Im Fasten Erlösung suchen bei Jesus Christus – Pfarrer Rossnagel erläuterte das christlich-religiöse Verständnis von Fasten

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Pfarrer Roland Rossnagel (Foto: Rolf Gebhardt)

Es ist Fastenzeit: Seit Aschermittwoch – dem Ende von Karneval und Fasching – markiert dieser lateinisch “Dies Cinerum“ genannte Tag den Beginn der 40tägigen Fastenzeit (46 Kalendertage, die sechs Sonntage sind fastenfrei), die endet mit dem Osterfest, das das Konzil von Nicäa im Jahr 325 auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond (in Jerusalem) festsetzte und frühestens auf den 22. März – Beginn des Frühlings – fallen kann. Die evangelische Kirche wirbt in der Fastenzeit traditionell mit der Fastenaktion „7 Wochen ohne“, in der zum Verzicht aufgerufen wird, was einem im Alltag lieb geworden ist, woran man sich gewöhnt hat, also etwa Verzicht auf Nikotin oder Alkohol oder Süßigkeiten, auf Fernsehen oder Computer, Notebook, Handy, Smartphone, Tablet. Es gibt aber auch „Plus-Fasten“, in dem man sich bemüht,  jeden Tag zusätzlich etwas zu tun, was man sonst vernachlässigt, also eine sozialen Dienst, jemanden helfen und unterstützen, oder gar täglich einen Bibelvers meditieren, einen Psalm lesen.

Für nicht wenige der „Jungen Senioren“, die zu dem Thema „Fasten ist modern“ in das Hans-Rießer-Haus gekommen waren, bedeutet Fasten wohl der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke, aber mehr im Sinne von Heilfasten, zur Entschlackung des Körpers, zur Vorbeugung von Krankheiten, eventuell unter medizinischer Anleitung, und auch zwecks Gewichtsverlust, zum Abnehmen. Der Referent, der katholische Stadtpfarrer Roland Rossnagel, Pfarrer am Deutschordensmünster St. Peter und Paul und zudem Stellvertretender Dekan von Heilbronn-Neckarsulm, stellte hingegen gleich zu Anfang klar, dass er hier nicht als Ernährungsberater sondern als Theologe über Fasten spricht.. Fasten im Christentum habe nichts mit Diät zu tun hat, sondern diene seit ältesten Zeiten religiösen Zielen, jetzt in der Fastenzeit zur Vorbereitung auf die Auferstehung Christi, in der Osternacht durch die Erneuerung des Taufversprechens.

„Fasten ist ein Begriff aus den großen Weltreligionen“, erklärte Rossnagel. Fasten sei insbesondere im jüdischen Denken fest verankert. Jüdische Krieger hätten vor den Gefechten gefastet, man habe gefastet zur Dämonen-Abwehr, wenn man sich also nicht mehr als Herr im eigenen Haus gefühlt habe, Fasten sei eine Begleiterscheinung in der Trauer von lieben Verstorbenen und schließlich ein wesentliches Element am Versöhnungstag Jom-Kippur, dem höchsten und persönlichsten  Feiertag im Judentum. Jedesmal gehe es den Juden beim Fasten darum, mit Gott in Beziehung zu treten, von ihm gehört und angenommen zu werden.

Generell beinhaltet Fasten laut Rossnagel die Möglichkeit, magische Kräfte zu empfangen, die menschliche Endlichkeit zu überwinden, die Immanenz des Lebens auszuloten, also die Beschränkung menschlicher Erfahrung und Erkenntnis auf das innerweltliche Sein – auf dem Wege zur Transzendenz, der Überschreitung der Grenzen des menschlichen Bewusstseins vom Diesseits. Wir können uns nicht aus uns heraus wirklich glücklich machen, ist Rossnagel überzeugt, sondern nur im Religionsgefühl in geistiger Berufung jenseits von Raum und Zeit. Das Leben in dieser Welt erscheine und bleibe vergänglich und könne so eine Himmelssehnsucht auslösen, wie sie etwa in den großen gotischen Kathedralen zum Ausdruck komme.

Rossnagel konstatierte heutzutage eine Auflösung von Milieus, Autoritäten und Institutionen, die Kirche nicht ausgenommen. Der Mensch sei jedoch in allerlei Abhängigkeiten verwoben. Wenn man sich ihrer bewusst werde, gehe es darum, sie auszuhalten, zu kompensieren beziehungsweise für sich fruchtbar zu machen, und nicht darum,  sich ihnen zu entziehen und sie zu verdrängen, etwa mit Alkohol oder Tabletten, was einen Teufelskreis nach sich ziehe oder in die Sackgasse der Verzweiflung münde. In der religiösen Aufforderung zum Fasten biete sich ein Weg der Erlösung aus dem Zwiespalt der Abhängigkeiten an, quasi in einer Heilsbeziehung von Mensch und Gott mit Jesus als Bräutigam.

Gott, der große unbekannte Schöpfergott, sei darauf angewiesen, dass seine Wirklichkeit erfahrbar wird, meinte Rossnagel, und verwies darauf, dass wir in Jesus Christus das Göttliche erkennen können.Wenn sich der Mensch bewusst werde, dass ihm die Einheit und damit das Glücksempfinden genommen sei, bleibe unendliche Traurigkeit. In dieser Verlorenheit eröffne sich ihm im christlichen Fasten der Weg zur Innigkeit und Verinnerlichung des Christus-Geheimnisses, der Selbsterlösung. Schließlich gelte ja auch seit altersher  das Gebot, dass Christen am Freitag fleischlos leben sollten – in Gedenken an Jesu‘ Kreuzestod. Ein solcher symbolischer Verzicht soll helfen, sich durch Askese auf das Leben mit Gott zu besinnen. Und generell empfahl Rossnagel, in unserer schnelllebigen Zeit hin und wieder wenigsten mal zwei Atemzüge lang innezuhalten, loszulassen und zu spüren, was ist, wenn nichts ist ….

Zu guter Letzt sei in dieser Passionszeit – der Zeit der Besinnung und Buße – erinnert an jene 40 Tage, die (der Jude) Jesu fastend und betend in der Wüste verbrachte.

 

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