Die Gefäße schützen gegen Schlaganfall – Oberarzt Dr. Felix Elser über Ursachen, Symptome und Behandlungen

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Großes Interesse an medizinischen Themen (Foto: Rolf Gebhardt)

Schlaganfall:  „Mit einem Mal sah ich das Licht, / es war sehr hell, doch störte nicht, / nun lieg ich da – ich weiß warum: / ein kleiner Schlag, er haut mich um. / Bilder seh‘ ich leicht verschwommen, / rechts der Arm ist sehr benommen, / öfter fühl‘ ich Schwindel steigen, / chaotisch sich die Werte zeigen; / kaum noch Puls, der Blutdruck steigt, / ein kleiner Anfall sich hier zeigt. / Ruhe und auch der Verzicht / wird ab sofort zur höchsten Pflicht.“

Moderatorin Karen Thanhäuser vom Beirat gab mit dem Zitieren eines Gedichts von Rudolf Lindner aus dem Jahr 2004 eine Steilvorlage zu dem Vortrag über Herz und Schlaganfall bei den „Jungen Senioren“ im Hans-Rießer Haus. Es oblag Dr. Felix Elser, Oberarzt – Internist, Kardiologe, Angiologe – der Medizinischen Klinik I im SLK-Klinikum Am Gesundbrunnen, das Phänomen Schlaganfall unter medizinisch-ärztlichen Gesichtspunkten zu erklären.

Einem Schlaganfall liegt eine akute Durchblutung des Gehirns mit neurologischen Ausfällen zugrunde. So heißt es fachmännisch. Dennoch: „Schlaganfall ist nicht gleich Schlaganfall“, so Dr. Elser. Es gibt verschiedenartige Ursachen und Ausprägungen. Meist führen verschleppte Blutgerinsel (Embolien) aus Arterien – aus der Halsschlagader oder aus der linken Herzkammer – dazu, dass sich Hirngefäße verengen oder verschließen und so akuten Sauerstoffmangel verursachen, aber auch entzündliche Gefäßerkrankungen.

Die Symptome und neurologischen Ausfälle sind unterschiedlich. Häufig äußert sich ein Schlaganfall durch Gefühlsstörungen in einer Körperhälfte bis hin zu halbseitiger  Lähmung, auch mit Schlaffheit und Taubheitsgefühlen an einem Arm oder im Gesichtsbereich, so hängende Mundwinkel. Sensibilitätsstörungen treten auf, Wahrnehmungsstörungen, Gangstörungen, Gleichgewichtsstörungen mit Fallneigung, aber auch Augenzittern, Doppelsehen und Schwindel, Störungen des Schmerz- und Temperatur-Empfindens, aber auch extreme Kopfschmerzen. Anzeichen für Schlaganfall sind auch Sprach- und Sprechstörungen, verwaschenes Sprechen und Formulierungsschwierigkeiten. Wenn Schlaganfall im Schlaf auftritt, können Betreffende oft nicht mehr sprechen. kaum aufstehen, nicht mehr gehen.

Es ist eine bekannte Tatsache: Beim Schlaganfall kommt es auf jede Minute an. Je früher ein Schlaganfall registriert und behandelt wird, umso besser ist es. Dr. Elser nennt ein Zeitfenster von optimal ein bis eineinhalb Stunden, maximal bis sechs Stunden für eine erfolgreiche Versorgung. Schlaganfall-Betroffene beziehungsweise Personen, die die Symptome bei anderen erkennen, sollen sofort 112 anrufen, eine integrierte Rettungsstelle bei der Feuerwehr, wo der dortige Rettungsassistent anhand einer gezielten Befragung die passende Diagnose geben kann,  gegebenenfalls den Notarzt beordert. Am besten ist es, wenn der Schlaganfall-Patient schnellstmöglich in spezielle Schlaganfall-Station – „Stroke Unit“ – kommt, wie es sie in der Klinik am Gesundbrunnen gibt. Hier werden nach international vereinbarten Standards unverzüglich die notwendigen medizinischen Maßnahmen vorgenommen, betont Dr. Elser.

Bei der notfallmedizinischen Versorgung arbeitet ein Team von Fachärzte verschiedener Richtungen zusammen. Zuerst gilt es, die Symptome richtig zu deuten, Vorhofflimmern und Herzrhythmusstörungen zu erkennen, festszutellen, ob Hirnblutung vorliegt. Blutgerinsel werden medikamentös aufgelöst und Maßnahmen zur Verbesserung der Blutfließeigenschaften eingeleitet, gerinnungshemmende Medikamente eingesetzt. Vielfach hält man heute nach wie vor an dem bewährten Marcumar fest, meint Elser, auch wenn es eine Anzahl neuer Medikamente gibt, die jedoch mitunter etwa auf Nierenschädigungen untersucht werden müssen. Elser. „Gut eingestellte Marcumar-Patienten sollten dabei bleiben.“ In einer Schlaganfall-Klinik werden Atmung, Kreislauf und Stoffwechsel des Patienten laufend überwacht, die Vitalfunktionen abgesichert, bei hochgradiger Verengung der Halsschlagader eine operative Korrektur vorgenommen.

Auch nach einem Krankenhaus-Aufenthalt ist ein Schlaganfall-Patient noch nicht über den Berg. Die Sozialstation der Klinik leistet Hilfestellung bei der Nachsorge. Gegebenenfalls kommen spezielle Rehabilitationseinrichtungen zur Unterstützung der natürlichen Heilungsvorgänge und zur Verhinderung von schweren Folgeschäden infrage. Wer schon mal einen Schlaganfall gehabt hat, hat eine mehrfach so hohes Risiko, wieder einen Schlaganfall zu bekommen.

Wichtig ist also, seine Gefäße zu schützen. Das gilt  auch allgemein. Hauptrisikofaktoren für Schlaganfall sind Rauchen, Übergewicht und Diabetes Mellitus, generell auch Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Fettstoffwechsel-Störungen, ferner gewisse Vorerkrankungen und Arteriosklerose.  Durchblutungsstörungen und Herzerkrankungen sollten frühzeitig erkannt werden. Nicht zuletzt gibt es  genetische Dispositionen. Auch wenn man sich noch so gesund ernährt, körperlich aktiv ist, keine Risikofaktoren zu haben scheint – niemand, erst recht nicht im Alter, ist hundertprozentig gegen Schlaganfall gefeit, konstatiert Dr. Elser.

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