkannt werden,.

Ein Osteoporose-Geschwister ist Sakroponie, der Verlust von Muskelmasse, wie nach Bachmanns Darlegung auf dem Osteologie-Kongress betont wurde. Mit fortschreitendem Alter kommt es zu einem zunehmenden Abbau von Muskelmasse und Muskelkraft mit einhergehenden funktionellen Einschränkungen. Muskeln sind Organe, die wesentlich zur Versorgung der Knochen mit Botenstoffen beitragen. Gefährdet sind da, wie schon länger bekannt, besonders Personen mit Untergewicht, die sowieso nicht viel Muskelmasse aufweisen.

Es kommt gerade im Alter darauf an, einen ersten Knochenbuch zu vereiteln, denn sonst sind weitere Brüche oft die Regel, erklärte Bachmann. Wichtig ist deshalb viel Bewegung, schon bei alltagsaktiven Tätigkeiten, etwa im Garten, und noch besser sportlich, ob flottes Spazierengehen oder Joggen, Yoga oder Tanzen, Gymnastik in Eigenregie oder in der Sportgemeinschaft. „Wer täglich 1000 Schritte tut, hat in 70 Lebensjahren über 200 000 km zurückgelegt“, rechnete Bachmann vor. Als wirksamste Methode nannte er Krafttraining zum Muskelaufbau, der auch noch im Alter möglich ist.

Während Blutgefäße die Gelenke mit Nährstoffen versorgen, fehlen bei Gelenken die Blutgefäße; Sie ernähren sich allein durch Bewegung, die Nährstoffe über die Gelenkschmiere in den Knorpel drückt. Muskeln und Knochen sind laut Bachmann angewiesen auf eine gute Versorgung vor allem mit Vitamin D und mit Calcium. Deren Depots sollten nicht „geplündert“, sondern regelmäßig aufgebaut werden.

Insofern lässt sich Osteoporose eigentlich recht gut behandeln, meinte Bachmann. Er empfiehlt deshalb viel Bewegung und vitaminreiche Kost, eventuell mit Nahrungsergänzungsmitteln. Sollte die Knochendichte weiter absinken, gibt es eine Reihe von Medikamenten, die dem Abbau von Knochengewebe vorbeugen oder entgegenwirken, etwa Bishposphonaten, doch gibt es noch kein erprobtes Knochenaufbaumittel. Zu hohe Östrogen-Gaben hingegen und auch verschiedene andere Arzneien können Osteoporose begünstigen.

 

Im Fasten Erlösung suchen bei Jesus Christus – Pfarrer Rossnagel erläuterte das christlich-religiöse Verständnis von Fasten

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Pfarrer Roland Rossnagel (Foto: Rolf Gebhardt)

Es ist Fastenzeit: Seit Aschermittwoch – dem Ende von Karneval und Fasching – markiert dieser lateinisch “Dies Cinerum“ genannte Tag den Beginn der 40tägigen Fastenzeit (46 Kalendertage, die sechs Sonntage sind fastenfrei), die endet mit dem Osterfest, das das Konzil von Nicäa im Jahr 325 auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond (in Jerusalem) festsetzte und frühestens auf den 22. März – Beginn des Frühlings – fallen kann. Die evangelische Kirche wirbt in der Fastenzeit traditionell mit der Fastenaktion „7 Wochen ohne“, in der zum Verzicht aufgerufen wird, was einem im Alltag lieb geworden ist, woran man sich gewöhnt hat, also etwa Verzicht auf Nikotin oder Alkohol oder Süßigkeiten, auf Fernsehen oder Computer, Notebook, Handy, Smartphone, Tablet. Es gibt aber auch „Plus-Fasten“, in dem man sich bemüht,  jeden Tag zusätzlich etwas zu tun, was man sonst vernachlässigt, also eine sozialen Dienst, jemanden helfen und unterstützen, oder gar täglich einen Bibelvers meditieren, einen Psalm lesen.

Für nicht wenige der „Jungen Senioren“, die zu dem Thema „Fasten ist modern“ in das Hans-Rießer-Haus gekommen waren, bedeutet Fasten wohl der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke, aber mehr im Sinne von Heilfasten, zur Entschlackung des Körpers, zur Vorbeugung von Krankheiten, eventuell unter medizinischer Anleitung, und auch zwecks Gewichtsverlust, zum Abnehmen. Der Referent, der katholische Stadtpfarrer Roland Rossnagel, Pfarrer am Deutschordensmünster St. Peter und Paul und zudem Stellvertretender Dekan von Heilbronn-Neckarsulm, stellte hingegen gleich zu Anfang klar, dass er hier nicht als Ernährungsberater sondern als Theologe über Fasten spricht.. Fasten im Christentum habe nichts mit Diät zu tun hat, sondern diene seit ältesten Zeiten religiösen Zielen, jetzt in der Fastenzeit zur Vorbereitung auf die Auferstehung Christi, in der Osternacht durch die Erneuerung des Taufversprechens.

„Fasten ist ein Begriff aus den großen Weltreligionen“, erklärte Rossnagel. Fasten sei insbesondere im jüdischen Denken fest verankert. Jüdische Krieger hätten vor den Gefechten gefastet, man habe gefastet zur Dämonen-Abwehr, wenn man sich also nicht mehr als Herr im eigenen Haus gefühlt habe, Fasten sei eine Begleiterscheinung in der Trauer von lieben Verstorbenen und schließlich ein wesentliches Element am Versöhnungstag Jom-Kippur, dem höchsten und persönlichsten  Feiertag im Judentum. Jedesmal gehe es den Juden beim Fasten darum, mit Gott in Beziehung zu treten, von ihm gehört und angenommen zu werden.

Generell beinhaltet Fasten laut Rossnagel die Möglichkeit, magische Kräfte zu empfangen, die menschliche Endlichkeit zu überwinden, die Immanenz des Lebens auszuloten, also die Beschränkung menschlicher Erfahrung und Erkenntnis auf das innerweltliche Sein – auf dem Wege zur Transzendenz, der Überschreitung der Grenzen des menschlichen Bewusstseins vom Diesseits. Wir können uns nicht aus uns heraus wirklich glücklich machen, ist Rossnagel überzeugt, sondern nur im Religionsgefühl in geistiger Berufung jenseits von Raum und Zeit. Das Leben in dieser Welt erscheine und bleibe vergänglich und könne so eine Himmelssehnsucht auslösen, wie sie etwa in den großen gotischen Kathedralen zum Ausdruck komme.

Rossnagel konstatierte heutzutage eine Auflösung von Milieus, Autoritäten und Institutionen, die Kirche nicht ausgenommen. Der Mensch sei jedoch in allerlei Abhängigkeiten verwoben. Wenn man sich ihrer bewusst werde, gehe es darum, sie auszuhalten, zu kompensieren beziehungsweise für sich fruchtbar zu machen, und nicht darum,  sich ihnen zu entziehen und sie zu verdrängen, etwa mit Alkohol oder Tabletten, was einen Teufelskreis nach sich ziehe oder in die Sackgasse der Verzweiflung münde. In der religiösen Aufforderung zum Fasten biete sich ein Weg der Erlösung aus dem Zwiespalt der Abhängigkeiten an, quasi in einer Heilsbeziehung von Mensch und Gott mit Jesus als Bräutigam.

Gott, der große unbekannte Schöpfergott, sei darauf angewiesen, dass seine Wirklichkeit erfahrbar wird, meinte Rossnagel, und verwies darauf, dass wir in Jesus Christus das Göttliche erkennen können.Wenn sich der Mensch bewusst werde, dass ihm die Einheit und damit das Glücksempfinden genommen sei, bleibe unendliche Traurigkeit. In dieser Verlorenheit eröffne sich ihm im christlichen Fasten der Weg zur Innigkeit und Verinnerlichung des Christus-Geheimnisses, der Selbsterlösung. Schließlich gelte ja auch seit altersher  das Gebot, dass Christen am Freitag fleischlos leben sollten – in Gedenken an Jesu‘ Kreuzestod. Ein solcher symbolischer Verzicht soll helfen, sich durch Askese auf das Leben mit Gott zu besinnen. Und generell empfahl Rossnagel, in unserer schnelllebigen Zeit hin und wieder wenigsten mal zwei Atemzüge lang innezuhalten, loszulassen und zu spüren, was ist, wenn nichts ist ….

Zu guter Letzt sei in dieser Passionszeit – der Zeit der Besinnung und Buße – erinnert an jene 40 Tage, die (der Jude) Jesu fastend und betend in der Wüste verbrachte.

 

Die Gefäße schützen gegen Schlaganfall – Oberarzt Dr. Felix Elser über Ursachen, Symptome und Behandlungen

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Großes Interesse an medizinischen Themen (Foto: Rolf Gebhardt)

Schlaganfall:  „Mit einem Mal sah ich das Licht, / es war sehr hell, doch störte nicht, / nun lieg ich da – ich weiß warum: / ein kleiner Schlag, er haut mich um. / Bilder seh‘ ich leicht verschwommen, / rechts der Arm ist sehr benommen, / öfter fühl‘ ich Schwindel steigen, / chaotisch sich die Werte zeigen; / kaum noch Puls, der Blutdruck steigt, / ein kleiner Anfall sich hier zeigt. / Ruhe und auch der Verzicht / wird ab sofort zur höchsten Pflicht.“

Moderatorin Karen Thanhäuser vom Beirat gab mit dem Zitieren eines Gedichts von Rudolf Lindner aus dem Jahr 2004 eine Steilvorlage zu dem Vortrag über Herz und Schlaganfall bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer Haus. Es oblag Dr. Felix Elser, Oberarzt – Internist, Kardiologe, Angiologe – der Medizinischen Klinik I im SLK-Klinikum Am Gesundbrunnen, das Phänomen Schlaganfall unter medizinisch-ärztlichen Gesichtspunkten zu erklären.

Einem Schlaganfall liegt eine akute Durchblutung des Gehirns mit neurologischen Ausfällen zugrunde. So heißt es fachmännisch. Dennoch: „Schlaganfall ist nicht gleich Schlaganfall“, so Dr. Elser. Es gibt verschiedenartige Ursachen und Ausprägungen. Meist führen verschleppte Blutgerinsel (Embolien) aus Arterien – aus der Halsschlagader oder aus der linken Herzkammer – dazu, dass sich Hirngefäße verengen oder verschließen und so akuten Sauerstoffmangel verursachen, aber auch entzündliche Gefäßerkrankungen.

Die Symptome und neurologischen Ausfälle sind unterschiedlich. Häufig äußert sich ein Schlaganfall durch Gefühlsstörungen in einer Körperhälfte bis hin zu halbseitiger  Lähmung, auch mit Schlaffheit und Taubheitsgefühlen an einem Arm oder im Gesichtsbereich, so hängende Mundwinkel. Sensibilitätsstörungen treten auf, Wahrnehmungsstörungen, Gangstörungen, Gleichgewichtsstörungen mit Fallneigung, aber auch Augenzittern, Doppelsehen und Schwindel, Störungen des Schmerz- und Temperatur-Empfindens, aber auch extreme Kopfschmerzen. Anzeichen für Schlaganfall sind auch Sprach- und Sprechstörungen, verwaschenes Sprechen und Formulierungsschwierigkeiten. Wenn Schlaganfall im Schlaf auftritt, können Betreffende oft nicht mehr sprechen. kaum aufstehen, nicht mehr gehen.

Es ist eine bekannte Tatsache: Beim Schlaganfall kommt es auf jede Minute an. Je früher ein Schlaganfall registriert und behandelt wird, umso besser ist es. Dr. Elser nennt ein Zeitfenster von optimal ein bis eineinhalb Stunden, maximal bis sechs Stunden für eine erfolgreiche Versorgung. Schlaganfall-Betroffene beziehungsweise Personen, die die Symptome bei anderen erkennen, sollen sofort 112 anrufen, eine integrierte Rettungsstelle bei der Feuerwehr, wo der dortige Rettungsassistent anhand einer gezielten Befragung die passende Diagnose geben kann,  gegebenenfalls den Notarzt beordert. Am besten ist es, wenn der Schlaganfall-Patient schnellstmöglich in spezielle Schlaganfall-Station – „Stroke Unit“ – kommt, wie es sie in der Klinik am Gesundbrunnen gibt. Hier werden nach international vereinbarten Standards unverzüglich die notwendigen medizinischen Maßnahmen vorgenommen, betont Dr. Elser.

Bei der notfallmedizinischen Versorgung arbeitet ein Team von Fachärzte verschiedener Richtungen zusammen. Zuerst gilt es, die Symptome richtig zu deuten, Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen zu erkennen, festszutellen, ob Hirnblutung vorliegt. Blutgerinsel werden medikamentös aufgelöst und Maßnahmen zur Verbesserung der Blutfließeigenschaften eingeleitet, gerinnungshemmende Medikamente eingesetzt. Vielfach hält man heute nach wie vor an dem bewährten Marcumar fest, meint Elser, auch wenn es eine Anzahl neuer Medikamente gibt, die jedoch mitunter etwa auf Nierenschädigungen untersucht werden müssen. Elser. „Gut eingestellte Marcumar-Patienten sollten dabei bleiben.“ In einer Schlaganfall-Klinik werden Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel des Patienten laufend überwacht, die Vitalfunktionen abgesichert, bei hochgradiger Verengung der Halsschlagader eine operative Korrektur vorgenommen.

Auch nach einem Krankenhaus-Aufenthalt ist ein Schlaganfall-Patient noch nicht über den Berg. Die Sozialstation der Klinik leistet Hilfestellung bei der Nachsorge. Gegebenenfalls kommen spezielle Rehabilitationseinrichtungen zur Unterstützung der natürlichen Heilungsvorgänge und zur Verhinderung von schweren Folgeschäden infrage. Wer schon mal einen Schlaganfall gehabt hat, hat eine mehrfach so hohes Risiko, wieder einen Schlaganfall zu bekommen.

Wichtig ist also, seine Gefäße zu schützen. Das gilt  auch allgemein. Hauptrisikofaktoren für Schlaganfall sind Rauchen, Übergewicht und Diabetes Mellitus, generell auch Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Fettstoffwechsel-Störungen, ferner gewisse Vorerkrankungen und Arteriosklerose.  Durchblutungsstörungen und Herzerkrankungen sollten frühzeitig erkannt werden. Nicht zuletzt gibt es  genetische Dispositionen. Auch wenn man sich noch so gesund ernährt, körperlich aktiv ist, keine Risikofaktoren zu haben scheint – niemand, erst recht nicht im Alter, ist hundertprozentig gegen Schlaganfall gefeit, konstatiert Dr. Elser.